Benefizveranstaltung der UkraineKinderHilfe Augsburg, Teil 2

Mit Vitali Klitschko hätte die Stadt ihren Ruf als Friedensstadt restlos demontiert

Aber auch der ukrainische Generalkonsul forderte in Augsburg militärische Unterstützung

14.6.2015

Die Zeitung Die Welt : „Warum Vitali Klitschko eine deutsche Stadt spaltet“. Erfreuliches Engagement von Rot-Grün in Osnabrück, von dem Augsburg meilenweit entfernt ist
Massive Kritik an Klitschko in Osnabrück – ein ausführlicher Bericht bei Telepolis
Der rechtsradikale Polizeichef in Kiew
Vitali Klitschko forderte in Osnabrück Waffen und Geld für einen Krieg gegen Russland

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In Teil 1 unserer Berichterstattung über die Benefizveranstaltung der UkraineKinderHilfeAugsburg ( 1 ) legten wir einen Schwerpunkt auf die Frage: Welche Aussichten haben die Kinder im Donbass, wie ist dort die Lage? Wir kamen zu dem Schluss, dass die Lage katastrophal bleibt, solange das Regime in Kiew den Krieg weiter bzw. erneut eskaliert und dabei noch in jeder Hinsicht von ausländischen Mächten wie USA, EU und NATO ermutigt und unterstützt wird. Anlass für unseren Artikel war eigentlich der Umstand, dass Vitali Klitschko in Augsburg angesagt war. Auch wenn er und auch Oberbürgermeister Kurt Gribl dann nicht kamen, gibt das Verhalten der Stadtverwaltung und der Stadtratsparteien doch Anlass zu einigen ernsten Überlegungen.

Denn immerhin verlas der Generalkonsul der Ukraine im Innenhof des Maximilian-Museums im Beisein von Bürgermeister Stefan Kiefer eine Grußbotschaft von Vitali Klitschko. Der Generalkonsul ließ es sich auch nicht nehmen, sich gegenüber Augsburg TV martialisch zu äußern und nach militärischer Unterstützung für den Krieg des Kiewer Regimes zu rufen. Ganz ähnlich äußerte sich Vitali Klitschko bereits im Februar, als er nach Waffen aus dem Westen rief. Kritische Töne aus der Stadtverwaltung oder von den Rathausparteien waren nicht zu hören. Dabei müsste sich inzwischen doch herumgesprochen haben, dass Klitschko zusammen mit Jazenjuk und dem rechtsextremen Tjahnybok den Maidanputsch organisierte. In Osnabrück jedenfalls lehnte sich die rot-grüne Ratsmehrheit gegen eine Einladung Vitali Klitschkos auf und versuchte (vergeblich), eine Eintragung ins Goldene Buch der Stadt zu verhindern, die der Oberbürgermeister (CDU) vorgesehen hatte. Die Kooperation Klitschkos mit rechtsextremen Kräften wurde in Osnabrück, das sich wie Augsburg als Friedensstadt begreift, thematisiert. Bekannt wurde die Friedensstadt Osnabrück neben Münster auch als Ort der Unterzeichnung des Westfälischen Friedens 1648. Osnabrück hat seine Tradition und seinen Ruf als Friedensstadt bundesweit gefestigt, wie aus einem Artikel in der Welt hervorgeht: „In Osnabrück stellen sich SPD und Grüne dem Ex-Boxer in den Weg.… Der Vorwurf: er paktiere mit Rechtsradikalen“.

Die Zeitung Die Welt : „Warum Vitali Klitschko eine deutsche Stadt spaltet“. Erfreuliches Engagement von Rot-Grün in Osnabrück, von dem Augsburg meilenweit entfernt ist

In einer Ausgabe der Welt vom Februar fand sich die bemerkenswerte Überschrift: „Warum Vitali Klitschko eine deutsche Stadt spaltet. In Osnabrück stellen sich SPD und Grüne dem Ex-Boxer in den Weg. Sie wollen nicht, dass sich der Kiewer Bürgermeister ins Goldene Buch einträgt. Der Vorwurf: Er paktiere mit Rechtsradikalen“. ( 2 ) In der Friedensstadt Osnabrück gibt es offensichtlich starke Kräfte, die die Grundsätze der traditionellen Friedensgespräche der Stadt ernst nehmen, „den Frieden zu fördern und für Toleranz zu werben“.

