Verlegung einer Stolpersteinschwelle am Industriepark Gersthofen zum Gedenken an die Zwangsarbeiter

Nach 77 Jahren

Menschenfeindliche Bezüge im Industriepark – auch heute noch

21.12.2021

Bericht
Warum Zwangsarbeit ein komplexes Verbrechen ist, das bis in die heutige Zeit hineinreicht
Zu erstens: die Verwendung von Zwangsarbeiter_innen ist ein Verbrechen
Zu zweitens: Die Verwendung von Zwangsarbeit in der Rüstungsproduktion zur Fortsetzung des Angriffskrieges
Zu drittens: Die Täter wurden in der Regel nicht zur Rechenschaft gezogen
Zu viertens: Das Verschweigen der Untaten…
Zu fünftens: Verweigerung einer Entschädigung. Ein Zwangsarbeiter: „Die Stiftung ist der Grabstein der Erinnerung“
Exkurs
Menschenfeindliche Bezüge im Industriepark Gersthofen – auch heute noch
Infraserv Logistics setzt Offiziere im Management ein
Clariant als eines der weltweit führenden Unternehmen der Spezialchemie hat militärische Verbindungen
Imperial Logistics – eine Ausgründung des Rüstungskonzerns Krupp
Die „Feinchemie“ der CABB Group reicht bis zur militärischen Luftfahrt – eine Vorgängerfirma in Kansas hat an Nuklearwaffen gearbeitet
Bilfinger Engineering & Maintenance will Geld machen mit der Energiewende und, wenn es sein muss. auch ohne sie ...
… und die Hochbautochter von Bilfinger verlegt sich auf den Ausbau von US-Militärstandorten, wo auch Drohnen und Atomwaffen stationiert sind
Anhänge
Anhang 1: Grußwort Sabine Grünwald (SPD), stellvertretende Landrätin
„Und diese Zwangsarbeit, das war eine schreckliche – Selbstverständlichkeit“
Anhang 2: Rede Holger Amberg, Geschäftsführer des MVV Industrieparks Gersthofen
„Mit der Verlegung der Stolperschwelle soll erinnert werden, soll gedacht werden an die rund 400 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, die im heutigen Industriepark für die Firmen IG Farbenindustrie und Transehe unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten mussten und an die vielen, die diese Zwangsarbeit mit ihrem Leben bezahlt haben.“
Anhang 3: Rede Bernhard Lehmann, Stolpersteininitiative Augsburg-Gersthofen
Anlässlich der Verlegung der Stolperschwelle am 25.10.2021 in Gersthofen, Ludwig-Hermann-Str. 100 für Zwangsarbeiter der Firmen IG Farbwerke Hoechst Gersthofen und der Firma Transehe
Anhang 4: Rede Fabian Schnaubert, Enkel eines der Täter
„Als Enkel von Gerhard Schnaubert, welcher in den Erinnerungen der Internierten als schwarze Bestie von Gersthofen bekannt war, ist es für mich Pflicht und Ehre zu gleich, die Erinnerungen an das Geschehene lebendig zu halten.“
Anhang 5: Vortrag Schüler_innen aus dem Tagebuch von Anselmo Mazzi
Leider konte „ich dem Ingenieur Schnaubert nicht ins Gesicht spucken“
Anhang 6: Vortrag Schüler_innen aus dem Tagebuch von Fulvio Depetroni
„Noch ärger ist der Vorarbeiter. Wehe, er sieht uns einen Moment ausruhen, er ist ein perverser und böser Mensch.“
Anhang 7: Vortrag Schüler_innen über Giorgio Gregori
„Von Buchloe läuft er mit den anderen IMIs und Zivilisten zu Fuß nach Gersthofen, wo er anfangs in Baracken ohne Betten untergebracht ist.“
Anhang 8: Vortrag Schüler_innen über Espedito Neve
„Im Zimmer der Wachen entwickelt sich ein Brand, der auf sämtliche Zimmer übergreift. Die Gefangenen versuchen vergeblich, die Holzwand zu durchbrechen ...“
Anhang 9: Vortrag Schüler_innen über Gino Rossi
„Ersticken im Kesselraum. Arbeitsunfall nach Ohnmachtsanfall. Gez. Dr. Neussell.“
Anhang 10: Vortrag Schüler_innen Liste der in Gersthofen verstorbenen Zwangsarbeiter

 

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Die Verlegung der Stolperschwelle am Eingang des Industriepark Gersthofen zum Gedenken an die 400 Zwangsarbeiter_innen, die dort im Dritten Reich für die I.G. Farben schuften mussten, hatte schon eine historische Dimension. Erstmals in Schwaben und vielleicht in ganz Bayern bekannte sich ein Industriebetrieb zu den Verbrechen der Firma oder einer Vorgängerfirma in der NS-Zeit. Der Geschäftsführer würdigte die Opfer der Zwangsarbeit auf dem Gelände des Industrieparks – eine Tatsache, die die Vorgängerfirma Hoechst und die Chronisten der Stadt Gersthofen wie auch die Stadtverwaltung selbst ein halbes Jahrhundert lang vertuscht und verschwiegen haben. Zu dem jetzigen Gedenken nach 77 Jahren konnte sich der Bürgermeister der Stadt Gersthofen immer noch nicht durchringen – er nahm nicht teil. Wir wollen in diesem Artikel über die Kundgebung am 25. Oktober 2021 anlässlich der Stolperschwellenverlegung berichten und dokumentieren in den Anhängen alle Reden, Grußworte und Vorträge. Ferner wollen wir beispielhaft skizzieren, warum es sich bei der Zwangsarbeit im Dritten Reich um ein komplexes Verbrechen handelt, das bis in die heutige Zeit hineinreicht. Empörend ist dabei insbesondere, dass die Taten in der Regel nicht geahndet und vielfach nicht entschädigt wurden. Außerdem behandeln wir in einem Exkurs die menschenfeindlichen Bezüge im Industriepark Gersthofen, die es heute noch gibt. Dies betrifft insbesondere erneut die Militärproduktion.

Bericht

Es war ein denkwürdiges, ja historisches Ereignis am 25. Oktober 2021 am Eingang des Industriepark Gersthofen. Holger Amberg, einer der beiden Geschäftsführer des MVV Industriepark, sagte dort: „Mit der Verlegung der Stolperschwelle soll erinnert werden, soll gedacht werden an die rund 400 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, die im heutigen Industriepark für die Firmen IG Farbenindustrie und Transehe unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten mussten und an die vielen, die diese Zwangsarbeit mit ihrem Leben bezahlt haben.“

Es kommt nicht so oft vor, dass sich Vertreter großer Firmen so deutlich und uneingeschränkt zur Zwangsarbeit äußern. Auf dem 35 ha großen Gelände befand sich ein Filialwerk der Farbwerke Hoechst AG, das 1997 von dem Schweizer Clariant-Konzern übernommen wurde. Dieser entwickelte es zum Industriepark Gersthofen weiter. Geschäftsführer Holger Amberg vertritt die Betreibergesellschaft des Industrieparks und sprach damit auch für die insgesamt zehn Unternehmen mit rund 1.200 Beschäftigten, von denen fünf weltweit tätig sind ( 1 ). Holger Amberg ist über die MVV Industriepark Gersthofen GmbH auch mit der Muttergesellschaft MVV Enamic GmbH in Mannheim verbunden, die wiederum ein Tochterunternehmen der MVV Energie AG ist – mit 6.000 Beschäftigten eines der größten deutschen Energieunternehmen.

Die Worte von Holger Amberg haben also schon eine gewisse Tragweite und es war in Schwaben, vielleicht sogar in Bayern das erste Mal, dass eine größere Firma eine Verlegung von Stolpersteinen akzeptiert und unterstützt, die an die ehemaligen Zwangsarbeiter_innen erinnern. Dank der hartnäckigen Initiative von Bernhard Lehmann kann das Beispiel Schule machen. Der Geschäftsführer des Industriepark Gersthofen begrüßte in seiner Rede ganz offiziell den Standortleiter von SGL Carbon Meitingen als Teilnehmer der Kundgebung. Auch dort ist eine Stolpersteinverlegung geplant.

Die SGL Carbon SE mit Sitz in Wiesbaden ist ein mächtiger Hersteller von Kohlenstoffprodukten mit fast 5.000 Beschäftigten und 29 Produktionsstandorten in Europa, Nordamerika und Asien. SGL Carbon entstand 1992 aus einem Zusammenschluss zwischen der SIGRI GmbH, ehemals Siemens Elektrographit und einem US-Unternehmen. SIGRI wiederum ging zurück auf ein Tochterunternehmen von Siemens & Halske. 1920 errichtete das Unternehmen ein Zweigwerk in Meitingen und fusionierte 1928 mit der im oberschlesischen Ratibor beheimateten „Planiawerke AG für Kohlefabrikation“ zur neuen „Siemens Planiawerke AG für Kohlefabrikate“.

Während des Zweiten Weltkriegs stellten die Siemens Planiawerke unter anderem die Graphit-Strahlruder für die V2-Rakete her. In den fünfziger Jahren bis in die Neunzigerjahre übernahm dann Hoechst das Ruder ( 2 ).

In Meitingen mussten also wie in Gersthofen Zwangsarbeiter_innen für die V2 arbeiten, die erste weltraumfähige Großrakete der Menschheitsgeschichte. Sie wurde von Wernher von Braun für die Nazis als kriegsentscheidende Angriffswaffe entwickelt und kam ab 1944 in großer Zahl zum Einsatz. Die Graphit-Strahlruder, die bei Siemens Plania in Meitingen produziert wurden, lagen direkt im Gasstrom der Rakete und dienten kurz nach dem Start für die Stabilisierung.

Die IG Farben in Gersthofen lieferte Chlor, Chlorhypochlorid und Bleichlauge für die Produktion von Hydrazinhydrat für das Flüssigkeitsraketentriebwerk. Das heißt, Meitingen arbeitete an der Steuerung der Rakete und Gersthofen am Antrieb.

Über die Endfertigung der Rakete heißt es bei Wikipedia ( 3 ): „16.000 bis 20.000 KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter, die meisten zwanzig- bis vierzigjährig, starben nach zurückhaltenden Schätzungen zwischen September 1943 und April 1945 im Lagerkomplex Mittelbau-Dora sowie auf Liquidations- oder sogenannten Evakuierungstransporten. Etwa 8.000 Menschen verloren ihr Leben durch den Einsatz der Waffe, die meisten im Raum London und Antwerpen…

Laut Jens-Christian Wagner, Leiter der Gedenkstätte KZ Mittelbau-Dora, sind somit ‚mehr Häftlinge bei der Produktion der Waffe ums Leben gekommen als [andere Opfer] bei ihrem Einsatz. Das ist ein Unikum; ich glaube, es hat keine andere Waffe gegeben, die schon in der Produktion so viele Menschenleben gefordert hat.‘“

„Mit den V-Waffen wollte Hitler 1943 auf den alliierten Bombenkrieg über Deutschland reagieren. Für das Raketenprogramm wurde die letzten Ressourcen des Reiches zusammengezogen.“ ( 4 ) Zu diesen „letzten Ressourcen“ zählten nicht nur die Zwangsarbeiter der SS in den unterirdischen Montagehallen, sondern auch Zwangsarbeiter in Gersthofen und Meitingen.

Wernher von Braun machte nach dem Krieg nahtlos weiter. „Nie wurde er für die Opfer zur Verantwortung gezogen, die in den Fabrikanlagen für sein Projekt sterben mussten.“ ( 5 )

Insofern wird es Zeit, endlich den Namen der Wernher-von-Braun-Straße in Gersthofen zu tilgen, wie es auch bei der Umbenennung des Friedberger Gymnasiums gelang ( 6 ). „Der Kreistag von Aichach-Friedberg hält Wernher von Braun als Namensgeber für eine Schule ‚für nicht mehr tragbar‘.“, schrieb die Augsburger Allgemeine im Jahr 2013 ( 7 ). Schon die Widerstandskämpferin Anna Pröll versuchte vor Jahren vergebens, eine Umbenennung der Wernher-von-Braun-Straße in Gersthofen zu erreichen.

Darauf spielte wohl Bernhard Lehmann an bei einer weiteren Stolpersteinverlegung vor der Anna-Pröll-Mittelschule unmittelbar nach der Kundgebung vor dem Industriepark Gersthofen – im Beisein des Gersthofer Bürgermeisters Michael Wörle: „Dennoch: lassen Sie uns diesen Weg zu Ende gehen, indem wir all die Relikte aus nationalsozialistischer Zeit aus dem Stadtbild entfernen. Das wäre ganz im Sinne der Familie Pröll. Erinnerungskultur verlangt einen ganzheitlichen und konsequenten Ansatz“.

Zur Zwangsarbeit in Gersthofen verweisen wir auf die umfangreichen Recherchen Bernhard Lehmanns und seiner Schüler am Paul-Klee-Gymnasium im Jahr 2001/2002, die auch zur Veröffentlichung einer Broschüre führten und die Grundlage für alles Weitere darstellen ( 8 ). Auch zur Zwangsarbeit im Raum Meitingen und Langweid gibt es jetzt eine aktuell erstellte Webseite, mit bisher unbekanntem und unveröffentlichten Material ( 9 ).

Zur Kundgebung und Stolperschwellenverlegung vor dem Industriepark Gersthofen kamen bei ziemlicher Kälte etwa 60 Menschen: Vertreter der Initiativen, von VVN, Firmenvertreter, aus der Politik, Presse etc. Bürgermeister Wörle kam nicht, was schon fast ein Affront war.

Wörle und Teile des Gersthofer Stadtrats sind wohl der Meinung, dass es reichen muss, wenn man Anna und Josef Pröll ehrt und man es nicht zu weit treiben soll mit der Aufklärung der NS-Vergangenheit. Am Schluss käme noch Georg Wendler in Verruf, Bürgermeister von 1940-1945, der als Kreisamtsleiter und Kreisredner aktiv die Ziele des Nationalsozialismus vertreten und verbreitet hat und sogar im SD, dem Sicherheitsdienst der SS tätig war. Er war dann noch mal von 1952-1967 Bürgermeister der Marktgemeinde Gersthofen und wurde 1975 durch Stadtratsbeschluss zum Ehrenbürger ernannt. Der Stadtrat scheint wohl zu ahnen, dass nicht nur Straßennamen in Gefahr sind, umbenannt zu werden, sondern auch diese Ehrenbürgerschaft infrage steht, wenn man die Stolpersteininitiative in Gersthofen weitermachen lässt.

Warum Zwangsarbeit ein komplexes Verbrechen ist, das bis in die heutige Zeit hineinreicht

Bei der Zwangsarbeit im Dritten Reich handelt es sich um ein komplexes Verbrechen, das teilweise noch aktuell wirksam ist:

Erstens ist die Verwendung von Zwangsarbeiter_innen natürlich selbst ein Verbrechen. Es beginnt mit ihrer gewaltsamen Deportation und dem oft barbarischen Transport. Und es geht weiter mit oft unmenschlichen Arbeitsbedingungen und katastrophaler Unterbringung. Es endet oft mit Gefangenschaft, schrecklicher Unterdrückung bis zum Tod oder Ermordung.

Zweitens wurden die Zwangsarbeiter in der Regel in der Rüstungsproduktion eingesetzt, weil dem NS-Regime die Ressourcen ausgingen, um den Angriffskrieg bis zum bitteren Ende fortzusetzen. Bei der Rüstungsproduktion ging es gegen Kriegsende um immer schrecklichere Massenvernichtungswaffen, sei es die Bomberflotte der Messerschmitt-Werke oder – wie in Gersthofen und Meitingen – die V2-Rakete.

Drittens handelt es sich um ein weiteres Verbrechen, dass nach dem Krieg die Täter in der Regel nicht zur Rechenschaft gezogen wurden – seien es SS-Einheiten, die die Lager führten und kontrollierten, seien es die Unternehmer und Industriellen, die oft in großem Stil gnadenlos Kriegsgefangene oder KZ-Häftlinge einsetzten und später eiskalt behaupteten, sie seien ihnen vom NS-Staat aufgedrängt worden.

Viertens muss man auch das Verschweigen der Untaten, die Umdeutung der Historie , das Zuschütten der Erinnerung an die Zwangsarbeit und die Blockade oder Verweigerung eines würdigen Gedenkens als ein Verbrechen werten.

Und fünftens ist es auch ein Verbrechen, den Zwangsarbeitern und Häftlingen jahrzehntelang eine Entschädigung zu verweigern oder sie – wenn überhaupt – mit lächerlichen Beträgen abzuspeisen oder sie mit hanebüchenen Begründungen abzuweisen und erneut zu demütigen.

Zu diesen Punkten seien bei dieser Gelegenheit einige Anmerkungen skizziert:

Zu erstens: die Verwendung von Zwangsarbeiter_innen ist ein Verbrechen

Man muss sich über das Ausmaß der Zwangsarbeit im Klaren sein. Der Journalist und Autor Rüdiger Jungblut formulierte es in der Zeit so ( 10 ) : „Außer den Banken und Versicherungen beschäftigte fast jedes Unternehmen Zwangsarbeiter. Im gesamten Reichsgebiet waren es rund acht Millionen Menschen. Man sprach von Ost- oder Fremdarbeitern. Sie arbeiteten in der Landwirtschaft, in der Industrie, aber auch in Privathaushalten. Vor allem aus Polen und der Sowjetunion wurden viele Menschen nach Deutschland verschleppt. Die Verteilung erfolgte über die Arbeitsämter.

Im Spätsommer 1944 war jede vierte Arbeitskraft in der deutschen Wirtschaft eine Zwangsarbeiterin oder ein Zwangsarbeiter. In den Rüstungsbetrieben betrug ihr Anteil rund 40 Prozent. Sie mussten deutsche Arbeiter ersetzen, die als Soldaten an die Front geschickt worden waren.

Vom Einsatz der Zwangsarbeiter profitierte die deutsche Wirtschaft auch noch nach dem Krieg. Denn während des Krieges waren die deutschen Produktionsanlagen um schätzungsweise 30 Prozent vergrößert worden – Gebäude und Maschinen, die nun wieder zur zivilen Produktion genutzt werden konnten. Das war neben den amerikanischen Krediten eine der Grundlagen des späteren Wirtschaftswunders.“

Ergänzend dazu Bernhard Lehmann ( 11 ): „Zwangsarbeit als Massenphänomen Zwangsarbeit von Männern und Frauen in Deutschland war zwischen 1939 und 1945 ein Massenphänomen. Es gab kaum ein Unternehmen, kaum einen gewerblich tätigen Betrieb, der nicht dauerhaft von der Arbeitsleistung ausländischer Zivilarbeiter, Kriegsgefangener oder KZ-Häftlinge profitiert hätte.

Zwangsarbeit im II. Weltkrieg prägt Ortstopographie Es gab in Städten und Gemeinden kaum ein Viertel, kaum einen Straßenzug, in dem nicht ein Barackenlager und Ausländerunterkünfte das Straßenbild prägten. Ein dichtes Netz von Lagern und Quartieren unterschiedlichster Bauart und Größe überzog die gesamte örtliche Topographie.“

Zu zweitens : Die Verwendung von Zwangsarbeit in der Rüstungsproduktion zur Fortsetzung des Angriffskrieges

Wir wollen hier beispielsweise kurz auf die Siemens-Planiawerke eingehen, dem Vorläufer von SGL Carbon in Meitingen. Im Buch „Versklavt und fast vergessen: Zwangsarbeit im Berliner Bezirk Lichtenberg 1939-1945“ findet sich ein eigenes Kapitel über Siemens Plania (SPL). ( 12 ) Man erfährt dort etwas über das Ausmaß der Rüstungsproduktion in den drei Werken von Siemens Plania und die Arbeitsbedingungen. Auch die Bedeutung des Meitinger Werks im Gesamtkonzern wird deutlich, wenn 1944 wegen Bombenangriffen Teile der Berliner Produktion nach Meitingen verlegt wurden.

