Aufmarsch der „Besorgten Eltern“, Teil 3

Mathias Ebert muss bei seiner fundamentalistischen Mobilisierung einige Pleiten hinnehmen

„Demo für Alle“ – ein konkurrierendes Label, offensichtlich vom Adel und der AfD gesteuert



Im vorigen Teil dieser Artikelserie[1] befassten wir uns mit den Organisatoren, Medien und Verlagen, die das Label „Besorgte Eltern“ kreiert haben und dem Zuspruch aus dem rechten Lager. In diesem Artikel geht es um das Zusammenwirken der „Besorgten Eltern“ mit radikalen Fundamentalisten in den USA und Europa. Auch rechtskatholische Kreise springen auf. Mathias Ebert, omnipräsenter Cheforganisator der „Besorgten Eltern“, bietet seine Truppe auch als familienpolitische Erweiterung und Rechtsverschiebung der „Montagsmahnwachen für den Frieden“ an. Nach Mobilisierungspleiten in Düsseldorf und Dresden haben es die „Besorgten Eltern“ auch noch mit einer starken Konkurrenzorganisation „Demo für Alle“ zu tun. Das Bündnis „Demo für Alle“ wird über die „Initiative Familienschutz“ und die „Zivile Koalition“ offensichtlich vom Adel und der AfD gesteuert.

Den nächsten größeren Anlauf nehmen die „Besorgten Eltern“ wohl am 24. Januar 2015 in Hamburg.[2] Die Aktion in Augsburg am 17. Januar 2015 soll wohl eine Art Probelauf für Hamburg sein. Die Augsburger Demonstration wird auf der Terminseite der Homepage der „Besorgten Eltern“ nicht angekündigt, ist aber definitiv beim Ordnungsamt angemeldet. Wie queer.de aktuell berichtet, haben die „Besorgten Eltern“ für 2015 bundesweit weitere elf Demonstrationen geplant, darunter weitere zwei bis drei in Augsburg![3]

Die Organisatoren der „Besorgten Eltern“ in Augsburg, Wadim Renner (oben) und Tochter Juljia Renner (unten), agitieren nach Kräften bei der Kundgebung am 25. Oktober am Martin-Luther-Platz. Ihr Flugblatt findet sich hier

Eine Dresdner Journalistin recherchiert: Mathias Ebert wähnt sich mit radikalen Fundamentalisten aus den USA im „Dritten Weltkrieg“ und schließt sich einer „totalen Mobilisierung“ an

Die Dresdner Journalistin Jane Jannke hat in einem langen Bericht den Aufmarsch der „Besorgten Eltern“ in Dresden behandelt. Sie stellt die Frage, wer diese „Besorgten Eltern“ eigentlich sind, deren Aktivisten anscheinend aus ein paar Dutzend Leuten bestehen, die von Matthias Ebert aus Köln permanent angefeuert werden und ein paar Kindern, die angehalten werden, Plakate gegen ihre eigene Aufklärung zu tragen.[4] Jane Jannke schreibt:

Doch wer sind diese „Besorgten Eltern“ eigentlich, wofür stehen sie? Für eines sicherlich nicht: die freiheitlich-demokratischen Grundordnung, auch wenn man penibel darauf achtet, genau diesen Eindruck zu erwecken. So wird – und wurde auch in Dresden – zu öffentlichen Auftritten meist behauptet, weder homophob noch fundamentalistisch zu sein. Wer das gerne glauben möchte, der schaue sich zuvor dieses Video an. Hier spricht Mathias Ebert (37), auf einer Veranstaltung des Schweizer Radikalpredigers Ivo Sasek, dessen europaweit ungefähr 2000 Anhänger zählender religiöser Mikrokosmos der „Organischen Christen Generation“ dem einer Sekte gleicht, sodass sich ehemalige Jünger, die nach Jahren endlich den Absprung schafften, als „Aussteiger“ bezeichnen. Zu welch kranken Moral- und Erziehungsbildern Sasek seine Schäfchen animiert, zeigt der Fall seines eigenen Sohnes David, den er im Alter von nur 14 Jahren zur Niederschrift eines Buches mit dem Titel „Mama, bitte züchtige mich“ veranlasste, um seine These von der Züchtigung als notwendigem Mittel der Erziehung zu befeuern. „Blutige Striemen“, so Sasek, der sich für einen „Gesandten Gottes“ hält, „schützen vor der Hölle“. Seine These von der „sündenfreien Familie als „Keimzelle von Gottes Reich“ war in abgeschwächter Form (“Familie als Keimzelle der Gesellschaft“) ein vielfach gehörtes Schlagwort auch auf der heutigen Demo der „besorgten Eltern“ in Dresden.

