Ukrainekonflikt 2

Die Gegenreaktion auf die Sanktionen wird den „Westen“ dazu bringen, Russlands Forderungen zu akzeptieren

Sanktionen und Souveränität. Wie Russland die Kriegserklärung der USA und der EU kontern wird

19.3.2022

Die Folgen der eigenen Sanktionen werden den Westen zum Einlenken zwingen
Übersicht über die dokumentierten und behandelten Artikel
Für Westeuropa beginnt die Katastrophe bereits, für die USA folgt sie mit einiger Verzögerung – während Russland eigentlich alle Möglichkeiten hat, wenn es sie nur wahrnimmt
Wird das Oligarchensystem, von dem der Westen profitiert hat, unbeschadet überdauern können?
Dok 1 – Die Gegenreaktion auf die Sanktionen wird den „Westen“ dazu bringen, Russlands Forderungen zu akzeptieren
Dok 2 – Russisches Judo zerreißt den Westen
Washingtons Sanktionen gegen Moskau werden Europa zerstören, nicht Russland
Dok 3 – Sanktionen und Souveränität
Wirtschaftspolitik Sanktionen USA
Dok 4 – Wie Russland die Kriegserklärung der USA und der EU kontern wird

zur Druckversion  

 

Alles in allem bleibt noch viel zu tun, um die nationale Souveränität in der Wirtschaft zu stärken. Die US-Sanktionen sind die Agonie einer scheidenden imperialen Weltwirtschaft, die auf der Anwendung von Gewalt beruht. Um die damit verbundenen Gefahren zu minimieren, muss die Bildung einer neuen – integralen – Weltwirtschaft beschleunigt werden, die das Völkerrecht, die nationale Souveränität, die Gleichheit der Länder, die Vielfalt der nationalen Wirtschaftsmodelle und die Prinzipien des gegenseitigen Nutzens und der Freiwilligkeit in der internationalen wirtschaftlichen Zusammenarbeit wiederherstellt.“

Sergej Glazyev, Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften und der russischen Industrie- und Handelskammer, Minister für Integration und Makroökonomie der Eurasischen Wirtschaftsunion

Die Folgen der eigenen Sanktionen werden den Westen zum Einlenken zwingen

In diesem Artikel wollen wir vor allem auf einen außerordentlichen Beitrag auf dem Blog Moon of Alabama eingehen. Der Blogger mit dem Pseudonym Billmon etablierte sich anlässlich der us-amerikanischen Invasion im Irak 2003 innerhalb von einem Jahr als einer der führenden Blogger der Linken in den USA. Billmons frühere Tätigkeit als Finanzjournalist verschafft ihm einen deutlichen Vorteil, wenn er über Wirtschaftsthemen schreibt.

Schon in der Überschrift seines Artikels vom 9. März formuliert Moon of Alabama die spannende These: „Die Gegenreaktion auf die Sanktionen wird den ‚Westen‘ dazu bringen, Russlands Forderungen zu akzeptieren“. (siehe unten Dok 1) In einer beeindruckenden Karte zeigt Moon of Alabama, dass bis auf die USA, Kanada. Westeuropa, Australien, Japan, Südkorea, Taiwan und Singapur kein einziges Land Afrikas, Asiens, des Nahen Ostens, Mittel- und Südamerikas die illegalen Sanktionen des Westens gegen Russland unterstützt. Das heißt, der Westen ist schon isoliert und isoliert sich weiter.

Die Sanktionen werden vor allem den Westen selbst treffen: „Die USA und Europa beginnen gerade erst, die sekundären Folgen des Wirtschaftskriegs zu spüren, den sie vorschnell gegen Russland angezettelt haben.“ Soweit Moon of Alabama.

Übersicht über die dokumentierten und behandelten Artikel

Hier zunächst eine Übersicht über die Artikel, die wir bringen oder behandeln wollen. Die Dokumente 1-4 stellen wir in eigener Übersetzung, unterstützt durch Deepl, zur Verfügung. Die Dokument 5-6 sind bereits übersetzt und wir verlinken sie nur.

Dok 1 – Moon of Alabama. „The Sanction Backlash Will Push The ‚West‘ To Accept Russia's Demands; Die Gegenreaktion auf die Sanktionen wird den ‚Westen‘ dazu bringen, Russlands Forderungen zu akzeptieren de; Originallink: https://www.moonofalabama.org/2022/03/the-sanction- backlash-will-push-the-west-to-accept-russias-demands.html mit Kommentaren“, 9. März 2022. https://www.informationclearinghouse.info/57043.htm .

Dok 2 – Escobar, Pepe. „Russian Judo Tears the West Apart. Washington's sanctions on Moscow will destroy Europe, not Russia; Russisches Judo zerreißt den Westen. Washingtons Sanktionen gegen Moskau werden Europa zerstören, nicht Russland de; der Artikel erschien auch auf https://www.unz.com/pescobar/russian-judo-tears-the-west-apart/ mit Kommentaren und https://thecradle.co/Article/columns/7672 “. Information Clearing House - ICH, 11. März 2022. https://www.informationclearinghouse.info/57048.htm .

Dok 3 – Glazyev, Sergei. „Sanktionen und Souveränität“. Expert, 25. Februar 2022. https://expert.ru/2022/02/25/sanktsii-i-suverenitet-column/ .

Dok 4 – Pepe Escobar. „How Russia Will Counterpunch the U.S./EU Declaration of War; de Wie Russland Die Kriegserklärung Der USA Und Der EU Kontern Wird“. The Saker (blog), 4. März 2022. http://thesaker.is/how-russia-will-counterpunch-the-u-s-eu-declaration-of-war/ .

Dok 5 – Helmer, John, und Olga Samofalova. „Wie Russland auf die Sanktionen reagieren könnte. An der Front des Wirtschaftskrieges, das neue Tributsystem und der russische Kotau. Mit einem Bericht von Olga Samofalova: Was ist Russlands wirtschaftliche Antwort, die den Westen erschreckt? Russland hat wirtschaftliche Trümpfe im Ärmel, 2.3.2022, übersetzt von John Helmer“. Krass & Konkret, 4. März 2022. https://krass-und-konkret.de/allgemein/wie-russland-auf-die-sanktionen-reagieren-koennte/

Dok 6 – Helmer, John. „Chaos, Kaput oder Kapitulation. Wer übernimmt die Kontrolle der russischen Gegensanktionen?“ Krass & Konkret, 12. März 2022 . https://krass-und-konkret.de/politik-wirtschaft/__trashed-3/ .

Für Westeuropa beginnt die Katastrophe bereits, für die USA folgt sie mit einiger Verzögerung – während Russland eigentlich alle Möglichkeiten hat, wenn es sie nur wahrnimmt

Pepe Escobar, den wir schon in Teil 1 dieser Artikelserie zu Wort kommen ließen ( 1 ), sieht es noch schärfer als Moon of Alabama: „Washingtons Sanktionen gegen Moskau werden Europa zerstören, nicht Russland“ (siehe Dok 2 ). Pepe Escobar schildert die Folgen der Sanktionen im einzelnen: „Öl, Lebensmittel, Düngemittel, strategische Metalle, Neongas für Halbleiter: alles brennt auf dem Scheiterhaufen, zu Füßen der Hexe Russland.“ Escobar weiter:

„Das Wichtigste für den globalen Süden ist, dass der ‚Westen‘ nicht Selbstmord begeht. Im Grunde haben wir es hier mit der vorsätzlichen Zerstörung der deutschen Industrie und der europäischen Wirtschaft durch die Vereinigten Staaten zu tun – bizarrerweise mit deren Duldung.

Die europäische Wirtschaft zu zerstören bedeutet, China keinen zusätzlichen Marktraum zuzugestehen und den unvermeidlichen zusätzlichen Handel zu blockieren, der eine direkte Folge des engeren Austauschs zwischen der EU und der Regionalen Umfassenden Wirtschaftspartnerschaft (Regional Comprehensive Economic Partnership RCEP) ( 2 ), dem größten Handelsabkommen der Welt, sein wird. …“

Pepe Escobar weist auf weitere hochinteressante Artikel hin, die die Lage in Russland, die Maßnahmen der russischen Regierung und ihre Reaktionsmöglichkeiten detailliert erörtern, vor allem im wirtschafts- und finanzpolitischen Bereich. Das dürften Informationen sein, die man sonst nirgends bekommt.

Sergey Yurievich Glazyev, russischer Ökonom, 2016 Quelle: http://council.gov.ru/events/news/63793/ Pressefoto The Council of the Federation of the Federal Assembly of the Russian Federation CC BY 4.0

Da ist zum einen eine Stellungnahme von Sergei Glazyev zum Thema „Sanktionen und Souveränität“ (siehe Dok 3 ). Er war langjähriger wirtschaftspolitischer Berater von Präsident Wladimir Putin und immer ein scharfer Kritiker der zu westlich orientierten Politik der russischen Zentralbank. Seit 2019 ist Sergej Glazyev Minister für Integration und Makroökonomie der Eurasischen Wirtschaftsunion Eurasian Economic Union (EAEU) , die bereits 2010 als Eurasische Zollunion aus der Taufe gehoben wurde. 2012 wurde die Gründung eines Einheitlichen Wirtschaftsraumes von Belarus, Kasachstan und Russland verkündet. Inzwischen gehören noch Armenien und und Kirgistan dazu. Die Eurasische Wirtschaftsunion gilt als eine Energie-Supermacht gilt. Sie produziert etwa 20,7 % des weltweiten Erdgases und 14,6 % des weltweiten Erdöls und Gaskondensats und ist damit der weltweit größte Produzent. Außerdem produziert sie 9 % der weltweiten elektrischen Energie und etwa 6 % der weltweiten Kohle, womit sie weltweit an dritter bzw. vierter Stelle liegt.

Der halboffizielle Europablog My Country? Europe wird bereits 2018 ziemlich deutlich: „Die andere Europäische Union: Warum die EAEU eine aufkommende Bedrohung ist. Wie Russland wieder ein Imperium aufbaut und warum die EU Angst haben sollte.“ ( 3 ) „Ein entscheidender Faktor für das gesamte geopolitische Szenario in der Region ist das bevorstehende Freihandelsabkommen zwischen der EAEU und dem Iran“, schrieb der Blog. ( 4 )

Sergei Glazyev ( Dok 3 ) zieht einige sehr harte Schlussfolgerungen …:

„Das wichtigste Ergebnis der amerikanisch-europäischen Sanktionen ist eine Veränderung der geografischen Struktur der russischen Außenwirtschaftsbeziehungen zugunsten Chinas, dessen Ausbau der Zusammenarbeit die Einschränkung der Handels- und Wirtschaftsbeziehungen mit der EU vollständig kompensiert. Die europäischen Verbraucher müssen auf teurere amerikanische Energieträger ausweichen, und die Erzeuger verlieren einfach den russischen Markt. Die Gesamtverluste der EU durch die antirussischen Sanktionen werden auf 250 Milliarden Dollar geschätzt.

Ein weiteres wichtiges Ergebnis der US-Sanktionen war der Rückgang des Anteils des Dollars am internationalen Zahlungsverkehr. Für Russland wie auch für andere Länder, die von US-Sanktionen betroffen sind, ist der Dollar zu einer toxischen Währung geworden. … In den acht Jahren seit der Verhängung der Sanktionen ist der Anteil des Dollars am internationalen Zahlungsverkehr um 13,5 Prozentpunkte gesunken. (von 60,2 % im Jahr 2014 auf 46,7 % im Jahr 2020).

