Zum Abschluss des 500-jährigen Reformationsjubiläums

Die Sozialdemokratisierung der Emanzipation

Teil 1 einer Besprechung des Buches von Ulrich Duchrow mit luther, marx & papst den kapitalismus überwinden

ulrich duchrow: mit luther, marx & papst den kapitalismus überwinden … eine flugschrift in kooperation mit Publik-Forum. VSA-Verlag Hamburg, 2017.

22.1.2018

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Zum Abschluss des 500jährigen Reformationsjubiläums im Vorjahr hat Ulrich Duchrow, protestantischer Befreiungstheologe, eine kompakte Flugschrift geschrieben: mit luther, marx & papst den kapitalismus überwinden. Der inhaltliche Kern: „Der Kapitalismus hat eine große Legitimationskrise, weil er Menschheit, andere Mitgeschöpfe und Erde in eine immer gefährlichere multiple (Über-)Lebenskrise stürzt.“

„ … Wer aber sagt laut, dass schon der Begriff »Flüchtlingskrise« eine Verkehrung der Realität ist – … Wer sagt laut, dass es die Kriege und die Weltwirtschaftsordnung des Westens sind, die die Krisen verursachen …? … einer, Papst Franziskus, nennt zwar die Namen nicht, spricht und handelt aber exakt im Sinn der Tabuisierten … So ermutigt er uns, neu auf Luther und Marx zu schauen, um vielleicht die Legitimationskrise des Kapitalismus zu verschärfen und Perspektiven für eine neue Kultur zu entdecken. …“ Bei „dem herrschenden imperialen Kapitalismus“ handle es sich „um den vorläufigen Höhe- und Endpunkt einer Zivilisation … die im 8. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung … begann.“ Die „gemeinsame Logik“, die sich aus diesen historisch unterschiedlichen Perioden herauslesen lässt, seien „zunehmende Herrschaft des Geldes, … Imperialismus der Machtsysteme und Lebensweise … zur Sucht werdendes Streben nach mehr Macht, Reichtum und Ansehen, in der Mentalität vom Rechnen, Berechnen und Kalkulieren …“ Das alles führe zum „egozentrischen Individualismus“. (Duchrow S. 9, 10) „Das bedeutet, der Kapitalismus – also die vom Kapitalwachstum angetriebene imperiale Wirtschaft und Lebensweise, die Gesamtzivilisation – muss überwunden werden. …“ (ebd. S. 142)

Das ist eine klare Ansage. Die Messlatte liegt ziemlich hoch: Systemüberwindung. Nicht nur für die im Titel Genannten, sondern auch für die, die sich jetzt auf den Weg machen müssen: die Christen, die Marxisten usw. In fünf Kapiteln wird die Entwicklung des Kapitalismus geschildert und welche Haltungen Luther, Marx und Franziskus zu diesem hatten oder haben.

Abbildung 1: Titel eines Reimgedichtbandes zum Armen Konrad: „Wer wissen wöll wie die Sach stand …“ 1514 Original: Universität Hohenheim, Deutsches Landwirtschaftsmuseum

 

Die Anfänge der „geldgetriebenen Zivilisation“ verlegt Duchrow ins 7., 6. vorchristliche Jahrhundert. Und zwar mit dem Aufkommen des erweiterten Handels, des Marktes und damit notwendigerweise geldvermittelten Austausches. Der Händler verlange wegen der eventuell nicht gelingenden Handelstransaktion einen Risikoaufschlag. Der verwandle sich mit der Zeit in den Zins und habe zur Folge, dass der Händler den Risikoaufschlag in einer Art gierigem Verlangen nach mehr Geld immer weiter ausdehnt. So entstehe Geldakkumulation und „Gier“ sowie Kapitalakkumulation. Bei Duchrow ist die Nähe von Geld und Gier eine Art negativer Zwangsehe. Dem „Götzen Mammon“ stehe in der Bibel Gott entgegen und mit ihm die Befreiung von diesem. Die Religionen der Achsenzeit hätten sich allesamt gegen die Anbetung des neuen Götzen Geld gestellt. Duchrow erklärt auch die heutigen gemeinwirtschaftlichen oder genossenschaftlichen Alternativen aus den schon in der Bibel erwähnten gesellschaftlichen Bewegungen. Beispiel Erlassjahr. In der Tradition der Propheten, die den Widerstand gegen die Geldwirtschaft predigten und in der Tradition von Jesus, Paulus u. a. stehe Luther, der sich gegen Gewinn und Habgier wendet und für die Umverteilung des Reichtums eintritt.