Auf dem großen Kongress in der Schweiz, der hier angesprochen ist, hat auch Mathias Ebert die Ehre, neben zum Beispiel Daniel Ganser, einem ernst zu nehmenden Schweizer Forscher über verdeckte Kriegsführung, und – wie kann es anders sein – Jürgen Elsässer mit einem Vortrag „Der Krieg gegen Russland“.[5] In dem von der Dresdner Journalistin Jane Jannke angesprochenen Video stellt Mathias Ebert zunächst das einfältige Programm der „Besorgten Eltern“ vor und gibt selbst zu, dass es sich bei den „Besorgten Eltern“ nicht um eine Organisation handele, sondern um ein nichts, das mal hier, mal da auftaucht und dann wieder weg ist. So gehe das seit einem halben Jahr, gab Mathias Ebert im Juli 2014 in dem Schweizer Kongress zu. Mathias Ebert hatte dort noch die Ehre, mit Dr. Judith Reismann aus den USA ein Live-Interview zu führen und ihr die Gelegenheit zu geben, unter Applaus im Saal einen us-amerikanischen Sexualforscher als „sadimasochistischen, pornosüchtigen, perversen Homo- und Bisexuellen“ sowie als „Psychopathen“ hinzustellen. Das radikale Fazit von Dr. Judith Reismann aus den USA, das von Mathias Ebert von den „Besorgten Eltern“ mit erfreuter Zustimmung aufgenommen wurde:

Der einzige Weg ist, massiv zu mobilisieren – jeder, überall –, die Mächtigen aus ihrer Machtposition zu entfernen. Es braucht einen breit organisierten Einsatz und ich werde Ihnen helfen, wenn Sie möchten, dass ich komme. … Es ist der einzige Weg, wie wir die Kinder schützen können. Das ist unser Krieg. Es wird über den dritten Weltkrieg gesprochen. Wir sind im dritten Weltkrieg. Der dritte Weltkrieg ist der von jedem Land unterstützte Versuch, die Kinder von den Eltern zu trennen. Wir sind mittendrin und müssen dem Krieg gegenübertreten. Und das bedeutet totale Mobilisierung.[6]

Rechtskatholische Kreise werden angelockt und springen auf

Die „Besorgten Eltern“ – wer immer das außer Mathias Ebert noch ist – sind also nahezu weltweit vernetzt, hauptsächlich über evangelikale Kreise, in Europa, bis in die USA, nach Afrika, zum Beispiel Ghana, nach Russland und die Ukraine … Über die politischen Schnittstellen zu rechten bis rechtsradikalen Organisationen oder Strömungen haben wir schon gesprochen. Gefährlich auch der Zuspruch von (rechts)konservativen katholischen Kreisen, die vor allem auf das stockkonservative Familienbild, die Ablehnung der Homosexualität aber auch die Tendenz gegen den Islam anspringen.

So hat zu der Demonstration am 1. Februar in Stuttgart „Gegen die Indoktrination unserer Kinder – Stoppt den Bildungsplan 2015“ auch das Forum Deutscher Katholiken aufgerufen, das eine katholische Erneuerungsbewegung anstrebt, mit der christlichen Ehe und Familie als Basis.

Dass diese Kreise keinerlei Berührungsängste haben, zeigt die Aufzählung der Unterstützer der Stuttgarter Demonstration auf dem Blog des Forums Deutscher Katholiken:

Die Initiative Familienschutz, FreieWelt, DVCK e.V., PI-news, medrum.de, idea, kath.net, Forum Deutscher Katholiken, die Pius-Bruderschaft, die Junge Freiheit, AfD Baden-Württemberg, viele Gemeindemitglieder, die in den Gemeinden gesammelt haben sie alle haben die ganze Zeit über für die Petition geworben! Deshalb kam es zu diesen vielen Unterschriften![7]

Auch hier gibt es europaweite Verbindungen. So registrierte eine Kölner Internet Zeitung bei einer Demonstration im März in Köln:

So sprach auch Béatrice Bourges, die als Sprecherin der Initiative „Le Manif pour Tous“ war, heute dem katholischen Bündnisses „Le Printemps français“ angehört und gegen die „Homo-Ehe“ agitiert. Ein weiterer Sprecher war Alain Escada aus Belgien, der sich zeitweilig bei der „Front nouveau de Belgique“ engagiert haben soll und heute Vorsitzender des Vereins „Civitas“ ist, der nachgesagt wird, der Piusbruderschaft nahe zu stehen.[8]

„Besorgte Eltern“ werden als Verstärkung der „Montagsmahnwachen für den Frieden“ eingeplant – Invasion der Mahnwichtel in Düsseldorf

Im September diesen Jahres starteten neurechte Kreise offensichtlich eine Reorganisation, besser gesagt eine Übernahme der Montagsmahnwachen. Auch den „Besorgten Eltern“ war hierbei eine Rolle zugedacht. So schrieb das reaktionäre Portal Kreidfeuer, das seinen Namen von den historischen Kreidfeuerstationen – Warnsignale gegen „türkisch-mohammedanische Horden auf ihren Kriegszügen nach der Kaiserstadt Wien“ – herleitet:[9]

Nach der Zerstörung der zentralen Mahnwachen-Organisation durch linke Globalisten gibt es dezentrale Neuansätze. Am 20.9. planen Friedensaktivisten eine Umzingelung des Landtages in Düsseldorf. Ein Redner soll gegen Frühsexualisierung und Gender Mainstream sprechen. Auch in Berlin wird es an diesem Tag eine Kundgebung geben.