Es heißt in dem Buch :

„Die Siemens-Planiawerke Aktiengesellschaft für Kohlefabrikate gehörte zum Siemens Konzern und wurde 1928 durch Fusion mit den Rütgerswerken (Plania) in Ratibor/Oberschlesien gegründet. Bis 1945 bestand das Unternehmen aus den Werken in Lichtenberg, Ratibor und Meitingen bei Augsburg. Der Sitz der Verwaltung befand sich in Berlin-Lichtenberg. Die Siemens-Planiawerke (Sipla) zählten bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges zu den bedeutendsten Unter­nehmen der Welt zur Fabrikation von Kohleartikeln. In Deutschland waren sie deren Alleinhersteller. …

Die Siemens-Plania AG war von vornherein ein kriegswichtiges Unternehmen. Ohne die Erzeugnisse aus Lichtenberg, Ratibor und Meitingen hätte es keinen Edelstahl, kein Aluminium und kein Karbid gegeben. Eine moderne Kriegführung wäre also nicht möglich gewesen. Aus einem Schreiben des Werkes Meitingen an die Industrie- und Handelskammer 1941 geht hervor, dass die Siemens-Plania AG ein OKW-Spezialbetrieb (Oberkommando der Wehrmacht OKW, Red. ) war. Die Aktiengesellschaft produzierte fast ausschließlich für die Rüstung: Anoden, Graphitelektroden und amorphe Kohleelektroden sowie Kohleböden für die deutsche Aluminium­produktion, die Edelstahlerzeugung, die Erzeugung von Ferro- und anderen Legierungen, Kohlebürsten zum Betrieb der lebenswichtigen Stromerzeugung, Scheinwerferkohlen für die Wehrmacht und schließlich Graphitelektroden für die Steuerruder der Raketen. Nur etwa fünf Prozent des Umsatzes erwirtschaftete das Unternehmen aus dem zivilen Sektor. Hauptabnehmer waren die IG Farben, die Vereinigten Aluminiumwerke, die Vereinigten Stahlwerke, der Röchling­konzern und die Friedrich Krupp AG. …

Im Geschäftsjahr 1934/35 begann der wirtschaftliche Aufschwung mittels Rüstungsaufträgen. Vor allem der steigende Bedarf an Stahl und Aluminium beförderte den Absatz von Graphitelektroden und Anoden. Der Krieg beschleunigte das Wachstum noch einmal. Es erwies sich als notwendig, in allen Werken von Siemens-Plania die Produktionskapazitäten zu erweitern und die Produktionsanlagen auszubauen. …

Auch die Entwicklung der Arbeitskräftezahlen belegt das Wachstum des Unternehmens. 1933 hatte die Siemens-Planiawerke AG eine Gesamtbelegschaft von 3 000 Mitarbeitern. Das Werk in Berlin-Lichtenberg hatte davon rund 2 000 Beschäftigte. 1944 gibt ein Fragebogen des ‚Arbeitsausschusses Elektrokohle‘ für Lichtenberg 2 837 Arbeitskräfte an. Insgesamt waren in allen drei Werken in diesem Jahr 5 437 Mitarbeiter beschäftigt. …

In den Siemens-Plania-Werken war die Arbeit generell schwer und gesund­heitsgefährdend. Bei der Aufbereitung der Rohstoffe wie Anthrazit, Kohlenpulver, Teer und Pech, Graphit u.a. fielen Staub und Dämpfe an, die die Atemwege belasteten. Die Kohlefabrikate wurden gepreßt und gebrannt. In der Brennerei herrschten im Sommer Temperaturen bis zu 60°C. Der Transport und die Bearbeitung der bis zu mehreren Tonnen schweren Elektroden war körperlich sehr anstrengend. Siemens schreckte auch nicht davor zurück, im Lichtenberger Werk ausländische Kinder im Alter von 10 bis 13 Jahren zu beschäftigen. Sie wurden hauptsächlich in der Verkupferei, der Schleiferei, der Bürstenarmatur und der Dochterei eingesetzt. …

Nach den schweren Luftangriffen auf Berlin wurden im Herbst 1944 Teile des Werkes nach Meitingen ausgelagert. Kurze Zeit darauf bombardierten alliierte Flugzeuge die Anlagen in Lichtenberg und zerstörten Teile davon.“

Es geht hier generell um die Ausbeutung ausländischer Arbeiter_innen als Kriegsressource. Wir wollen aber wir darauf hinweisen, dass die Rüstungsproduktion natürlich nicht beendet ist, auch nicht im Industriepark Gersthofen. Siehe hierzu weiter unten unseren Exkurs über Menschenfeindliche Bezüge im Industriepark Gersthofen – auch heute noch

Zu drittens : Die Täter wurden in der Regel nicht zur Rechenschaft gezogen

Es sei hier nur eines von vielen schrecklichen Beispielen erwähnt, das Massaker in der Umgebung von Marzabotto, einer Apenninen-Gemeinde in der Nähe von Bologna in der Emilia-Romagna. Einheiten der SS und der Wehrmacht umstellten das Gebiet am 29. September 1944 auf einen Befehl vom Vortag hin, das ganze Gebiet „von Partisanen zu säubern“. Dabei ermordeten sie in den folgenden Tagen 770 Zivilpersonen, darunter 213 Kinder unter 13 Jahren, auf brutale und sadistische Weise. Dr. Lehmann reiste Ende September 2012 dorthin und schreibt in einem Bericht ( 13 ):

„Mit einem Schreiben des Bundespräsidenten Dr. Joachim Gauck und den Grußbotschaften zweier Bundestagsabgeordneten, Ulla Jelpke und Heinz Paula im Gepäck reiste ich gemeinsam mit meiner Frau am 29.9. nach Marzabotto, um den Opfern und Angehörigen eine symbolische Summe von 10 000 Euro zu überbringen und noch überlebende Opfer des Massakers zu befragen. Zwar war 2002 von Bundespräsident Rau die moralische Schuld eingestanden worden, aber im Gegensatz zu anderen Opfergruppen widerfuhr den italienischen Opfern nie juristische und finanzielle Genugtuung. Zudem wurden die Opfer immer wieder gedemütigt, weil Prozesse gegen die Schuldigen in Deutschland verschleppt, niedergeschlagen (wurden) oder gar keine Anklage erfolgte.“

Auf der deutschen Seite von Wikipedia findet sich dazu eine empörende Chronik ( 14 ):

„Zwei Kommandeure der für die Morde verantwortlichen SS-Division wurden verurteilt. Der Leiter der Strafaktion, SS-Sturmbannführer Walter Reder, wurde 1951 in Bologna zu lebenslanger Haft verurteilt, im Januar 1985 begnadigt und starb 1991 in Wien. SS-Gruppenführer Max Simon wurde in Padua zum Tode verurteilt und bereits 1954 begnadigt. Im Januar 2007 wurden zehn SS-Mitglieder nach dem Fund des ‚Schranks der Schande‘ ( 15 ) – Paul Albers, Josef Baumann, Hubert Bichler, Max Roithmeier (†), Max Schneider, Heinz Fritz Traeger († 2010), Georg Wache, Helmut Wulf, Adolf Schneider und Kurt Spieler von einem Militärgericht in La Spezia in Abwesenheit zu lebenslangen Haftstrafen sowie Entschädigungszahlen in Höhe von 100 Millionen Euro verurteilt, sieben weitere Angeklagte wurden freigesprochen. Ein Berufungsgericht in Rom hob jedoch dieses Urteil 2008 auf und sprach alle Angeklagten schuldig; Anwesenheit am Tatort und Besitz eines Ranges, der grundsätzlich Befehlsgewalt einräume, sei für eine Verurteilung ausreichend. Als Folge des Prozesses nahm die Staatsanwaltschaft München I Ermittlungen auf, die jedoch am 27. April 2009 ohne Anklageerhebung eingestellt wurden.

Die Initiative zur Anklageerhebung im Fall von Sant'Anna warf der Staatsanwaltschaft ‚ermittelnden Täterschutz‘ vor.

Der in La Spezia zunächst freigesprochene SS-Unterführer Wilhelm Ernst Kusterer wurde im Berufungsverfahren 2008 wegen Totschlags zu lebenslanger Haft und Zahlung von Schadenersatz verurteilt. Er ließ sich anwaltlich vertreten, erschien aber nicht zum Prozess und legte auch keine Rechtsmittel ein. Das Urteil gegen ihn ist seit 2008 rechtskräftig. Das Urteil der italienischen Justiz kann in Deutschland nicht vollstreckt werden. Im März 2016 wurde anhand eines Presseartikels bekannt, dass Kusterer noch in seiner Heimatgemeinde in Engelsbrand, Baden-Württemberg, lebt und etwa ein Jahr zuvor eine Ehrenmedaille für sein Engagement in der Gemeinde erhalten hatte. Seit Juli 2013 ermittelte die Staatsanwaltschaft Stuttgart wegen Mordverdachts gegen ihn. Medien berichteten im Juni 2016 unter Berufung auf Associated Press, das Verfahren gegen Kusterer sei eingestellt.“

Im Jahr 2012 fällte der Internationale Gerichtshof (IGH) in Den Haag in diesem Zusammenhang ein gravierendes Urteil. Die Süddeutsche schrieb hierzu ( 16 ): „Das Urteil in Den Haag beendet einen lange währenden Streit zwischen der Bundesrepublik und Italien: Privatpersonen dürfen vor ausländischen Gerichten keine Klagen gegen einen anderen Staat erheben. Somit genießt Deutschland Immunität bei Nazi-Kriegsverbrechen.“ Die Zeit konstatierte ( 17 ): „Urteil in Den Haag: Deutschland muss NS-Opfer in Italien nicht entschädigen. In Italien gefällte Urteile über Geldleistungen an Opfer von Nazi-Verbrechen sind nicht mit dem Völkerrecht vereinbar. Deutschland muss keine Entschädigungen zahlen.“

Wir wollen in diesem Zusammenhang auf eine Hausarbeit verweisen, die ziemlich gründlich die Problematik der Auseinandersetzung zwischen Deutschland und Italien um die Staatenimmunität Deutschlands behandelt und vor allem auch den historischen Hintergrund der Auseinandersetzung und den völkerrechtlichen Kontext ( 18 ).

Die „Staatenimmunität“ mag umstritten sein und Deutschland kann, solang sie gilt, durch die italienische Justiz wohl nicht belangt werden. Aber der internationale Gerichtshof hindert(e) Deutschland nicht, die Taten und die Täter selbst zu verfolgen. Und der erschreckende Skandal besteht vor allem darin, dass die BRD das nicht will und nicht tut.

Zu viertens: Das Verschweigen der Untaten…

Das wohl erste Buch über die Lech-Chemie Gersthofen ist eine Werksgeschichte von 1902-1952 ( 19 ). In diesem Buch wird schon der E rste Weltkrieg als Rettung für d ie Existenz des Werkes dargestellt, da der Krieg immer größere Mengen an Chlor und Kaliumchlorat erforderte. Die Kriegsproduktion im Dritten Reich wird im Buch nur dezent angedeutet, da man 1952 gegenüber der Besatzungsmacht noch vorsichtig sein wollte . Aber immerhin wird von einer „verheißungsvolle ( n ) Entwicklung … auf allen Gebieten der Fabrikation, der Forschung“ gesprochen, die durch den „guten Geschäftsgang der dreißiger Jahre“ noch „verstärkt“ wurde. Wie und wie weit die Firma an der Rüstungsproduktion, an Kriegsvorbereitung und Angriffskrieg beteiligt war, wird verschwiegen. Auch die Arbeit eines Betriebsteils an der V2-Rakete bleibt selbstverständlich unerwähnt.

Der massive Einsatz von Zwangsarbeitern wird nicht thematisiert. Mit den Begriff „Belegschaft“ sind nur die deutschen Gersthofer Beschäftigten gemeint. Die Werksgeschichte im Dritten Reich wird nur in ein paar Sätzen abgehandelt. Der „Ausbruch“ des Zweiten Weltkriegs habe „betriebliche und verwaltungstechnische Umstellungen“ mit sich gebracht – das war‘s im Wesentlichen. Der Kriegsausgang – also die Niederlage – wird in einem Nebensatz bedauert: „… als der Krieg das für unser Vaterland so unglückliche Ende nahm“. ( 20 )

Gleich am Anfang des Buches heißt es auf einer eigenen Seite kommentarlos:

„Wir gedenken

unserer

in zwei Weltkriegen

gefallenen Arbeitskameraden

und derer

die in treuer Pflichterfüllung

im Betriebseinsatz

ihr Leben hingeben mussten“

Mit Arbeitskameraden sind hier nur die deutschen gemeint. Die Arbeitsbedingungen müdden aber sehr gefährlich gewesen sein, denn es gab offensichtlich tödliche Arbeitsunfälle. Die Zwangsarbeiter, die den Risiken des Arbeitsprozesses in besonderer Weise ausgesetzt waren, werden hier eiskalt unterschlagen.

Man darf annehmen, dass diese Werksgeschichte von 1902-1952 im Auftrag der Lech-Chemie geschrieben wurde und ausschließlich die Haltung der Werksleitung und des Konzern-Managements widerspiegelt. Das spricht natürlich Bände über die damaligen Wirtschaftseliten, auch in Gersthofen. Sie geben damit zu erkennen, dass das Menschenleben eines Fremdarbeiters nicht zählte – im wahrsten Sinne des Wortes.

Wir haben uns zwei weitere Bücher angesehen, in denen das Werk beziehungsweise der Industriepark behandelt werden. Es sind Stadt-Chroniken, wo man eigentlich hoffen sollte, dass das Thema Lech-Chemie gerechter behandelt wird.

Das erste davon ist eine umfangreiche Chronik der Stadt Gersthofen mit 450 Seiten, die von 969-1989 reicht ( 21 ). Der Lokalhistoriker Dr. Johannes Krauße widmet dem Werk Gersthofen der Hoechst Aktiengesellschaft über 20 Seiten. Was das Werk im Dritten Reich betrifft, stützt er sich hauptsächlich auf die Werkschronik von 1902-1952, die wir oben besprochen haben. Also auch im Jahre 1989 in der wohl wichtigsten Chronik der Stadt Gersthofen kein Wort über die Zwangsarbeit! Dafür noch eine Aussage über die kriegswichtige Produktion: „… die Chloralkali- Elektrolyse wird sogar in den Jahren 1940 und 1942 bedeutend erweitert; die Natriumproduktion ist mit einem Schlage kriegswichtig geworden — für die Herstellung des Bleitetraäthyls, eines Antiklopfmittels für Flugbenzin …“

Interessant in diesem Zusammenhang noch: bei der Deutschen Nationalbibliothek fungiert Johannes Krauße als Herausgeber und die Stadt Gersthofen als Verfasser ( 22 ). Man kann also die Stadt Gersthofen verantwortlich machen für das Verschweigen der Zwangsarbeit noch Ende der achtziger Jahre.

Im Jahr 2008 hielt die Stadt Gersthofen eine Aktualisierung der Chronik von 1989 für angebracht. Von geplanten drei kurzen Teilen sind bisher zwei erschienen ( 23 ). Im ersten Band hat Karin Mayr-Seitz tatsächlich erstmals die Zwangsarbeit thematisiert. Das Kapitel „Die Zeit nach 1933 und der Zweite Weltkrieg“ enthält einen Extra-Abschnitt „Zwangsarbeiter“ ( 24 ). Gleich am Anfang des Kapitels wird vermerkt, dass ein früherer Chronist in den fünfziger Jahren die Gersthofer Jahre zwischen 1933 und 1945 „weitgehend“ ausgespart hat ( 25 ).

Im Jahr 2009 war das nicht mehr möglich, nachdem die Schüler des Paul-Klee-Gymnasium im Jahr 2000/2001 gegen den Widerstand des Bürgermeisters im Stadtarchiv zu recherchieren begannen und ihre Ergebnisse unter großer öffentlicher Resonanz veröffentlichten. Und so heißt es in der Chronik von Karin Mayr-Seitz:

„Zwangsarbeit gehört ohne Zweifel zu den dunklen Kapiteln der deutschen Geschichte, die unter dem Terror des nationalsozi­alistischen Regimes geschrieben wurde. ‚Zwangsarbeit von Männern und Frauen in Deutschland war zwischen 1939 und 1945 ein Massenphänomen‘ – auch in Gersthofen. Wie in nahezu allen deutschen Unternehmen waren auch in Gersthofer Betrieben Zwangsarbeiter eingesetzt worden. Um diesen Um­stand genauer zu erforschen, machten sich im Jahr 2001 Schüler des Paul-Klee-Gymnasiums zusammen mit ihrem Geschichts­lehrer Dr. Bernhard Lehmann auf die Suche nach Materialien und Belegen.

Ihr Weg führte sie ins Gersthofer Stadtarchiv. Den Zugang zu den erwünschten Informationen versuchte Siegfried Deffner als Bürgermeister zu verhindern und trat damit eine Welle der Entrüstung – auch in den überregionalen Medien – los. …

Per Gerichtsbeschluss wurde die Stadt schließlich zur Öffnung des Archivs und zur Freigabe der Akten zur Veröffentlichung gezwungen. …

Das Ergebnis der Forschungen konnte man im Rahmen der Ausstellung ‚Zwangsarbeit in Gersthofen‘ im Oktober 2001 begutachten, die dazu erschienene Broschüre beinhaltet auch ein Geleitwort der ehemaligen Staatsministerin Dr. Hilde­gard Hamm-Brücher … ( 26 )

Zwischenzeitlich ließ man es in Gersthofen nicht mit der For­schung bewenden. Dr. Bernhard Lehmann lud zwei ehemalige Zwangsarbeiter nach Gersthofen ein und sorgte auch für die Entschädigung einiger Betroffener. Schließlich legten der Gym­nasiallehrer und Bürgermeister Deffner Ende 2003 ihren Streit bei. Das Mahnmahl für ehemalige Zwangsarbeiter wurde im Oktober 2005 im Nogentpark eingeweiht.“

Anna Balint, eine Kulturwissenschaftlerin mit Fokus auf Schweizer Unternehmensgeschichte, gab 2011 eine Monographie über Clariant heraus. Darin findet sich auch ein Kapitel über die Geschichte von Höchst. Im Abschnitt über die Rolle von Hoechst im Dritten Reich schreibt Anna Balint ( 27 ):

„… hinzu kam der Bedarf der Wehrmacht an den Produkten der I. G. Farben wie Buna, dem synthetischen Kautschuk, und dem ebenfalls synthetischen Leuna-Benzin, die ein lukratives Geschäft darstellten. Neben diesen kriegswichtigen Pro­dukten wurden auch Kunstfasern, Munitionsrohstoffe, Tarnfarben, künstlicher Nebel und weitere Kampfstoffe hergestellt. 1943 machte der Konzern mit seinen zahlreichen Tochterfirmen und Beteiligungen im In- und Ausland über 4 Milliarden Reichsmark Umsatz. Die 330.000 Kopf starke Belegschaft der I. G. Farbenindustrie AG bestand während des Kriegs etwa zur Hälfte aus deutschen Zwangsverpflichteten, Fremdarbeitern, Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen, von denen viele später in Konzentrationsla­gern umkamen. Die I. G. Farben war nicht direkt für die Produktion des in den Gaskammern eingesetzten Giftgases verantwortlich, hielt jedoch an der von Degussa geführten Herstellerfirma Degesch eine Kapitalbeteiligung von 42,5 Prozent.“

Die I.G. Farben war also nach Meinung der Autorin Anna Balint „nicht direkt für die Produktion des in den Gaskammern eingesetzten Giftgases verantwortlich“. Die I. G. stellte aber – wie man einer Ausgabe des Spiegel von 1980 entnehmen kann – fünf von insgesamt elf Degesch-Aufsichtsräten ( 28 ). Die Aufsichtsräte der I.G. trugen wohl keine Verantwortung.

Auch den Höhepunkt der Verstrickung der I.G. Farben in das NS-System erwähnte Balint gar nicht: „Die Verstrickung der I. G.-Manager in das NS-System gipfelte, als der Konzern in Auschwitz ein Großunternehmen mit firmeneigenem KZ betrieb“ ( 29 ). Der Vorstand bezeichnete dieses Projekt als „I. G. Auschwitz“.

Das Archiv des Deutschlandfunks schreibt hierzu ( 30 ):

„Mit der Buna-Produktion ist das dunkelste Kapitel in der Firmengeschichte der IG Farben verknüpft: 1941 begann die IG in Monowitz bei Auschwitz mit dem Bau riesiger Fabrikationsstätten und betrieb dazu ein firmeneigenes Konzentrationslager. Die SS sorgte für unablässigen Nachschub jüdischer Häftlinge und für deren Bewachung. Mindestens 23.000 von ihnen fanden in Monowitz den Tod oder wurden wegen Auszehrung ins benachbarte Lager Auschwitz-Birkenau überstellt und dort in den Gaskammern ermordet. Auch daran verdiente die IG Farben: Eine Tochtergesellschaft lieferte das Giftgas Zyklon B nach Auschwitz.“

Also: eine Tochtergesellschaft der I.G. Farben lieferte das Gas nach Auschwitz und die I.G. Farben verdiente daran, aber „direkt verantwortlich“ war sie nach Meinung von Anna Balint nicht.

Nun, die Schweizer Kulturwissenschaftlerin geht aber noch einen Schritt weiter und behauptet ( 31 ): „Im Werk Höchst der I. G. Farbenindustrie AG waren während des Kriegs keine Zwangsarbeiter eingesetzt, die Lebensbedingungen der fast 9000 Fremdarbeiter aus vielen Nationen waren dennoch sehr schlecht.“

Anna Balint beruft sich für diese Aussage auf Stefan Lindners Buch „Hoechst. Ein I. G. Farben Werk im Dritten Reich“ und vermerkt, dass das ganze Kapitel über Hoechst in Kooperation mit dem ehemaligen Archivar der Hoechst AG, Dr. Wolfgang Metternich, entstanden sei. ( 32 )

Die Autorin verblüfft schon mit der Aussage, das im Werk Höchst der I.G. Farben – Balint meint damit sicher den Hauptstandort von Hoechst in Frankfurt – keine „Zwangsarbeiter“, sondern nur „Fremdarbeiter“ eingesetzt waren.