… Die Abschaltung von SWIFT wird nicht mehr als große Bedrohung angesehen – sie wird der Entwicklung unserer Zahlungs- und Finanzinformationssysteme zugute kommen.“

… und übt massive Kritik an der russischen Zentralbank:

„Bislang haben sich die antirussischen Sanktionen wie folgt auf die Wirtschaft ausgewirkt. Die größten Verluste, gemessen am BIP, erlitt die Ukraine und in absoluten Zahlen die Europäische Union. Die potenziellen BIP-Verluste Russlands seit 2014 belaufen sich auf rund 50 Billionen Rubel. Aber nur 10 % sind auf die Sanktionen zurückzuführen, während 80 % das Ergebnis der Geldpolitik sind. Die antirussischen Sanktionen kommen den USA zugute, die russische Kohlenwasserstoffexporte in die EU substituieren, und China, das russische Importe europäischer Waren substituiert. Wir könnten die negativen Auswirkungen der Finanzsanktionen vollständig ausgleichen, wenn die Bank von Russland ihrer verfassungsmäßigen Pflicht nachkäme, einen stabilen Rubelkurs zu gewährleisten, und nicht den Empfehlungen der Washingtoner Finanzinstitute folgen würde.“

Hochinteressant ist auch das positive Interesse Glazyev's an den wirtschaftlichen Beziehungen zur Ukraine:

„Bei der Bewertung der Folgen der antirussischen Sanktionen darf man die Folgen des Abbruchs der wirtschaftlichen Beziehungen zur Ukraine nicht außer Acht lassen. Die gegenseitige Aufhebung des Freihandelsregimes und die Einführung eines Embargos für eine breite Palette von Waren führte zu einem Abbruch der Kooperationsbeziehungen, die die Reproduktion vieler Arten von High-Tech-Produkten sicherstellten. Die Blockade der Arbeit russischer Banken führte zu einer Wertminderung russischer Investitionen in Milliardenhöhe. Die Weigerung der ukrainischen Behörden, ihre Schulden gegenüber Russland zu bedienen, verursachte weitere Verluste in Höhe von mehreren Milliarden Dollar. Insgesamt wird ihr Volumen auf etwa 100 Milliarden Dollar für jede der beiden Parteien geschätzt. Dies ist ein wirklich bedeutender und in vielerlei Hinsicht irreparabler Schaden, den wir selbst durch Vergeltungssanktionen noch verschlimmert haben.“

Insgesamt sieht Sergei Glazyev trotz allem eine ganze Reihe von positiven Optionen für Russland und orientiert auf eine neue, integrale Weltwirtschaft:

„Alles in allem bleibt noch viel zu tun, um die nationale Souveränität in der Wirtschaft zu stärken. Die US-Sanktionen sind die Agonie einer scheidenden imperialen Weltwirtschaft, die auf der Anwendung von Gewalt beruht. Um die damit verbundenen Gefahren zu minimieren, muss die Bildung einer neuen – integralen – Weltwirtschaft beschleunigt werden, die das Völkerrecht, die nationale Souveränität, die Gleichheit der Länder, die Vielfalt der nationalen Wirtschaftsmodelle und die Prinzipien des gegenseitigen Nutzens und der Freiwilligkeit in der internationalen wirtschaftlichen Zusammenarbeit wiederherstellt.“

Pepe Escobar verweist auf einen weiteren eigenen Artikel, in dem er Sergei Glazyev's Papier zusammengefasst hat: „Wie Russland die Kriegserklärung der USA und der EU kontern wird“ (siehe Dok 4 ).

Zu den wesentlichen Empfehlungen Glazyev's wie De-Offshorisierung der russischen Wirtschaft, verschärfte Währungsregulierung zum Stop von Kapitalexport und Spekulation, Entdollarisierung der Devisenreserven, Investitionen i n die technologische Basis der Sektoren V erteidigung, Energie, Transportwesen und Kommunikation – b emerkt Escobar:

„Die russische Zentralbank scheint zuzuhören. Die meisten dieser Maßnahmen sind bereits in Kraft. Und es gibt Anzeichen dafür, dass Putin und die Regierung endlich bereit sind, die russische Oligarchie bei den Eiern zu packen und sie zu zwingen, Risiken und Verluste zu einem für die Nation äußerst schwierigen Zeitpunkt zu teilen. Verabschieden Sie sich von der Anhäufung von Geldern, die aus Russland ins Ausland und nach Londongrad gebracht wurden.“

Zu den möglichen gegen Sanktionen Russlands bemerkt Escobar „Was man als Mutter aller Gegensanktionen bezeichnen könnte, ist noch nicht bekannt“, aber:

„Der stellvertretende Vorsitzende des Sicherheitsrates, Dmitri Medwedew, deutete selbst an, dass alle Optionen auf dem Tisch liegen. …

Tödliche Gegenschläge sind … nicht ausgeschlossen. Abgesehen von der vollständigen Entdollarisierung – wie Glaziev empfiehlt – könnte Russland die Ausfuhr von Titan, seltenen Erden, Kernbrennstoffen und – bereits in Kraft – Raketentriebwerken verbieten.

Sehr giftige Maßnahmen wären die Beschlagnahmung aller ausländischen Vermögenswerte feindlicher Nationen, das Einfrieren aller Kreditrückzahlungen an westliche Banken und das Einfrieren der Gelder auf einem russischen Bankkonto, das vollständige Verbot aller feindlichen ausländischen Medien, des Besitzes ausländischer Medien, verschiedener Nichtregierungsorganisationen und CIA-Fronten sowie die Versorgung befreundeter Nationen mit modernsten Waffen, der Austausch von Informationen und gemeinsame Schulungen und Übungen.

Sicher ist, dass eine neue Architektur von Zahlungssystemen – wie von Michael Hudson und anderen erörtert -, die das russische SPFS und das chinesische CHIPS vereint, schon bald einer Vielzahl von Ländern in ganz Eurasien und im globalen Süden angeboten werden könnte – darunter einige, die bereits unter Sanktionen stehen, wie Iran, Venezuela, Kuba, Nicaragua, Bolivien, Syrien, Irak, Libanon und die DVRK.

Langsam aber sicher sind wir bereits auf dem Weg zur Entstehung eines bedeutenden Blocks des globalen Südens, der immun gegen die amerikanische Finanzkriegsführung ist.“

Escobar zitiert den Chef des russischen Auslandsgeheimdienstes: „Der Westen versucht nicht nur, Russland mit einem neuen ‚Eisernen Vorhang‘ einzukesseln. Es geht um den Versuch, unseren Staat zu zerstören – seine ‚Abschaffung‘, wie man in der ‚toleranten‘ liberal-faschistischen Umgebung heute zu sagen pflegt.“ „Der Höhepunkt der westlichen Hysterie“ – so Escobar – sei „wohl der Beginn eines neonazistischen Dschihad 2022: eine 20.000 Mann starke Söldnerarmee, die in Polen unter Aufsicht der CIA zusammengestellt wird“.

Für Europa könnte beziehungsweise werde das selbst gewählte Harakiri nicht gut enden und unter anderem zum Zusammenbruch wesentlicher Teile der deutschen und italienischen verarbeitenden Industrie führen.

Wird das Oligarchensystem, von dem der Westen profitiert hat, unbeschadet überdauern können?

Wirklich wertvoll sind auch die Verweise von Pepe Escobar auf John Helmer. John Helmer (geb. 1946) ist ein in Australien geborener Journalist und Auslandskorrespondent, der seit 1989 in Moskau, Russland, lebt. Er war als Berater von Regierungschefs in Griechenland (Andreas Papandreou), den Vereinigten Staaten (Jimmy Carter) und Asien tätig und arbeitete außerdem als Professor für Politikwissenschaft, Soziologie und Journalismus https://en.wikipedia.org/wiki/John_Helmer_(journalist)

Er betreibt den Blog Dances With Bears http://johnhelmer.net/ und schreibt auch auf Krass & Konkret .

Krass & Konkret ist ein sehr interessantes online-Magazin, in der Eigendarstellung „das Magazin der Buchkomplizen, der Internetbuchhandlung für Menschen, die noch gerne selber denken. Krass & Konkret bietet Orientierung im Wirrwarr unserer Tage, mit aktuellem Journalismus, wichtigen Buchempfehlungen und spannenden Interviews zu relevanten Themen: Ungefilterte Informationen aus erster Hand, regelmäßige Gespräche mit JournalistInnen aus unserem globalen Netzwerk und den Beiträgen der Autorinnen und Autoren unserer Blogs, die sich hier regelmäßig zu Wort melden. Die Chefredaktion liegt in der Verantwortung von Florian Rötzer, journalistischer Online-Pionier und ehemaliger Chefredakteur von Telepolis. Unsere Schwerpunkte liegen in den Themenfeldern Politik, Gesellschaft, Ökologie, Wirtschaft und Naturwissenschaften.“

Die Artikel von John Helmer auf Krass & Konkret finden sich hier .

Hier der erste Artikel von John Helmer, auf den wir hinweisen möchten: Helmer, John, und Olga Samofalova. „Wie Russland auf die Sanktionen reagieren könnte. An der Front des Wirtschaftskrieges, das neue Tributsystem und der russische Kotau. Mit einem Bericht von Olga Samofalova: Was ist Russlands wirtschaftliche Antwort, die den Westen erschreckt? Russland hat wirtschaftliche Trümpfe im Ärmel, 2.3.2022, übersetzt von John Helmer“. Krass & Konkret, 4. März 2022. https://krass-und-konkret.de/allgemein/wie-russland-auf-die-sanktionen-reagieren-koennte/ .

John Helmer übersetzt in diesem Artikel vor allem einen Bericht von Olga Samofalova in Vzglyad , der in seinen Augen führenden Moskauer Quelle für Sicherheitsstrategie und Taktik. Nach Olga Samofalova werde ein Wirtschaftskrieg vor allem die europäischen Verbraucher hart treffen, ihre Autos bleiben liegen oder werden nicht mehr produziert, sie werden im Dunkeln sitzen und ohne Heizung dastehen. Ihr Resümee: „Aber wenn es einen Wirtschaftskrieg gibt, werden Autos und Auslandsflüge überflüssig, Grundbedürfnisse wie Lebensmittel, Licht zu Hause und Treibstoff treten in den Vordergrund. Und Russland ist mit all dem ausgestattet, im Gegensatz zum größten Teil der Welt und Europas. Wenn man über eine Rohstoffbasis verfügt, kann man jede Produktion aufbauen, was zwar Zeit und Organisation erfordert, aber zumindest realistisch ist, während ohne Rohstoffe jede Industrie nutzlos wird“.

Der zweite Artikel von John Helmer, auf den wir hinweisen wollen: Helmer, John. „Chaos, Kaput oder Kapitulation. Wer übernimmt die Kontrolle der russischen Gegensanktionen?“ Krass & Konkret, 12. März 2022 . https://krass-und-konkret.de/politik-wirtschaft/__trashed-3/ .

Dieser Artikel liefert unschätzbare, heiße Informationen und zahlreiche, auch russische Quellen, über drei aktuelle russische Präsidialdekrete vom März dieses Jahres. John Helmer erörtert hier unter anderem, inwieweit die Zentralbankchefin Elvira Nabiullina dadurch entmachtet und bestimmte Oligarchen an die Kandare genommen würden: „Die ersten Moskauer Opfer des Plans der USA und Europas, Präsident Wladimir Putin ins Visier zu nehmen und einen Regimewechsel im Kreml herbeizuführen, wurden in den letzten zehn Tagen durch die Veröffentlichung von drei Präsidialdekreten und einem halben Dutzend Durchführungsanordnungen des russischen Premierministeriums bekannt.“

Tatsächlich versucht die USA, durch gezielte Sanktionen, aber auch gezielte Nicht-Sanktionen das russische Macht-System zu spalten und einen Regimewechsel herbeizuführen. John Helmer ist tatsächlich in der Lage, diese Strategie zum Teil sehr detailliert nachzuzeichnen. In einem Kommentar zum Artikel heißt es: „In der Tat eine chaotische Politik, die in Russland betrieben wird.

Es stellt sich die Frage, ob mit dem eisernen Wirtschaftsvorhang, der nun herabgelassen werden soll, nicht nur die Macht, die sich darin ausdrückt im eigenen Interesse zu entscheiden und Vorgaben einer übergeordneten Ebene auszuweichen, für die westeuropäischen Staatschefs schwindet, sondern in gleicher Weise auch in für die russischen Oligarchen.

Wird das Oligarchensystem, von dem der Westen profitiert hat, unbeschadet überdauern können?“

Peter Feininger, 19. März 2022

zur Druckversion  

 

Dok 1 – Die Gegenreaktion auf die Sanktionen wird den „Westen“ dazu bringen, Russlands Forderungen zu akzeptieren

Von Moon of Alabama

09. März 2022: Information Clearing House -- „Jahrelang haben die USA eine Politik betrieben, die viele Länder zum Grummeln gebracht hat. Jetzt, da die USA Unterstützung brauchen, um die Folgen der ‚Bestrafung‘ Russlands abzumildern, kommt diese Politik zurück und beißt. Das Gleiche gilt für die sekundären Auswirkungen der Sanktionen, die der „Westen“ gegen Russland verhängt hat.