Die Montagsdemonstrationen („Mahnwachen“) als zentrale Bewegung sind tot. Nun blühen dezentrale Ansätze. Die zentrale Struktur um die einst große Berliner Montagsdemonstration (Ostermontag: über 5000 Teilnehmer, Redner Popp, Albrecht, Elsässer uvm.) wurde von Linksglobalisten wie Pedram Shayar und Ken Jebsen übernommen und von jedem, der die nationale Souveränität Deutschlands verteidigen will, gesäubert. Die Teilnehmer stimmten auf diesen Putsch mit den Füßen ab und blieben in Berlin einfach weg. …

Umso besser, dass sich Aktivisten in den Regionen von dem Berliner Sumpf freigeschwommen haben. Am hoffnungsvollsten ist der Ansatz in Düsseldorf, wo am kommenden Samstag 20.9. der Landtag durch eine Menschenkette umfasst werden soll. (Auftakt: 13 Uhr Hauptbahnhof Düsseldorf). Unter den Rednern soll auch Matthias Ebert von der Bewegung „Besorgte Eltern“ sein, die sich engagiert gegen Frühsexualisierung und Gender Mainstream wehren. Das wäre das erste Mal, dass ein prominenter Vertreter einer traditionellen Familienpolitik auf einer Demonstration der neuen Friedensbewegung spricht! …[10]

Die angekündigte Beteiligung der „Besorgten Eltern“ an der Aktion vor dem Düsseldorfer Landtag am 20.9. fiel wohl ins Wasser oder war so mickrig, dass sie öffentlich nicht registriert wurde. Auf der Homepage der „Besorgten Eltern“ wurde sie jedenfalls nicht erwähnt und auch in dem ausführlichen Bericht der Ruhrbarone, einem Blog von Journalisten des Reviers, wurden die „Besorgten Eltern“ mit keinem Wort erwähnt. Auch für die „Montagsmahnwachen für den Frieden“ stellte der „Marsch auf den Landtag NRW“ keine Trendumkehr dar. Die Demonstranten zogen vom Düsseldorfer Hauptbahnhof bis zum Landtag NRW und zelebrierten auf der anliegenden Wiese mit 80 Leuten „ein kleines Woodstock für Paranoiker“, wie die Ruhrbarone schreiben. Auf deren Homepage wird berichtet, dass eine angekündigte Musikantentruppe des Schweizer Laienpredigers Ivo Sasseck schon im Vorfeld zu einer Spaltung geführt habe. Da Mathias Ebert von den „Besorgten Eltern“ mit Ivo Sassek zu tun hat, kann es durchaus sein, dass die „Besorgten Eltern“ nicht zu einer Stärkung der Aktion in Düsseldorf beigetragen haben, sondern an ihrer Pleite beteiligt waren. Die Ruhrbarone schreiben unter der Überschrift „Die Invasion der Mahnwichtel“:

Die unvereinbare „Mahnwachen“-Besetzung aus antiimperialistischen Linken, Rechten aller Couleur, libertären Geldsystemkritikern, Verschwörungstheoretikern, sog. Reichsbürgern, Esoterikern und Querulanten konnte zwar innerhalb weniger Wochen auf mehrere tausend Zuhörer heranwachsen. Die heterogene Bewegung ließ sich jedoch nicht dauerhaft unter dem „Banner des Friedens“ vereinen und verlor sich in offenen Streitereien und Feindseligkeiten.

Der „Marsch auf den Landtag NRW“ sollte diesen Trend umkehren. Statt einer Wiederbelebung der Bewegung bestätigte sich allerdings nur deren fortschreitender Zerfall. Schon im Vorfeld kam es zu verbitterten Querelen, ausgelöst durch den angekündigten Auftritt von Musikanten aus dem Umfeld der „Organischen Christus Generation“ des Schweizer Laienpredigers Ivo Sassek. …[11]

Fußtruppen für Elsässer – neue Pleite der „Besorgten Eltern“ in Dresden

Die nächste Station der „Besorgten Eltern“ war dann wohl die Demonstration in Augsburg am 25. Oktober. Diese Aktion diente auch als Auftakt zu einem geplanten großen Auftritt in Dresden am 15. November. Obwohl Jürgen Elsässer massiv warb für die Aktion in Dresden und dort auch als Redner auftrat, brachten er und Mathias Ebert maximal 150 Leute auf die Beine. Ihnen standen etwa 1000 Gegendemonstranten gegenüber und veranlassten die „Besorgten Eltern“ zu einem freiwilligen Abbruch ihrer Demonstration.

Für die Kritiker der „Besorgten Eltern“ ist klar, dass der Schutz der Kinder vor einer angeblich betriebenen „Frühsexualisierung“ nur ein Vorwand ist. Die junge Welt schreibt in einem Bericht über Dresden: „Zu den Protesten, im Rahmen derer in der Realität hingegen maßgeblich Stimmungsmache gegen die gesellschaftliche Gleichstellung von Lesben, Schwulen, Trans- und Bisexuellen mit Heterosexuellen betrieben wurde, hatte ein Zusammenschluss mit dem Namen »Besorgte Eltern« aufgerufen. Ein Sammelsurium aus christlichen Fundamentalisten, Spießbürgern, Rechtspopulisten und anderen Reaktionären war dem Aufruf der dubiosen Vereinigung gefolgt. Auch die neofaschistische NPD hatte zu den Protesten aufgerufen.“[12]

Der Sprecher des Lesben- und Schwulenverbandes Sachsen (LSVD) stellte fest, dass die „Besorgten Eltern“ weit entfernt sind davon, ihre Kinder zu schützen, sondern sie sie Mobbing und Ausgrenzungserfahrungen aussetzen und schwere seelische Störungen ihrer Kinder in Kauf nehmen:

»Statt sich für ein mobbingfreies und wertschätzendes Klima an Schulen einzusetzen, sorgen sich diese Eltern nur um eins: Ihre eigenen Kinder könnten nicht heterosexuell werden, wenn diese von der Existenz von Lesben, Schwulen oder Transgender erfahren«, kritisierte Hartmut Rus, Sprecher des Lesben- und Schwulenverbandes Sachsen (LSVD) im Vorfeld der rechten Demonstration. Die sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität eines Menschen lasse sich nicht verändern. Jeder Versuch führe zu schweren seelischen Störungen, warnte er. »Was sich jedoch verändern lässt, ist, ob diese nach einem Coming-out Ausgrenzungserfahrungen machen oder von ihrem sozialen und schulischen Umfeld anerkannt werden und Wertschätzung erfahren«, stellte der sächsische LSVD-Sprecher klar.[13]

Sehr erfreulich war die Reaktion der Vertreter der Stadt in Dresden. Der Sozialbürgermeister Martin Seidel zeigte klare Kante gegen Rechts und auch die Oberbürgermeisterin Helma Ulrike Orosz (CDU) soll laut Leipziger Volkszeitung „Flagge gegen diese krude Truppe gezeigt haben“:

Als Vertreter der Stadt Dresden nahm Dresdens Sozialbürgermeister Martin Seidel (parteilos) an der Protestveranstaltung auf dem Dresdner Schlossplatz teil. Seidel zeigte Verständnis für die angesprochene Thematik, nicht jedoch für die rechtspopulistische Veranstaltung. „Wer einen Jürgen Elsässer als Hauptredner und die NPD als Unterstützer braucht, muss sich nicht wundern, dass einem noch nicht mal 150 Menschen das Deckmäntelchen ‚Besorgte Eltern‘ abkaufen. Inhaltlich kann man sicher über die angesprochenen Themen reden – aber gern dort, wo sie relevant sind. Das ist weder Dresden noch Sachsen. Gut, dass auch mit der AG 13. Februar und damit die Oberbürgermeisterin Flagge gegen diese krude Truppe gezeigt haben“, kommentierte Seidel die Demonstration.[14]

An diesen Reaktionen der Stadtverwaltung in Dresden könnten sich Oberbürgermeister Gribl und Sozialreferent und Dritter Bürgermeister Stefan Kiefer in Augsburg ein Beispiel nehmen.

„Demo für Alle“ – ein konkurrierendes Label

Wie auf einem Markt wird um die Labels auch konkurriert. So sollen die „Besorgten Eltern Bayern“ bei ihrer geplanten Demonstration am 10. Mai in München versucht haben, das Label „Demo für alle“ zu kapern. Dies veranlasste das Portal Familien-Schutz.de, sich im Namen von „Demo für alle“ von den Organisatoren der Demo in München öffentlich zu distanzieren.[15] Familien-Schutz.de schrieb:

… Wie sich jetzt herausgestellt hat, kooperieren »Besorgte Eltern Bayern« u.a. mit einer rechtsextremen Gruppierung namens »Bürgerinitiative Ausländerstopp« (BIA). BIA bekennt sich offen zu einer engen Zusammenarbeit mit der NPD sowie zu personellen Überschneidungen mit dieser. Trotz mehrfacher Hinweise auf den Charakter der BIA hat „Besorgte Eltern Bayern“ die Kooperation mit BIA aufrechterhalten und verteidigt.

Wir distanzieren uns von »Besorgte Eltern Bayern« sowie ausdrücklich von jedem antisemitischen, rassistischen, rechtsextremen und linksextremen Gedankengut und Organisationen oder Einzelpersonen, die solches Gedankengut vertreten. Eine Zusammenarbeit mit solchen Gruppierungen war und ist für die Veranstalter der DEMO FÜR ALLE ausgeschlossen. …

Die Distanzierung des Bündnisses „Demo für Alle“ von einer Zusammenarbeit mit der rechtsextremen BIA ist erfreulich, wird sie doch von dem NPD-Bundesvorsitzenden und Münchner Stadtrat Karl Richter geleitet. Dies wäre auch ein wichtiges Argument in Augsburg für eine Distanzierung der Stadtverwaltung von weiteren Aktionen der „Besorgten Eltern“.