Nun, könnte man ihr ganz einfach mit Wikipedia widersprechen, wo von definitiv 3021 Zwangsarbeiter_innen im Werk Höchst die Rede ist ( 33 ). Aber auch der Archivar der Hoechst AG, Wolfgang Metternich, gibt eindeutig zu ( 34 ):

„Die I.G. Farbenindustrie AG war zu Beginn ein international ausgerichtetes Unternehmen, dessen Interessen den engstirnigen Autarkiebestrebungen der Nationalsozialisten anfangs ganz entgegengesetzt waren. Andererseits waren gerade die neuen Entwicklungen der I.G. wie Buna, der synthetische Kautschuk, und das synthetische Benzin für das Regime hochinteressant. Da diese Produkte von hohem strategischen Wert für die Kriegsplanung Adolf Hitlers waren, kam es zu einer sich verstärkenden Zusammenarbeit zwischen Stellen der I.G. und der Reichsregierung, die nach 1936 im Rahmen des Vierjahresplanes zu einer erheblichen Abhängigkeit des Unternehmens von dem Nazi-Regime und zu der unseligen Beteiligung an dessen Verbrechen führten …

Die wirtschaftliche Vorbereitung des Zweiten Weltkrieges und die anschließende Kriegswirtschaft prägten auch die I.G. und ihre Werke. In der Kriegszeit wurden die dunkelsten Kapitel der Geschichte dieses Unternehmens geschrieben. Wie in der gesamten Industrie kam es zum Einsatz von Kriegsgefangenen, Fremd- und Zwangsarbeitern in allen Werken. …

Durch den Mangel an Arbeitskräften aber kam es zum Einsatz von Kriegsgefangenen, Fremd- und Zwangsarbeitern aus zahlreichen Ländern Europas. Mehr als 8.500 von ihnen arbeiteten unter sehr harten Bedingungen bei vielfach unzureichender Ernährung und der starken Beschränkung ihrer persönlichen Freiheit im Werk Höchst. …“

Der Autor Stephan Lindner, auf den sich Anna Balint direkt bezieht, stellt die Zwangsarbeit am Standort Frankfurt nach unseren Recherchen über Google Books nicht infrage ( 35 ) – im Gegenteil. Es gab bei Höchst ein Lager der „Ostarbeiter“, genannt „der russische Hof“. Es war die Regel, dass auch Kinder ab 14 Jahren rekrutiert wurden, aber wegen mangelnder Verpflegung oder mangelnder Zahlung dafür waren Eltern auch gezwungen, Kinder zwischen zehn und 13 Jahren mitarbeiten zu lassen.

Stephan Lindner schreibt: „… die Kinder mussten arbeiten, damit sie ihren Eltern oder ihrem Elternteil, mit denen sie zusammen zwangsweise ver­schleppt worden waren, nicht zur Last fielen – mussten sie doch für ihr meist minderwertiges Essen mit dem Hungerlohn, den sie erhiel­ten, auch noch bezahlen. … Und ihre nach Deutschland meist mitverschleppten Kinder erkrankten, ja starben wie im Winter 1943/44, da sie aufgrund der schlechten Ernährung stark geschwächt waren.“

Gestützt auf Bernd C. Wagner ( 36 ) schreibt Stephan Lindner, dass sich „die Zahl von 8,5 % der Beschäftigten in Höchst nicht nur auf KZ-Häftlinge, sondern auch auf Leiharbeiter, Zwangsarbeiter und Strafgefangene“ beziehe. Es gebe Indizien dafür, dass in Höchst offenbar keine KZ-Häftlinge arbeiten mussten, was aber nicht bedeute, dass die Behandlung der „Fremdarbeiter“ gut war. Im Unterschied zu der noch in den achtziger Jahren vertretenen Behauptung, dass die schlechte Behandlung der „Ostarbeiter“ allein auf den NS-Staat zurückzuführen gewesen sei, habe sich gezeigt „dass man diese, gerade auch die jun­gen Mädchen, ausbeutete – mussten sie doch zu Hungerlöhnen, trotz Zulage, härteste Männerarbeit leisten. Und auch vor dem Einsatz von Kindern im Alter von 10 bis 13 Jahren schreckte man nicht zurück …“

Nach unvollständigen Angaben des Werksarztes starben zwischen 1940 und 1945 angeblich nur 57 „Fremdarbeiter“. Stephan Lindner kommt zu dem Schluss: „Insgesamt konnte in diesem Kapitel gezeigt werden, wie viele ‚Fremdarbeiter‘ es in Höchst gab, wie engagiert und auch selbststän­dig Höchst sich um ausländische Arbeitskräfte bemühte. Auch konn­ten einige unwahre Aussagen während des Nürnberger Prozesses nachgewiesen werden – zur Behandlung der ‚Ostarbeiter‘ und ihrer Kinder und der Zusammenarbeit mit der Gestapo und Gauleitung. … Als Resultat bleibt festzuhalten, dass Höchst angesichts des Arbeits­kräftemangels, wie die anderen I.G. Werke auch, ausländische Arbeits­kräfte und auch Zwangsarbeiter sehr gerne annahm, ja sich sogar um sie bemühte.“

Generell wird gerne der Charakter der Zwangsarbeit abgestritten unter Verweis auf angebliche Freiwilligkeit der „Ostarbeiter“. Dabei werden in der Regel die oft brutalen Rekrutierungsmethoden zum Beispiel in Polen vollständig ausgeblendet. Hierzu liefert Thomas Kuczynski in seiner bekannten Schrift „Entschädigungsansprüche für Zwangsarbeit im ‚Dritten Reich‘“ ( 37 ) eine ziemlich eindeutige Definition:

„Ausländische Zivilarbeitskräfte waren Teil der üblichen Arbeitsmigration und leisteten keine Zwangsarbeit, solange ihre Heimatländer nicht durch das ‚Dritte Reich‘ überfallen und okkupiert gewesen sind. Daß sie im Moment der Okkupation Zwangsarbeitskräfte wurden, liegt klar auf der Hand und ist auch in den entsprechenden Dokumenten nachzulesen, etwa dem Protokoll einer Besprechung der Zentralen Planung vom 1.3.1944, wonach Sauckel ausdrücklich feststellte, ‚von den fünf Millionen ausländischen Arbeitern‘ seien ‚keine 200.000 freiwillig gekommen‘.“

Warum bestreitet Frau Balint also den Einsatz von Zwangsarbeit im Stammwerk von Hoechst in Frankfurt und geht auch auf den klar nachgewiesenen Einsatz von Zwangsarbeitern im Zweigwerk Höchst in Gersthofen gar nicht ein? Und das, obwohl die Historiker, auf die sie sich gar noch beruft, zu anderen Ergebnissen und Aussagen kommen? Man kann hier nur vermuten, dass Anna Balint de m Management des Clariant-Konzerns, das Höchst- Gersthofen 1997 übernommen ha t , lästige Schatten der Vergangenheit ersparen wollte.

Zu fünftens: Verweigerung einer Entschädigung. Ein Zwangsarbeiter: „Die Stiftung ist der Grabstein der Erinnerung“

Zwischen 1952 und 1987 zahlte die Bundesrepublik Deutschland globale Entschädigung an westliche Staaten, Polen und die Jewish Claims Conference insgesamt 8,2 Milliarden D-Mark. Ferner leistete Gesamtdeutschland zwischen 1991 und 1998 Globalzahlungen an Polen und die Nachfolgestaaten der Sowjetunion in Höhe von 1,4 Milliarden D-Mark.

Jahrzehntelang verweigerten Regierungen und Unternehmen den ehemaligen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern eine Entschädigung. Erst Ende der 1990er Jahre erzwang der politische Druck aus den USA die Gründung der von Staat und Wirtschaft finanzierten Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“.

Die Betroffenen erhielten je nach Verfolgungsschicksal eine einmalige Zahlung zwischen 500 und 7700 Euro. Kriegsgefangene waren grundsätzlich nicht leistungsberechtigt.

Zur Kategorie B zählten Menschen, die aus ihren Heimatländern in das Deutsche Reich oder in die von Deutschland besetzten Gebiete deportiert worden waren und die in Haft, unter haftähnlichen oder vergleichbar schlechten Lebensbedingungen Zwangsarbeit im gewerblichen oder im öffentlichen Bereich leisten mussten. Bis zu 2.560 Euro sah das Gesetz für diese Betroffenen vor.

Der Wirtschaftshistoriker Jürgen Kuczynski berechnete eine durchschnittliche Entschädigung pro Zwangsarbeiter von unter 100 D-Mark. Es gab massive Kritik an der Entschädigungspolitik für NS-Opfer und Zwangsarbeiter_innen. Die Hamburger Anwältin Gabriele Heinecke startete noch im Jahr 2000 eine Kampagne „Sofortige Entschädigungszahlung an jeden Zwangsarbeiter statt Schlußstrich für die Täter!“ ( 38 ):

„Sofortige Entschädigungszahlung an jeden Zwangsarbeiter

statt Schlußstrich für die Täter

Das geplante Stiftungs-Gesetz ist ein Täterschutzgesetz

Das geplante Stiftungs-Gesetz ist ein Opferbeseitigungsgesetz

Das geplante Stiftungs-Gesetz ist ein Schlußstrich-Gesetz“

Zuvor schon, im November 1999, verlautbarte der stellvertretende Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland ( 39 ): „Nur zur Erinnerung: Die BRD zahlt jährlich 12 Milliarden DM Renten an ehemalige Wehrmachtsangehörige, etwa 5% davon, also 600 Millionen DM an Menschen, die Kriegsverbrechen begangen haben oder an Kriegsverbrechen gegen die Menschlichkeit beteiligt waren.“

Der Historiker und Publizist Rolf Surmann, der Anfang der achtziger Jahre zum Kreis derjenigen gehörte, die die Debatte um die „vergessenen“ Opfer anstießen, schrieb 2001 und 2002 zwei wichtige Artikel in den Blättern für deutsche und internationale Politik: „Entschädigung als Geiselnahme“ und „Abgegoltene Schuld? Das Erbe der Schlußstrichpolitik“ ( 40 ). Die beiden Artikel sind bei LabourNet veröffentlicht, in dessen Archiv sich ein guter Überblick über kritische Presseartikel zum Thema „Zwangsarbeit: Stand der Entschädigungszahlungen befindet“ ( 41 ).

In einer Ausgabe des Magazins Forum Recht fand sich im Jahr 2001 ein Artikel ( 42 ):

„NS-Zwangsarbeit abgehandelt

Deutschland zieht einen weiteren Schlußstrich

Mit zehn Milliarden Mark und der Errichtung der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ will die Bundesregierung erreichen, daß in Zukunft zwar immer noch an den Terror des Nationalsozialismus erinnert wird, aber auch an dessen „Wiedergutmachung“. Auf Kosten der Opfer. Denen und ihren Angehörigen bleibt außer ihrer schrecklichen Erinnerung wenig bis nichts – und das hat Kontinuität. …“

Auch auf der Homepage der Schülerinitiative Zwangsarbeit in Gersthofen finden sich zwei wichtige Artikel zur Entschädigungsfrage. ( 43 ) Bernhard Lehmann gab uns gegenüber die treffende Aussage eines italienischen Zwangsarbeiter wieder: „Die Stiftung ist der Grabstein der Erinnerung“.

Im Jahr 2000 begann die individuelle Entschädigung durch die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“. Von den einst über 13 Millionen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern lebten damals noch 2,4 Millionen. Bis 2007 erhielten davon 1,7 Millionen Menschen in 98 Ländern eine Entschädigung.

Die Entschädigung sollte aber keinen moralischen Schlussstrich darstellen. Auch nach Abschluss der Zahlungen im Jahr 2007 soll die Erinnerung an die NS-Zwangsarbeit für zukünftige Generationen bewahrt werden. Daher initiierte die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ die Sammlung von Lebensgeschichten ehemaliger Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter. ( 44 )

Insgesamt kamen 4,4 Milliarden Euro zur Auszahlung. 358 Mio. Euro wurden als Stiftungskapital für die Fördertätigkeit reserviert.

Kriegsgefangene und die sogenannten Italienischen Militärinternierten (IMI) fanden bei dem Entschädigungsprozess keine Berücksichtigung. Sie wurden auf diese Weise ein zweites Mal gedemütigt und erniedrigt. Spitzfindige juristische Argumentationen gaben hierfür den Ausschlag. Dr. Bernhard Lehmann überreichte persönlich an Bundespräsident Rau und an Bundespräsident Gauck Memoranden zugunsten der IMIs, leider erfolglos. ( 45 )

Im Jahr 2003 wandte sich die Klasse 10a des Paul-Klee-Gymnasiums und Dr. Bernhard Lehmann in einem Memorandum zur Entschädigung der ehemaligen italienischen Militärinternierten in Deutschland an verschiedene politische Funktionsträger, darunter den Bundestagsabgeordneten Heinz Paula ( 46 ). In dem Schreiben heißt es:

„… widerfährt den Italienischen Militärinternierten keine Gerechtigkeit seitens der Bundesrepublik Deutschlands und der deutschen Industriebetriebe.

Wir Schüler haben in einem Projekt u. a. das Schicksal der italienischen Militärinternierten hier vor Ort herausgearbeitet und uns auf die Suche nach noch lebenden Personen gemacht. Zwei von ihnen haben wir in Como ausfindig gemacht und mit unseren Spenden ‚entschädigt‘. Mit unserer Geste wollten wir Versöhnungsarbeit leisten. Gleichzeitig forderten wir den Rechtsnachfolger der IG Farben, IGS Gersthofen auf, das gleiche zu tun. Wir erhielten von Herrn Dr. Teufel, dem Leiter des ortsansässigen Unternehmens folgende Antwort:

‚ Herr Dr. Metternich von HistoCom in Frankfurt ist mit mir der Meinung, dass wir dieses zugegebenermaßen traurige Thema nun endgültig abschliessen müssen. Leider ist es den Nachfolgegesellschaften der ehemaligen Farbwerke Hoechst AG nicht möglich, einen finanziellen Beitrag zu leisten, der über die Stiftung Erinnerung, Verantwortung, Zukunft hinausgeht.‘“

Als Rechtsnachfolger der I.G. Farbenindustrie AG fungierte der Immobilien- und Beteiligungskonzern PCM, der die Immobilien des Chemie-Konglomerat übernehmen sollte. WCM, früher selbst eine Tochter des Konzerns, meldete im Jahr 2003 Insolvenz an. Der Spiegel berichtete ( 47 ): „Die Pressekonferenz in Frankfurt wurde begleitet von lautstarken Protesten. Die Demonstranten kritisierten, dass ehemalige Zwangsarbeiter, die von der I.G. Farben zu Zehntausenden ausgebeutet worden waren, nun leer ausgehen.“ Nicht einmal das Restvermögen von 500.000 Mark, über das eine Stiftung der I.G. Farben noch verfügte, kam den ehemaligen Zwangsarbeitern zugute. Auch dieses Geld wurde ihnen durch die „Insolvenz“ entzogen.

In der Unternehmensübersicht der Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft finden sich die folgenden Firmen, die mit Zwangsarbeit auch in Gersthofen und Meitingen zu tun hatten ( 48 ):

SGL Beteiligung GmbH, Wiesbaden

SGL Carbon AG, Wiesbaden

SGL Carbon GmbH, Bonn

SGL Pan Trac GmbH, Berlin

SGL Technik GmbH, Meitingen

Siemens AG, München (Gründungsmitglied)

Clariant GmbH, Sulzbach / Taunus

Hoechst AG, Frankfurt (Gründungsmitglied)

Die Liste muss nicht vollständig sein, aber vor allem werden keine Beträge genannt. Die Firmen befreiten sich damit von jeder weiteren Verantwortung. De m Gersthofer Bürgermeister Deffner war die Zahlung von Clariant aber offensichtlich bekannt, als er Bernhard Lehmann gegenüber eine Einbuße der Stadt Gersthofen an Gewerbesteuer von Clariant als Beitrag der Stadt zur Entschädigung der Zwangsarbeiter reklamierte. Bernhard Lehmann veröffentlichte ( 49 ):

„Sie behaupten, dass im Hinblick auf die Entschädigung von Zwangsarbeitern ‚indirekt durch uns große Leistungen erbracht werden, weil die Zahlungen an den diesbezüglichen Fond von einem großem Gersthofer Industriebetrieb steuerlich absetzbar ist‘.

Halten Sie die steuerliche Absetzbarkeit der Spende von Clariant wirklich für einen angemessenen Beitrag der Stadt Gersthofen zum Zwangsarbeiterproblem? Wissen Sie, dass sich andere Gemeinden der Stiftungsinitiative längst angeschlossen haben?“

Peter Feininger, 21.12.2021

 

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Exkurs

Menschenfeindliche Bezüge im Industriepark Gersthofen – auch heute noch

Im Industriepark Gersthofen sind heute zehn Firmen tätig mit insgesamt 1.200 Beschäftigten und 100 Auszubildenden. ( 50 ) Einige der Firmen auf dem Gelände übernehmen auch heutzutage militärische Aufträge. So stellt die Firma Indorama mit Sitz in Krumbach Fallschirmstoffe auch für den militärischen Bereich her ( 51 ). Die Firma Kraton produziert selektiv permeable Membranen und Beschichtungen auch für den Militärbereich. ( 52 ). Auch die Firma Archroma produziert fürs Militär: „Tough Camo , ein IR-nichtreflektierendes Pigmentdrucksystem mit hoher Haltbarkeit und drastisch reduziertem Wasserverbrauch für Militäruniformen.“ ( 53 )

Wir können nicht nachweisen, dass diese genannten Firmen auch im Industriepark Gersthofen Militärproduktion betreiben. Es ist aber auch nicht ausgeschlossen.

Infraserv Logistics setzt Offiziere im Management ein

Die Infraserv Logistics GmbH ist der spezialisierte B2B-Partner ( 54 ) für Chemie- und Pharmaunternehmen in Industrieparkstrukturen. Es ist eine 100-prozentige Tochtergesellschaft von Infraserv-­Höchst­. Mit einer Gesamtfläche von 25.000 m² Lagereinrichtungen ist der Gersthofer Standort weit größer als das geplante neue Gefahrsstofflager im Industriepark Höchst in Frankfurt. Bei Xing erfährt man, dass der Betriebsleiter des Standorts Fechenheim & Griesheim von Infraserv Logistics 13 Jahre Zeitsoldat war mit den folgenden Qualifikationen ( 55 ): „Ausbildung zum Truppenoffizier des Heeres • Studium der BWL • Militärische Ausbildung und Führung von Grundwehrdienstleistenden • Koordination der logistischen Versorgungsdienste in einem Truppenverband als Stabsabteilungsleiter Logistik mit 6-monatiger Auslandsverwendung“.

Diese Personalie ist kein Zufall, sondern hat System bei Infraserv. Auf der Webseite des Unternehmens findet sich ein Artikel „Vom Offizier zum Manager“ ( 56 ). Hier heißt es gleich als Einleitung: „Hohe Stressresistenz, ausgeprägter Teamgeist, die Fähigkeit, klare Entscheidungen zu treffen und nicht zuletzt Loyalität gegenüber Mitarbeitern und Unternehmensleitung: Was nach dem perfekten Mitarbeiterprofil klingt, sind Eigenschaften, die Offiziere in ihrer Führungskräfteausbildung bei der Bundeswehr lernen und Gründe, warum viele Managementpositionen mit ehemaligen Offizieren besetzt sind.“

Sodann wird gehetzt gegen basisdemokratische Auffassungen und Arbeitnehmer-Standpunkte. Der Beschäftigte habe sich als Teil des Unternehmens zu verstehen und nicht als Arbeitnehmer. Nicht von ungefähr ist die Webseite von Infraserv im Hintergrund mit Bundeswehrfarben versehen. Wir zitieren noch etwas von dieser Seite :

„‚ Mit Basisdemokratie wird man keinen Erfolg haben‘, sagte Frank-Jürgen Weise 2013 gegenüber der Wirtschaftswoche zum Thema Führung in Unternehmen. Damals war der heutige Präsident der Johanniter Unfallhilfe Chef der Bundesagentur für Arbeit. Unter seiner Leitung wurde die Agentur neu ausgerichtet mit dem Ziel einer klaren Führungsstruktur und Aufgabenverteilung. Weise hat wie viele Top-Manager internationaler Unternehmen – darunter Airbus-Chef Thomas Endres oder Alan Lafley, langjähriger CEO des Konsumgüter-Riesen Procter & Gamble – eine Offiziersausbildung absolviert. Sind Offiziere also die besseren Manager? …

‚ Während ihrer Führungsausbildung kommen die Anwärter früh in besonders fordernde Situationen,‘ erklärt (Hauptmann; Red.) Schaller: ‚Zu Beginn ihrer Ausbildung werden den Offiziersanwärter zehn Soldaten unterstellt. Dann sind (sie) gerade einmal Anfang zwanzig. Zwei Jahre später sind es schon 50 Soldaten.‘ Hinzu kommt die Verantwortung über millionenschweres Gerät….