Heute wird in einem Bericht die Nachricht über von den USA kontrollierte Biowaffenlabors in der Ukraine als „entlarvte Verschwörung“ bezeichnet , während in anderen Nachrichten zu lesen ist, dass die stellvertretende Außenministerin Victoria Nuland vor Senatoren erklärte, sie sei sehr besorgt, dass „Forschungsmaterial“ aus diesen Labors in russische Hände fallen könnte. Wenn das „Forschungsmaterial“ nicht waffenfähig ist, warum ist sie dann besorgt darüber?

Das passt nicht zu der laufenden antirussischen Propagandakampagne.

Auch diese Karten passen nicht.

Die erste zeigt die Länder, die russischen Flugzeugen den Zugang zu ihrem Luftraum verboten haben. Im Gegenzug hat Russland seinen Luftraum für Betreiber aus diesen Ländern gesperrt. Für die Fluggesellschaften aus den USA und der EU, die in der Regel den russischen Luftraum durchfliegen, wird dies mit erheblichen Kosten verbunden sein, da sich ihre Flugzeiten und -kosten von und nach Asien nun erhöhen werden. Fluggesellschaften aus asiatischen Ländern werden nun auf diesen Strecken leicht die Konkurrenz der amerikanischen und europäischen Fluggesellschaften ausstechen.



Die zweite Karte zeigt die Länder, die Sanktionen gegen Russland verhängt haben. Die sekundären Auswirkungen der Sanktionen werden diesen Ländern wahrscheinlich ebenso schaden wie Russland. Das Fehlen der Länder Afrikas, Asiens, des Nahen Ostens, Mittel- und Südamerikas ist sehr aufschlussreich.

Es sieht nicht so aus, als ob „die Welt“ oder die „internationale Gemeinschaft“ den „Westen“ unterstützen würde.



Die USA haben auch alle Einfuhren von Erdölprodukten aus Russland mit Sanktionen belegt. Präsident Biden hat Russland für den Preisanstieg verantwortlich gemacht, der unweigerlich folgen wird. Ich glaube nicht, dass die Wähler bei den Zwischenwahlen diese Argumentation akzeptieren werden. Die europäischen Länder können diesem Schritt nicht folgen, da ihre Wirtschaft von den Öl- und Gasimporten aus Russland abhängt und dies auch in den kommenden Jahren tun wird.

In einem für das Weiße Haus sicher sehr demütigenden Schritt haben die Führer von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten es abgelehnt , Anrufe des US-Präsidenten entgegenzunehmen. Sie wollen, dass die USA die Houthi-Bewegung im Jemen, die sie bisher erfolglos unterdrückt haben, als terroristische Vereinigung einstufen:

Man kann nur hoffen, dass die Regierung Biden nicht auf diese widerlichen Bestechungsversuche hereinfällt, aber er hat sich selbst in eine Ecke gedrängt , indem er das russische Öl abschnitt, um Putin für eine humanitäre Krise in der Ukraine zu bestrafen, und hat keine andere Wahl, als mit Autokraten über das Schicksal der Jemeniten eine halbe Welt entfernt zu verhandeln. Wenn das Geopolitik ist, dann möge uns der Himmel verzeihen.

Ich glaube nicht, dass dies die einzige Forderung ist, die die Saudis und die VAE an die Führung stellen werden. Sie befinden sich jetzt in einer Situation, in der sie immer mehr fordern können.

Ebenso demütigend ist die Aufnahme von Gesprächen mit Venezuela, das die Regierung in ihrem Versuch, einen Regimewechsel herbeizuführen, rundum mit Sanktionen belegt hatte. Caracas hat zwei amerikanische Staatsangehörige aus der Haft entlassen. Es ist zu Gesprächen bereit. Bevor es jedoch Öl auf den US-Markt liefert, wird es die Aufhebung aller Sanktionen und die Rückgabe aller von den USA und dem Vereinigten Königreich beschlagnahmten Vermögenswerte verlangen. Biden wird es schwer haben, im Kongress eine Mehrheit für solche Schritte zu finden.

Die Wiederaufnahme des Atomabkommens mit dem Iran, das eine höhere Ölförderung ermöglichen würde, steht auf der Kippe, da Russland Sanktionsausnahmen für seinen Handel mit dem Iran fordert.

Die USA hatten versucht, Polen zu drängen, seine alten Mig-29-Kampfjets an die Ukraine zu liefern. In den Augen Russlands wäre dies eine direkte polnische Aggression gegen das Land gewesen. Warschau fand einen cleveren Weg, dies zu vermeiden. Es bot an, die Jets an einen US-Luftwaffenstützpunkt in Deutschland zu liefern. Damit würde das Teerbaby an den USA selbst kleben bleiben. Das Pentagon lehnte dies ab. Der Jet-Transfer ist nun höchstwahrscheinlich gestorben.

Die USA und Europa beginnen gerade erst, die sekundären Folgen des Wirtschaftskriegs zu spüren, den sie vorschnell gegen Russland angezettelt haben. Der Krieg wird nicht nur in Russland, sondern auch im gesamten „Westen“ zu Rezessionen führen. Und das, obwohl Russland seine Gegensanktionen noch nicht angekündigt hat. Es gibt viele Schritte, die Russland unternehmen könnte, um dem „Westen“ zu schaden, indem es diese oder jene Ressource zurückhält. Wahrscheinlich wird es langsam beginnen und dann den Druck Schritt für Schritt erhöhen.

Über die sekundären Auswirkungen der „westlichen“ Sanktionen hat man sich offenbar überhaupt keine Gedanken gemacht.

Unterdessen geht die russische Intervention in der Ukraine in gemäßigtem Tempo weiter. Russland hat es nicht eilig, da Zelenski von „Kompromissen“ spricht:

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Zelenskij will die russischen Forderungen nach einer bedingungslosen Beendigung des Krieges nicht akzeptieren, ist aber offen für einen Kompromiss, der auch den Verzicht auf eine NATO-Mitgliedschaft beinhalten könnte. ...

Neben der „Abkühlung“ gegenüber der Idee eines NATO-Beitritts sagte Zelensky gegenüber ABC News, dass es Raum für Verhandlungen über die besetzten Gebiete und nicht anerkannten Republiken gebe.

Russland antwortete in gleicher Weise (Zugang zu https://www.rt.com/ gesperrrt):

Moskau ziele nicht darauf ab, die derzeitige Führung in der Ukraine zu stürzen, sagte die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, inmitten der laufenden Militäraktion in dem Nachbarstaat.

„Die Ziele sind nicht die Besetzung der Ukraine, die Zerstörung ihrer Staatlichkeit oder der Sturz der derzeitigen Regierung. Sie richtet sich nicht gegen die Zivilbevölkerung“, sagte Zakharova am Mittwoch auf einer regulären Pressekonferenz vor Reportern.

Die Sprecherin bekräftigte, dass Moskau die Volksrepubliken Donezk und Lugansk verteidigen will, die sich kurz nach dem Putsch in Kiew 2014 von der Ukraine abspalteten. Sie fügte hinzu, dass Russland die „Entmilitarisierung und Entnazifizierung“ der Ukraine anstrebe.

Es wird interessant sein zu sehen, ob die USA Zelensky erlauben, diesen Weg weiterzuverfolgen. Die sekundären Auswirkungen, die die Sanktionen für den „Westen“ haben werden, werden wahrscheinlich letztendlich dazu führen.

Übersetzt mit Deeple

The Sanction Backlash Will Push The ‚West‘ To Accept Russia‘s Demands

By Moon Of Alabama

https://www.informationclearinghouse.info/57043.htm

Originallink: https://www.moonofalabama.org/2022/03/the-sanction-backlash-will-push-the-west-to-accept-russias-demands.html mit Kommentaren



Dok 2 – Russisches Judo zerreißt den Westen

Washingtons Sanktionen gegen Moskau werden Europa zerstören, nicht Russland

Von Pepe Escobar

10. März 2022: Information Clearing House – Auf der offiziellen schwarzen Liste der Russland feindlich gesinnten Länder stehen die USA, die EU, Kanada und in Asien Japan, Südkorea, Taiwan und Singapur (das einzige Land aus Südostasien). Man beachte, wie diese „internationale Gemeinschaft“ immer kleiner wird.

Der globale Süden sollte sich darüber im Klaren sein, dass sich keine Nationen aus Westasien, Lateinamerika und Afrika dem Sanktionszug Washingtons angeschlossen haben.

Moskau hat nicht einmal ein eigenes Paket von Gegensanktionen angekündigt. Ein offizieller Erlass „Über die vorübergehende Anordnung von Verpflichtungen gegenüber bestimmten ausländischen Gläubigern“, der es russischen Unternehmen erlaubt, ihre Schulden in Rubel zu begleichen, gibt jedoch einen Hinweis auf das, was noch kommen wird.

Die russischen Gegenmaßnahmen drehen sich alle um dieses neue, am vergangenen Samstag unterzeichnete Präsidialdekret, das der Wirtschaftswissenschaftler Jewgeni Juschtschuk als „nukleare Vergeltungsmine“ bezeichnet.

Es funktioniert folgendermaßen: Um Kredite aus einem sanktionierten Land zu bezahlen, die 10 Millionen Rubel pro Monat übersteigen, muss ein russisches Unternehmen keine Überweisung tätigen. Es bittet eine russische Bank, ein Korrespondenzkonto in Rubel auf den Namen des Kreditgebers zu eröffnen. Dann überweist das Unternehmen Rubel zum aktuellen Wechselkurs auf dieses Konto, und das alles ist völlig legal.

Zahlungen in Fremdwährung werden nur von Fall zu Fall über die Zentralbank abgewickelt. Sie müssen eine Sondergenehmigung von der Regierungskommission für die Kontrolle ausländischer Investitionen erhalten.

In der Praxis bedeutet dies, dass der Großteil der russischen Auslandsschulden in Höhe von etwa 478 Milliarden Dollar aus den Bilanzen westlicher Banken „verschwinden“ könnte. Der Gegenwert in Rubel wird irgendwo in russischen Banken deponiert, aber westliche Banken haben derzeit keinen Zugriff darauf.

Es ist fraglich, ob diese geradlinige Strategie das Produkt der in der russischen Zentralbank versammelten nicht so souveränen Köpfe ist. Wahrscheinlicher ist, dass der einflussreiche Wirtschaftswissenschaftler Sergei Glazyev, ein ehemaliger Spitzenberater des russischen Präsidenten Wladimir Putin in Fragen der regionalen Integration, seinen bahnbrechenden Aufsatz „Sanctions and Sovereignty“ ( s iehe weiter unten unsere Übersetzung des Dokuments Sergei Glazyev: Sanktionen und Souveränität ) , den ich bereits früher zusammengefasst habe (siehe unten unsere Übersetzung Pepe Escobar: W ie Russland die Kriegserklärung der USA und der EU kontern wird ), in überarbeiteter Form auf Englisch veröffentlicht hat.

In der Zwischenzeit bestätigte die Sberbank, dass sie Russlands Mir-Debit-/Kreditkarten ( 5 ) mit mit einer zweiten Kennung von Chinas UnionPay ausgeben wird. Die Alfa-Bank – die größte Privatbank in Russland – wird ebenfalls UnionPay-Kredit- und Debitkarten ausgeben. Obwohl erst vor fünf Jahren eingeführt, besitzen bereits 40 Prozent der Russen eine Mir-Karte für den Inlandsgebrauch. Jetzt können sie sie auch international nutzen, und zwar über das riesige Netzwerk von UnionPay. Und ohne Visa und Mastercard bleiben die Provisionen für alle Transaktionen im russisch-chinesischen Raum. Entdollarisierung in Kraft.

Mr. Maduro, geben Sie mir etwas Öl

Die Iran-Sanktionsverhandlungen in Wien mögen in die letzte Phase gehen – das räumte sogar der chinesische Diplomat Wang Qun ein. Aber es war der russische Außenminister Sergej Lawrow, der eine neue, entscheidende Variable in die abschließenden Gespräche in Wien einbrachte.