„Demo für Alle“ in Stuttgart, 28.6.2014. Von links nach rechts: Karl-Christian Hausmann (CDU), Köksal Eroglu, Birgit Kelle, … , Hedwig Freifrau von Beverfoerde (rotes T-Shirt) blu-news.org CC BY-SA 2.0 Flickr
Karl-Christian Hausmann, Stellvertretender Vorsitzender der CDU-Bezirksgruppe Stuttgart-Ost, Kaufmann, „Ich bin in der CDU wegen dem C. (Gottesbild und Menschenbild)“ (Homepage der CDU KV Stuttgart)
Köksal Eroglu sprach als Vertreter der M.I.H.R. Foundation: „Familie ist eine heilige Instanz für Gott. Sie ist zu schützen. … Es ist nicht Aufgabe der Schulbildung kindliche Köpfe zur Infragestellung ihres vertrauten Familienbildes zu verleiten…“ [Formulierungen und Kommafehler so im Orginal]
Die internationale MIHR Stiftung wurde 1989 mit Hauptsitz in Ankara gegründet und versteht sich als eine Brücke der Türkei und des Islam zur Zukunft. Die Zukunft besteht in der Vereinigung der Religionen zu einer einzigen Religion – wobei hier anscheinend nur die abrahamitischen Religionen gemeint sind. Die Stiftung ist nach ihrem Präsidenten Dr. Iskender Ali Mihr benannt. Auf der Homepage der MIHR Stiftung werden als Prinzipien genannt: 1. Die Einzigkeit Gottes, 2. Die Gemeinschaft derer, die sich gewünscht haben Gott zu erreichen, 3. Die Ergebung. Die Stiftung betrachtet die Hanif Religion als ihre Grundlage, eine monotheistische Religion Abrahams, die es bereits vor dem Auftreten Mohammeds gab. Die Gründungszwecke der Stiftung werden in dürren Worten skizziert: 1. Hilfe für Hilfsbedürftige 2. a) Islam, b) moderne Technologien, c) Energie, d) Wirtschaft, e) Finanzwesen, f) bleibt auf der Homepage leer, g) Geschäftsstudien, 3. Forschung auf dem Gebiet der islamischen, technischen und sozialen Wissenschaften, Publikationen und Lehre... Es gibt auch makroökonomische Themen der Stiftung, wie zum Beispiel „Wie kann die Türkei vom Flaschenhals ihrer Wirtschaft befreit werden?“ oder „Die Lösung des Inflationsproblems der Türkei und der Aufschwung“ oder „Finanzprobleme in der türkischen Industrie“. Zentral sei die richtige Erfassung des Koran, um zur Glückseligkeit zu gelangen.
Birgit Kelle siedelte 1984 als „Rumäniendeutsche“ in die BRD, ist bekennend katholisch und Mitglied der CDU. Sie engagiert sich nach eigener Aussage „für einen neuen Feminismus abseits von Gender-Mainstreaming und Quoten“ und propagiert laut taz „das Mutterdasein als heiliges Frauenideal“. Sie ist Kolumnistin beim The European, einem Meinungs- und Debattenmagazin, dass namhafte Autoren vorweisen kann. Allerdings schreibt und schrieb Birgit Kelle auch für das erzkonservative katholische Online-Portal kath.net, die Freie Welt, den Bayernkurier, eigentümlich frei und die Junge Freiheit. (nach Wikipedia)
Hedwig Freifrau von Beverfoerde zählt zu den Fundamentalisten in der CDU: „C wie Katholiban“, wie die linke Jugend- und Hochschulgruppe Magdeburg SDS schreibt. In Anlehnung an NS-Rhetorik provozierte sie in einem Gastkommentar der Welt: „Wollt ihr die totale Krippenherrschaft?“ Von Beverfoerde ist im Redaktionsbeirat der Freien Welt, zu deren Redaktion & Blogger auch Führungsmitglieder der AfD zählen wie Beatrix von Storch, Herzogin von Oldenburg (s. weiter unten), Prof. Dr. Hans-Olaf Henkel und Dr. Konrad Adam. Adam war ursprünglich CDU-Mitglied, dann 2013 einer der drei Gründungssprecher der Partei Alternative für Deutschland AfD, Feuilletonredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) sowie Chefkorrespondent und Kolumnist der Welt. (nach Wikipedia). Adam outete sich unlängst als Befürworter von Pegida. Auch Karl-Christian Hausmann (CDU, s. o.) schreibt in der Freien Welt, wie uns der Cache von Google verriet, ebenso Birgit Kelle.

Andererseits ist das Aktionsbündnis „Demo für Alle“ vielleicht noch gefährlicher als die „Besorgten Eltern“, denn es scheint breiter aufgestellt und stärker verankert auch in christlichen und rechtskatholischen Kreisen. So zählen zu einer langen Liste von Bündnispartnern von „Demo für Alle“ neben der Initiative Familienschutz auch das Forum Deutscher Katholiken, der Evangelische Arbeitskreis der CDU-Kreisverbände Heilbronn, Karlsruhe-Land, Mannheim, Rems-Murr und Stuttgart und Kirche in Not Deutschland.[16] Kirche in Not trug früher die zusätzliche Bezeichnung Ostpriesterhilfe. 2008 fand in Augsburg unter der Schirmherrschaft von Bischof Mixa ein „Weltkongress“ von Kirche in Not statt, an dem auch der Bund der Vertriebenen (BdV) mitwirkte. Dort kreuzten neben Bischof Mixa auch Bernd Posselt, Sprecher der sudetendeutschen Volksgruppe, Otto von Habsburg, bis 1962 Repräsentant der K&K-Monarchie in Österreich, Erika Steinbach und Michael Freiherr von Fürstenburg etc. auf.[17]

Auch das sollten wir uns in Augsburg merken, dass das Aktionsbündnis „Demo für Alle“ über Kirche in Not/Ostpriesterhilfe Verbindungen bis zum Bund der Vertriebenen (BdV) und der Sudetendeutschen Landsmannschaft aufweist. Auch hier eine Parallele zu den „Besorgten Eltern“, wo es Verbindungen zu den Landsmannschaften der Deutschen aus Russland und zu besagtem Bundesverband mit dem Augsburger Stadtrat Juri Heiser an der Spitze gibt.