Soldaten verstehen sich in ihrem täglichen Dienst nicht als Arbeitnehmer, sondern als Teil einer wichtigen Aufgabe – dieses Selbstverständnis, auch ‚innere Führung‘ genannt, sorgt dafür, das ehemalige Offiziere sich auch in der freien Wirtschaft stets als Teil des Unternehmens sehen, und den Erfolg des Unternehmens als persönliche Aufgabe verstehen. Um dieses Verständnis ihren Soldaten beizubringen, agieren Offiziere als Vorbild auf moralischer und operativer Ebene.

Auch die Herausforderung hochqualifizierte Fachkräfte zu führen und deren Fachwissen gezielt einzusetzen, kennen Offiziere aus ihrer Ausbildung – beispielsweise als Kompaniechefs bei der Luftwaffe, wo das Fachwissen ausgewiesen(er) Experten etwa bei der Instandhaltung der hochkomplexen Architektur und Technik von Kampfjets gefragt ist. Solchen Verhältnissen begegnen Offiziere mit dem Prinzip des ‚Führens mit Auftrag‘. Das bedeutet den unterstellten Mitarbeitern einen angemessenen Spielraum bei ihrer Auftragserfüllung zu geben unter der Voraussetzung, dass absolute Klarheit über den Zweck ihres Auftrags herrscht.“

Es ist schwer zu sagen, was schlimmer ist: Wenn Unternehmen für das Militär produzieren oder wenn auch im zivilen Produktionsbereich Militärs eingesetzt werden, also auch der zivile Bereich militarisiert wird.

Clariant als eines der weltweit führenden Unternehmen der Spezialchemie hat militärische Verbindungen

Zu den Clariant -Produkten zählen unter anderem Trockenmittelpatronen zum Schutz von militärischen Gütern, Optiken und elektronischen Steuer- und Meßeinheiten ( 57 ), ebenso Spezialverpackungen für militärische Ausrüstungen ( 58 )

1997 übernahm die Clariant GmbH das Hoechst- Werk Gersthofen und entwickelte es 2002 zum Industriepark Gersthofen weiter. Clariant als eines der weltweit führenden Unternehmen der Spezialchemie hat militärische Verbindungen.

So zählt zu den Vertriebspartnern von Clariant Chemical die Olin Corporation , „ein führender, vertikal integrierter globaler Hersteller und Vermarkter von chemischen Produkten sowie ein führender US-amerikanischer Munitionshersteller“. ( 59 ) Der Partner UnivarSolutions von Clariant „verfügt über Vertriebsfunktionen in vielen Märkten, darunter: Luft- und Raumfahrt … Chemikalien für militärische Instandhaltung“ ( 60 ). Amazon Fashion bietet unter der Marke ROUGH RADICAL ein Damen Langarm Funktionsshirt Militär Furious Army Lady LS, „feuchtigkeitsregulierend (Clariant Moisture Management)“ ( 61 ). Auf der Techtextil 2013 trat Clariant mit militärischem Flammschutz auf ( 62 ).

Das Portal wlw führt unter 15 Firmen, die Spezialverpackungen für militärische Ausrüstungen herstellen, auch Clariant Produkte (Deutschland) GmbH Cargo & Device Protection Moosburg auf ( 63 ).

Anna Balint, d ie sich in den letzten Jahren auf Schweizer Unternehmensgeschichte fokussiert hat, stellte in ihrem Buch über die Gründung und die Anfänge von Clariant fest ( 64 ):

„Der Verwaltungsrat der Clariant setzte sich aus bekannten Persönlichkeiten der Schweizer Wirtschaft zusammen. Dichte Unternehmensverflechtungen und verzahnte Aktivitäten der sogenannten Big Linkers, über die in neuester Zeit eidgenössische Ökonomen, Historiker und Soziologen der Universitäten St. Gallen, Zürich und Freiburg komplementäre wissenschaftliche Abhandlungen erstellt haben, spielten in der Praxis und der Firmenpolitik von Rolf W. Schweizer eine kardinale Rolle.

Gemessen an der Einwohnerzahl sind relativ viele Unternehmen von internationaler Bedeutung in der Schweiz kotiert ( 65 ). Die kleine Elite in Wirtschaft und Politik erfordert deshalb oft Mehrfachfunktionen, nicht nur in Unternehmen, sondern auch in politischen, militärischen und kulturellen Gremien. Mitglieder im Verwaltungsrat der Clariant wurden: Rolf W. Schweizer …

Ein Verwaltungsrat also ad personam für Rolf W. Schweizer: vier Banker, weitere fünf alte Weggefährten sowie Lieferanten, die meisten jedoch als Big Linkers verzahnt. Das einzige neue und Schweizer bislang eher vom Sehen als persönlich bekannte Mitglied war Paul Gemperli, der Steuerexperte, Politiker und Armeeoberst aus St. Gallen. Gemperli wunderte sich auch ob seiner Berufung in den Verwaltungsrat der Clariant, empfand es aber als eine ehrenvolle Auszeichnung und beantwortete auf den Sitzungen steuerrechtliche Fragen.“

Imperial Logistics – eine Ausgründung des Rüstungskonzerns Krupp

Imperial Logistics ist ein internationales Logistik-Unternehmen mit Sitz in Duisburg, das 1999 aus dem Logistiksegment von ThyssenKrupp und einer Fusion mit der Imperial Holdings Südafrika entstand. Damit ist Imperial Logistics eine Ausgründung des Kruppkonzerns, der einer der größten Waffenlieferanten des Dritten Reichs war und dafür 70.000 Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge unter zum Teil unmenschlichen Bedingungen einsetzte. Aus der Fusion von Krupp Hoesch Stahl und Thyssen Stahl Ende der Neunzigerjahre entstand nicht nur Europas größtes Stahlunternehmen mit insgesamt 170.000 Mitarbeitern, sondern auch einer der gefährlichsten Rüstungskonzerne der BRD. Es sei hier nur verwiesen auf die ThyssenKrupp Marine Systems GmbH (TKMS) mit Sitz in Kiel. Sie ist ist der nach eigenen Angaben führende europäische Systemanbieter für U-Boote und Marineschiffe und befindet sich seit 2009 in 100-prozentigen Besitz von ThyssenKrupp ( 66 ). Im Industriepark Gersthofen bietet die Imperial Chemical Transport GmbH Transport von flüssigen chemischen Produkten mit Schwerpunkt europaweiter Gefahrguttransporte. Einen aktuellen militärischen Bezug konnten wir in diesem Fall nur finden, weil die Firma Jobs für Ex-Soldaten anbietet. Es kann aber nicht ausgeschlossen werden, das europaweite Gefahrguttransporte auch vom Militär beauftragt werden werden.

Die „Feinchemie“ der CABB Group reicht bis zur militärischen Luftfahrt – eine Vorgängerfirma in Kansas hat an Nuklearwaffen gearbeitet

Die CABB Group mit Sitz in Sulzbach am Taunus ist ein weltweit tätiger Hersteller von Vor- und Zwischenprodukten und Wirkstoffen der Feinchemie. Ursprünglich C lariant A cetyl B uilding B locks ging CABB 2003 aus dem Schweizer Chemiekonzern Clariant hervor. CABB betreibt sechs Produktionsstätten in Gersthofen und Knapsack (Deutschland), Pratteln (Schweiz), Kokkola (Finnland), Jining (China) und Galena (USA) mit insgesamt 1.100 Beschäftigten, davon 190 in Gersthofen. Das US-Werk in Kansas wirbt offen für die Militärproduktion: „6FDA: In den USA hergestelltes Dianhydrid eröffnet neue Möglichkeiten für Luft- und Raumfahrt und Militär“ ( 67 ):

„Das fluorierte Dianhydrid 6FDA* spielt als kritischer Rohstoff in der modernen Polyimid-Synthese eine kleine, aber wichtige Rolle in der Luft- und Raumfahrtindustrie. …

Die kürzlich erfolgte Markteinführung des 6FDA-Produkts von CABBs Jayhawk-Standort in Galena, KS, stellt eine zeitgemäße neue Alternative dar. …

Viele Komponenten moderner Flugzeuge werden mithilfe fortschrittlicher Technologien in der Materialwissenschaft und Verfahrenstechnik hergestellt. Auch wenn Metalle nach wie vor eine wichtige Rolle spielen, sind Kohlefaserverbundwerkstoffe aufgrund ihres hervorragenden Verhältnisses von Festigkeit zu Gewicht die bevorzugte Wahl für Flugzeugzellen, Triebwerke und verwandte Teile. Hohe Steifigkeit, geringes Gewicht, effektive thermo-oxidative Stabilität und Hitzebeständigkeit über 300°C werden durch die Kombination von Kohlenstofffasern und Matrixharzen erreicht, die von den Konstruktionsteams in der gesamten Industrie spezifiziert werden. Diese Harze stützen sich häufig auf Dianhydride als Co-Monomere für die Synthese von Polyimiden mit unterschiedlichen Eigenschaftsprofilen…

Frühe Innovationen der NASA und der U.S. Air Force führten zu einigen der leistungsfähigsten und haltbarsten Matrixharzchemien, darunter Polyimide, Bismaleimide und Epoxide. Viele neuartige Polyimide wurden entwickelt… 6FDA, eines der neuesten Dianhydride, das in der Luft- und Raumfahrt eingesetzt wird, bietet zusätzliche Vorteile bei der Herstellung von farblosem Polyimid für elektronische Bauteile. …

* 6FDA: fluorinated dianhydride = 4,4'-(Hexafluoroisopropylidene) diphthalic Anhydride“

Jayhawk Fine Chemicals Corporation im Bundesstaat Kansas, das zur CAAB Group zählt, ist aus Firmen hervorgegangen, die in den sechziger Jahren und noch früher legal und vermutlich auch illegal an Atomwaffen gearbeitet haben. Das riesige Gelände mit 2.300 ha, von denen etwa 750 ha für industrielle Zwecke genutzt wurden, ist teilweise radioaktiv kontaminiert. Dabei scheint oder schien es eine permanente rechtliche Auseinandersetzung zwischen dem damaligen Unternehmen, den Nachfolgeunternehmen und verschiedenen US-Behörden auf Bundes- und staatlicher Ebene zu geben. Grundwasser und Böden wurden immer wieder stichprobenartig überprüft von der Kansas Department of Health and Environment KDHE, der Atomic Energy Commission AEC und der Nuclear Regulatory Commission NRC.

Wir zitieren aus einem Dossier des Wall Street Journal über die Spencer Chemical Co. Galena Kan. Das Dossier steht unter dem bezeichnenden Oberbegriff „Waste Lands America‘s forgotten nuclear legacy“ – was übersetzt etwa heißt: Brachland – Amerikas vergessenes nukleares Erbe ( 68 ):

„An diesem Standort wurde Thorium und Uran gehandhabt (oder war damit kontaminiert), wie aus Regierungsunterlagen hervorgeht. Das Energieministerium zog zunächst in Erwägung, diesen Standort im Rahmen des „Programm für die Beseitigung von Altlasten auf ehemals genutzten Flächen“ zu sanieren, stellte jedoch fest, dass es dazu nicht befugt war. …

Quelle: Department of Energy

‚ Die Spencer Chemical Company, Jayhawks Works, verarbeitete unbestrahlten Uranschrott für die AEC und gewann daraus angereichertes Uran zur Verwendung im Waffenkomplex zurück. Am 12. Mai 1961 stellte Spencer Chemical den Betrieb ein und entsorgte sein Kernmaterial.‘…

Programm für die Beseitigung von Altlasten auf ehemals genutzten Flächen. Quelle: Ministerium für Energie … 2011 Bewertung: Potenzial für erhebliche Reststrahlung vorhanden (von 1962 bis 1964) ‚Andere Informationen in den bereitgestellten Unterlagen deuten darauf hin, dass mit Uranhexafluorid, Uranoxid und Thorium gearbeitet wurde. Die Urananreicherung reichte offenbar von abgereichert bis 93%.‘ …

Spencer Chemical wurde bei einer Inspektion durch die AEC vom 2. bis 5. Mai 1961 wegen Nichteinhaltung der Lizenzbedingungen (Kernmateriallizenzen, Red.) verwarnt.“

Der größte Teil des Industriegeländes wurde 2005 an Evonik Industries verkauft, deren Geschäftsbereich Jayhawk Fine Chemicals dort jetzt eine Anlage zur Herstellung von pharmazeutischen Chemikalien betreibt. Evonik verkaufte 2018 den US-Standort Jayhawk an den Privat Equity Fond Permira, der vier Jahre zuvor schon die CABB Group gekauft hatte.

Obwohl die Jayhawk Group natürlich behauptet, mit der Produktion und den Machenschaften von Spencer Chemical Co., Jayhawks Works rein gar nichts zu tun zu haben, wollen wir doch festhalten, dass Jayhawk Chemical (Spencer) auf einer Liste des US-Bundesgesetzgebers noch im Jahr 2000 als AWE-Betrieb klassifiziert wurde. AWE bedeutet atomic weapons employers ( 69 ).

Und zweitens wollen wir festhalten, dass die CABB Group mit ihrem heutigen Werk in Kansas – wie oben gezeigt – mit der Produktion von Dianhydrid 6FDA für das US-Militär und die Luft- und Raumfahrt arbeitet. Genaueres wird natürlich nicht bekannt gegeben, aber es kann gut sein, dass die damalige Spencer Chemical Co., Jayhawks Works, an der Produktion von Kernwaffen arbeitete und die heutige Jayhawk Group unter anderem über die „Raumfahrt“ an der Produktion von Trägerraketen für Nuklearwaffen beteiligt ist. Außerdem wollen wir festhalten, dass der Sitz der CABB-Group einschließlich des Werks in Kansas im hessischen Sulzbach liegt.

Eine Bewertung dieser Umstände überlassen wir gerne den Leser, man sollte aber die Fakten kennen.

Immerhin sind wohl auf dem Gelände in Kansas nicht nur der Boden und das Grundwasser durch Kernwaffenproduktion gefährdet worden, sondern auch die Beschäftigten selbst. Die US-Regierung musste den Energy Employees Occupational Illness Compensation Act of 2000 erlassen und führte auf einer List of Covered Facilities (Liste der erfassten Einrichtungen) auch die Jayhawk Chemical (Spencer) auf. Die Listung erfolgte auf einen Erlass des US-Präsidenten vom 7. Dezember 2000 und diente einem Programm zur Entschädigung von Personen, die infolge ihrer Beschäftigung in der Kernwaffenproduktion erkrankt sind.

Dabei waren sich die Bundesbehörden damals gar nicht sicher, ob die Liste der Unternehmen überhaupt stimmt, vollständig ist, alle Namen, Eigentums- und Adressänderungen enthält, versehentlich Tochtergesellschaften und Außenstellen ausgelassen wurden, die eigentlich aufgeführt werden sollten. Das kann zum Beispiel heißen, dass nicht alle Aktivitäten von Spencer Chemical erfasst wurden, etwaige Tochtergesellschaften und andere Firmen auf dem Gelände in Kansas ebenfalls fehlen etc. Die US-Bundesbehörden schienen und scheinen buchstäblich im Dunkeln zu tappen, wenn es in dem schon erwähnten Paper der Nuclear Regulatory Commission NRC heißt ( 70 ): „Dementsprechend setzt das Ministerium seine Forschungsanstrengungen fort, um frühere Produktionsaktivitäten besser zu verstehen, und das DOE (Department of Energy facilities, Red.) beabsichtigt, diese Liste mindestens einmal jährlich zu aktualisieren, solange neue Informationen verfügbar sind. Die Öffentlichkeit ist aufgefordert, sich zu dieser Liste zu äußern und zusätzliche Informationen zu liefern.“

Dies ist ein ausgesprochenes Armutszeugnis für die zuständigen US-Behörden und Ministerien. Offensichtlich konnten auch Firmen, die im Bereich Nuklearwaffen tätig waren, vielfach machen, was sie wollten, ohne Wissen der zuständigen Behörden. Und wenn die Behörden tatsächlich etwas wissen wollten, war es oft nicht mehr aufzuklären. Das bedeutet, dass auch die jetzige Jayhawk Group wahrscheinlich – zumindest teilweise – machen kann, was sie will – und das im Militärbereich und eventuell sogar im Bereich Kernwaffen beziehungsweise Kernwaffen-Trägersysteme.

Im Oktober 2000 veröffentlichte der Joplin Globe, dass Jayhawk Fine Chemicals Co. Einspruch gegen eine Geldstrafe erhob, die das Gesundheits- und Umweltministerium von Kansas wegen unsachgemäßer Entsorgung von gefährlichen Abfällen verhängt hatte ( 71 ):

„Zu den Verstößen, die bei einer Inspektion am 17. Februar dokumentiert wurden, zählte das KDHE, dass gefährliche Abfälle in offenen Behältern gelagert wurden, dass saure und alkalische gefährliche Abfälle im selben sekundären Rückhaltebereich gelagert wurden und dass gefährliche Abfälle in einem undichten Behälter gelagert wurden.

Ferner wurde festgestellt, dass keine täglichen Tankinspektionsprotokolle geführt wurden, dass Gefahrstofftanks und Satellitenbehälter nicht mit der Aufschrift ‚Gefährliche Abfälle‘ gekennzeichnet waren, dass es keinen vollständigen Notfallplan gab und dass die Tanks vor ihrer Verwendung für die Lagerung von gefährlichen Abfällen nicht ordnungsgemäß getestet und inspiziert wurden.“

Im folgenden zitieren wir kommentarlos einige Passagen aus dem Bericht. Hier erfährt man zum Beispiel fassungslos, dass das Energieministerium von über 550 Standorten weiß – „Unternehmen und Forschungsstandorte, an denen möglicherweise heimlich mit radioaktivem und toxischem Material gearbeitet wurde“ ( 72 ):

„Der Standort an der nordwestlichen Ecke des Jayhawk Plant-Geländes am Highway 400-69 war 1964 der Standort der Spencer Chemical Co.

Es wird vermutet, dass auf dem Gelände radioaktive Asche vergraben ist, die bei der Demontage und Verbrennung des Testgebäudes von Spencer Chemical anfiel.

Nach Angaben des KDHE testete Spencer Möglichkeiten zur Herstellung von Kernbrennstoffen aus Uran.

Gerald Eckhardt, Leiter des Katastrophenschutzes von Cherokee County, sagte, dass ihm von der Nuclear Regulatory Commission und der KDHE (Kansas Department of Health and Environment, Re.) mitgeteilt wurde, dass sie weiterhin die Möglichkeit einer verbleibenden Kontamination untersuchen. …

Die NRC (Nuclear Regulatory Commission, Red.) behandelt dies als eine Anschuldigung, dass sie oder die alte AEC (Atomic Energy Commission, Red.) die Anlage möglicherweise nicht ordnungsgemäß geschlossen haben, und da eine flüchtige Durchsicht ihrer Akten darauf hindeutet, dass sie möglicherweise hochangereichertes Uran vor Ort hatten, haben sie dies in ihr Verfahren zur Untersuchung der Anschuldigung aufgenommen.

Dem NRC-Bericht zufolge hatte Spencer von der US-Atomenergiekommission eine Lizenz für den Besitz von angereichertem Uran und Thorium erhalten. Die AEC-Lizenzen erlaubten es Spencer, die Materialien zu geschmolzenen Keramikpellets und fein verteiltem Pulver zu verarbeiten, das aus angereicherten Uranoxiden und Urancarbiden bestand.

In der Zwischenzeit wies der NRC-Bericht darauf hin, dass das Oak Ridge National Laboratory damit beauftragt worden war, etwa 17.000 stillgelegte Lizenzen auf eine mögliche signifikante Kontamination zu untersuchen.

Holley sagte, dass Spencer nach den von Oak Ridge entwickelten Kriterien und in Unkenntnis der Stilllegung und der Untersuchungen des Jayhawk-Geländes wegen der großen Mengen an lizenzierten Materialien, die dort gelagert und verarbeitet wurden, und wegen des verbrannten und verschütteten Gebäudes auf Platz neun der Nation lag.

Laporte ist ein Spezialchemieunternehmen mit Hauptsitz in London und besitzt laut seiner Website 42 Unternehmen in mehreren Ländern. Jayhawk Fine Chemicals stellt ‚Feinchemikalien‘ her, zu denen p-Kresolmethylether, Anisaldehyd zur Verwendung in Sonnenschutzmitteln, Herzmedikamenten und Parfüms sowie Anisalkohol für Duftstoffe und Hustenmittel gehören, heißt es auf der Website. …

Eckhardt wies die KDHE-Inspektion zurück.

‚ Ich glaube wirklich nicht, dass sie wussten, wo sie suchen sollten‘, sagte Eckhardt. ‚Es ist etwa eine viertel, eine halbe Meile von der Straße entfernt.‘

Eckhardt sagte, dass die ehemaligen Mitarbeiter, die er nicht identifizieren wollte, ihm sagten, dass die Kernbrennstoffe an zwei verschiedenen Orten vergraben seien. An der einen Stelle auf dem Grundstück, so Eckhardt, wachse keine Vegetation. …

‚ An einigen Stellen ist der Boden kahl‘, sagte er.