Lawrow formulierte seine Forderung in letzter Minute sehr deutlich : „Wir haben um eine schriftliche Garantie gebeten …, dass der von den Vereinigten Staaten ausgelöste Prozess [der russischen Sanktionen] in keiner Weise unser Recht auf freien und uneingeschränkten Handel, wirtschaftliche und investive Zusammenarbeit und militärisch-technische Kooperation mit der Islamischen Republik beeinträchtigt.“

Im Rahmen des Gemeinsamen Umfassenden Aktionsplans (Joint Comprehensive Plan of Action, JCPOA) von 2015 erhält Russland angereichertes Uran aus dem Iran und tauscht es gegen Yellowcake ( 6 ) ein; parallel dazu baut es die iranische Atomanlage Fordow in ein Forschungszentrum um. Ohne iranische Exporte von angereichertem Uran gibt es einfach kein JCPOA-Abkommen. Es verblüfft, dass US-Außenminister Blinken das nicht zu verstehen scheint.

Jeder in Wien, auch am Rande der Verhandlungen, weiß, dass keine Nation im Hinblick auf den Handel mit dem Iran einzeln ins Visier genommen werden darf, wenn alle Akteure die Wiederbelebung des JCPOA unterzeichnen sollen. Auch Teheran weiß das.

Was jetzt geschieht, ist also ein ausgeklügeltes Spiel mit persischen Spiegeln, das zwischen der russischen und der iranischen Diplomatie koordiniert wird. Der Moskauer Botschafter in Teheran, Lewan Jagarjan, führte die heftige Reaktion auf Lawrow in einigen iranischen Kreisen auf ein „Missverständnis“ zurück. Das alles wird sich im Verborgenen abspielen.

Hinzu kommt, dass Teheran nach Angaben eines Geheimdienstmitarbeiters vom Persischen Golf mit privilegiertem Zugang zu den iranischen Behörden bereits drei Millionen Barrel Öl pro Tag verkauft, „so dass sich die Unterzeichnung eines Abkommens überhaupt nicht auf das Angebot auswirken wird, sondern nur die Preise steigen werden.

Die US-Regierung von Präsident Joe Biden ist nun völlig verzweifelt: Sie hat heute alle Öl- und Gaseinfuhren aus Russland verboten, das zufällig der zweitgrößte Ölexporteur der USA ist, hinter Kanada und vor Mexiko. Die große russische Energie-“Ersatzstrategie“ der USA besteht darin, um Öl aus dem Iran und Venezuela zu betteln.

Deshalb hat das Weiße Haus eine Delegation zu Gesprächen mit dem venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro entsandt, die von Juan Gonzalez, dem wichtigsten Lateinamerika-Berater des Weißen Hauses, geleitet wird. Das Angebot der USA besteht darin, die Sanktionen gegen Caracas im Gegenzug für Öl zu „mildern“.

Die Regierung der Vereinigten Staaten hat Jahre – wenn nicht Jahrzehnte – damit verbracht, alle Brücken zu Venezuela und dem Iran abzubrechen. Die US-Regierung hat den Irak und Libyen zerstört und Venezuela und den Iran isoliert, um die Kontrolle über die globalen Ölmärkte zu erlangen – nur um am Ende kläglich zu versuchen, beide Länder aufzukaufen, um nicht von den wirtschaftlichen Kräften, die sie entfesselt hat, erdrückt zu werden. Das beweist einmal mehr, dass die imperialen „politischen Entscheidungsträger“ völlig ahnungslos sind.

Caracas wird die Aufhebung aller Sanktionen gegen Venezuela und die Rückgabe des gesamten beschlagnahmten Goldes fordern. Und es scheint, dass nichts davon mit „Präsident“ Juan Guaido geklärt wurde, der seit 2019 der einzige von Washington „anerkannte“ venezolanische Führer ist.

Sozialer Zusammenhalt zerrissen

Auf den Öl- und Gasmärkten herrscht derweil totale Panik. Kein westlicher Händler will russisches Gas kaufen; und das hat nichts mit Russlands staatlichem Energieriesen Gazprom zu tun, der Kunden, die Verträge mit festen Tarifen von 100 bis 300 Dollar unterzeichnet haben, weiterhin ordnungsgemäß beliefert (andere zahlen auf dem Spotmarkt über 3.000 Dollar).

Die europäischen Banken sind aufgrund der Sanktionshysterie immer weniger bereit, Kredite für den Energiehandel mit Russland zu gewähren. Ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Gaspipeline Nord Stream 2 zwischen Russland und Deutschland buchstäblich auf tönernen Füßen stehen könnte, ist die Tatsache, dass der Importeur Wintershall-Dea seinen Anteil an der Finanzierung abgeschrieben hat und damit de facto davon ausgeht, dass die Pipeline nicht in Betrieb genommen wird.

Jeder, der in Deutschland bei klarem Verstand ist, weiß, dass zwei zusätzliche Flüssigerdgas-Terminals (LNG-Terminals) – die noch gebaut werden müssen – nicht ausreichen, um den Bedarf Berlins zu decken. Es gibt einfach nicht genug LNG, um sie zu versorgen. Europa wird mit Asien darum kämpfen müssen, wer mehr bezahlen kann. Asien gewinnt.

Europa importiert rund 400 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr, davon 200 Milliarden aus Russland. Es ist unmöglich, dass Europa irgendwo anders 200 Milliarden Dollar auftreiben kann, um Russland zu ersetzen – sei es in Algerien, Katar oder Turkmenistan. Ganz zu schweigen davon, dass es nicht über die notwendigen LNG-Terminals verfügt.

Der Hauptnutznießer des ganzen Schlamassels sind natürlich die USA, die nicht nur ihre Terminals und Kontrollsysteme durchsetzen können, sondern auch von Krediten an die EU, dem Verkauf von Ausrüstungen und dem uneingeschränkten Zugang zur gesamten Energieinfrastruktur der EU profitieren werden. Alle LNG-Anlagen, Pipelines und Lagerhäuser werden an ein einziges Netz mit einem einzigen Kontrollraum angeschlossen: ein amerikanischer Geschäftstraum.

Europa wird mit einer geringeren Gasproduktion für seine – schwindende – Industrie konfrontiert sein, mit Arbeitsplatzverlusten, sinkender Lebensqualität, erhöhtem Druck auf das Sozialversicherungssystem und nicht zuletzt mit der Notwendigkeit, zusätzliche amerikanische Kredite zu beantragen. Einige Länder werden wieder auf Kohle zum Heizen zurückgreifen. Die Grüne Parade wird wütend sein.

Was ist mit Russland? Selbst wenn alle Energieexporte des Landes eingeschränkt würden – was nicht der Fall sein wird, da die wichtigsten Abnehmer in Asien liegen -, müsste Russland nicht auf seine Devisenreserven zurückgreifen.

Der russophobe Rundumschlag gegen russische Exporte zielt auch auf Palladiummetalle ab, die für die Elektronik – von Laptops bis zu Flugzeugsystemen – unerlässlich sind. Die Preise schießen in die Höhe. Russland kontrolliert 50 % des Weltmarktes. Dann gibt es noch Edelgase – Neon, Helium, Argon, Xenon –, die für die Herstellung von Mikrochips unerlässlich sind. Der Preis für Titan ist um ein Viertel gestiegen, und sowohl Boeing – um ein Drittel – als auch Airbus – um zwei Drittel – sind auf Titan aus Russland angewiesen.

Öl, Lebensmittel, Düngemittel, strategische Metalle, Neongas für Halbleiter: alles brennt auf dem Scheiterhaufen, zu Füßen der Hexe Russland.

Einige Westler, die immer noch an der Bismarckschen Realpolitik festhalten, fragen sich, ob die Abschirmung von Energie (im Falle Europas) und ausgewählten Rohstoffströmen vor Sanktionen nicht auch mit dem Schutz eines riesigen Gauners zu tun hat: dem System der Rohstoffderivate.

Denn wenn dieses aufgrund einer Rohstoffknappheit implodiert, fliegt das gesamte westliche Finanzsystem in die Luft. Das wäre ein echtes Systemversagen.

Das Wichtigste für den globalen Süden ist, dass der „Westen“ nicht Selbstmord begeht. Im Grunde haben wir es hier mit der vorsätzlichen Zerstörung der deutschen Industrie und der europäischen Wirtschaft durch die Vereinigten Staaten zu tun – bizarrerweise mit deren Duldung.

Die europäische Wirtschaft zu zerstören bedeutet, China keinen zusätzlichen Marktraum zuzugestehen und den unvermeidlichen zusätzlichen Handel zu blockieren, der eine direkte Folge des engeren Austauschs zwischen der EU und der Regionalen Umfassenden Wirtschaftspartnerschaft (Regional Comprehensive Economic Partnership RCEP) ( 7 ), dem größten Handelsabkommen der Welt, sein wird.

Das Endergebnis wird sein, dass die USA die europäischen Ersparnisse zum Mittagessen verspeisen, während China seine Mittelschicht auf über 500 Millionen Menschen ausdehnt. Russland wird es gut gehen, wie Glazyev darlegt: souverän – und autark.

Der amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Michael Hudson hat die Züge einer imperialen Selbstimplosion prägnant skizziert. Weitaus dramatischer, nämlich als strategisches Desaster, ist jedoch, wie die taubstumme und blinde Parade in Richtung tiefer Rezession und Beinahe-Hyperinflation das, was vom sozialen Zusammenhalt des Westens übrig geblieben ist, zerreißen wird. Mission erfüllt.

Eigene Übersetzung, mithilfe von Deepl

Russian Judo Tears the West Apart

Washington's sanctions on Moscow will destroy Europe, not Russia

By Pepe Escobar

https://www.informationclearinghouse.info/57048.htm

Der Artikel erschien auch auf https://www.unz.com/pescobar/russian-judo-tears-the-west-apart/ mit Kommentaren und https://thecradle.co/Article/columns/7672

 

 

Dok 3 – Sanktionen und Souveränität

Wirtschaftspolitik Sanktionen USA

Sergej Glazyev

Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften

25. Februar 2022

Es wäre kindisch anzunehmen, dass „wir, wenn wir geschlagen werden, stärker werden“. Wir haben zwar die nationale Souveränität im wirtschaftlichen Bereich unter dem Einfluss der US-Sanktionen gestärkt, aber nicht so weit, dass wir sie völlig ignorieren. Der Schaden durch die Sanktionen ist zweifellos vorhanden und wird durch die passive Politik der Währungsbehörden noch erheblich verstärkt.

Die ständige Einschüchterung Russlands durch immer „höllischere“ Sanktionen hat die russische Öffentlichkeit schon lange nicht mehr begeistert. Ich erinnere mich, dass ich 2014 ebenso wie die anderen ersten von den USA sanktionierten Personen interviewt wurde, und wir alle versicherten den Journalisten, dass wir stolz auf diese Anerkennung unserer Dienste für Russland seien. Seitdem hat sich die Zahl der von den USA und ihren Satellitenstaaten sanktionierten Personen und Einrichtungen vervielfacht, ohne dass dies erkennbare Auswirkungen auf unser Land gehabt hätte. Im Gegenteil, die von unserer Regierung eingeführten Vergeltungsmaßnahmen zur Begrenzung der Lebensmittelimporte aus diesen Ländern haben die einheimische Agrarproduktion spürbar angekurbelt, die die Geflügel- und Fleischimporte fast vollständig ersetzt hat. Die Unternehmen der Rüstungs- und Energiewirtschaft haben gelernt, diese Sanktionen zu umgehen, indem sie den Dollar und damit auch die US-Banken zugunsten der nationalen Währungen und der Banken der Partnerländer aufgeben. Der nächste Schritt ist die Entwicklung von digitalen Währungsinstrumenten, die ohne die Dienste von Banken genutzt werden können, die Angst vor Sanktionen haben. Die Menschen beobachten mit Interesse die Rückkehr des von den Oligarchen und ihren eigenen Leuten exportierten Kapitals ins Land, da sie die Beschlagnahmung und Verhaftung in den NATO-Ländern fürchten.