In Augsburg sind wir uns da nicht so sicher, ob der Anspruch als Friedensstadt von der Stadtverwaltung und den Rathausparteien tatsächlich ernst genommen wird oder nur als Marketinginstrument missbraucht wird. Jedenfalls war es seit dem 27. Mai durch einen größeren Artikel in der Augsburger Allgemeinen bekannt, dass Vitali Klitschko, Oberbürgermeister von Kiew, zur Benefizveranstaltung des Vereins Ukraine Kinderhilfe Augsburg (UKH) am 1. Juni erwartet wird. Der Homepage der UKH konnte man auch entnehmen, dass Oberbürgermeister Gribl zusammen mit Klitschko erwartet wurde. Nach Informationen der Vorsitzenden des Vereins UKH lief die Einladung von Vitali Klitschkos über den Oberbürgermeister der Stadt Augsburg.

Daraus ist zu schließen, dass Oberbürgermeister Kurt Gribl zusammen mit Vitali Klitschko, dem Oberbürgermeister von Kiew, wohl zur Benefizveranstaltung des Vereins Ukraine Kinderhilfe Augsburg gekommen wäre. Nachdem weder Klitschko noch Gribl kamen, war auf jeden Fall Stefan Kiefer, der dritte Bürgermeister, als Repräsentant der Stadt anwesend. Und stellvertretend für Klitschko verlas der Generalkonsul der Ukraine Vadym eine Grußbotschaft Klitschkos am Abend des 1. Juni im Innenhof des Maximilian-Museums.

Insofern muss sich die Stadtspitze durchaus eine gewisse Akzeptanz der politischen Linie Klitschkos und seiner Vorgeschichte zurechnen lassen. Dies gilt auch für den Generalkonsul Kostiuk.

Was die Welt über den Osnabrücker Eklat mit Klitschko berichtet, ist bemerkenswert. Die Welt schreibt ( 3 ):

So hat die Osnabrücker SPD-Spitze einen Brief an OB Griesert [CDU, Red.] verfasst, in dem sie diesen auffordert, von einem Empfang Klitschkos im Rathaus abzusehen. Der Kiewer Politiker paktiere in seiner Heimat mit der rechtsnationalen Swoboda-Partei (Link: http://www.welt.de/126065954 ) und komme darüber hinaus nach Osnabrück, um hier „die Haltung seiner Nation im Krieg gegen Russland zu vertreten“.

Ein Eintrag ins Goldene Buch könne daher „als Parteinahme der Friedensstadt in diesem Konflikt“ verstanden werden. Mit „solch klarer und einseitiger Positionierung zugunsten einer Kriegspartei“ sei die SPD Osnabrück nicht einverstanden. Eine Haltung, die auch die Grünen teilen, die zugleich bedauern, dass kein „Vertreter Putins“ an dem Friedensgespräch teilnehme.

Die Welt verweist in ihrem Artikel als Quelle auch auf die Osnabrücker Zeitung ( 4 ). Diese schreibt:

Darf sich Vitali Klitschko ins Goldene Buch der Stadt eintragen? In einem offenen Brief fordert die SPD Oberbürgermeister Wolfgang Griesert auf, ihm diese Ehre nicht zuteilwerden zu lassen. Begründung: Klitschko paktiere mit der rechtsextremen Swoboda-Partei der Ukraine. So formuliert es auch das Friedensaktionsbündnis Osnabrück, das seit Wochen gegen den Klitschko-Besuch mobilisiert. Die CDU-Fraktion hält die Einladung dagegen für angemessen. …

Stadtsprecher Sven Jürgensen: Klitschko sei als gewählter Politiker Gesprächspartner von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Außenminister Frank Walter Steinmeier. Es gebe keinen Anlass, ihn nicht ins Rathaus einzuladen.

Gegen die Einladung sprechen sich der SPD-Unterbezirksvorsitzende Jens Martin und Fraktionschef Frank Henning aus. Klitschko habe gemeinsame Sache gemacht mit rechtsextremen Politikern der Swoboda-Partei, die ihr Bildungszentrum noch vor wenigen Jahren Joseph Goebbels gewidmet hätten und immer wieder mit antisemitischen und faschistischen Parolen unangenehm aufgefallen seien.