Neben der Befürchtung, dass ein Teil der Brennelemente bereits in das Grundwasser der Region gelangt ist, befürchtet Eckhardt auch, dass die Brennelemente in die falschen Hände geraten könnten.

‚ Wenn er da draußen vergraben ist, muss er auch im Grundwasser sein‘, sagte er. ‚Ich mache mir einfach Sorgen, dass ein Terrorist ihn in die Hände bekommt.‘

Elder, der als KDHE-Projektleiter für das Jayhawk-Gelände zuständig ist, sagte, die Behörde habe etwa 15 anonyme und unterzeichnete Beschwerden – darunter mehrere Beschwerden von Eckhardt – über eine mögliche Verunreinigung des Geländes erhalten. Elder sagte jedoch, dass das KDHE nie in der Lage gewesen sei, die in den Beschwerden enthaltenen Informationen zu überprüfen.

Aufgrund der langen Geschichte der chemischen Tests und der Produktion an diesem Standort war das KDHE auch an der langfristigen Überwachung der Boden- und Wasserqualität in der Jayhawk-Anlage beteiligt.

Vor etwa einem Jahr, so Elder, wurden die Böden, die nachweislich mit Dioxin, PCB und anderen Verbindungen kontaminiert waren, ausgehoben und zu einer Sondermülldeponie in Oklahoma gebracht. …

Unternehmen und Forschungsstandorte, an denen möglicherweise heimlich mit radioaktivem und toxischem Material gearbeitet wurde.

Dies ist eine Liste von mehr als 550 Standorten, von denen dem Energieministerium entweder bekannt ist, dass dort Arbeiten für das Kernwaffenprogramm durchgeführt wurden, oder bei denen Fragen aufgeworfen wurden, ob solche Arbeiten durchgeführt wurden. Bei einigen dieser Standorte haben frühere Untersuchungen ergeben, dass kein radioaktives Material verarbeitet wurde. An anderen Standorten haben frühere Untersuchungen ergeben, dass keine Arbeiten für Waffen durchgeführt wurden.

Es stellt sich jedoch die Frage, ob die Schlussfolgerungen, die bei früheren Untersuchungen an einigen Standorten gezogen wurden, zutreffend sind. Das DOE (Department of Energy facilities, Einrichtungen des Energieministeriums, Red.) ist dabei, die Aufzeichnungen an vielen Standorten erneut zu prüfen. Beamte sagen auch, dass sie einen Plan entwickeln, um die Sicherheit der Arbeiter und Umweltfragen an vielen der Standorte zu klären. …

Die Kontamination des Jayhawk-Werks ist wahrscheinlich auf frühere Aktivitäten der US-Regierung, des Verteidigungsministeriums und der Spencer Chemical Company (die vor Gulf tätig war), Gulf (jetzt Chevron Chemical Company) sowie auf die jüngeren Aktivitäten der nachfolgenden Betreiber des Werks zurückzuführen: ALLCO Chemical Corporation (ALLCO), Koch Chemical Company (Koch), und Thermex Energy Corporation (Thermex). …“

Bilfinger Engineering & Maintenance will Geld machen mit der Energiewende und, wenn es sein muss. auch ohne sie ...

Die Bilfinger Engineering & Maintenance GmbH (E&M) ist auf Instandhaltung und Anlagentechnik von Industrieanlagen spezialisiert und auch im Industriepark Gersthofen vertreten. Auch mit der Energiewende will Bilfinger auf verschiedenen Gebieten profitieren. Bilfinger. „We create ENERGIEWENDE Das Jahrhundertprojekt“ heißt das neue Kundenmagazin des Konzerns ( 73 ). Aber Bilfinger scheint durchaus auch bereit, die Energiewende zu torpedieren, wenn sich damit Profit machen lässt.
Während in Deutschland aus gutem Grund der Atomausstieg beschlossen wurde und die letzten Kernkraftwerke spätestens Ende 2022 abgeschaltet werden, verlegen sich deutsche Großkonzerne wie Bilfinger auf das Geschäft mit der Atomkraft im Ausland. So hat Bilfinger beim Neubau eines britischen Kernkraftwerks seit 2018 Aufträge von fast einer halben Milliarde Euro an Land gezogen. Der Strom aus dem Kernkraftwerk Hinkley Point C wird nicht einmal CO2-frei genannt, sondern nur CO2-Arm ( 74 ):

„Bilfinger gewinnt weiteren Auftrag im Kernkraftwerk Hinkley Point C

Der zweitgrößte Stromerzeuger der Welt, EDF Energy, hat Bilfinger mit Inspektionsleistungen für das derzeit im Bau befindliche Kernkraftwerk Hinkley Point C in Somerset beauftragt. In dem derzeit im Bau befindlichen Kraftwerk im Südwesten Englands wird Bilfinger in den nächsten fünf Jahren verschiedene zerstörungsfreie Prüfverfahren anwenden, um die Integrität sicherheitskritischer Systeme zu überwachen. Der Auftrag mit einem Volumen von mehr als 20 Mio. € wird in Tranchen im Segment Engineering & Maintenance Europe gebucht.

‚ Unsere Arbeit am Hinkley Point C ist eines unserer wichtigsten Projekte…‘ …

Bilfinger wurde von EDF als strategischer Lieferant (Tier 1) für das Projekt Hinkley Point C ausgewählt und erhielt ab 2018 zunächst Aufträge für Vorbereitungs- und Konstruktionsarbeiten sowie die Abfallbehandlung. Im Jahr 2020 erhielt Bilfinger zudem zahlreiche Dienstleistungen für NSSS (Nuclear Steam Supply System), BNI (Balance of Nuclear Island) und BoP (Balance of Plant). Dadurch stieg das bei Bilfinger generierte Auftragsvolumen für Hinkley Point C auf über 450 Mio. €. …

Hinkley Point C ist das erste neue Kernkraftwerk, das in Großbritannien seit über 25 Jahren gebaut wurde. Es soll rund 6 Millionen Haushalte mit CO2-armen Strom versorgen.“

Während der Bilfinger-Konzern also in Europa mit Kernkraft hemmungslos Geld macht, pusht er im Mittleren Osten Lagerung, Transport und Handel mit fossilen Brennstoffen wie Gas und Erdöl.

Bilfinger hat im Mittleren Osten mehrere Tochterfirmen. Bilfinger Tebodin Middle East Egypt vermeldet im Juni 2020 zwei Projekte in Ägypten, die der strategischen Absicht des Landes dienen, eine regionale Drehscheibe im Gas- und Erdölhandel so werden – was den groß proklamierten Zielen des Konzerns für eine Energiewende frontal widerspricht ( 75 ):

„Bilfinger Tebodin Middle East Egypt hat 2018 seine Geschäftstätigkeit mit Project Management Consultancy (PMC)-Dienstleistungen für zwei Projekte im Bereich Oil & Gas aufgenommen. Das erste Projekt ist ein Bulk-Flüssigkeitsterminal für die Sonker Bunkering Company im Hafen von Sokhna und das zweite Projekt ist für die Arab Petroleum Pipelines Company (SUMED). Das Projekt umfasst ein Heizöltanklager mit den dazugehörigen Einrichtungen und Versorgungseinrichtungen am Golf von Suez und wurde im November 2019 von Präsident Sisi eingeweiht. Die beiden Projekte sind Teil der ägyptischen Vision, eine regionale Drehscheibe im Gas- und Erdölhandel zu werden.“

Auch die Serviceunterstützung für ein Flüssigmassenlager-Terminal der Vereinigten Arabischen Emirate dürfte dem Ziel der Kohlenstofffreiheit widersprechen, denn zu den Flüssigmassen zählen auf jeden Fall auch Öl und Flüssiggas ( 76 ).

… und die Hochbautochter von Bilfinger verlegt sich auf den Ausbau von US-Militärstandorten, wo auch Drohnen und Atomwaffen stationiert sind

Aus einer Niederlassung der Mannheimer Bilfinger und Berger Bauaktiengesellschaft in Kaiserslautern entwickelten sich seit den siebziger Jahren profitable Geschäfte mit der US Army. Diese führten 2010 zur Gründung der Bilfinger Berger Government Services GmbH, die heute BB Government Services GmbH, kurz BBGS, heißt und 2017 von der österreichischen PORR Group übernommen wurde. Auf der Webseite von BBGS findet sich eine kurze Chronik, aus der wir auszugsweise zitieren ( 77 ):

„ab 1970

… Eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des Unternehmens spielt die Nähe zum amerikanischen Militärflughafen in Ramstein. Mit dem Ausbau des Flughafens werden auch weitere US-militärische Standorte in Kaiserslautern ausgebaut.

Andere US-Stützpunkte auf deutschem Boden werden geschlossen, die Rolle Ramsteins wird immer bedeutender. So realisiert die Bilfinger Berger AG auf dem Militärflughafen mehr und mehr Großprojekte, beispielsweise den Neubau des Passagierterminals, die Verlegung der Landebahn, die Erweiterung des Frachtterminals und der Unterkunftsgebäude sowie der Wartungshallen. Das noch junge Unternehmen wächst zunehmend.

2002

Die Bilfinger Berger Tochter HSG übernimmt ein neues Großprojekt der US Navy. Dadurch erweitert sich das Betätigungsfeld auch geografisch. Im italienischen Aviano wird eine Niederlassung eröffnet, später in Vicenza sogar eine eigenständige Firma gegründet, die heutige BB Government Services SRL. …

2010

Alle Konzerneinheiten, die mit der US Army zu tun haben, werden in einer neuen Gesellschaft gebündelt. Dadurch entsteht die Bilfinger Berger Government Services GmbH…

2014

… erhält das Unternehmen seinen heutigen Namen: BB Government Services GmbH, kurz BBGS….“

Es sei noch darauf hingewiesen, dass die Ramstein Air Base nicht nur ein Militärflugplatz ist, sondern auch das Hauptquartier der United States Air Forces in Europe – Air Forces Africa und das Hauptquartier des Allied Air Command Ramstein, einer NATO-Kommandobehörde zur Führung von Luftstreitkräften. Von dem 603d Air and Space Operations Center auf der Ramstein Air Base werden die Planung und Steuerung der Kampfdrohnen-Einsätze gegen Menschen im Irak, Afghanistan, Jemen sowie die Drohnenangriffe in Pakistan koordiniert.

In Aviano erhielt die BBGS 2010 den Auftrag für die komplette Planung und die umfassende Renovierung eines denkmalgeschützten Gebäudes am Luftwaffenstützpunkt Aviano. Es handelte sich dabei um den Umbau der italienischen Militäreinrichtung zum neuen Hauptkommando der US-Luftwaffe innerhalb von fünf Jahren ( 78 ). Die beiden fliegenden Staffeln des 31. Kampfgeschwaders auf der Main Operating Base sind mit insgesamt rund 50 F-16C/D ausgerüstet, die unter anderem in Aviano gelagerte Atombomben vom Typ B61-4 einsetzen können ( 79 ).

Auf dem US-Luftwaffenstützpunktes Spangdahlem bei Bitburg in der Eifel übergab die BBGS 2004 einen Offiziersclub-Neubau schlüsselfertig ( 80 ). Auf dem Stützpunkt ist unter anderem die 38th Munitions Support Group zugange. Sie ist unter anderem für die amerikanischen Atomwaffen zuständig.

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Anhänge

Anhang 1: Grußwort Sabine Grünwald (SPD), stellvertretende Landrätin

Und diese Zwangsarbeit, das war eine schreckliche – Selbstverständlichkeit“

Ja ich begrüße Sie hier auch im Namen von Herrn Landrat Martin Seiler, den ich heute vertreten darf eben zu diesem besonderen, wichtigen Anlass der Stolpersteinverlegung hier im MVV-Industriepark. Die heutige verlegte Stolperschwelle wird an die russischen, ukrainischen, italienischen, holländischen und französischen Zwangsarbeiter erinnern, die bei den Firmen IG Farbwerke Hoechst und Transehe gezwungen waren, hier auch tätig zu sein. Und wir sollten uns eben zu diesem Anlass ins Gedächtnis rufen, welches Leid sich hier in Gersthofen, also in unmittelbarer Nähe, abgespielt hat und welche grausamen Schicksale hier durchlebt werden mussten. Über dieser hohen Zahl, nämlich 400, stehen 400 Menschen, die aus ihren Heimatländern verschleppt wurden. Denen die Freiheit, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, durch das NS-Regime auf grausamste Weise geraubt wurde und manchen selbst das Leben auch, denn einige sind hier auch gestorben.

Diese 400 Menschen wurden Opfer des wohl größten, offensichtlich sichtbaren Verbrechens der NS-Zeit. Und diese Zwangsarbeit, das war eine schreckliche – Selbstverständlichkeit, die im Kriegsalltag überall zugegen war. Nämlich, es gab zwischen 1933 und 1945 13,5 Millionen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter. In Gersthofen waren im Zweiten Weltkrieg insgesamt 800-1000 Zwangsarbeitende.

Das heißt eigentlich auch, dass jeder Gersthofer und jede Gersthoferin damals irgendwann in diesem Ort mit diesen tätigen Zwangsarbeiten auch konfrontiert worden sind. Und die Ungerechtigkeit, die Gewalt, das Leid wurden öffentlich sichtbar, aber trotzdem meistens hingenommen. Und das Thema Zwangsarbeit hat trotzdem immer noch ganz viel Forschungsbedarf – nicht nur regional, sondern auch in einem größeren Focus (?) gibt es viel zu tun und aufzuarbeiten.

Und da möchte ich auch gerade daran erinnern – heute stehen wir hier –, was vor 20 Jahren in Gersthofen passiert ist. Die Stolperschwelle, die hier verlegt wird, setzt ein richtiges Erinnerungszeichen für diese Zwangsarbeiter. Und ich denke mal, es wäre nicht so weit gekommen, wenn es nicht vor 20 Jahren diese Initiative am Paul-Klee-Gymnasium gegeben hätte. Die sich sehr dafür eingesetzt hat, dass diese Zwangsarbeiter nicht vergessen werden, sondern in Erinnerung bleiben und auch für uns ein Mahnmal sind.

Und die MVV Gersthofen hat sich als erster Industriebetriebe in Schwaben auf Eigeninitiative dazu entschlossen, die Patenschaft einer solchen Gedenkschwelle zu übernehmen. Und damit eben als Nachfolgeunternehmen der in der NS-Zeit tätigen Betriebe ein Zeichen gegen das Vergessen zu setzen. Weil es natürlich nicht möglich ist, für jeden Zwangsarbeiter jeweils einen Stolperstein zu setzen, hat man sich dazu entschlossen, eine Sammel-Gedenkschwelle zu setzen, die der Künstler Gunter Demnig angefertigt hat.

Ja, meine Damen und Herren, diese Gedenkschwelle soll eben an das Leid der Zwangsarbeiter erinnern und gleichzeitig soll sie uns eine Mahnung sein. Denn sie weist darauf hin, dass das nationalsozialistische Unrecht, dass die Gräueltaten eben nicht im Geheimen stattgefunden haben. Gemahnt ist, Verantwortung zu übernehmen … und nicht zu vergessen!

Anhang 2: Rede Holger Amberg, Geschäftsführer des MVV Industrieparks Gersthofen

Mit der Verlegung der Stolperschwelle soll erinnert werden, soll gedacht werden an die rund 400 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, die im heutigen Industriepark für die Firmen IG Farbenindustrie und Transehe unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten mussten und an die vielen, die diese Zwangsarbeit mit ihrem Leben bezahlt haben.“

Liebe stellvertretende Landrätin, Frau Grünwald, vielen Dank für die Begrüßungsworte. Sehr geehrte Damen und Herren, einen schönen guten Morgen und herzlich willkommen vor dem Industriepark Gersthofen. Ich freue mich sehr, dass die Verlegung unserer Stolperschwelle auf so großes Interesse stößt. Ich begrüße Sie alle und gestatten sie mir, dass ich einige auch noch mal besonders hervorheben möchte. Ich hoffe, dass ich bei der Anzahl, der Breite auch des gesellschaftlichen Lebens in Gersthofen niemand vergessen werde.

Ich fange an: Herr Bürgermeister Gilg aus Langweid, herzlich willkommen. Ich freue mich, dass ich einige Stadträtinnen und Stadträte aus Gersthofen gesehen habe. Ich begrüße natürlich besonders herzlich unseren Künstler Gunter Demnig, der hier vorne bereits aktiv war. Einen ganz besonderen schönen guten Morgen Herrn Dr. Bernhard Lehmann, der Initiator der Aktivitäten und Sprecher der Stolpersteininitiative Gersthofen. Ich begrüße alle Kolleginnen und Kollegen aus dem Industriepark Gersthofen, von den verschiedenen Firmen. Ich begrüße die Lokalpresse. Ich begrüße ganz besonders zum einen das Klarinettenensemble des Jugendorchesters Gersthofen, vielen Dank für den guten Start und dass sie uns heute begleiten, sowie die Schülerinnen und Schüler des Paul-Klee-Gymnasiums, die nachher noch ihren Auftritt haben werden.

Die Frau Landrätin hat es angesprochen: die Industrie. Es freut uns, wenn wir da mit gutem Beispiel vorangehen. Ich habe allerdings Kolleginnen und Kollegen aus dem Industriepark Bobingen heute schon entdeckt und Herrn Dr. Partik von der SGL ( 81 ). Insofern sind wir da durchaus in guter Gesellschaft, ihnen allen auch ein herzliches Willkommen. Ich begrüße Vertreter von VVN, von Gegen Vergessen für Demokratie, von der AWO. Ich begrüße auch Herrn Fabian Schnaubert, der einen persönlichen Bezug hat, weil sein Großvater bei der Zwangsarbeit quasi aufseiten der Täter und der Aufseher mit dabei war. Und ich freue mich sehr, dass man da auch sieht, wie sich der Bogen dann auch über die Zeit entwickelt, dass er heute da seinen Beitrag leistet für das Gedenken und auch für das Licht-bringen in die Themen, die damals waren.

Als Herr Dr. Lehmann Ende 2019 wegen der Stolpersteinschwelle Kontakt mit uns aufgenommen hatte, war es für uns keine Frage, dass wir uns der Aktion anschließen wollen. Dafür gab und gibt es viele gute Gründe. Einer davon war, dass es kurz zuvor im Oktober 2019 den Anschlag auf die Synagoge in Halle gegeben hat. Antisemitismus und Fremdenhass, einhergehend mit immer neuen Gewalttaten greifen leider zunehmend Raum in Deutschland. Diese Entwicklung ist erschreckend und wir brauchen wirksame Gegenmittel.

Eines dieser Gegenmittel ist die Erinnerung. Die Erinnerung daran, welches Leid, Elend und Vernichtung das Nazi-Regime über Europa und die Welt gebracht hat. Und das Gedenken an die Opfer. Mit der Verlegung der Stolperschwelle soll erinnert werden, soll gedacht werden an die rund 400 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, die im heutigen Industriepark für die Firmen IG Farbenindustrie und Transehe unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten mussten und an die vielen, die diese Zwangsarbeit mit ihrem Leben bezahlt haben.

Noah Flug ( 82 ) hat es einmal wie folgt formuliert: „Die Erinnerung ist wie das Wasser. Sie ist lebensnotwendig und sie sucht sich ihre eigenen Wege in neue Räume und zu anderen Menschen. Sie ist immer konkret. Sie hat Gesichter vor Augen und Orte, Gerüche und Geräusche. Sie hat kein Verfallsdatum und sie ist nicht per Beschluss für bearbeitet oder für beendet zu erklären.“

Wir sind Herrn Dr. Lehmann und allen seinen Mitstreiterinnen und Mitstreitern sehr dankbar, dass sie sich so vehement und mit so viel Einsatz für das Gedenken einsetzen. Und, dass sie mit ihren umfangreichen Recherchen den Opfern ein Gesicht und einen Namen geben und die Erinnerung so konkret machen.

Wir wollen Opfer nicht vergessen, sondern uns daran erinnern, dass dieses Unrecht sich nicht wiederholen darf. Dazu hilft die Stolperschwelle, die Gunter Demnig hier vor dem Eingang des Industrieparks gerade verlegt oder verlegt hat. Ich danke Ihnen für ihren unermüdlichen Einsatz für die Initiative und ihr beharrliches Nachfassen, wenn auch mal alles nicht ganz so schnell gegangen ist, wie sie oder wie wir uns das vielleicht immer gedacht haben.

Ich wünsche Ihnen und uns allen, dass wir in allem, was wir tun, dem Unrecht entgegentreten und die Demokratie verteidigen. Danke an Sie alle, dass sie uns dabei unterstützen. (Beifall)

Anhang 3: Rede Bernhard Lehmann, Stolpersteininitiative Augsburg-Gersthofen

A nlässlich der Verlegung der Stolperschwelle am 25.10.2021 in Gersthofen, Ludwig-Hermann-Str. 100 für Zwangsarbeiter der Firmen IG Farbwerke Hoechst Gersthofen und der Firma Transehe

Sehr geehrte Damen und Herren, für die Erinnerungskultur in Gersthofen ist heute ein bedeutsamer Tag. Zum ersten Mal hat sich ein Industriebetrieb in Bayern dafür entschieden, mit einer Stolperschwelle der Menschen zu gedenken, die im II. Weltkrieg zur Zwangsarbeit nach Deutschland deportiert wurden.