Demo für Alle – Homophobie stoppen – Schild – Sex für alle – Gegendemo. „Demo für Alle“ in Stuttgart am 28.6.2014 gegen Gender Mainstreaming blu-news.org CC BY-SA 2.0 Flickr

Hat die Initiative Familienschutz zur Demo in Stuttgart am 1. Februar „Gegen die Indoktrination unserer Kinder – Stoppt den Bildungsplan 2015“ noch gemeinsam mit „Besorgten Eltern aus Baden-Württemberg" aufgerufen, so organisierte Hedwig von Beverfoerde, Sprecherin der Initiative Familienschutz, die weiteren Demonstrationen in Stuttgart im Namen des Bündnisses von „Demo für Alle“, bei dem die „Besorgten Eltern“ ausgeschlossen sind.[18]

Demo für alle Gegendemonstranten. Demo für alle am 28.6.2014 in Stuttgart - Gendermainstreaming - Gender Politik blu-news.org CC BY-SA 2.0 Flickr

Die letzte größere Aktion von „Demo für Alle“ fand am 22. November in Hannover statt.[19] auch in Hannover scheint die Stadtverwaltung etwas aufgeweckter zu sein als in Augsburg. So beklagt sich das Portal „Demo für Alle“ über eine Äußerung von Harald Härke, der zu Jahresanfang auf Vorschlag des Oberbürgermeisters mit großer Mehrheit der Ratsversammlung zum Personaldezernenten der Landeshauptstadt Hannover gewählt worden war: „So bezeichnete Hannovers Personaldezernent Harald Härke die Teilnehmer der DEMO FÜR ALLE als »Dumpfbacken«.“[20] Was für die Stadtverwaltung in Hannover gilt, gilt auch für die dortige Presse. Sie scheint etwas aufgeweckter und objektiver als die Augsburger Allgemeine samt ihrer Nebenbuhler unterschiedlicher Größenordnung, Stadtzeitung und DAZ. So kommt es, dass auch die Stadtgesellschaft in Hannover etwas aufgeweckter und besser informiert zu sein scheint als in Augsburg. Sie haben es immerhin schon beim ersten Antritt von „Demo für Alle“ zu einer stattlichen Gegendemonstration „Vielfalt statt Einfalt“ gebracht. Die Hannoversche Allgemeine Zeitung berichtet:

Am Platz an der Goseriede hatten sich etwa 300 Menschen eingefunden, die für Toleranz und Vielfalt demonstrierten. Organisator war der Bundesverband der Eltern, Freunde und Angehörigen von Homosexuellen (Befah). Unter den Teilnehmern waren Vertreter verschiedener Parteien, darunter der Linken, der Grünen, Jusos und der FDP. Sie protestierten in fröhlich-ausgelassener Stimmung gegen die Unterstützer der Demo, die ab 14 Uhr unter dem Slogan „Ehe und Familie vor! Stoppt Gender-Ideologie und Sexualisierung unserer Kinder“ zum Landtag marschierte. Am Ende ihrer Kundgebung schickten sie einen musikalischen Gruß mit Tanzeinlage in Richtung Steintor. Dortihin zog die Gruppe schließlich auch, um die dort demonstrierenden Ultrakonservativen mit Trillerpfeifen, Rufen und Gesang zu stören.

Mit etwa 500 Teilnehmer war die Demonstration des Aktionsbündnis „Ehe und Familie vor – stoppt Genderideologie und Sexualisierung unserer Kinder“ die größte der Versammlungen in der City. Zu dem Bündnis gehören unter anderem Initiativen wie „Starke Mütter“ und „Kirche in Not“. Auf ihren Plakaten verliehen sie mit Sprüchen wie „Gott statt Schrott“ und „Vater, Mutter, Kinder – Familie voran“ ihrem Anliegen. Hintergrund ist ein Entschließungsantrag von SPD und Grünen im Niedersächsischen Landtag, wonach künftig das Thema Homosexualität ebenso wie Bi-, Trans- und Intersexualität in die Lehrpläne einfließen soll. Angestrebt wird demnach, „alle Kinder und Jugendliche in der Entwicklung ihrer sexuellen und geschlechtlichen Identität zu unterstützen“ und „Diskriminierung durch Ausgrenzung und Mobbing vorzubeugen“. Doch dagegen läuft das ultrakonservative Aktionsbündnis „Ehe und Familie vor – Stoppt Gender-Ideologie und Sexualisierung unserer Kinder“ Sturm.

Die Konservativen bekamen Gegenwind von den Teilnehmern der vorangegangenen Demo „Vielfalt statt Einfalt“. Diese schwenkten Regenbogenfahnen und skandieren „Haut ab, haut ab“. Einige singen: „Eure Kinder werden so wie wir“ in der Melodie des Kneipenliedes „Einer geht noch“.[21]

Auch das Portal des Norddeutschen Rundfunks, ndr.de, klärt auf über die Aktion in Hannover und spricht von einem „reaktionären Spektrum“, erwähnt, dass die Stadt Hannover demonstrativ die Regenbogenflagge hießen ließ und zitiert die Charakterisierung der Initiative Familienschutz durch ihre Gegner als „AfD-nahe“:

Zahlreiche Unterstützer kommen aus dem reaktionären Spektrum: Da gibt es radikale Abtreibungsgegner, christliche Fundamentalisten und sogenannte Schwulen-Heiler. Viele befürworten Enthaltsamkeit vor der Ehe und sind meist für patriarchalische Strukturen. Gemeinsam ist allen die Angst vor einer „Homo-Lobby“. …