Die US-Sanktionen haben nicht so sehr Russland betroffen, sondern die Drittländer, die von Washington unter Druck gesetzt wurden. In erster Linie unsere europäischen Nachbarn, die die meisten ihrer Kooperationsprojekte in den Bereichen Wissenschaft, Technologie und Energie aufgegeben haben. Auch chinesische Geschäftsbanken, die im Dollarraum tätig sind und sich entschieden haben, keine russischen Kunden mehr zu bedienen, sind davon betroffen. Der Handel Russlands mit der EU und den USA ist natürlich zurückgegangen, während der Handel mit der VR China zugenommen hat. Zwischen 2014 und 2020 stieg der Handelsumsatz Russlands mit der VR China um 17,8 % von 88,4 Mrd. USD auf 104,1 Mrd. USD. Der Anteil der APEC- ( 8 ) und SCO-Länder ( 9 ) am Außenhandelsumsatz der EAEU ( 10 ) stieg in diesem Zeitraum von 29,6 % auf 36,4 % bzw. von 16,3 % auf 24,1 %. Der Anteil der EU am Außenhandel der EAWU ging dagegen von 46,2 % im Jahr 2015 auf 36,7 % im Jahr 2020 zurück. Der Handel mit den USA ging im Berichtszeitraum um 18,1 % von 29,1 Mrd. $ auf 23,9 Mrd. $ zurück.

Mit den Sanktionen versuchen die USA, russische Waren von den Märkten ihrer Satelliten zu verdrängen und sie durch ihre eigenen zu ersetzen. Am deutlichsten zeigt sich dies auf dem europäischen Erdgasmarkt, wo der Anteil der USA stark gestiegen ist, auch wenn es ihnen noch nicht gelungen ist, Russland vom europäischen Erdgasmarkt zu verdrängen.

Das wichtigste Ergebnis der amerikanisch-europäischen Sanktionen ist eine Veränderung der geografischen Struktur der russischen Außenwirtschaftsbeziehungen zugunsten Chinas, dessen Ausbau der Zusammenarbeit die Einschränkung der Handels- und Wirtschaftsbeziehungen mit der EU vollständig kompensiert. Die europäischen Verbraucher müssen auf teurere amerikanische Energieträger ausweichen, und die Erzeuger verlieren einfach den russischen Markt. Die Gesamtverluste der EU durch die antirussischen Sanktionen werden auf 250 Milliarden Dollar geschätzt.

Ein weiteres wichtiges Ergebnis der US-Sanktionen war der Rückgang des Anteils des Dollars am internationalen Zahlungsverkehr. Für Russland wie auch für andere Länder, die von US-Sanktionen betroffen sind, ist der Dollar zu einer toxischen Währung geworden. Durch die Rückverfolgung aller Dollar-Transaktionen können die US-Strafbehörden jederzeit Zahlungen blockieren, Vermögenswerte einfrieren oder sogar beschlagnahmen. In den acht Jahren seit der Verhängung der Sanktionen ist der Anteil des Dollars am internationalen Zahlungsverkehr um 13,5 Prozentpunkte gesunken. (von 60,2 % im Jahr 2014 auf 46,7 % im Jahr 2020).

Die Sanktionen sind zu einem starken Anreiz für den Übergang zu Abrechnungen in nationalen Währungen und die Entwicklung nationaler Zahlungssysteme geworden. So ist beispielsweise der Anteil des US-Dollars am gegenseitigen Handel zwischen den EAEU-Ländern um mehr als 6 Prozentpunkte zurückgegangen. (von 26,3 % im Jahr 2014 auf 20,0 % bis Ende 2020).

Ich erinnere mich, dass ich vor zehn Jahren, als ich im Nationalen Bankenrat über die Risiken für das russische Bankensystem nachdachte, den damaligen Zentralbankchef fragte: „Wird das Risiko in Betracht gezogen, dass russische Banken vom internationalen Bankennachrichtensystem SWIFT abgekoppelt werden, wie es die westlichen Partner in Bezug auf den Iran getan haben?“ Darauf erhielt ich die Antwort: „Wir können das Risiko, dass eine Atombombe die Bank von Russland trifft, nicht in Betracht ziehen. Die Führung der Zentralbank hat jedoch Maßnahmen ergriffen: Russland verfügt jetzt über ein eigenes System für elektronische Nachrichtenübermittlung zwischen Banken, das Bank of Russia Financial Message System (BFMS), sowie über ein eigenes Bankkarten-Zahlungssystem, Mir, das mit dem chinesischen System Union Pay verbunden ist und für grenzüberschreitende Zahlungen und Überweisungen genutzt werden kann. Beide sind offen für ausländische Partner und werden nicht nur im Inlands-, sondern auch im Auslandszahlungsverkehr bereits in großem Umfang genutzt. Die Abschaltung von SWIFT wird nicht mehr als große Bedrohung angesehen – sie wird der Entwicklung unserer Zahlungs- und Finanzinformationssysteme zugute kommen.

Es wäre jedoch kindisch anzunehmen, dass „wir, wenn wir geschlagen werden, stärker werden“. Wir haben zwar unsere nationale Souveränität im wirtschaftlichen Bereich unter dem Einfluss der US-Sanktionen gestärkt, aber nicht so weit, dass wir sie völlig ignorieren. Der Schaden der Sanktionen ist zweifellos vorhanden und wird durch die passive Politik der Währungsbehörden noch erheblich verstärkt. Seit 2014, als Währungsspekulanten mit Duldung der Regulierungsbehörde durch Marktmanipulationen den Rubelkurs nach unten drückten, wird dieser von den Sanktionen als Ausfallsicherung für die makroökonomische Stabilität genutzt. Gleichzeitig ging die Bank von Russland 2014, am Vorabend der bereits angekündigten US-Sanktionen, zu einem frei schwankenden Wechselkursregime über. Erst danach verhängten die USA sie, weil sie davon ausgingen, dass die Spekulanten ihre negativen Auswirkungen vervielfachen würden. Als sich der Wert des Rubels fast halbierte, verkündete Obama erfreut, dass „die russische Wirtschaft in Schutt und Asche gelegt worden ist“. Als Folge dieser Manipulation des russischen Devisenmarktes haben die Rubel-Einkommen und -Ersparnisse an Wert verloren, und die Spekulanten haben über 35 Milliarden Dollar Gewinn gemacht. Dies lag jedoch nicht an den Sanktionen, sondern an der Duldung durch die Bank von Russland, die den Wechselkurs auf Anraten der Washingtoner Finanzinstitute internationalen Spekulanten überließ.

Nur sehr naive Menschen können an die Bildung eines Gleichgewichtswechselkurses des Rubels im Modus des freien Floatens glauben. Die Tatsache, dass sich die Bank von Russland selbst von der Regulierung des Rubelkurses ausschließt, bedeutet, dass internationale Währungsspekulanten dies tun. Während der Rubel, der mit einem dreifachen Bestand an Devisenreserven zu einer der unbeständigsten Währungen der Welt geworden ist, schwankt, machen internationale Spekulanten Milliardengewinne, während die Russen eine Abwertung ihrer Rubel-Ersparnisse und ihres Einkommens sowie Inflationsschübe erleben. Gleichzeitig verschlechtert sich das Investitionsklima hoffnungslos – die Instabilität des Rubelkurses führt zu Unsicherheiten bei den wichtigsten Parametern von Investitionsprojekten, die importierte Ausrüstung verwenden und auf den Export von Produkten ausgerichtet sind.

Der durch die US-Finanzsanktionen verursachte Schaden ist also untrennbar mit der optimalen Geldpolitik der Bank von Russland verbunden. Sie besteht im Wesentlichen darin, die Ausgabe des Rubels strikt an die Exporterlöse und den Rubelkurs an den Dollar zu binden. In der Tat wird in der Wirtschaft eine künstliche Geldknappheit geschaffen, und die restriktive Politik der Zentralbank führt zu einer Verteuerung der Kreditvergabe, was die Wirtschaftstätigkeit abwürgt und die Entwicklung der Infrastruktur im Lande behindert.

Die Sanktionsbeschränkungen haben zu einer extrem hohen Nachfrage nach Unternehmensfinanzierungen auf dem heimischen Markt geführt. Vor dem Hintergrund eines relativ niedrigen Leitzinses und des Zugangs zu günstigeren Finanzierungen halten die Großbanken ihre Nettozinsmargen kontinuierlich über dem Marktdurchschnitt: 5,4-6 %, während die größten Banken in China, den USA, Deutschland, Frankreich, dem Vereinigten Königreich und Japan Nettozinsmargen zwischen 0,8 % und 2,3 % aufweisen. Diese Supergewinne werden jedoch nicht für die Finanzierung von Infrastrukturprojekten verwendet, sondern für den Erwerb verschiedener nicht zum Kerngeschäft gehörender Geschäftsbereiche, die zu Ökosystemen gebündelt werden. Die meisten dieser Geschäftsbereiche bleiben selbst auf EBITDA-Ebene ( 11 ) unrentabel. Trotzdem werden immer noch Milliarden von Rubel für ihre Entwicklung ausgegeben. Diese Zahlen sind durchaus vergleichbar mit der Höhe der Investitionen in ein großes Infrastrukturprojekt im realen Sektor der Wirtschaft, das sowohl zur Schaffung von Arbeitsplätzen als auch zur wirtschaftlichen Entwicklung beitragen kann. Aber solche Projekte (wie auch die Füllung des Budgets) werden immer noch den Rohstoffunternehmen überlassen, während die größten Finanzunternehmen es vorziehen, ihre Gewinne in die Schaffung von Schimären zu stecken.

In Wirklichkeit ist es die Duldung der Zentralbank, die Russland und seine Industrie ausbluten lässt und unfähig macht, sich zu entwickeln.

Hätte die Zentralbank ihre verfassungsmäßige Pflicht erfüllt, die Stabilität des Rubels zu gewährleisten – und dazu ist sie aufgrund ihres dreifachen Überschusses an Devisenreserven in der Geldbasis in der Lage -, dann wären die Finanzsanktionen für uns kein Thema gewesen. Sie könnten sogar, wie in anderen Wirtschaftssektoren, zugunsten des Bankensektors umgedreht werden, wenn die Zentralbank die von den westlichen Partnern zurückgezogenen Kredite durch eigene spezielle Refinanzierungsinstrumente ersetzen würde. Dies hätte die Kapazität des russischen Kredit- und Bankensystems um mehr als 10 Billionen RUB erhöht und den Abfluss ausländischer Investitionsfinanzierung vollständig kompensiert, wodurch ein Rückgang der Investitionen und der Wirtschaftstätigkeit ohne inflationäre Folgen verhindert worden wäre. Auf diese Weise hätte eine lange Periode des Rückgangs der realen Haushaltseinkommen vermieden werden können, die ausschließlich durch die Besonderheiten der russischen Geldpolitik verursacht wurde, die die Wirksamkeit der Sanktionen im monetären und finanziellen Bereich gewährleistet.

Bei der Bewertung der Folgen der antirussischen Sanktionen darf man die Folgen des Abbruchs der wirtschaftlichen Beziehungen zur Ukraine nicht außer Acht lassen. Die gegenseitige Aufhebung des Freihandelsregimes und die Einführung eines Embargos für eine breite Palette von Waren führte zu einem Abbruch der Kooperationsbeziehungen, die die Reproduktion vieler Arten von High-Tech-Produkten sicherstellten. Die Blockade der Arbeit russischer Banken führte zu einer Wertminderung russischer Investitionen in Milliardenhöhe. Die Weigerung der ukrainischen Behörden, ihre Schulden gegenüber Russland zu bedienen, verursachte weitere Verluste in Höhe von mehreren Milliarden Dollar. Insgesamt wird ihr Volumen auf etwa 100 Milliarden Dollar für jede der beiden Parteien geschätzt. Dies ist ein wirklich bedeutender und in vielerlei Hinsicht irreparabler Schaden, den wir selbst durch Vergeltungssanktionen noch verschlimmert haben.

Bislang haben sich die antirussischen Sanktionen wie folgt auf die Wirtschaft ausgewirkt. Die größten Verluste, gemessen am BIP, erlitt die Ukraine und in absoluten Zahlen die Europäische Union. Die potenziellen BIP-Verluste Russlands seit 2014 belaufen sich auf rund 50 Billionen Rubel. Aber nur 10 % sind auf die Sanktionen zurückzuführen, während 80 % das Ergebnis der Geldpolitik sind. Die antirussischen Sanktionen kommen den USA zugute, die russische Kohlenwasserstoffexporte in die EU substituieren, und China, das russische Importe europäischer Waren substituiert. Wir könnten die negativen Auswirkungen der Finanzsanktionen vollständig ausgleichen, wenn die Bank von Russland ihrer verfassungsmäßigen Pflicht nachkäme, einen stabilen Rubelkurs zu gewährleisten, und nicht den Empfehlungen der Washingtoner Finanzinstitute folgen würde.