Der MVV Industriepark als Nachfolgebetrieb hat beispielhaft gehandelt. Dank des Vorbildes der MVV haben sich die Gemeinden Langweid und Meitingen sowie SGL Carbon Meitingen ebenfalls dazu entschieden, Stolperschwellen zu verlegen. Wir hoffen, dass weitere Betriebe im Augsburger Raum diesem Beispiel folgen werden.

Wir danken MVV in der Person von Holger Amberg und Frau Ingrid Knöpfle sehr herzlich für diese richtungsweisende Geste!

Zwangsarbeit als Massenphänomen

Zwangsarbeit von Männern und Frauen in Deutschland war zwischen 1939 und 1945 ein Massenphänomen. Über 8 Millionen zivile Arbeiter und 4 ½ Millionen Kriegsgefangene leisteten Zwangsarbeit. 1,7 Millionen KZ-Häftlinge wurden von der SS zudem an Industriebetriebe „verliehen“.

Bedeutung für d ie deutsche Wirtschaft und Infrastruktur

Ohne die Arbeitskraft dieser Menschen wäre die gesamte industrielle Zivil- und Rüstungsproduktion zum Erliegen gekommen, Infrastruktur- und Versorgungseinrichtungen wären zusammengebrochen.

Zwangsarbeiter wurden eingesetzt bei Reichsbahn und Reichspost, in der Grundstoffindustrie, in der Landwirtschaft, im Handwerk, in der Bauwirtschaft, im Handel, in der Gastronomie, im Kulturbereich und bei kirchlichen Einrichtungen. Heruntergebrochen auf Gersthofen bedeutete das, dass sowohl bei den Bauern, beim Kohlenhändler Spanner, in der Maschinenfabrik Lindenmeyer, in der Schuhfabrik Schraml, in der Feuerwerksfabrik Sauer, im Holz- und Sägereibetrieb Hery und eben bei der Lechchemie und der Firma Transehe Zwangsarbeiter aus ganz Europa zum Einsatz kamen.

Ausländereinsatz basierte auf Terror

Das System „Zwangsarbeit“ basierte auf Entrechtung, Ausbeutung, Terror. Unternehmen wurden keineswegs zum Einsatz von Zwangsarbeitern gezwungen. Arbeitgeber wie z.B. Hery haben händeringend um die Zuweisung gebettelt.

Kenntnisse über die Menschen

Von den Menschen, um die es geht, wissen wir nur sehr wenig. Über ihr Alltagsleben, das geprägt war von Leid und Unrecht, von Zerstörung und Terror, von ruinierter Gesundheit, gestohlener Lebenszeit und verlorenen Perspektiven.

Für die Firma Transehe sind wir in der glücklichen Lage, dass uns die Tagebücher der italienischen Militärinternierten Anselmo Mazzi und von Fulvio Depetroni überliefert sind.

Giorgio Gregori, in seinem späteren Leben Historiker, vermittelt uns Einblicke in die Lebens- und Arbeitsverhältnisse bei der Firma IG Farbwerke Hoechst in Gersthofen.

Umstellung auf totale Kriegswirtschaft

Bis Mitte 1942 kompensierte die Reichs- wie die lokale Betriebsleitung den Ausfall männlicher Arbeitskräfte durch Frauenarbeit und Zwangsverpflichtungen. Zudem hielt man einen Endsieg für greifbar nahe.

Im Februar 1942 nahm Albert Speer als verantwortlicher Leiter eine Umstrukturierung auf die totale Kriegswirtschaft vor und brachte die Rüstungsproduktion bis 1944 auf einen Höchststand. Speers Organisation der Kriegswirtschaft beruhte wesentlich auf dem Einsatz von Zwangsarbeitern und Häftlingen. Dementsprechend steigt auch in Gersthofen der Anteil der ausländischen Arbeitskräfte bei der Lechchemie ab Mitte 1942 erheblich an. Reichsweit wurden nun die russischen Kriegsgefangenen, von denen weit über 2 Millionen bis zum Frühjahr 1942 in den Lagern verhungerten, nun der Kriegswirtschaft zugeführt.

In Gersthofen finden wir russische Kriegsgefangene bei den Firmen Hery, Lindenmeyer und der Lechchemie. Fulvio Depetroni berichtet:

„In der Fabrik werden die schwersten und ungesündesten Arbeiten, wie das Hantieren mit Säuren u.a. von den Russen ausgeführt. Sie haben ein miserables Leben, arbeiten 10 bis 11 Stunden pro Tag und werden ärger als Tiere behandelt. Schweigend und ruhig ertragen sie alles. … Wir, die wir die Russen stets nur als Barbaren betrachtet haben, sind betroffen und denken, dass es vielleicht nur Propaganda war. Tatsache ist, dass der russische Gefangene große Würde an den Tag legt“.

Daneben arbeiteten bei der Lechchemie vornehmlich französische, polnische und holländische Zivilarbeiter. Den westlichen Zwangsarbeiter mutete man aus rassistischen Gründen kompliziertere Arbeit zu, sie genossen auch weitaus mehr Freiheiten als die sog. Ostarbeiter.

Textfeld 4Ab September 1943 kamen italienische Militärinternierte (IMI) hinzu. Bei ihnen ignorierten die Nazis die Genfer Konvention für Kriegsgefangene und setzten sie ebenso in der Kriegswirtschaft ein, auch bei der Lechchemie und der Firma Transehe.

In der Hierarchie der Zwangsarbeiter standen die IMI nach dem Waffenstillstand der Italiener mit den Alliierten am 8. September 1943 auf der untersten Ebene mit den russischen Kriegsgefangenen und wurden auch entsprechend menschenverachtend behandelt.

Gründung der Firma Transehe

Im September 1942 erhielt die IG Farben vom Reichsministerium für Luftfahrt den Befehl, „in Anlehnung an das bestehende Werk Gersthofen eine kriegswichtige Fabrikanlage zu erstellen …. Der Bau soll so rasch wie möglich in Angriff genommen werden.“

Produktion von Raketentreibstoff für die V2-Rakete

Der „wehrwirtschaftlich wichtige Betrieb“ produzierte in der Zeit von 1943 bis 1945 Treibstoff für die V2 Raketen. Für die Produktion von Hydrazinhydrat lieferte die I.G. Farben Chlor, Chlorhypochlorid und Bleichlauge. Die Firma Transehe wurde bewusst am Gängelband der IG Farben gehalten, es erhielt Wasser und Dampf vom benachbarten Werk, der gesamte Verkehr der Firma Transehe fand auf den Bahngleisen der Lech-Chemie statt. Strohmann der Firma war Herr Gert von Transehe-Roseneck aus München als persönlich haftender Gesellschafter, von dem nur 1% des Gesellschaftskapitals stammte, währenddessen der Darmstädter Chemiegigant Merck den Löwenanteil von 2 Millionen RM einbrachte.

Hohe Gewinne dank staatlicher Subventionierung

Die Firma war hochprofitabel, weil sie vom Reichsluftfahrtministerium einen Zuschuss von 1,25 Millionen RM erhielt. Durch Lizenzverkauf für A- und B-Stoffe an den Bündnispartner Japan erhielt das Werk weitere 5,4 Millionen RM, sodass die Firma 1944 einen Reingewinn von 5 Millionen RM generierte.

Der Ingenieur Gerhard Hermann Schnaubert , angestellt bei der Firma HC Stark und in Peenemünde bei der Herstellung von Raketentreibstoff tätig, wird im Februar 1944 nach Gersthofen delegiert, um für den „Endsieg“ die Kräfte zu bündeln. Er macht sichtbar Druck auf die Arbeitsvorgänge und die Zwangsarbeiter. Wir sind in der glücklichen Lage, heute Herrn Fabian Schnaubert begrüßen zu dürfen, den Enkel des Ingenieurs. Er wird noch zu uns sprechen.

Die Transehe wurde im Mai 1945 als einziger Rüstungsbetrieb in Gersthofen von den US-Amerikanern demontiert und von Paul Heisel als kommissarischem Leiter wieder in die Lechchemie eingegliedert.

Aber nicht die Geschichte der Lechchemie und der Transehe stehen heute im Vordergrund, sondern das Leiden, die subjektive Erlebens- und Wahrnehmungsebene der Zwangsarbeiter.

Deshalb lassen sie uns nach einem Musikstück unseres Klarinettentrios Auszüge aus den Tagebüchern und den Biografien der Zwangsarbeiter hören, die uns Schülerinnen des Paul-Klee-Gymnasiums vortragen werden.

Anhang 4: Rede Fabian Schnaubert, Enkel eines der Täter

Als Enkel von Gerhard Schnaubert, welcher in den Erinnerungen der Internierten als schwarze Bestie von Gersthofen bekannt war, ist es für mich Pflicht und Ehre zu gleich, die Erinnerungen an das Geschehene lebendig zu halten.“

Hallo zusammen.

Vor wenigen Wochen stand ich das erste Mal bei einer Stolpersteinverlegung vor Publikum, dies gleich auch noch als Pate für Gino Rossi, welcher mit noch nicht mal 20 Jahren am 23. Januar 1945 hier in Gersthofen ermordet wurde.

Als Enkel von Gerhard Schnaubert, welcher in den Erinnerungen der Internierten als schwarze Bestie von Gersthofen bekannt war, ist es für mich Pflicht und Ehre zu gleich, die Erinnerungen an das Geschehene lebendig zu halten.

Seit der Verlegung der Stolpersteine im Juli konnte ich diverse Unterlagen aus Archiven und in der Familie noch vorhandene Unterlagen auftreiben, welche auch das Leben meines Großvaters näher beleuchteten, ebenso sein Handeln, wie auch das seiner Familie, Freunde, Arbeitskollegen.

1911 in Berlin geboren, machte er nach seiner Schulzeit eine Ausbildung zum Maschinenbauingenieur, welche er 1936 beendete.

Er erhielt eine Anstellung bei den Askaniawerken, dann der Firma Porr, und der DEBERAG mbH, allesamt Berlin

Hier war er in ganz Deutschland und den Gebieten des heutigen Polens an Bauprojekten beteiligt.

So in Nowi Sol, Munster, Löcknitz, Traunreut, und eben Gersthofen.

Auffällig oft ist er hierbei für militärische Anlagen zuständig gewesen. Wenn jemand sich mit dem Thema etwas auseinandersetzt, klingelt es bei den Ortsnamen. Truppenübungsplatz Munster mit seiner Abfüllanlage für chemische Kampfstoffe. Löcknitz, eine Heeresmunitionsanstalt. Traunreut mit seiner Heeresmunitionsanstalt (MUNA), Gersthofen mit der Firma Transehe, welche wie vielen bekannt ist, unter anderem für die Herstellung von Raketentreibstoffen zuständig war.

Hier begann er am 15.10.1943 seine Tätigkeit als Betriebsingenieur unter Dr. Ing. Kesting.

Hier wirkte er außerdem im Werksluftschutz mit.

Am 01.04.1945 erhält er das Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse ohne Schwert für Arbeiten in einem Rüstungsbetrieb.

Am 30. April 1945 wird Gerhard Schnaubert von US-Streitkräften verhaftet und nach Donauwörth in ein Kriegsgefangenlager verbracht.

Seine Frau schrieb an den Bürgermeister Gersthofens mit der Bitte um Weiterleitung an die Militärgerichte Augsburg. Hierbei beklagt sie, dass Ihr Mann Zitat: von drei italienischen Zivilarbeitern denunziert wurde, ein SS-Angehöriger zu sein. Dies hätte sie von weiteren italienischen Zivilarbeitern erfahren. Seine Frau bestritt vehement eine SS-Mitgliedschaft oder Parteizugehörigkeit Ihres Mannes.

Derartige Mitgliedschaften wurden auch in den Entnazifizierungsbögen, bis auf wenige Ausnahmen bestritten.

Die Unterlagen zum Prozess selber und dessen Urteil, fehlen mir leider noch, ich vermute aber die Unterlagen in den Augsburger Archiven.

In späteren Bewerbungen gab Gerhard an, dass er politisch unbelastet sei. Eine gebräuchliche und auslegbare Formulierung.

Es tauchen jedoch auch Unterlagen auf, in welchen ein ehemaliger Vorgesetzter bei der DEBERAG meinen Großvater bat, eine eidesstattliche Erklärung für Ihn abzugeben, damit „er seine Existenz neu aufbauen kann“.

Die Erklärung wurde ihm gegeben, mit der Bitte sich bei Gelegenheit für ähnliche Fälle „zu revanchieren“.

Hat man sich hier gegenseitig freigeschrieben? Durchaus möglich.

Gerhard Schnaubert arbeitete bis zur Demontage des Werkes im Rahmen der Reparationen, wurde hier interessanterweise erneut inhaftiert, nachdem es, wie er aus der Haft schrieb „Ungereimtheiten im Werk gab“.

Im Rahmen der Auflistung von Reparationsmaterial wurde er wegen Unterschlagung von Werksvermögen bei der Meldung an die US-Streitkräfte letztendlich zu drei Monaten auf Bewährung und einer Geldstrafe von 3000 Reichsmark verurteilt.

Nachdem klar wurde, dass das Transehe-Werk von den Amerikanern dichtgemacht werden würde, bewarb sich Gerhard auf diverse Stellen.

Er leitete ein Projekt in Marienstein für eine Sodagewinnungsanlage, konnte jedoch dort nach einiger Zeit nicht weiter beschäftigt werden, da die „vorgesetzte Behörde des Unternehmens hier Probleme machen würde“.

Interessant ist, dass er anfangs bei seinen Bewerbungen noch freizügig die Firma Transehe nannte und dass er für die Herstellung von Raketentreibstoffen verantwortlich war, später schrieb er nur noch: „den Bau einer chemischen Spezialanlage übernommen“.

Im Sommer 1947 erhält er die Möglichkeit, in Goslar bei der Firma Borchers anzufangen, welche im Dritten Reich eine ebenfalls nicht gerade rühmliche Rolle einnahm. Hier blieb er auch bis 1972.

Im Sommer 1972 kam Gerhardt Schnaubert in Goslar in ein Spital zum Zwecke einer Operation, ich vermute am Herzen. Durch eine verabreichte Spritze wurde ein Gefäß getroffen, an welcher er, da es zu spät bemerkt wurde, innerlich verblutete.

Er starb am 7.8.1972 in Goslar und wurde am 11.8.1972 in Berlin beerdigt.

Die helle Seite des Gerhard Schnaubert: ein Familienmensch, welcher allseits beliebt war. Feiern und Festivitäten im Hause Schnaubert waren selbst in Kriegszeiten bei knapper Versorgungslage nahezu legendär. Viele Reisen unternahm das Ehepaar, später auch mit Ihren zwei Kindern. Ein ganz normaler Bürger. Und doch gibt es hier auch eine dunkle Seite. Ein Mensch, welcher Mitmenschen nicht das schwarze unterm Nagel gönnte. Welcher sich gegenüber Mitmenschen, derartig verhielt, dass er sich den Titel Schwarze Bestie von Gersthofen erarbeitete. Er schaffte es diese schwarze Seite vor seiner Familie versteckt zu halten.

Warum er so handelte, werde ich vielleicht nie erfahren.

Weitersuchen nach der Wahrheit werde ich weiterhin.

Das verspreche ich.

 

Anhang 5: Vortrag Schüler_innen aus dem Tagebuch von Anselmo Mazzi

Leider konte „ich dem Ingenieur Schnaubert nicht ins Gesicht spucken“

Auszüge aus dem Tagebuch des italienischen Militärinternierten Anselmo Mazzi, geb. 1906 in Arezzo

Das Leben in der Baracke von Gersthofen war grauenvoll. Wir mussten um 5.00 Uhr aufstehen, um kurz danach fertig zu sein, wenn der Chef der deutschen Truppe oder ein Wachtposten kam, um uns zum Arbeiten zu bringen. …

Die Wächter

Es fehlt kein Tag, an dem uns die deutschen Aufseher nicht mit verletzenden Ausdrücken beleidigen: Satana, unser Chef war unter ihnen der Schlimmste. Er begann uns am Morgen zu beschimpfen: „Dummkopf = Scemo, „Lump“ = Furbo, „Schwein“- Porco, „Schlawi­ner, Verräter = Traditore. Satana nannte mich an jedem Tag ,,Mazzi, du Lump, du badoglio (= „Faulenzer“?), du Zigeuner, du Bandit.

Antonio Manzin aus Dignano (Istrien) wurde in Dachau eingesperrt, weil er auf diese schlimmen Parolen geantwortet hatte: „Scheiß Hitler“! Und der Arme wurde in Dachau er­mordet, vielleicht im Feuer des Krematoriums.

Die Essensrationen

Das Essen war schlecht, geeigneter für Tiere als für Menschen. Ein Wunder dass der Magen das ausgehalten hat. Die Ration wurde für uns im Dorf Gersthofen, zwei Kilometer von der Baracke entfernt, in einer Gastwirtschaft vorbereitet, deren Chefin ein Witwe von über 40 Jahren war, dick wie ein Nilpferd. Sie reduzierte unsere Rationen. Sie unterschlug uns Fett und Nahrungsmittel, das sie für ihre Kunden in ihrer Wirtschaft benötigte. Als die Witwe nach München zog, wurden alle Betrügereien aufgedeckt, die sie zu unserem Schaden begangen hatte. Sie wurde arretiert, weil sie sich beträchtlich berei­chert hatte. . .

Für die Suppe hatten wir in kochendem Was­ser aufgelöste Rüben und eine Prise zerstoßene Gerste und Hirse. …

Der Hunger quälte uns. Zum Glück gab es im November auf den Feldern bei der Fabrik rote Rüben und Verstecke, die wir vor den Deutschen verbargen. Oft kochten wir sie in einem Eimer, im selben, in den wir nachts unsere Notdurft verrichteten.

Deutsche mit Empathie

Wir waren Sklaven eines Volkes, das uns hasste, dass uns Verräter nannte und das uns von morgens bis abends wie gefährliche Mörder bewachte. …… Nur eine einzige Frau verdient unsere Bewunde­rung. Im vergangenen Winter näherte sich uns Gefangenen jeden Tag Frau Rose, schaute blitzschnell herum, überreichte dann einen schönen, warmen Brotlaib. Wenn sie sich an einigen Tagen nicht nähern konnte, weil irgendein Deutscher ihr Werk hätte bemerken können, steckte sie das Brot in einen Strauch und gleichzeitig gab sie ein Zeichen für die nächste günstige Gelegenheit, um es (das Brot) weg zu nehmen. Die gute Frau bot uns drei Monate lang 50 Laibe Brot, viel Obst und auch Fleisch an. Sie wurde bei der Polizei denunziert und erlitt viele Unannehmlichkeiten, machte jedoch weiter mit ihrem Werk der Nächstenliebe. …

Versetzung in die Flakkaserne nach Augsburg und die Befreiung am 28. April 1945

Am Dienstag, den 3. April verließ ich Gersthofen mit 30 anderen Italienern. Das Arbeitsamt Augsburg gab jedem die Arbeitserlaubnis in der Stadt.

Der 28. April! Welcher Tag der Freude! Welche Fröhlichkeit in der Flakkaserne!. Der 28. April war für die Internierten der Tag der Auferstehung, das Ende der Sklaverei. …

Die einzige Genugtuung, die ich nicht kosten konnte, war, dass ich die Leiter der Firma Transehe nicht in den Händen der Amerikaner gesehen habe und hauptsächlich, dass ich dem Ingenieur Schnaubert nicht ins Gesicht spucken konnte, der den Italienern nicht einmal ein Paar Holzschuhe gab, diese schwarze Bestie, die lange Monate der Urheber unse­rer Pein war. Ich habe erfahren, dass einige meiner Kameraden ihn an die Amerikaner ausge­liefert haben und er jetzt gezwungen ist, als Gepäckträger, als Sklave zu arbeiten, wie er es mit uns lange Monate gemacht hat. ...