Die Positionen, die die Unterstützer der Demo vertreten, stoßen – vorsichtig formuliert – auch sonst nicht überall auf positive Resonanz. Die Stadt Hannover hat bereits reagiert und am Steintor die Regenbogenflagge hissen lassen – als Zeichen für Akzeptanz und Toleranz. Darüber hinaus formiert sich Protest gegen die Demo: Ebenfalls am Sonnabend findet auf dem Platz an der Goseriede, in Rufweite zur „Demo für alle“, die Kundgebung „Vielfalt statt Einfalt“ statt. Die Iniatoren rufen via Facebook zum Protest gegen die „AfD-nahe ‚Initiative Familienschutz‘“ auf. Unterstützung bekommen sie dabei von SPD, Grünen und der Linken.[22]

Über die Initiative Familienschutz und die Zivile Koalition wird das Bündnis „Demo für Alle“ offensichtlich vom Adel und der AfD gesteuert

Hedwig Freifrau von Beverfoerde, Demo für alle in Stuttgart am 28.6.2014 blu-news.org CC BY-SA 2.0 Flickr

Die AfD-Nähe zeichnet beide Labels aus, sowohl die „Besorgten Eltern“ als auch „Demo für Alle“. Die wohl führende Organisation im Bündnis „Demo für Alle“ ist die Initiative Familienschutz mit ihrer Sprecherin Hedwig Freifrau von Beverfoerde, bei den Aktionen und in der Öffentlichkeit ähnlich umtriebig und omnipräsent wie Mathias Ebert bei den „Besorgten Eltern“. Und die Initiative Familienschutz ist nach eigener Aussage „Teil einer organisierten bürgerlichen Basisbewegung, der Zivilen Koalition e.V.“.[23]

Auch die Zivile Koalition wird auch von Adeligen geleitet, nämlich von Beatrix von Storch (geborene Herzogin von Oldenburg) und ihrem Ehemann Sven von Storch als Geschäftsführender Vorstand. Sowohl die Zivile Koalition von Beatrix von Storch als auch die Initiative Familienschutz mit ihrer Sprecherin Hedwig Freifrau von Beverfoerde sind in der Zionskirchstraße 3 in Berlin untergebracht. Presse rechtlich Verantwortlicher für Familien-Schutz.de ist praktischerweise gleich Sven von Storch.

Beatrix von Storch spielte eine führende Rolle im Landesverband Berlin der Alternative für Deutschland (AfD) und kandidierte auf Listenplatz 2 bei der Bundestagswahl. Im stramm konservativen Wählermilieu der AfD gilt sie als vielleicht Deutschlands einflussreichste Netzwerkerin. Die zivile Koalition ist für Beatrix von Storch politischen Apparat von zentraler Bedeutung. Der Verein stützt den Anti-Euro-Rettungskurs Beatrix von Storch und damit auch den ihrer Partei, der AfD. Die Zivile Koalition sammelt fleißig Spenden politischer Unterstützer, zu denen Ex-Arbeitgeber-Chef Hans-Olaf Henkel gehört. Sie wirbt auf ihrer Homepage offen für die AfD-Kandidatin und verspricht, sich “konsequent für die Belange der Bürger” einzusetzen.[24]

Beatrix von Storch Flickr user blu-news.org CC BY-SA 2.0 Wikimedia Commons Flickr

Seit 1. Juli 2014 ist Beatrix Amelie Ehrengard Eilika von Storch Mitglied des Europaparlaments für die AfD. Damit scheint das Label „Demo für Alle“ mit den Kernorganisationen Zivile Koalition und Initiative Familienschutz fest in der Hand der AfD. Und zwar in der Hand des Ultrakonservativen Flügels der AfD. Kathrin Haimerl vom Spiegel kommentierte, mit „der ultrakonservativen Kandidatin Storch“ werde „die Partei anschlussfähig an den äußersten rechten Rand des politischen Meinungsspektrums“. Laut einem Bericht in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung soll von Storch bei dieser Wahl von der parteiinternen Gruppierung Christen in der Alternative für Deutschland unterstützt worden sein.

Wissen sollte man in diesem Zusammenhang zum Beispiel noch: Von Storch ist Mitbegründerin des Vereins Göttinger Kreis – Studenten für den Rechtsstaat e. V., der sich für die Wiedergutmachung der Vertreibungen und Konfiskationen durch die Boden- und Industriereform in der Sowjetischen Besatzungszone einsetzt. Der Verein organisierte verschiedene Veranstaltungen u. a. mit Michail Gorbatschow. Die von Beatrix von Storch geführte Allianz für den Rechtsstaat fordert ebenfalls „die Rückgabe des Bodenreformlandes in die Hände der früheren Großgrundbesitzer“.[25]

Gemeinsam mit dem Institut für strategische Studien Berlin (ISSB) gibt die Zivile Koalition die Internet- und Blogzeitung FreieWelt.net heraus. Zu ihrem Netzwerk zählt die Zivile Koalition unter anderem das Institut für unternehmerische Freiheit, den rechten Bund Freiheit der Wissenschaft, den Bürgerkonvent, die berüchtigte Initiative Neue soziale Marktwirtschaft, die Familienunternehmer – ASU, das Institut der deutschen Wirtschaft und den Bund katholischer Unternehmer ...[26]

Schlussbemerkungen – Augsburg als Stadt des Friedens und der interkulturellen Vielfalt ist herausgefordert