Luthers Kritik am Kapitalismus

Luther habe also im Spätmittelalter die grundsätzliche, „systemische“ Kritik der Bibel wieder aufgenommen, nachdem im 11. Jh. die Geldwirtschaft erneut zunimmt und die römisch-katholische Kirche ganz generell von Kritik nichts wissen wollte und selbst Teil grundherrschaftlicher und Geldinteressen war. Duchrow: „Jedenfalls kann man Folgendes zusammenfassend über Luthers Beitrag zur Überwindung des Kapitalismus sagen: Er versteht den Kapitalismus als Mammonsystem, sieht also dessen pseudoreligiösen und darum totalitären Charakter. … Umso mehr ruft er die Kirche und ihre Mitarbeiter auf, öffentlich prinzipielle und konkrete Kritik zu üben, die eigenen kirchlichen Institutionen und Handlungsweisen von Geist, Logik und Praxis des Kapitalismus freizuhalten und aller Welt ein gutes Beispiel zu geben, dass eine andere Welt möglich ist.“ (ebd. S. 56)

Diese andere Welt solle laut Luther durch ein politisches und soziales Programm erfüllt werden: Regulierung der Preisbildung durch Regierungskommissionen, Abkehr von Monopolbildung, Abwehr von Kartellbildung, Sicherheit auf den Straßen, Abschaffung der länderübergreifenden Bank- und Handelsgesellschaften, die konsequente Verhinderung des Wuchers. „Die Rolle der Obrigkeit bei der Überwindung und Bändigung der neuen zerstörerischen kapitalistischen Formen des Handels und des Geldes ist für Luther zentral.“ (ebd. S. 49 ff)

Und: „Die Kritik an den Mächtigen gehört zentral zu Luthers Verständnis von den zwei antithetischen »Reichen«, dem Reich Gottes und dem Reich Satans, …“ (ebd. S. 53)

Das alles ist Duchrows Darstellung von Luther als jemand, der durch nichts und niemanden an der Kritik und Überwindung des Mammon-Götzensystems, dem „Reich Satans“, gehindert werden kann.

Abbildung 2: Religionskritische Allegorie auf das Mönchtum. 1521 (Dürer-Schüler Hans Sebald Beham 1500–1550) Quelle: Antiklerikale Karikaturen und Satiren XVII: Reformation und Gegenreformation / kompiliert und hrsg. von Alois Payer. -- Fassung vom 2005-02-11 www.payer.de/religionskritik/karikaturen17.htm

 

Und doch kam alles ganz anders!! Die historische Realität, die gesellschaftlichen Widersprüche des 15. und 16. Jahrhunderts, Luthers, eigentlich aus dem bisher gesagten, nicht zu erklärende Haltung gegenüber den Bauern im Bauernkrieg, die Widersprüche in Luthers Werk (z. B. Von der Freiheit des Christenmenschen), all das kommt bei Duchrow nicht zur Sprache oder wird wegerklärt. In dem Kapitel „Luthers Irrtümer und die radikale Reformation“ geht es um Luthers Antisemitismus und Luthers Haltung im Bauernkrieg. Zu Luthers Schrift gegen die Juden fällt Duchrow nicht mehr ein als: „Diese Schrift müssen lutherische Kirchen formell bekenntnismäßig verwerfen.“ Ja und dann? Wucher und Juden. Kein Wort. Luthers Pogromhetze gegen die Juden. Kein Wort. Die Protestanten haben sich 500 Jahre damit Zeit gelassen und dann soll das ganze mit einer papierenen Erklärung erledigt sein?