Denken Sie an die Drohungen der US-amerikanischen und europäischen Russophobiker im Zusammenhang mit den neuen „Höllen“-Sanktionen. Es wurde bereits erwähnt, dass die heute in den Medien verbreitete Drohung, die russischen Banken von SWIFT abzukoppeln, mittelfristig dem russischen Banken- und Zahlungsverkehrssystem zugute kommen wird, auch wenn sie in erster Linie die internationalen Abwicklungen beeinträchtigt.

Die Drohung, Geschäfte mit russischen Anleihen zu verbieten, käme auch uns zugute, da deren Emission bei einem Haushaltsüberschuss nichts anderes als eine Profitquelle für ausländische Spekulanten ist. Und ihre Renditen sind dreimal so hoch, wie der Markt ihr Risiko einschätzt. Die Beendigung der gleichgeschalteten Politik der Währungsbehörden, die objektiv unnötig Geld für den Haushalt leihen, würde uns Milliarden von Dollar sparen. Wenn die mit Sanktionen belegten Behörden versuchen, den Kauf von Fremdwährungsanleihen russischer Unternehmen zu verbieten, ist es möglich, das Defizit bei der Finanzierung des Kaufs importierter Ausrüstungen auszugleichen, indem man sie mit einem Teil der überschüssigen Devisenreserven kauft. Wenn ihre ausländischen Kredite gestrichen werden, tragen die europäischen und amerikanischen Banken selbst das Risiko eines Zahlungsausfalls.

Es besteht auch die Gefahr, dass russisches Staatsvermögen beschlagnahmt wird. Aber wir können darauf symmetrisch reagieren, indem wir ein Embargo für den Schuldendienst gegenüber den westlichen Gläubigern verhängen und auch ihr Vermögen beschlagnahmen. Die Verluste der Parteien wären in etwa gleich hoch.

Es gibt im Wesentlichen nur noch eine Drohung: den russischen Oligarchen ihr Auslandsvermögen wegzunehmen. Bei aller Popularität in der Bevölkerung wird sie die Rückführung des aus dem Land exportierten Kapitals fördern, was sich auch positiv auf die russische Wirtschaft auswirken wird.

Gleichzeitig müssen wir uns so weit wie möglich vor der erwarteten Eskalation der amerikanisch-europäischen Sanktionen schützen. Die größte Schwachstelle unserer Wirtschaft ist die übermäßige Offshorisierung. Bis zur Hälfte des russischen Industrievermögens befindet sich im Besitz von Nichtansässigen. Mehr als eine Billion Dollar an exportiertem Kapital befindet sich im Ausland, wovon die Hälfte in die Reproduktion der russischen Wirtschaft fließt. Ein Einfrieren dieser Vermögenswerte in einem Schritt könnte in der Tat die Lage einer Reihe von strategisch wichtigen Unternehmen, die vom ausländischen Markt abhängig sind, drastisch verschlechtern. Wie das geht, haben die Amerikaner am Beispiel von Rusal gezeigt, indem sie unter Androhung eines Stopps der Außenhandelsaktivitäten die Kontrolle über das Unternehmen übernommen haben. Wir hätten darauf reagieren können, indem wir zumindest die riesigen Wasserkraftwerke verstaatlicht hätten, die dem Konzern praktisch umsonst und aus zweifelhaften Gründen überlassen wurden und deren Ausbeutung den Löwenanteil seiner Gewinne ausmacht. Aber aus irgendeinem Grund haben sie diesen einen der strukturbildenden Zweige unserer Wirtschaft nicht gegen den Raubzug des US-Finanzministeriums verteidigt.

Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, wirksame Maßnahmen zu ergreifen, um die Wirtschaft wirklich anzukurbeln und die Politik der Bank von Russland mit ihren verfassungsmäßigen Aufgaben in Einklang zu bringen. Maßnahmen zur Verschärfung der Währungsregulierung, um den Kapitalexport zu stoppen, und zur Ausweitung der gezielten Kreditvergabe an Unternehmen, die Investitions- und Betriebskapitalfinanzierung benötigen, wären ebenfalls hilfreich. Eine Besteuerung von Währungsspekulationen und inländischen Transaktionen in Dollar und Euro wäre angebracht. Um die Entwicklung der einheimischen technologischen Basis in den von den Sanktionen betroffenen Bereichen – vor allem Verteidigung, Energie, Verkehr und Kommunikation – zu beschleunigen, müssen erhebliche Mittel in Forschung und Entwicklung fließen. Die Entdollarisierung unserer Devisenreserven sollte dadurch abgeschlossen werden, dass der Dollar, der Euro und das Pfund durch Gold ersetzt werden. Angesichts des zu erwartenden explosionsartigen Anstiegs des Goldpreises kommt die massenhafte Ausfuhr von Gold ins Ausland einem Hochverrat gleich und hätte von der Regulierungsbehörde schon längst unterbunden werden müssen. Es besteht ein dringender Bedarf an der Einführung des digitalen Rubels, der für grenzüberschreitende Zahlungs- und Abrechnungsvorgänge ohne das sanktionsbewehrte Bankensystem verwendet werden könnte. Wir sollten uns mit der Schaffung eines eigenen Börsenplatzes und von Mechanismen zur Preisbildung in Rubel für unsere reichhaltigen Rohstoffe beeilen. Unseren Partnern in Asien vorschlagen, eine Weltzahlungswährung einzuführen, die auf einem Index nationaler Währungen und Rohstoffe basiert. Wir können die Sanktionen gegen ukrainische Unternehmen einseitig aufheben und gleichzeitig den Russen, die für sie arbeiten, Erleichterungen verschaffen. Sie können die Initiative für einen gemeinsamen Wirtschaftsraum von Lissabon bis Wladiwostok wieder einführen und damit den gesunden Teil der europäischen Wirtschaftselite und der politischen Elite beruhigen. Der Versuch, eine breite internationale Koalition für die Wiederherstellung des internationalen Rechts, einschließlich der WTO- und IWF-Normen, zu bilden, gegen die die westlichen Sanktionierer mit ihren Sanktionen und Handelskriegen eklatant verstoßen.

Alles in allem bleibt noch viel zu tun, um die nationale Souveränität in der Wirtschaft zu stärken. Die US-Sanktionen sind die Agonie einer scheidenden imperialen Weltwirtschaft, die auf der Anwendung von Gewalt beruht. Um die damit verbundenen Gefahren zu minimieren, muss die Bildung einer neuen – integralen – Weltwirtschaft beschleunigt werden, die das Völkerrecht, die nationale Souveränität, die Gleichheit der Länder, die Vielfalt der nationalen Wirtschaftsmodelle und die Prinzipien des gegenseitigen Nutzens und der Freiwilligkeit in der internationalen wirtschaftlichen Zusammenarbeit wiederherstellt.

https://expert.ru/2022/02/25/sanktsii-i-suverenitet-column/

siehe auch: https://rentry.co/sanctions-and-sovereignty

eigene Übersetzung, mithilfe von Deeple



Dok 4 – Wie Russland die Kriegserklärung der USA und der EU kontern wird

März 04, 2022

120 Kommentare

Von Pepe Escobar, gepostet mit der Erlaubnis des Autors und weithin quer gepostet

Nur Autarkie ermöglicht völlige Unabhängigkeit. Und das „Big Picture“ hat auch der globale Süden sehr gut verstanden.

Eines der Hauptthemen, die der Russland/Ukraine/NATO-Matrix zugrunde liegen, ist, dass das Imperium der Lügen (Copyright Putin) durch die kombinierte Fähigkeit russischer Hyperschallraketen und eines Abwehrschildes, das in der Lage ist, ankommende Atomraketen aus dem Westen zu blockieren und damit die gegenseitig zugesicherte Zerstörung zu beenden, in seinen Grundfesten erschüttert worden ist.

Dies hat die Amerikaner dazu veranlasst, beinahe einen heißen Krieg zu riskieren, um Hyperschallraketen, über die sie noch immer nicht verfügen, an der Westgrenze der Ukraine zu stationieren und so innerhalb von drei Minuten von Moskau entfernt zu sein. Dafür brauchen sie natürlich die Ukraine, aber auch Polen und Rumänien in Osteuropa.

In der Ukraine sind die Amerikaner entschlossen, bis zur letzten europäischen Seele zu kämpfen – wenn es sein muss. Dies könnte der letzte Wurf der (nuklearen) Würfel sein. Es ist also der vorletzte Versuch, Russland durch den Einsatz der verbliebenen, funktionsfähigen amerikanischen Massenvernichtungswaffe zur Unterwerfung zu zwingen: SWIFT.

Diese Waffe kann jedoch durch die rasche Einführung der Autarkie leicht neutralisiert werden.

Unter maßgeblicher Mitwirkung des unschätzbaren Michael Hudson ( 12 ) habe ich Möglichkeiten skizziert, wie Russland den Sanktionssturm überstehen kann. Dabei habe ich noch nicht einmal das volle Ausmaß von Russlands „Blackbox-Verteidigung“ und Gegenangriffs berücksichtigt – wie von John Helmer in seiner Einleitung ( 13 ) zu einem Aufsatz (siehe Dok 3 ) skizziert, der nicht weniger als die Rückkehr von Sergei Glaziev ankündigt.

Glaziev, der in atlantischen Kreisen vorhersehbar verhasst ist, war ein wichtiger Wirtschaftsberater von Präsident Putin und ist jetzt Minister für Integration und Makroökonomie der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAEU). Er war schon immer ein scharfer Kritiker der russischen Zentralbank und der Oligarchenbande, die eng mit der anglo-amerikanischen Finanzwelt verbunden ist.

Sein jüngster Aufsatz, Sanktionen und Souveränität , der ursprünglich von expert.ru veröffentlicht (siehe Dok 3 ) und von Helmer übersetzt wurde, verdient eine eingehende Prüfung.

Dies ist eine der wichtigsten Erkenntnisse:

„Die russischen Verluste an potenziellem BIP belaufen sich seit 2014 auf etwa 50 Billionen Rubel. Aber nur 10 % davon lassen sich durch Sanktionen erklären, während 80 % davon auf die Geldpolitik zurückzuführen sind. Die Vereinigten Staaten profitieren von den antirussischen Sanktionen, indem sie die Ausfuhr russischer Kohlenwasserstoffe in die EU und nach China sowie die Einfuhr europäischer Waren durch Russland ersetzen. Wir könnten die negativen Folgen der Finanzsanktionen vollständig ausgleichen, wenn die Bank von Russland ihrer verfassungsmäßigen Pflicht nachkäme, für einen stabilen Rubelkurs zu sorgen, und nicht den Empfehlungen der Washingtoner Finanzorganisationen folgen würde.“

De-Offshore oder Pleite

Glaziev empfiehlt im Wesentlichen:

• Eine „echte De-Offshorisierung der Wirtschaft“ ( 14 ).

• “Maßnahmen zur Verschärfung der Währungsregulierung, um den Kapitalexport zu stoppen, und die gezielte Kreditvergabe an Unternehmen, die Investitionen finanzieren müssen, auszuweiten“.

• „Besteuerung von Währungsspekulationen und Transaktionen in Dollar und Euro auf dem Inlandsmarkt“.

• „Ernsthafte Investitionen in Forschung und Entwicklung, um die Entwicklung unserer eigenen technologischen Basis in den von den Sanktionen betroffenen Bereichen zu beschleunigen – vor allem in der Verteidigungsindustrie, im Energiesektor, im Transportwesen und in der Kommunikation.“

• Und nicht zuletzt „die Entdollarisierung unserer Devisenreserven, um den Dollar, den Euro und das Pfund durch Gold zu ersetzen.“

Die russische Zentralbank scheint zuzuhören. Die meisten dieser Maßnahmen sind bereits in Kraft. Und es gibt Anzeichen dafür, dass Putin und die Regierung endlich bereit sind, die russische Oligarchie bei den Eiern zu packen und sie zu zwingen, Risiken und Verluste zu einem für die Nation äußerst schwierigen Zeitpunkt zu teilen. Verabschieden Sie sich von der Anhäufung von Geldern, die aus Russland ins Ausland und nach Londongrad gebracht wurden.

Glaziev ist das einzig Wahre. Im Dezember 2014 war ich auf einer Konferenz in Rom, und Glaziev kam zu uns ans Telefon. Bei der Durchsicht einer späteren Kolumne, die ich damals zwischen Rom und Peking schrieb, war ich verblüfft: Es ist, als ob Glaziev diese Dinge heute wörtlich sagen würde.