Zwar habe Klitschko nicht solche Positionen vertreten, er komme jedoch, um „die Haltung seiner Nation im Krieg gegen Russland zu vertreten“. Eine Eintragung ins Goldene Buch könne als „Parteinahme der Friedensstadt in diesem Konflikt“ verstanden werden und sei deshalb abzulehnen. …

In den Zuschriften zum Artikel in der Osnabrücker Zeitung finden sich solche wie: „Dass Herr Klitschko sich mit der Swoboda-Partei gemein gemacht hat und nicht klar die Grenze gewahrt hat, ist unverzeihlich und sollte nicht noch mit einem Empfang und Eintrag in das goldene Buch honoriert werden. Wer Faschisten salonfähig macht, sollte auch die Konsequenzen zu spüren bekommen.“ Geteilt wird die Kritik auch vom Vorsitzenden der SPD-Fraktion im Rathaus, Frank Henning. „Man paktiert nicht mit Faschisten, man arbeitet nicht mit ihnen zusammen“, sagte Henning, der auch Landtagsabgeordneter ist – so berichtet die dortige Kreiszeitung. ( 5 )

(von links): Die Oppositionsfuhrer Oleh Tyahnybok, Arseniy Yatsenyuk und Vitali Klitschko sprechen am 27. November 2013 vor Demonstranten Ivan Bandura CC BY 2.0 Quelle
Wikipedia.de schreibt: „Klitschko wurde dafür kritisiert, dass er sich während der Euromaidan-Proteste mit der rechtsextremen Swoboda-Partei unter der Führung von Oleh Tjahnybok verbündet hatte. Er verteidigt die Allianz mit den Rechten allen Bedenken zum Trotz. ‚Wir haben verschiedene Ideologien, zwei Dinge aber einen uns: Wir kämpfen gegen die heutigen Machthaber, und wir wollen europäische Werte in unserem Land‘, sagt er. Die Friedrich-Ebert-Stiftung verurteilt das Verhalten der Opposition um Klitschko: Sie distanziere sich nicht eindeutig von Swobodas antisemitischer, fremdenfeindlicher und rassistischer Rhetorik und habe damit ‚Swoboda in den Augen der Öffentlichkeit vom Stigma befreit, sie legitimiert‘ und ihr den Anschein gegeben, ‚als sei sie als Partner mit anderen Parteien gleichwertig‘. Oleh Tjahnybok stand stets neben Klitschko, Arsenij Jazenjuk und Julija Tymoschenko während der Euromaidan-Proteste …“ https://de.wikipedia.org/wiki/Vitali_Klitschko#cite_note-34

Massive Kritik an Klitschko in Osnabrück – ein ausführlicher Bericht bei Telepolis

Offensichtlich gab es massiven öffentlichen Protest gegen die Veranstaltung mit Klitschko in Osnabrück, zu der 1100 Personen kamen. Dies zeigt zum Beispiel ein Foto, das Telepolis veröffentlicht. In dem Artikel von Telepolis erfährt man weitere Details, die wir hier auszugsweise zitieren wollen ( 6 ):

„… Vor dem Rathaus und vor der Osnabrück-Halle gab es derweil Proteste gegen Klitschko u. a. von örtlichen Friedensinitiativen. Sie erinnerten an die ermordeten Maidangegner von Odessa. Andrej Jusow, ein Politiker aus Klitschkos UDAR, habe am 2. Mai zu Gewalt gegen den örtlichen Anti-Maidan aufgerufen, kritisierten sie. Ein Video-Beweis dafür sei etwa in dem Dokumentarfilm ‚Lauffeuer‘ zu sehen.

Ein anwesender Überlebender des Brandanschlags trug den Vorwurf gegen Klitschkos Parteikollegen später auch in der Diskussion vor. Der Kiewer Bürgermeister wies die Vorwürfe zurück. …

In seinem Eingangs-Statement erklärte Klitschko die militärischen Auseinandersetzungen in seinem Land zum Krieg zweier Zivilisationssphären: ‚Die Ukraine ist ein Bestandteil der westlichen Zivilisation.‘ Der Krieg in seinem Land sei demzufolge eine Auseinandersetzung zwischen Russland und dem Westen. …

Als entgegengesetzte Stimme saß Reinhard Lauterbach auf dem Podium. Der frühere ARD-Osteuropakorrespondent setzte bei seiner Analyse etwas früher an: Der Euromaidan war nur zum Teil ein pro-europäischer Aufstand der Zivilgesellschaft. Er sei auch sehr schnell nationalistisch und anti-russisch aufgeladen worden. Rechte Gruppen hätten polarisiert in Ukrainer und ‚Moskals‘ - eine Beleidigung für angeblich moskautreue Ost- und Südukrainer.