„Ein tragischer Irrtum ist hingegen Luthers Verhalten im Bauernkrieg“ schreibt Duchrow und spricht von der „unselige[n] Schrift »Wider die räuberischen und mörderischen Rotten der Bauern« “. Der Rest dieses Kapitels ist mehr oder weniger eine Stoffsammlung von Luthers Argumenten gegen die Bauern. Distanzierung von Gewalt und Aufruhr, Meister Christus statt Moses, ein jeder müsse den Rechtsweg einhalten usw. Duchrow lässt sich zu einem ziemlich ärgerlichen Vergleich hinreißen: „Als sie [die Bauern; P. R.] aber zu Gewalt griffen, sah er [Luther; P. R.] darin nicht nur eine Rechtsverletzung, sondern ein Aufheben der neuen staatlichen Rechtsordnung, also Aufruhr, der das Land in Chaos und Blutvergießen stürzen würde. Man kann sich das heute gut am Beispiel der »failed states«, der gescheiterten Staaten klarmachen, wo nach einer Zerstörung der staatlichen Institutionen warlords nach dem Recht der Stärkeren operieren.“

Fehlt hier Duchrow genauso wie Luther die „ordnende Hand“ feudaler Unterdrückung? Was hat ein unter Umständen erfolgreicher Bauernkrieg 1525 mit den failed states, entstanden durch Nato-Bombardierung zu tun? Dem weiter nachzugehen, ist hier nicht der Ort. Eine Frage und ein Vergleich sollte hier allerdings erlaubt sein. Man stelle sich vor, im Jahr 2017 würde die SPD dafür gelobt, dass sie 1914 den Kriegskrediten zugestimmt hat, dass sie unter Schröder dem „Jugoslawienkrieg“ zugestimmt hat, obwohl in ihren programmatischen Aussagen das genaue Gegenteil stand und obwohl sie kurz zuvor 1914 auf der „Internationalen“ den Brudervölkern Frieden zugesichert hat. Was gibt es an einer solchen programmatischen Haltung zu loben? Nichts, rein gar nichts!! Die theoretische und programmatische Einsicht hat sich mit der ganz praktischen Zustimmung zu den Kriegskrediten aufgelöst und ist nicht mehr existent. D. h. diese Partei hatte eine neue theoretische und praktische Geschäftsgrundlage. Der Vergleich von Luther mit der SPD kommt nicht von ungefähr. In gewisser Weise kann man schon bei Luther von einer „Sozialdemokratisierung“ der Emanzipation sprechen. Luther und die SPD haben sie allerdings unterschiedlich begründet.

Luthers Gewaltvorwurf

Es ist eine Selbstverständlichkeit, einen Konflikt – und sei er noch so schwer – zunächst gewaltfrei anzugehen und zu lösen. Die Bauern hatten sich über Jahrzehnte daran gehalten, es herrschte aber keine Waffen- und Rechtsgleichheit, sondern strukturelle und ganz handfeste Gewalt der Fürsten, Kirchen gegen die Bauern. Dazu Peter Blickle, im vergangenen Jahr verstorbener Historiker mit Schwerpunkt Frühe Neuzeit:

„Die Bauern waren dieser Pflicht eifrig nachgekommen, schon seit Jahrzehnten. Das Beschweren, Petitionieren und Supplizieren hatte ein solches Ausmaß angenommen, dass es institutionenbildend wirkte. In Bayern … ist daraus am Ende des 15. Jahrhunderts der Hofrat hervorgegangen.“ Und nochmals Blickle zum Gewaltvorwurf und Vorwurf der Selbstjustiz, den Luther an die Bauern richtet: „Bis zur ersten Schlacht am 4. April in Leipheim bei Ulm rangen die Bauern über vier Wochen hinweg mit dem Schwäbischen Bund um ein solches Richtergremium. Noch am 4. April schickten die Hauptleute der Bauern eine Depesche an den Obersten Feldhauptmann, Georg von Waldburg. Dort stand, sie hätten sich weder gegen den Kaiser, noch gegen ihre »genedigisten herren« aufgelehnt, sondern Abstellung ihrer ständig steigenden Lasten erbeten. Die Lösung könne nicht Krieg heißen, sondern Vermittlung durch von beiden Parteien bestellte »gotförchtig, worhafft, getrew vnnd verstenndig Mäner, die geitigkait hassen vnnd ainen gemainen nutz lieb haben«. Und zwar gütlich und erst, wenn solche Versuche gescheitert sein sollten, rechtlich. Das entsprach der Rechtskultur des Reiches und war ein gebräuchliches Verfahren der Konfliktschlichtung. Redet oder handelt so, wer Richter in eigener Sache sein will?“ (1)