Erlauben Sie mir, zwei Absätze zu zitieren:

„Auf dem Symposium, das in einem mit göttlichen Fresken verzierten ehemaligen Refektorium der Dominikaner aus dem 15. Jahrhundert stattfand, das heute Teil der Bibliothek des italienischen Parlaments ist, gab Sergej Glazjev am Telefon aus Moskau eine schonungslose Darstellung des Kalten Krieges 2.0. Es gibt keine wirkliche „Regierung“ in Kiew; der US-Botschafter hat das Sagen. In Washington ist eine Anti-Russland-Doktrin ausgebrütet worden, um einen Krieg in Europa anzuzetteln – und die europäischen Politiker sind ihre Kollaborateure. Washington will einen Krieg in Europa, weil es den Wettbewerb mit China verliert“.

„Glaziev sprach den Sanktionswahn an: Russland versucht gleichzeitig, die Politik des Internationalen Währungsfonds zu reorganisieren, die Kapitalflucht zu bekämpfen und die Auswirkungen der Schließung von Kreditlinien durch Banken für viele Geschäftsleute zu minimieren. Das Endergebnis der Sanktionen sei jedoch, dass Europa letztendlich der wirtschaftliche Verlierer sein werde; die europäische Bürokratie habe den wirtschaftlichen Fokus verloren, da die amerikanischen Geopolitiker die Führung übernommen hätten.“

Wir müssen die „Steuer auf die Unabhängigkeit“ zahlen

In Moskau scheint sich ein Konsens abzuzeichnen, dass sich die russische Wirtschaft schnell stabilisieren wird, da es der Industrie an Personal mangeln wird und viele zusätzliche Arbeitskräfte benötigt werden. Daher keine Arbeitslosigkeit. Es mag Engpässe geben, aber keine Inflation. Der Verkauf von – westlichen – Luxusgütern ist bereits eingeschränkt worden. Importierte Produkte werden einer Preiskontrolle unterworfen. Alle notwendigen Rubel werden durch Preiskontrollen zur Verfügung stehen – wie es in den USA im Zweiten Weltkrieg geschah.

Eine Welle der Verstaatlichung von Vermögenswerten könnte bevorstehen. ExxonMobil kündigte an, sich aus dem 4-Milliarden-Dollar-Projekt Sachalin-1 zurückzuziehen (aus Sachalin-2 war man ausgestiegen, weil man es für zu teuer hielt), das 200.000 Barrel Öl pro Tag fördert, nachdem BP und die norwegische Equinor angekündigt hatten, sich aus Projekten mit Rosneft zurückzuziehen. BP hatte eigentlich davon geträumt, die gesamte Beteiligung von Rosneft zu übernehmen.

Nach Angaben von Premierminister Michail Mischustin blockiert der Kreml nun den Verkauf von Vermögenswerten durch ausländische Investoren, die sich trennen wollen. Parallel dazu wird Rosneft beispielsweise Kapital von China und Indien aufnehmen, die bereits Minderheitsinvestoren bei mehreren Projekten sind, und diese zu 100 % aufkaufen: eine hervorragende Gelegenheit für die russische Wirtschaft.

Was man als Mutter aller Gegensanktionen bezeichnen könnte, ist noch nicht bekannt. Der stellvertretende Vorsitzende des Sicherheitsrates, Dmitri Medwedew, deutete selbst an, dass alle Optionen auf dem Tisch liegen.

Außenminister Sergej Lawrow, der die Geduld von 10.000 taoistischen Mönchen aufbringt und immer noch darauf wartet, dass die derzeitige Hysterie abklingt, bezeichnete die Sanktionen als „eine Art Steuer auf die Unabhängigkeit“ , wobei die Länder, die ihre Unternehmen von der Arbeit in Russland ausschließen, unter „enormem Druck“ stünden.

Tödliche Gegenschläge sind jedoch nicht ausgeschlossen. Abgesehen von der vollständigen Entdollarisierung – wie Glaziev empfiehlt – könnte Russland die Ausfuhr von Titan, seltenen Erden, Kernbrennstoffen und – bereits in Kraft – Raketentriebwerken verbieten.

Sehr giftige Maßnahmen wären die Beschlagnahmung aller ausländischen Vermögenswerte feindlicher Nationen, das Einfrieren aller Kreditrückzahlungen an westliche Banken und das Einfrieren der Gelder auf einem russischen Bankkonto, das vollständige Verbot aller feindlichen ausländischen Medien, des Besitzes ausländischer Medien, verschiedener Nichtregierungsorganisationen und CIA-Fronten sowie die Versorgung befreundeter Nationen mit modernsten Waffen, der Austausch von Informationen und gemeinsame Schulungen und Übungen.

Sicher ist, dass eine neue Architektur von Zahlungssystemen – wie von Michael Hudson und anderen erörtert -, die das russische SPFS und das chinesische CHIPS vereint, schon bald einer Vielzahl von Ländern in ganz Eurasien und im globalen Süden angeboten werden könnte – darunter einige, die bereits unter Sanktionen stehen, wie Iran, Venezuela, Kuba, Nicaragua, Bolivien, Syrien, Irak, Libanon und die DVRK.

Langsam aber sicher sind wir bereits auf dem Weg zur Entstehung eines bedeutenden Blocks des globalen Südens, der immun gegen die amerikanische Finanzkriegsführung ist.

Die RIC in BRICS – Russland, Indien und China – steigern bereits den Handel in ihren eigenen Währungen. Wenn wir uns die Liste der Nationen ansehen, die in der UNO gegen Russland (gemeint ist wahrscheinlich gegen die Resolution ) gestimmt oder sich bei der Verurteilung der Operation Z in der Ukraine der Stimme enthalten haben, plus derer, die Russland nicht sanktioniert haben, dann haben wir mindestens 70 % des gesamten globalen Südens.

Wieder einmal steht also der Westen – plus Satrapien ( 15 )/Kolonien wie Japan und Singapur in Asien – gegen den Rest: Eurasien, Südostasien, Afrika, Lateinamerika.

Der kommende Zusammenbruch Europas

Michael Hudson sagte mir, „die USA und Westeuropa erwarteten einen Froelicher Krieg (‚happy war‘). Deutschland und andere Länder haben noch nicht begonnen, den Schmerz des Gas-, Mineralien- und Nahrungsmittelmangels zu spüren. DAS wird das eigentliche Spiel sein. Das Ziel werde sein, Europa aus der Kontrolle der USA, die sie über die NATO ausübt, herauszubrechen. Dazu wird man sich „einmischen“, indem man eine politische Bewegung und Partei der Neuen Weltordnung schafft, wie es der Kommunismus vor einem Jahrhundert war. Man könnte es ein neues Großes Erwachen“ nennen.

Ein mögliches Großes Erwachen wird sicherlich nicht in nächster Zeit die NATO-Sphäre betreffen. Der kollektive Westen befindet sich vielmehr in einem ernsthaften „Great Decoupling“-Modus, in dem seine gesamte Wirtschaft mit Waffen ausgestattet ist, mit dem Ziel, Russland zu zerstören und sogar – der ewige feuchte Traum – einen Regimewechsel zu provozieren.

Sergej Naryschkin, der Chef des SVR ( 16 ), hat es kurz und bündig beschrieben: „Die Masken sind gefallen. Der Westen versucht nicht nur, Russland mit einem neuen ‚Eisernen Vorhang‘ einzukesseln. Es geht um den Versuch, unseren Staat zu zerstören – seine ‚Abschaffung‘, wie man in der ‚toleranten‘ liberal-faschistischen Umgebung heute zu sagen pflegt. Da die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten weder die Möglichkeit noch den Willen haben, dies in einer offenen und ehrlichen militärisch-politischen Konfrontation zu versuchen, werden heimliche Versuche unternommen, eine wirtschaftliche, informationelle und humanitäre „Blockade“ zu errichten.

Der Höhepunkt der westlichen Hysterie ist wohl der Beginn eines neonazistischen Dschihad 2022: eine 20.000 Mann starke Söldnerarmee, die in Polen unter Aufsicht der CIA zusammengestellt wird. Der Großteil stammt von privaten Militärfirmen wie Blackwater/Academi und DynCorp. Ihre Tarnung: „Rückkehr von Ukrainern aus der französischen Fremdenlegion“. Dieser Afghanistan-Remix stammt direkt aus dem einzigen Spielbuch, das die CIA kennt.

Zurück in der Realität werden die Tatsachen vor Ort schließlich dazu führen, dass ganze Volkswirtschaften im Westen überfahren werden – mit einem Chaos im Bereich der Rohstoffe, das die Energie- und Lebensmittelkosten in die Höhe schnellen lässt. So könnten beispielsweise bis zu 60 % der deutschen und 70 % der italienischen verarbeitenden Industrie zur endgültigen Schließung gezwungen werden – mit katastrophalen sozialen Folgen.

Die nicht gewählte, kafkaeske EU-Maschinerie in Brüssel hat sich entschieden, ein dreifaches Harakiri zu begehen, indem sie sich als erbärmliche Vasallen des Imperiums aufspielt, jeden verbleibenden französischen und deutschen Souveränitätsimpuls zerstört und eine Entfremdung von Russland und China erzwingt.

In der Zwischenzeit wird Russland den Weg weisen: Nur die Selbstversorgung ermöglicht eine vollständige Unabhängigkeit. Und auch der Globale Süden hat das große Ganze begriffen: Eines Tages musste jemand aufstehen und sagen: „Es reicht“. Mit maximaler roher Kraft, um das zu untermauern.

http://thesaker.is/how-russia-will-counterpunch-the-u-s-eu-declaration-of-war/

eigene Übersetzung, unterstützt durch Deeple

zur Druckversion  

 

1 Feininger, Peter. „Ukrainekonflikt 1: Amerika besiegt Deutschland zum dritten Mal in einem Jahrhundert. Wie Russland den westlichen Wirtschaftskrieg umgehen wird. Michael Hudson und Pepe Escobar analysieren“. Forum solidarisches und friedliches Augsburg, 7. März 2022. https://www.forumaugsburg.de/s_3themen/Osteuropa/220307_amerika-besiegt-deutschland-zum-dritten-mal-hudson-escobar-ukrainekonflikt-1/index.htm .

2 Das weltgrößte Freihandelsabkommen RCEP tritt 2022 in Kraft. Die Regional Comprehensive Economic Partnership (deutsch Regionale umfassende Wirtschaftspartnerschaft) ist ein seit 2020 bestehendes Freihandelsabkommen zwischen den zehn ASEAN-Mitgliedsstaaten und fünf weiteren Staaten in der Region Asien-Pazifik. In der ursprünglich beabsichtigten Form umfasst es 3,6 Milliarden Menschen, ohne Indien sind es zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses rund 2,2 Milliarden Menschen. Es steht damit für etwa ein Drittel der Weltbevölkerung und des weltweiten Bruttoinlandsprodukts

3 Eleonora Di Franco. „The Other European Union: Why the EAEU Is a Threat on the Rise. How Russia is re-building an empire, and why the EU should be afraid; de Die andere Europäische Union: Warum die EAEU eine aufkommende Bedrohung ist. Wie Russland wieder ein Imperium aufbaut und warum die EU Angst haben sollte“. My Country? Europe. (blog), 7. April 2018. https://mycountryeurope.com/international-relations/other-european-union-threat-rise-eaeu/ .

4 … Iran, Syrien und das Atomabkommen
Ein entscheidender Faktor für das gesamte geopolitische Szenario in der Region ist das bevorstehende Freihandelsabkommen zwischen der EAEU und dem Iran, das seit der Gründung der EAEU in Arbeit ist und im Mai dieses Jahres abgeschlossen werden soll. Die Bedeutung des Iran als wichtiger Handelspartner und strategischer Verbündeter darf nicht unterschätzt werden. Für Russland ist der Iran in einer fundamentalen Position, wenn es um seine geopolitischen Interessen in Syrien geht. Die Freiheit, Waffen und Rohstoffe so nahe am Konflikt zu bewegen, könnte sich als unschätzbar erweisen. Der Iran ist außerdem der engste Verbündete Syriens und unterhält seit Jahrzehnten positive kulturelle, religiöse und politische Beziehungen zu dem Land, bevor der Bürgerkrieg ausbrach. Die positiven Auswirkungen, die die freundschaftlichen Beziehungen zum Iran für Russland nach dem Ende des Bürgerkriegs haben könnten, sind leicht ableitbar.
Dies ist auch eine perfekte Gelegenheit für Russland, aus dem Atomabkommen mit dem Iran Kapital zu schlagen. Russland verfügt über eines der weltweit besten Fachkenntnisse im Bereich der Atomenergie und hat viele Jahre lang den Bau von Reaktoren im Iran unterstützt. Es ist daher nicht verwunderlich, dass der Kreml die lukrativen Verträge zum Ausbau des zivilen Atomprogramms des Irans für sich genutzt hat und im Rahmen eines Freihandelsabkommens besonders davon profitieren könnte.