Lauterbach berichtete von Plakaten auf dem Maidan, die das Russische als ‚Sprache der Okkupanten‘ bezeichneten. ‚Solche Plakate habe ich nicht gesehen‘, wendete Klitschko ein. ‚Ich schicke Ihnen gern meine Fotos davon‘, bot Lauterbach im Gegenzug an.

Der Rechte Sektor hat sich nur wenige Tage nach dem Beginn des Euromaidan gegründet, erläuterte der Journalist. In der Folge gab es zahlreiche Angriffe der Rechtsradikalen auf Anhänger Janukowitschs. ‚Zu euch auf die Krim kommen wir auch noch‘, hätten sie dabei gedroht. Dies habe sich rumgesprochen und Abspaltungstendenzen auf der Krim bestärkt. Auch die schnell nach der Machtübernahme laut werdenden Drohungen von Rada-Abgeordneten, den Flottenvertrag mit Russland zu kündigen, hätten in diese Richtung gewirkt. ‚Nichts passiert ohne Grund und Anlass‘, sagte Lauterbach mit Blick auf den Anschluss der Halbinsel an Russland.

Keine Nationalisten im Parlament

Nazis auf dem Maidan seien ein Propagandamärchen, sagte Klitschko. ‚In jedem Land gibt es Rechtsextreme. Die russische Propaganda macht aus einer Mücke einen Elefanten.‘ Faschisten hätten keine Bedeutung oder Macht in der Ukraine.

Lauterbach konterte, die Nazis seien schon tief in die Sicherheitsstrukturen der Ukraine eingedrungen. Selbst auf Nachfrage aus dem Publikum behauptete Vitali Klitschko jedoch, Wadim Trojan, den Rechtsradikalen und neuen Chef der Polizeikräfte in der Region Kiew, nicht zu kennen (von der rechtsextremen Miliz Asow zum Polizeichef).

In Deutschland wird auch oft der Fehler gemacht, Nazis nur in der Partei Swoboda zu vermuten, erläuterte Lauterbach – einer ‚widerlichen Partei‘, wie Pöttering anmerkte. Viele Rechtsextreme seien aber in anderen etablierten Parteien wie etwa der Volksfront von Regierungschef Jazenjuk vertreten. …

Immerhin waren sich die Diskutierenden einig, dass es einen gesetzlichen Minderheitenschutz und mehr Föderalisierung in der Ukraine geben müsse. Klitschko sprach sich zudem für eine ‚Dezentralisierung der Macht und der Budgets‘ aus. Für Lauterbach ist die Föderalisierung sogar die einzige Chance, die Ukraine zusammenzuhalten.

Doch selbst das reicht wohl nicht mehr. Mittlerweile seien rund 80 Prozent der Bewohner in den neuen Volksrepubliken Donezk und Lugansk gegen eine Rückkehr zur Ukraine, sagte Lauterbach. Vor einem Jahr war das noch ganz anders. Nur eine Minderheit wollte sich damals abspalten. Doch die neue Kiewer Regierung habe nicht verhandelt, sondern militärisch attackiert, so der Osteuropajournalist. ‚Nun ist die Stimmung durch die Angriffe verhärtet.‘ …

In der Fragerunde des Plenums kam es durch die große Mehrheit der Fragesteller zu scharfer Kritik an Klitschko. Er habe mit Faschisten zusammengearbeitet und einen Staatsstreich mitorganisiert. Der Maidan sei schwerer Landfriedensbruch gewesen. Für die Tausenden von Toten in der Ostukraine sei er mitverantwortlich. Klitschko gehöre nicht auf dieses Podium, sondern auf die Anklagebank eines Gerichts, sagte eine Frau. …

Klitschko ging auf die Vorwürfe nicht ein. Die Adenauer-Stiftung finanziere seine Partei UDAR nicht, erklärte er immerhin auf Nachfrage. ‚Ich finanziere meine Partei selbst.‘ Die Stiftung zeige den Parteimitgliedern in Seminaren jedoch, wie man eine Partei bzw. ein Land aufbaut.“

In diesem langen Zitat aus Telepolis erfährt man so einiges. Ein paar Punkte davon wollen wir hier vertiefen. Das wären zunächst der rechtsradikale Polizeichef in Kiew, dessen Oberbürgermeister Vitali Klitschko heißt. Das wären die militärischen Attacken der Kiewer Regierung auf den Osten der Ukraine, an denen Klitschko wohl nicht nur politisch und ideologisch beteiligt ist, sondern auch mit der Finanzierung von sogenannten Freiwilligenbataillonen. Und das wäre die Rolle der Konrad-Adenauer-Stiftung, die bekanntermaßen Klitschko und seine Partei UDAR aufgebaut hat, während Klitschko behauptet, er finanziere seine Partei selbst – ohne offenzulegen, von wem er das Geld hat.