1875 schrieb Marx in einem Brief an Bracke, die Kritik des Gothaer Programms betreffend: „Jeder Schritt wirkliche Bewegung ist wichtiger als ein Dutzend Programme.“ Das spricht, wenn man es auf Luther beziehen will für sich. Luthers Schriften „Von weltlicher Obrigkeit, wie weit man ihr Gehorsam schuldig sei“, „Von der Freiheit eines Christenmenschen“, „Von Kaufshandlung und Wucher“ etc. sind von zwiespältigem Charakter. Das Verdienst dieser Schriften war es ja nicht, die „Systemtransformation“ in ihrer ganz grundsätzlichen Form unterstützt zu haben, sondern den Absprung von einer radikalen Emanzipation vorzubereiten. Die Staatsfixierung ist dabei eine Begründung. Luthers Schriften waren keine Initialzündung für den Bauernkrieg, sondern die Reaktion auf eine unausweichliche gewaltsame gesellschaftliche und innerkirchliche Auseinandersetzung. Reaktion hier als Absetzbewegung von der gesellschaftlichen Notwendigkeit sozialer Veränderung und Rettung der christlichen Kirche durch Spaltung. Alles andere ist Gründungsmythos.

Wer den Bauernkrieg, besser „die Revolution des gemeinen Mannes“ (Blickle), in die Jahre 1524 bis 1526 bannen will, wird den historischen Gegebenheiten nicht gerecht. Peter Blickle: „Dazu ist die Erfahrung zu prägend, dass den Bauernkrieg zu verstehen, vorausgesetzt hat, ihn von Luther zu trennen.“ (ebd.) „Die Revolution des gemeinen Mannes“ hatte schon längst im 15. Jh. und früher begonnen mit einigen hundert Revolten, Widersetzlichkeiten und Aufständen. D. h. die gesellschaftliche Bewegung war nicht mehr so ohne weiteres mit den bisherigen ganz direkten Unterdrückungsinstrumenten einzufangen. Es entwickelte sich eine ideologische Ausrichtung und Einflussnahme auf die Bewegung, die man später als „reformatorisch“ bezeichnet. Die Protestanten tun sich mit der Einordnung Müntzers und des Bauernkrieges besonders schwer.

Beispiel gärender Auseinandersetzung im 15. Jahrhundert

Nun waren die 12 Artikel der Bauern, in denen sie ihre Forderungen vortrugen, fast schon lutheranisch, dem Inhalt nach gemäßigt, der Form nach eher untertänig, aber bestimmt. Sie waren im Laufe des ersten und zweiten Jahrzehnts des 16. Jh. ohnehin durch den Einfluß der Reformatoren geglättet. 50 Jahre vor dem Bauernkrieg fand in Niklashausen im Taubertal ein bis heute weit unterschätztes, historisches Ereignis statt:

Carlheinz Gräter schreibt in seinem Buch Das Pfeiferhänsle von Niklashausen über die Marienwallfahrt nach Niklashausen:

„Im Frühjahr 1476 lockten die sozialrevolutionären Predigten des blutjungen Burschen … Zehntausende ins untere Taubertal. Das halbe Reich war damals auf den Beinen, wenn wir den zeitgenössischen Chronisten glauben dürfen. Dreieinhalb Monate währte das Treiben. Alle Verbote der Obrigkeit nutzten nichts. Dann ließ der Würzburger Fürstbischof Rudolf von Scherenberg das Pfeiferhänsle nachts von Reitern ausheben und nach kurzem Prozess verbrennen.