Verlesen von Carolin Feltl und Rebekka Antonoglou

Anhang 6: Vortrag Schüler_innen aus dem Tagebuch von Fulvio Depetroni

Noch ärger ist der Vorarbeiter. Wehe, er sieht uns einen Moment ausruhen, er ist ein perverser und böser Mensch.“

Auszüge aus dem Tagebuch von Fulvio Depetroni

Fulvio Depetroni, geb. am 8.3.1922 in Trieste, ab September 1943 Zwangsarbeiter bei der Firma Transehe in Gersthofen, verstorben 2014

Fulvio studiert in Florenz, ehe er im Sommer zum Militärdienst einberufen wird. Der Waffenstillstand des Badoglio-Regimes mit den Alliierten am 8.9.43 überrascht ihn bei den Vorbereitungen zur Prüfung zum Offiziersanwärter. Er wird von der deutschen Wehrmacht nach Deutschland deportiert. Die Tagebücher hat er nach seiner Ankunft in Gersthofen verfasst. Depetroni hat die Gefangenen-Nr. 8577

6. Oktober 1943: Arbeit in Gersthofen

Unser Chef „Piumetta“ („Federl“) ist vielleicht kein schlechter Mensch, aber schrecklich jähzornig. Es gibt Geschrei und Stöße, auch so manchen Fußtritt und Faustschlag. Noch ärger ist der Vorarbeiter. Wehe, er sieht uns einen Moment ausruhen, er ist ein perverser und böser Mensch. …

Unsere Arbeit ist die von Hilfsarbeitern: Schaufel und Hacke. Zuweilen aber müssen wir Balken, Bretter oder fünfzig Kilo schwere Zementsäcke tragen. Wir stellen Asphalt her und führen ihn zu zweit in voll beladenen Karren – fürwahr eine schwere Arbeit, gut, dass ich so viel studiert habe!

15. Dezember 43

Aus Memmingen ist der Aufdruck gekommen, um uns I.M.I. (Italienische Militär Internierte) auf den Rücken zu schreiben. Es ist schmerzlich, so eine Aufschrift zu tragen.

13. Januar 1944: Die Familie Thoma

Als Dolmetscher habe ich mehr Freiheiten als die anderen. Zwei- oder dreimal in der Woche gehe ich abends zu den Thomas. Ich fühle mich so wohl bei dieser Familie, sie empfangen mich immer freundlich. Dann kann ich ein bisschen Musik im Radio hören und wenn ich auf dem Sofa sitze, dann kommt es mir vor, als ob ich wieder in ein normales Leben zurückgekehrt bin. Leider … muss ich wieder in die Realität der Baracken zurückkehren …

25. Februar 1944: Bombardierung

… Neuer Fliegeralarm. Die Luftabwehr eröffnet starkes Feuer, so dass sich Hans sogar dazu entschließt, die Türen zu öffnen, damit alle I.M.I in die Felder gehen können, um sich so gut wie möglich zu schützen. … Die ganze Baracke zittert. Über unseren Köpfen explodieren die Granaten der Luftabwehr und einige Splitter fallen nicht weit von uns entfernt zu Boden. Alle Italiener sind verschwunden, teils sind sie in einen noch nicht ganz fertigen Luftschutzkeller geflüchtet, teils in den der Fabrik.

12. Juli 1944: Es sind dreißig neue Italiener gekommen. Wir sind 130 I.M.I.

Dieser Text sollte von von Carolin Feltl und Rebekka Antonoglou v erlesen werden, wurde aber wegen der Kälte weggelassen.

Anhang 7: Vortrag Schüler_innen über Giorgio Gregori

„Von Buchloe läuft er mit den anderen IMIs und Zivilisten zu Fuß nach Gersthofen, wo er anfangs in Baracken ohne Betten untergebracht ist.“

Giorgio Gregori, geb. am 27.Juli 1920 in Casina, Reggio Emilia, Zwangsarbeiter bei der Firma Farbwerke Hoechst in Gersthofen

Während des II. Weltkriegs leistet Giorgio seinen Wehrdienst bei der Luftwaffe in Turin. Im September 1943 wird er gefangen genommen und nach Deutschland deportiert, wo er vom Stalag Memmingen aus an verschiedenen Orten Zwangsarbeit leistet.

Nach Zwangsarbeit in Grunau und Sonthofen wird er im August 1944 mit anderen Häftlingen zur Zwangsarbeit in Gersthofen abkommandiert.

Von Buchloe läuft er mit den anderen IMIs und Zivilisten zu Fuß nach Gersthofen, wo er anfangs in Baracken ohne Betten untergebracht ist. Die Essensrationen sind unzureichend und schlecht, wie er in seinem Tagebuch vermerkt.

Er muss mit anderen IMIs Luftschutzunterstände bauen. Nach 4 Tagen müssen sich die IMIs einem Leistungstest unterziehen, um ihre Einsatzmöglichkeiten zu testen. … Am 17. September 44 werden die IMIs in den Status von Zivilarbeitern überführt und unterstehen nicht mehr der Aufsicht der Wehrmacht. Giorgio erhält eine Lohnsteuerkarte und wird künftig als „Betriebswerker“ in der Chlor-Natrium Abteilung eingesetzt.

50 Elektrolytmaschinen müssen überwacht werden, z.B. das Mischungsverhältnis von Wasser und Lauge sind zu überprüfen, das Chlor in der Hälfte und das Quecksilber in zwei Dritteln der Zellen analysiert werden. Ab sofort dürfen die IMI nach Arbeitsende das Lager verlassen und haben bis 21 Uhr Ausgang. …

Am 4. November 44 wird die Baracke der Italiener mit Maschinengewehrsalven überzogen. Gregori ist der einzige, der in der Baracke geblieben ist. Er hat großes Glück, unverletzt dem Beschuss entkommen zu sein. Nach der Arbeit ist er zu erschöpft, um die Warnrufe der Kollegen wahrzunehmen. Zehn Tage später wird sein Kumpel, der Kalabrese Salvatore verhaftet und abgeführt. Der Vorwurf lautet auf Beleidigung des Führers und des Duce. …

Die Arbeit ist sehr beschwerlich. Drei bis vier Stunden pro Tag muss Giorgio die Gasmaske aufzusetzen, um sich vor den Chlorgasen und vor dem Kontakt mit dem krebsfördernden Quecksilber und der Schwefelsäure zu schützen. Noch gefährlicher ist die Abteilung, in der die Laugenfusion stattfindet. Diese ähnelt einer Grube aus Dantes „Inferno“. Dort arbeitet jetzt zur Strafe Salvatore, der Kalabrier.

Als Gregori aus Deutschland zurückkehrt, heiratet er und zieht 3 Kinder auf. Er wird Direktor einer Realschule. Nach seiner Pensionierung arbeitet er als Historiker und Heimatforscher.

Unter anderem veröffentlicht er sein Tagebuch „Due anni in terra straniera“ (Zwei Jahre in fremdem Land) welches seinen Erlebnisbericht als Italienischer Gefangener in Deutschland enthält.

Giorgio Gregori verstirbt nach langer Krankheit am 14 Mai 1998. Die Schule in Casina wird nach ihm benannt. Die Zeit in Deutschland war sehr schwer für ihn, dennoch verspürt er niemals Hass gegenüber der deutschen Bevölkerung. Ganz im Gegenteil, er fuhr fort, die Sprache und das kulturelle Erbe der Deutschen zu studieren.

Verlesen von Nana Achiniani und Serena Sommer

Anhang 8: Vortrag Schüler_innen über Espedito Neve

Im Zimmer der Wachen entwickelt sich ein Brand, der auf sämtliche Zimmer übergreift. Die Gefangenen versuchen vergeblich, die Holzwand zu durchbrechen ...“

Espedito Neve, geb. am 17. August 1924 in Castelforte, Latium, ab September 1943 Zwangsarbeiter in Gersthofen

Deportation nach Deutschland

Auf ihrer Deportation im Eisenbahnwaggon stehen die Italiener dichtgedrängt. Die Reise dauert mehrere Tage. Die Hitze ist unerträglich, da sich nur zwei kleine Lüftungsöffnungen im Waggon befinden. Von Memmingen aus kommt ein Teil der IMIs, darunter Espedito, nach Gersthofen.

Lebens- und Arbeitsbedingungen bei der Firma Transehe in Gersthofen

In Gersthofen werden sie in einem umzäunten Gelände untergebracht, in dessen Mitte eine große Baracke steht. Diese Baracke ist aus Holz und in fünf oder mehr Zimmer bzw. Gemeinschaftsräume unterteilt. Im ersten Raum sind zwei Wachen untergebracht, im zweiten Raum Militärinternierte, im dritten Raum aus der Toskana stammende IMIs. Im vierten Raum befindet sich eine gemischte Gruppe, die aus Napolitanern, Römern, Toskanern, Emilianern und Venetern besteht. Der fünfte Gemeinschaftsraum steht noch leer.

Diese Baracke wird dann am 13. November 1943 durch einen Brand zerstört.

Lebensbedrohlicher Brand und Rettung durch Espedito Neve

An jenem Abend weht ein starker Westwind und die Wachen sind zum Abendessen in den in der Nähe gelegenen Gasthof Mohr eingeladen worden. Wie an jedem Abend haben sie die Gemeinschaftsräume und das Eingangstor abgeschlossen, und gehen zu ihrem Stelldichein. Im Zimmer der Wachen entwickelt sich ein Brand, der auf sämtliche Zimmer übergreift. Die Gefangenen versuchen vergeblich, die Holzwand zu durchbrechen, rufen um Hilfe, aber niemand eilt herbei. Die Baracken sind mit Stacheldraht umgeben. Der gegenüber wohnende 14-jährige Franz Specht hat den Brand beobachtet.

Zusammen mit einem anderen Gefangenen aus Treviso gelingt es Espedito mittels eines Werkzeuges, die Tür der Baracke aufzubrechen. Mehr als 100 Personen können sich retten. … Die beiden Wachen werden ihres Dienstes enthoben und verurteilt.„Die Retter der ungefähr zweihundert Gefangenen waren Giovanni di Zeno Branco – Treviso, und Neve Espedito di Sipicciano di Galluccio – Caserta, denen meine unvergängliche Zuneigung und meine stetige Erinnerung gelten .“ Zitiert aus dem Buch von Anselmo Mazzi, 8744.

Verlesen von: Maia di Coste und Anna Müller

Anhang 9: Vortrag Schüler_innen über Gino Rossi

Ersticken im Kesselraum. Arbeitsunfall nach Ohnmachtsanfall. Gez. Dr. Neussell.“

Gino Rossi, geb. am 1.5.1925 in Galluccio (Italien), verstorben in Gersthofen am 23.1.1945 im Alter von 19 ½ Jahren

Gino Rossi ist einer der Zivilisten, die von der Waffen-SS bei einer Razzia in Galluccio nördlich von Neapel aufgegriffen und mit 800 weiteren Männern dieser Ortschaft nach Deutschland deportiert werden. Vom Stalag VII B Memmingen aus kommt er nach Gersthofen. Gino ist zu diesem Zeitpunkt 18 Jahre, sein Bruder Nicola 19 Jahre alt.

Zwangsarbeit in Gersthofen

In Gersthofen ist Gino Rossi mit anfangs 76, später mit 130 Italienern am Weiherweg 1 kaserniert. Gino Rossi arbeitet für die Firma Transehe.

IMIs und italienische Zivilisten am Ende der Gefangenenhierarchie

Die IMIs und italienischen Zivilisten befinden sich in der Hierarchie des nazistischen Lagersystems nur eine Stufe über den russischen Kriegsgefangenen. Der Historiker Mark Spoerer geht von einer 5-fach höheren Sterblichkeitsrate bei den Italienern als bei französischen und englischen Kriegsgefangenen aus. …

Menschenunwürdige Ernährung und Unterbringung

Elio Galluccio aus Galluccio berichtet, dass er die Nahrung, die in Gersthofen vornehmlich aus Rüben bestand, durch Kartoffelstücke ergänzt habe, die er auf den Feldern fand. Auf den Abzugsrohren der Unterkunftsbaracken habe er die Kartoffeln erhitzt.

Deutsche Familien bittet er um Nahrungsmittel, indem er geflochtene Körbe zum Tausch anbietet, die er mit seinem Landsmann Generoso Sangianato in der arbeitsfreien Zeit herstellt. Insgesamt sterben 11 Zwangsarbeiter in Gersthofen.

Seit Februar 1944 werden die Italiener konsequent auf „Leistungsernährung“ umgestellt, d.h. bei unbefriedigender Leistung soll für die gesamte Arbeitseinheit die Ernährung gekürzt werden. Die IMIs leben unter unhygienischen Bedingungen, Läuse und Wanzen gibt es zur Genüge, Krankheiten sind an der Tagesordnung.

Tod Gino Rossis

Gino Rossi muss am 23. Januar 1945 Säure abladen, erleidet einen Ohnmachtsanfall und erstickt im Kesselraum. Jede Hilfe kommt zu spät. Im Totenbuch der Pfarrei St. Jakobus Gersthofen 1945, S. 6 ist zum Tod von Gino Rossi vermerkt: „Ersticken im Kesselraum. Arbeitsunfall nach Ohnmachtsanfall. Gez. Dr. Neussell.“

Pfarrer Rothermel beerdigt den Toten in Gersthofen am 27. Januar 1945 morgens um 8 Uhr 30. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof Gersthofen, Feld 4, Reihe 30, Grab 84b. Das Grab ist längst aufgelöst. Gino Rossi ist zum Zeitpunkt seines Todes noch keine 20 Jahre alt.

Verlesen von Maya di Coste und Anna Müller

Anhang 10: Vortrag Schüler_innen Liste der in Gersthofen verstorbenen Zwangsarbeiter

Bourbier, Raymond, Frankreich, 24 Jahre

Hivert, Alexei, Frankreich, 21 Jahre

Kirjakow, Alexej, Russland, 19 Jahre

Othard Andre, Frankreich, 26 Jahre

Stepanow, Nikolay, Russland, 19 Jahre

Wlasenko, Nikolay, Ukraine, 18 Jahre

Gros, Edmond, Frankreich, 27 Jahre

Wozjakow, Alexej, Russland, 19 Jahre

Rossi, Gino, Italien, 19 Jahre

Pedro, Russland, Russland, 24 Jahre


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1 AG, MVV Energie. „Industriepark Gersthofen“. MVV Energie AG. Zugegriffen 7. Dezember 2021. https://www.mvv.de/ueber-uns/unternehmensgruppe/mvv-enamic/mvv-industriepark-gersthofen/industriepark-gersthofen .

2 Nach: „SGL Carbon“. In Wikipedia, 27. September 2021. https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=SGL_Carbon .

3 „Aggregat 4“. In Wikipedia, 11. November 2021. https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Aggregat_4 .

4 Kramper, Gernot. „V2-Rakete: Hitlers unheimliche Vergeltungswaffe wird in England ausgegraben“. stern.de, 13. Oktober 2021. https://www.stern.de/digital/technik/v2-rakete--hitlers-unheimliche-vergeltungswaffe-wird-in-england-ausgegraben-30824596.html .

5 Ebd.

6 Siehe hierzu: Feininger, Peter. „Wernher-von-Braun-Gymnasium in Friedberg, Wernher-von-Braun-Straße in Gersthofen: Wernher von Braun – der Name muss verschwinden. In Augsburg besteht die Chance, die Professor-Messerschmitt-Straße loszuwerden“. Forum solidarisches und friedliches Augsburg, 8. März 2013. https://www.forumaugsburg.de/s_3themen/Antifa/130308_wernher-von-braun-gymnasium-u-strasse-umbenennnung/artikel.pdf .

7 Schmidt, Andreas. „‚Wernher von Braun‘-Gymnasium: Als Schulname ‚nicht mehr tragbar‘ - Nachrichten Friedberg - Augsburger Allgemeine“, 21. März 2013. http://www.augsburger-allgemeine.de/friedberg/Als-Schulname-nicht-mehr-tragbar-id24534571.html .

8 Lehmann, Bernhard. „Menschen unter dem Terror des Nationalsozialismus - www.zwangsarbeit-gersthofen.de“. ZUM.de - UnterrichtsMaterial, Projekte, Ideen. Zugegriffen 20. November 2021. http://www.zum.de/Faecher/Materialien/lehmann/ .

Paul-Klee-Gymnasium Gersthofen, Hrsg. „Zwangsarbeit Gersthofen. Broschüre zur Ausstellung: I. Zwangsarbeit am schwäbischen Beispiel Gersthofen II. Die Rolle Wernher von Brauns bei der Produktion der V-2 Rakete III. Das KZ Dora IV. Die Familie Pröll im Widerstand V. Der Archivstreit. Erarbeitet von der Klasse 11a des Paul-Klee-Gymnasiums Gersthofen unter der Leitung von OStR Dr. Bernhard Lehmann. Verantwortlich für die Themenbereiche: Layout: Fabian Diewald, Rene Treffer, Stephan Hagner / Zwangsarbeit in Gersthofen: Dr. Bernhard Lehmann / Wernher von Braun: Felix Ludl / Familie Pröll: Jürgen Wünsch / KZ Dora: Gregor Birle“, 2002. http://www.zum.de/Faecher/Materialien/lehmann/doc/Brosch%c3%bcre.pdf .

9 Lehmann, Bernhard. „Diese Website soll an die Zwangsarbeiter in Meitingen, Langweid, Herbertshofen, Langenreichen, Erlingen, Waltershofen und Westendorf erinnern“. Zwangsarbeit Meitingen, 4. Juli 2021. https://sites.google.com/view/zwangsarbeitmeitingen .

10 Jungbluth, Rüdiger. „Die Quandts und die Nazis“. Die Zeit. 19. November 2007, Abschn. Wirtschaft. https://www.zeit.de/2007/47/Quandt/komplettansicht .

11 Lehmann, Bernhard. „Menschen unter dem Terror des Nationalsozialismus - www.zwangsarbeit-gersthofen.de“. ZUM.de - UnterrichtsMaterial, Projekte, Ideen. Zugegriffen 20. November 2021. http://www.zum.de/Faecher/Materialien/lehmann/ .

Hier: http://www.zum.de/Faecher/Materialien/lehmann/dps/ueberblick/relevanz.htm

12 Voigt, Wolfgang (2001): Siemens-Planiawerke AG für Kohlefabrikate Herzbergstraße 128/139. In: Versklavt und fast vergessen: Zwangsarbeit im Berliner Bezirk Lichtenberg 1939-1945, Hrsg. Bezirksamt Lichtenberg von Berlin. S. 161-167. Berlin: Trafo-Verlag.

13 Lehmann, Bernhard. „Besuch in Marzabotto. Dr. Lehmanns Bericht über seine Reise“. Menschen unter dem Terror des Nationalsozialismus - www.zwangsarbeit-gersthofen.de / ZUM.de - UnterrichtsMaterial, Projekte, Ideen, 24. Oktober 2012. http://www.zum.de/Faecher/Materialien/lehmann/doc/Besuch%20in%20Marzabotto%20%20Artikel%
20f%C3%BCr%20die%20GVFD%2024-10-12.docx
.

14 „Massaker von Marzabotto“. In Wikipedia, 2. Oktober 2021. https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Massaker_von_Marzabotto .

15 Siehe hierzu: „Schrank der Schande“. In Wikipedia, 12. Dezember 2021. https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Schrank_der_Schande .

16 „Deutschland genießt Immunität bei Nazi-Kriegsverbrechen“. Süddeutsche Zeitung, 3. Februar 2012. https://www.sueddeutsche.de/politik/entschaedigungsstreit-mit-italien-deutschland-geniesst-immunitaet-bei-nazi-kriegsverbrechen-1.1274635 .

17 AFP und dpa. „Deutschland muss NS-Opfer in Italien nicht entschädigen“. Die Zeit. 3. Februar 2012, Abschn. Gesellschaft. https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2012-02/gerichtshof-italien-naziverbrechen .

18 Die Hausarbeit wird online zwar nicht vollständig veröffentlicht, aber die Ausführungen zum historischen Hintergrund und juristischen Kontext sind verfügbar: Algasinger, Tobias Sebastian. Der Fall Deutschland gegen Italien und sein Nachspiel (IGH, Jurisdictional Immunities of the State, 2012). Handlungsmöglichkeiten Deutschlands nach der Nichtbefolgung des Urteils. 62 S. Università degli Studi di Padova (Diritto Internazionale), 2015. https://www.grin.com/document/335196 .

19 Hirschel, Otto/Pöhlemann, H. G. (1952): Lech-Chemie Gersthofen: Werksgeschichte 1902 bis 1952 ; [50 Jahre Chemie]. 62 Blatt. Gersthofen: Gersthofen.

20 „Die verheißungsvolle Entwicklung, die das Werk auf allen Gebieten der Fabrikation, der Forschung und des Soziallebens genommen hatte, wurde verstärkt durch den guten Geschäftsgang der dreißiger Jahre. Es bedarf keiner Betonung, daß der Aus­bruch des zweiten Weltkrieges, wie überall, erhebliche Schwierigkeiten durch betrieb­liche und verwaltungstechnische Umstellungen mit sich brachte. Diese Zeiten der gelenkten Wirtschaft sind uns allen noch in Erinnerung. Das Werk blieb von Kriegsschäden verschont, und in der Produktion traten im großen und ganzen Änderungen von Bedeutung nicht ein, bis mit Anwachsen der Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Rohmaterial und infolge mangelnder Energiezufuhr die Produktion in den ein­zelnen Betrieben notgedrungen immer mehr nachließ. Die Ereignisse überstürzten sich schließlich, als der Krieg das für unser Vaterland so unglückliche Ende nahm. Von der Belegschaft waren während des Krieges 150 Arbeiter und 14 Angestellte ein­ gezogen. 37 ruhen in fremder Erde und 20 sind bis heute noch vermißt. Am 28.4.1945 wurde die gesamte Fabrikation infolge der Kriegsereignisse stillgelegt und am Abend des gleichen Tages besetzten amerikanische Truppen das Werksgelände.“ Ebd., Blatt 23

21 Krauße, Johannes (1989): Die wirtschaftliche Entwicklung: Landwirtschaft. Sölden. Handwerk. Industrie und Gewerbe in Gersthofen. Das Werk Gersthofen der Hoechst Aktiengesellschaft. Bankwesen. Gemeindesteuern. In: Krauße Johannes: Chronik der Stadt Gersthofen 969-1989, Herausgeber Stadt Gersthofen. Seite 307-351, insgesamt 448 S. Gersthofen.