Der rechtsradikale Polizeichef in Kiew

Die folgenden Fakten trug einer unserer Redakteure, der die FAZ ausführlich liest, zusammen:

Der Innenminister der Ukraine Awakow hat im letzten Jahr Wadim Trojan, einen bekannten Rechtsradikalen, zum Polizeichef Kiews ernannt. Im Mai 2014 hat Trojan sich dem berüchtigten Freiwilligenbataillon „Asow“ angeschlossen, unter dessen Kämpfern laut FAZ vom 24.11.2014 „rechtsradikale und rassistische Weltanschauungen sehr verbreitet“ sind. Trojan hatte sich zum stellvertretenden Kommandeur hochgearbeitet und ist für seine Verdienste an der Front vom Innenminister zum Oberleutnant ernannt und mit dem Posten des Polizeichefs von Kiew belohnt worden. Vor 10 Jahren war er Mitglied der neonazistischen Organisation „Patriot der Ukraine“, die sich während der Proteste auf dem Majdan dann dem rechtsextremen „Rechten Sektor“ anschloss. Die Mitglieder des „Patriot der Ukraine“ haben sich schon früher durch ausländerfeindliche Übergriffe und die Verteilung von Hitlers „Mein Kampf“ hervorgetan. Die Führer der Gruppe werden vom deutschen Osteuropahistoriker Andreas Umland als „ausdrücklich biologische Rassisten“ bezeichnet, die „offen den Ariermythos“ propagierten. Und Ann-Dorit Boy fügt in ihrem FAZ-Artikel deutlich an: „Umland vermutet deshalb, dass auch Trojan, der nach seinen Informationen zur Führungsriege der Organisation gehörte, solche Ansichten vertritt.“

Klitschko hat sich bis heute nicht von Trojan distanziert und nichts unternommen, die Abberufung des Polizeichefs durchzusetzen. Klitschko steht für ein System, das sich bei der Aufklärung der Morde auf dem Majdan „unkooperativ und in mancher Hinsicht obstruktiv“ verhalten hat. Diese Einschätzung stammt von einer internationalen Beratergruppe, die vom Generalsekretär des Europarats eingesetzt worden war (FAZ v. 1. 4. 2014). Die Überschrift der FAZ am 1. April ist kein Aprilscherz: „Ukrainische Behörden sollen Aufklärung der Majdan-Morde behindert haben.“ Und in ihrem Kommentar wirft Ann-Dorit Boy der Regierung der Ukraine „Verrat an europäischen Werten“ vor.

Nicht nur die für Putin-Sympathien unverdächtige FAZ, sondern auch die genauso russlandkritische „Welt“ ist langsam von der ukrainischen Regierung enttäuscht. Am 21. März konnten wir dort lesen: „Die Ukraine bekommt vom Westen mehr Geld. Im Gegenzug liefert Kiew gar nichts und macht auch wenig Hoffnung, dass sich das bald ändert.“

Die erschreckendste Nachricht kommt aber vom WDR. Vor zwei Wochen berichtete das 3. Programm ( 7 ) , dass tschetschenische Dschihadisten des Islamischen Staates am Kampf gegen die Separatisten in der Ost-Ukraine beteiligt sind – mit Wissen ukrainischer Freiwilligen-Bataillone und ukrainischer Militärstellen. Und die ukrainische Regierung fordert immer dringender Visa-Freiheit! Für IS-Terroristen?

Vitali Klitschko forderte in Osnabrück Waffen und Geld für einen Krieg gegen Russland

Es ist schon sehr bezeichnend, dass Vitali Klitschko in Osnabrück die Einladung zu den städtischen Friedens gesprächen missbrauchte, um in der Osnabrücker Zeitung ( 8 ) Waffen und Geld zu fordern, um den Krieg im Osten der Ukraine und gegen Russland fortzuführen:

„Der Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko hat in einem Interview für die ‚Neue Osnabrücker Zeitung‘ den Westen erneut dazu aufgerufen, die Ukraine mit Waffen und Geld zu unterstützen, damit die Ukraine um ‚ihre europäische Zukunft‘ weiter kämpfen könne.

‚ Mein Land ist heutzutage ein Vorposten, der die Aggression Russlands im Herzen Europas zurückhält. Wenn die Ukraine diesen Kampf um ihre europäische Zukunft verliert, dann verliert ganz Europa‘, erklärte der Politiker.