Mit der Radikalität seiner Forderungen steht dieser junge Hirte … einzigartig da … Kompromißloser als selbst ein Thomas Müntzer hatte Beheim die Autorität von Kaiser und Papst verworfen. Fürsten und Herren, so rief er, müßten noch um einen Taglohn arbeiten. Die Pfaffen sollte man erschlagen, und hätten die vornehmen und reichen Herren, die Grafen, Fürsten, Prälaten soviel als der gemeine Mann, so hätten alle gleich genug. Das war, 400 Jahre vor Marx, das erste kommunistische Manifest … Der programmatische Unterschied zwischen 1476 und 1525 ist denn auch deutlich genug markiert. Beim Pfeiferhänsle die schwärmerische Offenbarung aufgrund einer Marienvision, im Bauernkrieg der Verweis auf die heilige Schrift oder politisch-rechtliche Billigkeit. Hier die radikale Verwerfung der höchsten Autoritäten, dort die Anerkennung kaiserlicher und landesfürstlicher Herrschaft, gelockert und eingeengt freilich durch ständische, genossenschaftliche Kontrolle, Mitsprache, ja Mitregiment. Hans Beheim, um es auf eine Formel zu bringen, hatte gleichen Besitz, das fränkische Bauernheer gleiches Recht für alle gefordert.“ (2)

Abbildung 4: Schedelsche Weltchronik, 1493. Der Pfeiferhans von Niklashausen bei seiner „Marien“-Predigt. Pawcker von Niclashawsen, Bericht der Schedelschen Chronik Blat CCLV, 1493, Buch der Chroniken, Hartmann Schedel 1440-1514 Wikimedia Commons

 

Das war eine im Reich nicht unbekannte Stimmung beim gemeinen Mann. Der gemeine Mann ist hier definiert als derjenige, der die Mehrheit der Bevölkerung ausmachte und zwar: Klein- und Kleinstbauern, Knechte, Mägde, Hirten, Tagelöhner in Stadt und Land sowie Gnaden- und Leerhäusler. Die Zunftmeister und Bauern, die vom Ertrag ihres Hofes und ihrer Zunft leben konnten, zählten nicht immer zu den Aufständischen, aber die Gesellen. Die Aufstandsstimmung entstand aus einem sozialen Notstand, legitimem Freiheits- und Gleichheitsempfinden. Dem Widerstandswillen folgte die Notwehr. Es lief also alles auf eine gewaltsame Auseinandersetzung hinaus, die Fürsten waren vorbereitet. Luther, und nicht nur er, stellte die Frage der Gewalt falsch und hat sie auch selbstherrlich theologisch im Sinne der „oberkait“ beantwortet: „Es hilft auch die bawrn nicht, das sie furgeben, Gene 1. und 2. (1. Mose 1,2) seyen alle ding frey und gemeyne geschaffen, und das wyr alle gleych getaufft sind. Denn ym newen Testament hellt und gillt Moses nicht, Sondern da steht meyster Christus und wirfft uns mit leyb und gut unter den Keyser (Lk 20. 25).“ (Duchrow S. 60)

Die Widersprüche, die im Werk Luthers, in der Bibel aber genauso im Werk von Marx bestehen, nicht zum Thema zu machen oder wegzuerklären, wie bei Duchrow, wird den im Titel genannten luther, marx & papst und der Reformation nicht gerecht und ist eine schlechte Grundlage für eine theoretische Erkenntnis, die Voraussetzung für eine radikale Emanzipation vom Kapitalismus ist.

Dass Luther und Marx nicht so ohne weiteres unter einen Hut zu bringen sind, soll in einem zweiten Teil der Buchbesprechung beleuchtet werden sowie die Perspektiven von sozialen Widerstandsbewegungen.

Peter Rapke, 8. Januar 2018

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Anmerkungen

(1) Peter Blickle: Luther und der Bauernkrieg. Interpretationen zwischen den Gedenkjahren 1975–2017 in: Der Reformator Martin Luther 2017. Eine wissenschaftliche und gedenkpolitische Bestandsaufnahme. Hrsg.: Heinz Schilling unter Mitarbeit von Anne Mittelhammer, 2014, de Gruyter

(2) Carlheinz Gräter: Das Pfeiferhänsle von Niklashausen. Der kurze Sommer des Hans Beheim und sein Fortleben in der Literatur. In: Beiträge zur Landeskunde von Baden-Württemberg (1976)


   
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