22 https://d-nb.info/891256881

23 Mayr-Seitz, Karin/Stadt Gersthofen (2009): Chronik der Stadt Gersthofen. context verlag Augsburg.

Lehnerl, Manfred/Stadt Gersthofen (2008): Gewerbe in Gersthofen: Standort - Wirtschaft - Profile. 1., Edition. context verlag Augsburg. – Dieser Band behandelt das GVZ Güterverkehrszentrum und acht große Firmen in Gersthofen, der MVV Industriepark ist nicht dabei

24 Mayr-Seitz, Karin (2009): Der Aufstieg Gersthofens 1900-1930. Extra: Das Wasserwerk Gersthofen. Die Zeit nach 1933 und der Zweite Weltkrieg. Extra: Zwangsarbeiter. In: Karin Mayr-Seitz: Chronik der Stadt Gersthofen. Seite 18-26. context verlag Augsburg.

25 Karin Mayr-Seitz formulierte es so: „Als Mitte der 1950er Jahre Dr. Hans Eberlein seine Chronik ‚Wachsen und Werden einer Gemeinde‘ her­ ausgab, sparte er die Jahre zwischen 1933 und 1945 weitgehend aus. Er überließ es ausdrücklich kommen­den Generationen, sich mit diesem Teil der Gemeinde­geschichte auseinanderzusetzen. Er und seine Zeitge­nossen seien dem Geschehenen zeitlich zu nahe, um es in seiner ‚Tragweite geschichtlich‘ würdigen zu können.“

Das Buch des Chronisten : Eberlein, Hans (1954): Gersthofen: Werden u. Wachsen e. Gemeinwesens. Gersthofen: Selbstverl. d. Marktes Gersthofen.

26 Paul-Klee-Gymnasium Gersthofen, Hrsg. „Zwangsarbeit Gersthofen. Broschüre zur Ausstellung: I. Zwangsarbeit am schwäbischen Beispiel Gersthofen II. Die Rolle Wernher von Brauns bei der Produktion der V-2 Rakete III. Das KZ Dora IV. Die Familie Pröll im Widerstand V. Der Archivstreit. Erarbeitet von der Klasse 11a des Paul-Klee-Gymnasiums Gersthofen unter der Leitung von OStR Dr. Bernhard Lehmann. Verantwortlich für die Themenbereiche: Layout: Fabian Diewald, Rene Treffer, Stephan Hagner / Zwangsarbeit in Gersthofen: Dr. Bernhard Lehmann / Wernher von Braun: Felix Ludl / Familie Pröll: Jürgen Wünsch / KZ Dora: Gregor Birle“, 2002. http://www.zum.de/Faecher/Materialien/lehmann/doc/Brosch%c3%bcre.pdf .

27 Bálint, Anna (2011): Clariant clareant: Die Anfänge eines Spezialitätenchemiekonzerns. Campus Verlag. Text abrufbar unter: https://books.google.de/books?id=fFHlAgAAQBAJ .

28 „„In die Speichen des Kriegsrades gegriffen“. Die Rolle der „I.G. Farben“ im Ersten und Zweiten Weltkrieg“. Der Spiegel, 3. Februar 1980, Abschn. Politik. https://www.spiegel.de/politik/in-die-speichen-des-kriegsrades-gegriffen-a-027b80f2-0002-0001-0000-000014322484 .

29 Ebd.

30 Manig, Bert-Oliver. „Historische Großfusion - Vor 90 Jahren: IG Farben wurde gegründet“. Deutschlandfunk, 2. Dezember 2015. https://www.deutschlandfunk.de/historische-grossfusion-vor-90-jahren-ig-farben-wurde-100.html .

31 Bálint (2011): Clariant, a. a. O.

32 „Dieses Kapitel entstand in Kooperation mit Dr. Wolfgang Metternich, Archivar der Hoechst AG von 1984 bis 1999 und Geschäftsführer der HistoCom GmbH, Frankfurt, von 1999 bis 2009. Metternich war zudem an Stephan H. Lindners Buch Hoechst. Ein I. G. Farben Werk im Dritten Reich, München 2005, an der Konzeption sowie der Archiv- und Quellenbearbeitung beteiligt.“

33 Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges 1939 wurden wiederum zahlreiche Mitarbeiter der Stammbelegschaft zum Kriegsdienst eingezogen und später durch Kriegsgefangene, Fremd- und Zwangsarbeiter ersetzt. Im Oktober 1944 zählt die Belegschaft des Werkes Höchst 11.784 Personen, davon 3021 Zwangsarbeiter (2302 Männer und 719 Frauen) und 142 Strafgefangene.[18] Insgesamt wurden während des Krieges rund 8500 Menschen aus fast allen besetzten Ländern Europas zur Zwangsarbeit im Werk Höchst gepresst, wo sie in einem eigenen Lager unter harten Bedingungen bei meist unzureichender Ernährung lebten.

„Hoechst“. In Wikipedia, 18. November 2021. https://de.wikipedia.org/wiki/Hoechst#cite_ref-18

34 Metternich, Wolfgang (2013): Von den Farbwerken zum Industriepark Höchst. 150 Jahre Chemie in Höchst – Die Geschichte des Industrieparks. In: Die Chemie stimmt seit 150 Jahren. Höchster Schlossfest 2013. Industriepark Höchst: 150 Jahre Menschen. Standort. Werte, Herausgeber: Vereinsring Frankfurt (M)-Höchst, Redaktion: Holger Vonhof. Text abrufbar unter: https://silo.tips/download/die-chemie-stimmt-seit-150-jahren-hchster-schlossfest-2-013 (Zugriff am 13.12.2021).

35 Lindner, Stephan H. Hoechst: Ein I.G. Farben Werk im Dritten Reich. C.H.Beck, 2005. https://books.google.de/books?id=h5SIv3xe3P0C .

36 Wagner, Bernd C. (2000): IG Auschwitz: Zwangsarbeit und Vernichtung von Häftlingen des Lagers Monowitz 1941-1945. K.G. Saur. Text abrufbar unter: https://books.google.de/books?id=wZ2EAAAAIAAJ .

37 Kuczynski, Thomas. „Entschädigungsansprüche für Zwangsarbeit im ‚Dritten Reich‘ auf der Basis der damals erzielten zusätzlichen Einnahmen und Gewinne, Dokumentiert in der Materialsammlung von Bernhard Lehmann ‚Menschen unter dem Terror des Nationalsozialismus‘ www.zwangsarbeit-gersthofen.de“. Hamburg: Stiftung für Sozialgeschichte des 20. Jahrhunderts c/o Universität Bremen, 2000. https://www.zum.de/Faecher/Materialien/lehmann/files/imi/Kuczynski-Gutachten-Zwangsarbeit.pdf .

38 Archiv LabourNet. „Sofortige Entschädigungszahlung an jeden Zwangsarbeiter statt Schlußstrich für die Täter! Kampagne des Anwaltsbüros Gabriele Heinecke & Koll im Jahr 2000“, 19. Dezember 2012. https://archiv.labournet.de/diskussion/geschichte/zwa-sofort.html .

39 Salomon Korn, 9. November 1999 (Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt und stellvertretender Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland), zitiert nach: Archiv LabourNet. „Zwangsarbeit: Stand der Entschädigungszahlungen“, 18. Dezember 2012. https://archiv.labournet.de/diskussion/geschichte/zahlen.html .

40 Surmann, Rolf. „Abgegoltene Schuld? Das Erbe der Schlußstrichpolitik“. Blätter für deutsche und internationale Politik, Nr. 1 (2002). http://archiv.labournet.de/diskussion/geschichte/surmann.html .

Surmann, Rolf. „Entschädigung als Geiselnahme“. Blätter für deutsche und internationale Politik, Nr. 5 (2001). http://archiv.labournet.de/diskussion/geschichte/zwa-rs1.html .

41 Archiv LabourNet. „Zwangsarbeit: Stand der Entschädigungszahlungen“, 18. Dezember 2012. https://archiv.labournet.de/diskussion/geschichte/zahlen.html .

42 Rehmke, Stephen. „NS-Zwangsarbeit abgehandelt. Deutschland zieht einen weiteren Schlußstrich“. Forum Recht Online, Nr. 2 (2000). https://www.forum-recht-online.de/2000/200/200rehmke.htm .

43 Materialsammlung von Bernhard Lehmann „Menschen unter dem Terror des Nationalsozialismus“ www.zwangsarbeit-gersthofen.de

Materialsammlung von Bernhard Lehmann „Menschen unter dem Terror des Nationalsozialismus“ www.zwangsarbeit-gersthofen.de. „Zwangsarbeit - die Entschädigungsfrage“, 2001. http://www.zum.de/Faecher/Materialien/lehmann/dps/entschaedigungsfrage/entschaedigung.htm .

Hausser, Alfred. „Zwangsarbeit - Ein Jahr nach Inkrafttreten des Entschädigungsgesetzes: Für viele Steine statt Brot?“ Materialsammlung von Bernhard Lehmann „Menschen unter dem Terror des Nationalsozialismus“ www.zwangsarbeit-gersthofen.de, 2001. http://www.zum.de/Faecher/Materialien/lehmann/dps/entschaedigungsfrage/jahr_danach.htm .

44 Nach: Zwangsarbeit 1939-1945 / Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ / Freie Universität Berlin / Deutsches Historisches Museum. „Entschädigung“, 7. Mai 2008. https://www.zwangsarbeit-archiv.de/zwangsarbeit/entschaedigung/index.html ., eigene Berechnungen und https://www.stiftung-evz.de/stiftung/zahlen-und-fakten.html

45 aus: Gedenkbuch Augsburg, Erinnerungswerkstatt. „Opfergruppen Zwangsarbeiter - Online-Gedenkbuch“. Zugegriffen 11. Dezember 2021. https://gedenkbuch-augsburg.de/opfergruppen/zwangsarbeiter/ .

46 Lehmann, Bernhard. „Memo an MdB Heinz Paula. Memorandum zur Entschädigung der ehemaligen Italienischen Militärinternierten in Deutschland.“ Menschen unter dem Terror des Nationalsozialismus - www.zwangsarbeit-gersthofen.de / ZUM.de - UnterrichtsMaterial, Projekte, Ideen, 25. Mai 2003. http://www.zum.de/Faecher/Materialien/lehmann/files/imi/Memo%20an%20Heinz%20Paula.doc .

47 „I.G.-Farben-Insolvenz: Ehemalige Zwangsarbeiter gehen leer aus“. Der Spiegel, 10. November 2003, Abschn. Wirtschaft. https://www.spiegel.de/wirtschaft/i-g-farben-insolvenz-ehemalige-zwangsarbeiter-gehen-leer-aus-a-273365.html .

48 Stiftung evz Erinnerung, Verantwortung und Zukunft. „Stiftungsnitiative der deutschen Wirtschaft – Präambel und Unternehmensübersicht“, 17. November 2000. https://www.stiftung-evz.de/stiftung/geschichte/entstehung/praeambel.html .

49 http://www.zum.de/Faecher/Materialien/lehmann/doku/briefe/andeffner/ablehnung%20vers.htm

50 Gegenwärtig sind die folgenden Firmen auf dem Gelände des Industrieparks Gersthofen tätig: Archroma, MVV-Industriepark, Kraton, Bilfinger, CABB, Clariant, infraserv, Indorama, Imperial Logistics, C+S Chlorgas GmbH, IGS Netze siehe auch: AG, MVV Energie. „Industriepark Gersthofen“. MVV Energie AG. Zugegriffen 7. Dezember 2021. https://www.mvv.de/ueber-uns/unternehmensgruppe/mvv-enamic/mvv-industriepark-gersthofen/industriepark-gersthofen .

51 Absolutely reliable material to withstand the power of natural forces Our highly specialised PA 6.6 parachute fabrics for the sport, military and rescue sector meet national and international specifications https://www.utt.de/en/parachute/

Absolut zuverlässiges Material, das den Naturgewalten standhält Unsere hochspezialisierten PA 6.6-Fallschirmstoffe für den Sport-, Militär- und Rettungsbereich erfüllen nationale und internationale Spezifikationen

52 Kraton plant die jüngsten Fortschritte bei elastischen Vliesstoffen, NEXAR(TM)-Polymeren für Hochleistungsstoffe und C5-Harz-Alternativen für Klebstoffe auf der vom 12.-15. April 2011 in Genf (Schweiz) stattfindenden INDEX 11, GENEVA PALEXPO, vorzustellen …

NEXAR(TM)-Polymere (Hochleistungsstoffe): Die selektiv permeablen Membranen und Beschichtungen der NEXAR-Polymere bieten eine einzigartige Lösung für Innovatoren im Textilbereich, die atmungsaktive Hochleistungsstoffe benötigen. Sie können bei Sportskleidung, Outdoor-Bekleidung und -ausrüstung, Uniformen im Militär- und Industriebereich sowie bei medizinischen und Geotextil-Anwendungen eingesetzt werden. https://www.prnewswire.com/news-releases/kraton-plant-die-jungsten-fortschritte-bei-elastischen-vliesstoffen-nexartm-polymeren-fur-hochleistungsstoffe-und-c5-harz-alternativen-fur-klebstoffe-auf-der-vom-12-15-april-2011-in-genf-schweiz-stattfindenden-index-11-ge-124257409.html

53 Mutual. „Archroma Präsentiert Auf Der Techtextil Innovationen Und Systemlösungen Für Mehr Nachhaltigkeit, Farbe Und Leistung“. Text/html, 4. September 2019. https://www.archroma.com/press/releases/archroma-präsentiert-auf-der-techtextil-innovationen-und-systemlösungen-für-mehr-nachhaltigkeit-farbe-und-leistung .

54 B2B business-to-business bezieht sich auf Unternehmen, die in erster Linie darauf spezialisiert sind Produkte und Dienstleistungen an andere Unternehmen anstelle von Verbrauchern zu verkaufen

55 XING. „Matthias Schnurbusch - Betriebsleiter Standort Fechenheim & Griesheim - Infraserv Logistics GmbH“. Zugegriffen 9. Dezember 2021. https://www.xing.com/profile/Matthias_Schnurbusch2 .

56 Heuer, Leon. „Vom Offizier zum Manager. Der Artikel erschien ursprünglich 2018 in der perspectives #5, Themen-Special: Führung“. infraserv, 1. November 2018. https://www.infraserv.com/de/perspectives-magazin/2018/vom-offizier-zum-manager.html .

57 Clariant Produkte (Deutschland) GmbH Cargo & Device Protection https://www.wlw.de/de/firma/clariant-produkte-deutschland-gmbh-cargo-device-protection-343125

58 https://www.wlw.de/de/suche/spezialverpackungen-fuer-militaerische-ausruestungen

59 Zu den chemischen Produkten gehören Chlor und Natronlauge, Vinyl, Epoxidharze, chlorierte organische Substanzen, Bleichmittel und Salzsäure. Die wichtigsten Fertigungsstätten von Winchester produzieren und vertreiben Sportmunition, Munition für Strafverfolgungsbehörden, Nachladekomponenten, militärische Kleinkalibermunition und Komponenten sowie Industriepatronen. https://discover.univarsolutions.com/de/suppliers/olin/

60 https://discover.univarsolutions.com/de/services/transportation/

61 https://www.amazon.de/ROUGH-RADICAL-Langarm-Funktionsshirt-Milit%C3%A4r/dp/B071NLKCJJ

62 Flammschutz

Feuerwehren, Militär und andere, die unter extremen Einsatz- und Witterungsbedingungen arbeiten, benötigen leistungsfähigen Schutz nicht nur vor Umweltelementen, sondern auch vor Gefahren, einschließlich Feuer. Darüber hinaus gelten für Bereiche wie Heimtextilien und im Bauwesen zunehmend strengere Anforderungen, die bei der Produktentwicklung hohe Aufmerksamkeit erfordern. In diesen Marktsegmenten ist die Sicherheit von technologischen Spezialchemikalien wie den hochleistungsfähigen Pekoflam® Flammschutzmitteln von Clariant daher höchst willkommen. Pressrelease finder.com 11.6.2013 https://ww.pressreleasefinder.com/Clariant/CLAPR655/de/

63 https://www.wlw.de/de/firma/clariant-produkte-deutschland-gmbh-cargo-device-protection-343125

64 Bálint, Anna (2011): Clariant clareant: Die Anfänge eines Spezialitätenchemiekonzerns. Campus Verlag. Text abrufbar unter: https://books.google.de/books?id=fFHlAgAAQBAJ

65 Das heißt: an der Börse notiert

66 „ThyssenKrupp Marine Systems“. In Wikipedia, 2. Dezember 2021. https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=ThyssenKrupp_Marine_Systems .

67 dianhydrides. „6FDA: USA-Made Dianhydride Opens New Opportunities for Aerospace & Military - 6FDA: In Den USA Hergestelltes Dianhydrid Eröffnet Neue Möglichkeiten Für Luft- Und Raumfahrt Und Militär“. Dianhydrides.com, a community page sponsored by CABB, 16. April 2021. https://dianhydrides.com/6fda-dianhydride-aerospace-military/ . Übersetzung mit Deeple

68 Scott, Jeremy Singer-Vine, John R. Emshwiller, Neil Parmar, Charity. „Spencer Chemical Co. - Galena, Kan. - Waste Lands America's forgotten nuclear legacy. Brachland - Amerikas vergessenes nukleares Erbe.“ The Wall Street Journal, 29. Oktober 2013. https://www.wsj.com/graphics/waste-lands/site/432-spencer-chemical-co/ . Übersetzt mit Deeple

69 Siehe hierzu das 110-seitige Dokument: NRC Web. „Nuclear Regulatory Commission Anfrage Freedom of Information Act and Privacy Act FOIA/PA-2016-0067 Informationen, die Kenneth A. Spencer in seiner Eigenschaft als ‚Präsident‘, CEO, Eigentümer/Betreiber, GM usw. und seine verbundenen Unternehmen/Einrichtungen im Südosten von Kansas und im Südwesten von Missouri betreffen: Spencer Chemical Company, Jayhawk Works Plant“, 2016. https://www.nrc.gov/docs/ML1607/ML16078A175.pdf .

70 Ebd.

71 Joplin Globe, Online Ausgabe 19. Oktober 2000 „Jayhawk-Fabrik legt Einspruch gegen Strafe ein“, zitiert nach NCR Web, ebd.

72 NRC Web Anfrage FOIA/PA-2016-0067, a. a. O.

73 Bilfinger. „We create ENERGIEWENDE Das Jahrhundertprojekt - Kundenmagazin Bilfinger now! - Bilfinger SE“. Zugegriffen 8. Dezember 2021. https://www.bilfinger.com/fileadmin/corporate_webseite/now/pdf/2021/03/Bilfinger-Now-DE-2021-03.pdf .

74 Bilfinger. „Bilfinger Wins Additional Order at Hinkley Point C Nuclear Power Plant“, 22. Juli 2021. https://www.bilfinger.com/en/media/news/bilfinger-wins-additional-order-at-hinkley-point-c-nuclear-power-plant/ .

75 Bilfinger Middle East. „Bilfinger Tebodin Middle East in Egypt signs an Engineering Master Service Agreement with PETROJET - Bilfinger Middle East“, 24. Juni 2020. https://www.middleeast.bilfinger.com/news/latest-news/article/article/8103/ . Übersetzt mit Deeple

76 Bilfinger Middle East. „Bilfinger Tebodin Middle East has been awarded a contract with Arabian Chemical Terminals (ACT) - Bilfinger Middle East“, 17. Juni 2020. https://www.middleeast.bilfinger.com/news/latest-news/article/article/8037/ .

77 BBGS. „Geschichte. Die BBGS im Wandel der Zeit.“ Zugegriffen 7. Dezember 2021. https://bbgs.eu/unternehmen/ueber-uns/geschichte/ .

78 BBGS. „Renovierung Gebäude 1467, Luftwaffenstützpunkt Aviano“. Zugegriffen 7. Dezember 2021. https://bbgs.eu/projekte/renovierung-gebaeude-1467-luftwaffenstuetzpunkt-aviano/ .

79 „Aviano Air Base“. In Wikipedia, 26. September 2021. https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Aviano_Air_Base .

80 „Neubau Offiziersclub Spangdahlem“. BBGS. Zugegriffen 7. Dezember 2021. https://bbgs.eu/projekte/neubau-offiziersclub-spangdahlem/ .

81 Markus Partik Leiter Produktionstechnik, Sicherheit und Umwelt sowie Standortleitung Meitingen bei SGL Carbon

82 Noach Flug, Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Noach_Flug

 


   
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