Ebd.

5 Mir (payment system) https://en.wikipedia.org/wiki/Mir_(payment_system )

6 Yellowcake (englisch ‚Gelbkuchen‘ oder ‚gelber Kuchen‘) ist ein pulverförmiges Gemisch von Uranverbindungen. https://de.wikipedia.org/wiki/Yellowcake

7 Das weltgrößte Freihandelsabkommen RCEP tritt 2022 in Kraft. Die Regional Comprehensive Economic Partnership (deutsch Regionale umfassende Wirtschaftspartnerschaft) ist ein seit 2020 bestehendes Freihandelsabkommen zwischen den zehn ASEAN-Mitgliedsstaaten und fünf weiteren Staaten in der Region Asien-Pazifik. In der ursprünglich beabsichtigten Form umfasst es 3,6 Milliarden Menschen, ohne Indien sind es zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses rund 2,2 Milliarden Menschen. Es steht damit für etwa ein Drittel der Weltbevölkerung und des weltweiten Bruttoinlandsprodukts

8 Die Asiatisch-Pazifische Wirtschaftsgemeinschaft (für englisch Asia-Pacific Economic Cooperation, kurz APEC, auch übersetzt als Asiatisch-Pazifische Wirtschaftskooperation oder Asien-Pazifik-Forum) ist eine internationale Organisation, die es sich zum Ziel gesetzt hat, im pazifischen Raum eine Freihandelszone einzurichten. In den 21 APEC-Staaten lebt knapp die Hälfte der Weltbevölkerung. Der Wirtschaftsraum erbringt mehr als die Hälfte der Weltwirtschaftsleistung und ist eine der am schnellsten wachsenden Wirtschaftsregionen der Welt. Mitglieder sind unter anderem Australien, Kanada, Indonesien, Japan, Philippinen, Vereinigte Staaten, Volksrepublik China, Mexiko, Chile, Peru, Russland, Vietnam. Nach: https://de.wikipedia.org/wiki/Asiatisch-Pazifische_Wirtschaftsgemeinschaft

9 Die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ), englisch Shanghai Cooperation Organisation, SCO ist eine Internationale Organisation mit Sitz in Peking (China). Sie wurde 2001 gegründet und ging aus den 1996 gegründeten Shanghai Five hervor. Ihr gehören die Volksrepublik China, Indien, Kasachstan, Kirgisistan, Pakistan, Russland, Tadschikistan und Usbekistan an. Die SOZ beschäftigt sich mit der sicherheitspolitischen Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten sowie Wirtschafts- und Handelsfragen und der Stabilität in der Region. Derzeit vertritt die SOZ circa 40 % der Weltbevölkerung und stellt damit die weltweit größte Regionalorganisation dar. Seit Dezember 2004 hat die SOZ Beobachterstatus bei den Vereinten Nationen. https://de.wikipedia.org/wiki/Shanghaier_Organisation_f%C3%BCr_Zusammenarbeit

10 Die Eurasische Wirtschaftsunion (EAWU, Eurasian Economic Union EAEU, EEU) ist ein Zusammenschluss von Armenien, Belarus, Kasachstan, Kirgisistan und Russland zu einem Binnenmarkt mit Zollunion im Nordosten Eurasiens. https://de.wikipedia.org/wiki/Eurasische_Wirtschaftsunion

11 EBITDA ist ein englisches Akronym, das für „earnings before interest, tax, depreciation, and amortization“ steht. Der Begriff bezeichnet das Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen auf Sachanlagen und auf immaterielle Vermögensgegenstände.

12 Siehe unsere Übersetzung des Artikels: Folge dem Geld: Wie Russland den westlichen Wirtschaftskrieg umgehen wird. Die USA und die EU gehen mit ihren Russland-Sanktionen zu weit. Das Ergebnis könnte die Entdollarisierung der Weltwirtschaft und eine massive Verknappung von Rohstoffen weltweit sein, von Pepe Escobar, 1. März 2022 in: Feininger, Peter. „Ukrainekonflikt 1: Amerika besiegt Deutschland zum dritten Mal in einem Jahrhundert. Wie Russland den westlichen Wirtschaftskrieg umgehen wird. Michael Hudson und Pepe Escobar analysieren“. Forum solidarisches und friedliches Augsburg, 7. März 2022. https://www.forumaugsburg.de/s_3themen/Osteuropa/220307_amerika-besiegt-deutschland-zum-dritten-mal-hudson-escobar-ukrainekonflikt-1/index.htm .

13 Die Einleitung John Helmers zum Statement von Sergei Glazyev Sanktionen und Souveränität (siehe Dok 3 ) lautet:

Am Freitagmorgen, den 25. Februar, veröffentlichte Sergej Glazyev die folgende Analyse der US-Sanktionen gegen die russische Wirtschaft und der russischen Möglichkeiten zur Verteidigung und zum Gegenangriff.

Glazyev ist ein russischer Staatsbeamter mit Ministerrang. Er war viele Jahre lang wirtschaftspolitischer Berater von Präsident Wladimir Putin; seit 2019 ist er Minister für Integration und Makroökonomie der Eurasischen Wirtschaftskommission, dem Block ehemaliger Sowjetstaaten, der die Zoll-, Zentralbank-, Handels- und Steuerpolitik gemeinsam koordiniert.

Glazyev, heute 61 Jahre alt, ist auch die am längsten überlebende Kraft auf der linken Seite der russischen Politik seit dem Ende der Sowjetunion 1991 und der Zerstörung des Kongresses der Volksdeputierten durch Boris Jelzin im Jahr 1993. Er ist ein konsequenter Kritiker der Geldpolitik der russischen Zentralbank und des Oligarchen-Systems, das von Anatoli Tschubais, Alexej Kudrin, German Gref und ihren Geschäftspartnern in Moskau sowie in den Finanzzentren von New York und London gefördert wird. Seit 25 Jahren haben sie sich innerhalb des Kreises des Präsidenten als stärker erwiesen als Glazyev; sie haben Putin dazu gebracht, ihn öffentlich zu überstimmen und ihn dann zu ignorieren und ins Abseits zu stellen. Bis jetzt.

Seit Putins Rede vom 21. Februar, der Anerkennung der Volksrepubliken Donezk und Lugansk und dem Beginn der Militäraktion in der Ukraine ist die russische Wirtschaft auf Kriegskurs eingeschwenkt. Nach Ansicht eines führenden europäischen Bankiers zielt die Verschärfung der Sanktionen der USA und der Europäischen Union (EU) darauf ab, das Vermögen der Zentralbank zu konfiszieren und alle finanziellen Verbindungen zwischen Russland und dem Westen zu zerstören. Er kommentiert, dass seit dem Einfrieren der Auslandsguthaben Japans durch Präsident Franklin Roosevelt am 26. Juli 1941 und dem sechs Tage später verhängten Embargo gegen japanische Öl- und Benzinimporte nichts mehr in diesem Ausmaß gegen eine große Weltmacht unternommen wurde.

Die neuen Sanktionen begannen am 22. Februar als Reaktion auf die russische Anerkennung der Unabhängigkeit des Donbass und die Unterzeichnung eines Abkommens über militärische und wirtschaftliche Zusammenarbeit. Die ersten Sanktionen betrafen zwei staatliche Banken, drei Söhne russischer Staatsbeamter und Staatsanleihen, die ab Mittwoch dieser Woche ausgegeben werden sollten.

Die zweiten Sanktionen wurden am 24. Februar verschärft und „zielen auf die zentrale Infrastruktur des russischen Finanzsystems ab – einschließlich aller großen russischen Finanzinstitute und der Fähigkeit staatlicher und privater Unternehmen, Kapital zu beschaffen – und schließen Russland weiter vom globalen Finanzsystem aus. Die Maßnahmen betreffen auch fast 80 Prozent aller Bankaktiva in Russland und werden tiefgreifende und lang anhaltende Auswirkungen auf die russische Wirtschaft und das Finanzsystem haben.

Darüber hinaus wurden die Maßnahmen erstmals auch auf den staatlichen Diamantenproduzenten und internationalen Diamantenhändler Alrosa sowie auf Sovcomflot, den weltweit größten Betreiber von Energietankern, ausgeweitet. Gleichzeitig erklärte das US-Finanzministerium, dass es die russischen Zahlungen für „landwirtschaftliche und medizinische Güter und die COVID-19-Pandemie, Überflüge und Notlandungen sowie Energie“ nicht blockieren werde.

Der dritte Schlag begann in der Nacht vom 26. auf den 27. Februar. Das Weiße Haus gab bekannt, dass „ausgewählte russische Banken“ vom SWIFT-Zahlungsverkehrssystem abgeschaltet wurden. In der russischen Presse wurde spekuliert, dass die Sberbank und die VTB zusammen mit den anderen Banken, die am 24. Februar betroffen waren, abgeschaltet werden. Es ist nicht klar, ob die Alfa Bank, die führende Geschäftsbank im Besitz von Michail Fridman, auf der SWIFT-Abschaltungsliste steht.

Das Weiße Haus kündigte außerdem die Einrichtung einer multilateralen transatlantischen Task Force an, die die Vermögenswerte der sanktionierten russischen Unternehmen und Oligarchen identifizieren, aufspüren und einfrieren soll – ihre Jachten, ihre Villen und alle anderen unrechtmäßigen Gewinne, die wir aufspüren und nach dem Gesetz einfrieren können.

Beamte der USA und der Europäischen Union behaupten, dass die „restriktiven Maßnahmen, die die russische Zentralbank (CBR) daran hindern werden, ihre internationalen Reserven einzusetzen“, einem Einfrieren der auf US-Dollar und Euro lautenden Bestände der Zentralbank gleichkommen. Zum 31. Januar verfügte die CBR über Devisenreserven in Höhe von 469 Milliarden Dollar. Von diesem Gesamtbetrag lauten nach einjährigen CBR-Daten 22 % auf US-Dollar, 29 % auf Euro und 6 % auf britische Pfund.

Quellen aus dem Londoner Bankensektor und ein führender Vertreter des Ölhandels sind der Ansicht, dass die russische Seite alle Schuldentilgungen einstellen wird, wenn die Sanktionen der dritten Stufe die Zahlungen in US-Dollar und Euro für russisches Öl, Gas, Kohle, Titan, Palladium, Diamanten und andere Rohstoffexporte sowie die Bedienung von Zins- und Tilgungskrediten stoppen. Sie wird auch alle Lieferungen an die USA und Europa einstellen.

Die innenpolitischen Folgen für Russland sind nicht weniger dramatisch; sie sind potenziell revolutionär, wenn auch nicht in der Richtung, die US-Persönlichkeiten wie Antony Blinken, Victoria Nuland und William Burns in der Öffentlichkeit kalkuliert haben. Glazyev ist einer der russischen Revolutionäre, von denen sie am wenigsten wollen, dass sie jetzt die Macht über die Oligarchen übernehmen.

Für einen Bericht über Glazyevs Reaktionen auf die erste Runde der US-Sanktionen im März 2014, lesen Sie dies , für ein längeres Archiv über Glazyev zurück bis 1993, klicken Sie zum Öffnen .

http://johnhelmer.net/black-box-defence-for-the-russian-economy-dollar-debt-repayments-blocked-gas-and-oil-deliveries-to-germany-stopped-oligarch-assets-nationalized/

14 Mit Offshore-Wirtschaft ist hier das Engagement russischer Firmen und Unternehmer im Ausland gemeint. Dies soll durch eine De-Offshorisierung auf das russische Inland umgelenkt werden.

15 Statthalter

16 SVR, einer der beiden Auslandsgeheimdienste Russlands


   
nach oben