Klitschko hat allerdings nicht präzisiert, von welcher ‚Aggression‘ die Rede ist …“

Solche Dinge scheint man von Klitschko ständig zu hören. So etwas hätte man von Klitschko auch in Augsburg zu hören bekommen, und es gibt anscheinend niemanden in der Stadt, den das im Vorfeld gestört hätte, als man noch annehmen musste, dass Klitschko tatsächlich kommt.

Auch der ukrainische Generalkonsul ließ sich die Gelegenheit nicht nehmen, anlässlich der Benefizveranstaltung der ukrainischen Kinderhilfe gegenüber a.tv in das gleiche Horn zu stoßen:

„Ebenfalls zu Gast in Augsburg war der ukrainische Generalkonsul Vadym Kostiuk. Der freut sich natürlich über die Anteilnahme der Augsburger Stadtgesellschaft am Schicksal seines Landes. Mit Spenden alleine seien die Probleme der Ukraine nicht in den Griff zu kriegen. ‚Wir bekommen sehr starke Unterstützung von europäischen Ländern. Das ist in erster Linie politische, wirtschaftliche. Was wir eventuell noch bräuchten, das ist militärische Unterstützung, damit wir uns ... damit wir unser Land vor dem Angriff aus Russland schützen können.‘“ ( 9 )

Wenigstens nachträglich hätte man von Stefan Kiefer einen Protest erwartet.

Klitschko belässt es nicht dabei, Waffen und Geld für den Krieg im Osten der Ukraine zu fordern, sondern finanziert persönlich ein eigenes Bataillon, so wie er – nach eigener Aussage in Osnabrück – auch seine Partei UDAR persönlich finanziert. Hier stellt sich schon die Frage nach seinen Geldquellen. Es gibt auch Korruptionsvorwürfe in den Medien gegen Klitschko.

Jedenfalls scheint Augsburg und auch Oberbürgermeister Gribl Glück gehabt zu haben, dass Klitschko seinen Besuch absagt, sonst hätte die Friedensstadt wahrscheinlich, so wie auch Osnabrück, bundesweite Schlagzeilen gemacht. Aber es wäre zu befürchten gewesen, dass sich Augsburg mit Klitschko noch gebrüstet hätte und seinen Ruf als Friedensstadt demontiert hätte, während in Osnabrück die Friedensbewegung, die Linke und auch Rot-Grün für eine Ehrenrettung der Friedensstadt Osnabrück gesorgt haben.

Peter Feininger, 14. Juni 2015

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1 https://www.forumaugsburg.de/s_2kommunal/Friedensstadt/ 150604_benefizveranstaltung-der-ukrainekinderhilfe-augsburg-1 /index.htm

2 Exner, Ulrich. „Warum Vitali Klitschko eine deutsche Stadt spaltet“. Welt Online, 24. Februar 2015. http://www.welt.de/politik/deutschland/article137801363/Warum-Vitali-Klitschko-eine-deutsche-Stadt-spaltet.html .

3 Ebd.

4 „Ukraine-Konflikt schlägt Wellen in Osnabrück. SPD: Klitschko soll sich nicht ins Goldene Buch eintragen“. Osnabrücker Zeitung, 20. Februar 2015. http://www.noz.de/lokales/osnabrueck/artikel/549144/spd-klitschko-soll-sich-nicht-ins-goldene-buch-eintragen .

5 „Knatsch in Osnabrück: Streit um Besuch von Vitali Klitschko | Niedersachsen“. kreiszeitung.de, 23. Mai 2015. http://www.az-online.de/lokales/niedersachsen/knatsch-osnabrueck-streit-besuch-vitali-klitschko-4852827.html?cmp=defrss .

6 Korinth, Stefan. „Klitschko: ‚Wir gehören zum Westen‘.“ Telepolis, 28. März 2015. http://www.heise.de/tp/artikel/44/44519/ .

7 http://www1.wdr.de/fernsehen/dokumentation_reportage/die_story/sendungen/brueder-des-jihad-hintergrundbericht-100.html

8 „Klitschko: Ukraine braucht Waffen für den ‚Kampf um die europäische Zukunft‘.“ Sputnik Deutschland - Nachrichten, Meinung, Radio, 26. März 2015. http://de.sputniknews.com/politik/20150326/301657516.html .

9 http://www.augsburg.tv/mediathek/page/2/video/ukrainekinderhilfe-augsburg/ Link inzwischen nicht mehr verfügbar


   
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