Markus Bernhardt weist in der jungen Welt anlässlich der Aktion in Dresden auf einen wichtigen Umstand hin: „Auch wenn die Proteste der Hassprediger nur von mäßigem Erfolg geprägt waren, unterschätzt werden sollten sie nicht. Wie schnell daraus – auch mit Unterstützung der Kirchen – eine rechte Massenbewegung werden kann, haben die gegen Lesben und Schwule gerichteten Aufmärsche der letzten Jahre in Frankreich gezeigt.“[27]

Ein weiterer, sehr gefährlicher Umstand sei hier noch erwähnt. Seit geraumer Zeit, nach Einschätzung der jungen Welt verstärkt seit Anfang diesen Jahres, finden unter verschiedenen Labels deutschlandweit Aufmärsche statt, von dubiosen Kräften, die politisch oft schwer einzuschätzen, tendenziell aber rechtslastig sind. Zum Teil wirken die lokalen Akteure wie Franchisenehmer, wobei nicht so klar ist, wo die Franchisegeber sitzen.[28]

Eines dieser Labels ist „Besorgte Eltern“, das politisch sehr vage ist – besorgt sein können Eltern über vieles. Jedenfalls traten auch die sogenannten „Besorgten Eltern“ just zum Jahresanfang 2014 mit ihren Demonstrationen auf den Plan. Sie scheinen zur Zeit auszutesten, wie weit man unter diesem Label gehen kann und wie weit man kommen kann. In die gleiche Kerbe haut das Bündnis „Demo für Alle“, das sich auch erst in diesem jahr gebildet hat.

Wie gefährlich das werden kann, wird zur Zeit mit dem Label „Montagsdemos 3.0“ demonstriert. Nachdem die Gruppe PEGIDA „Patriotische Europäer gegen Islamisierung des Abendlandes“ sich des Labels bemächtigt haben, schwellen die Kundgebungen in Berlin und Dresden Woche für Woche an und sind jetzt bei einer Größenordnung zwischen fünf und 10.000 Teilnehmern.

Auch das Label „HoGeSa“ „Hooligans gegen Salafisten“ erreichte mit Demonstrationen in Köln und Hannover ähnliche Größenordnungen.

Wir wollen es bei diesen Recherchen erst einmal belassen. Offensichtlich agitieren und versammeln sich die „Besorgten Eltern“ pausenlos, um einzusammeln, was es nur geht – solange der (vermeintliche) Trend anhält.

Auch in Augsburg wollen sie schon im Januar wieder aufkreuzen. Näheres werden wir über unseren Terminkalender bekannt geben. Wichtig ist es sicher, rechtzeitig ein Bündnis zu schmieden und die Öffentlichkeit aufmerksam zu machen. Offensichtlich wollen die Radikalen von „Besorgte Eltern“ einen Krieg führen (s. o.). Dagegen sollten sich die Friedensstadt Augsburg und das Bündnis für Menschenwürde stellen. Eine Warnung der Stadtspitze vor den „Besorgten Eltern“ und deutliche Maßnahmen der Verwaltung – wie in München und Dresden geschehen, oder in Hannover anlässlich der „Demo für Alle“ – wären mehr als angebracht.

Stadtrat Juri Heiser (CSU) muss gestoppt werden. Wir zitieren noch einmal aus dem Artikel bei RusDeutsch: „Juri Heiser sagte den anwesenden Demonstranten, dass das Thema für ihn wichtig sei, nicht nur als Abgeordneten, sondern in erster Linie als Vater, und versprach Unterstützung auf Stadtebene.“[29] Auch die AfD im Stadtrat muss Farbe bekennen. Diese Partei steht sowohl Jürgen Elsässer als auch der rechtskonservativen Familienideologie der „Besorgten Eltern“ programmatisch gefährlich nahe.

Augsburg als Stadt des Friedens und der interkulturellen Vielfalt ist herausgefordert. Die „Besorgten Eltern“ planen neben der anstehenden Aktion in Augsburg am 17. Januar 2015 in diesem Jahr bundesweit weitere zwölf Demonstrationen. Dabei wollen sie Augsburg noch weitere zwei- bis dreimal heimsuchen, und zwar am 16. Mai, 22. August und eventuell 7. November! Es wird also Zeit, dass die Stadt und das Bündnis für Menschenwürde sich besinnen, ob sie das hinnehmen wollen oder sich dagegen stellen.[30]

Peter Feininger, 3.12.2014, aktualisiert 14.1.2015

zur Druckversion  


Teil 1–3 finden sich unter kultur & wissen/Religion und Weltanschauung http://www.forumaugsburg.de/s_6kultur/Religion/index.htm

 

1] Bisher bei uns erschienen:

Aufmarsch der „Besorgten Eltern“, Teil 2: Die Marke „Besorgte Eltern“ wird kreiert, 29.11.2014 http://www.forumaugsburg.de/s_6kultur/Religion/141129_besorgte-eltern-2/index.html

Aufmarsch der „Besorgten Eltern“, Teil 1: Den Initiatoren geht es nicht wirklich um das Wohlergehen der Kinder, sondern um die Rückkehr zu einem christlich-fundamentalistischen Menschenbild, 27.11.2014 http://www.forumaugsburg.de/s_6kultur/Religion/141127_besorgte-eltern-1/index.html

2] „Besorgte Eltern - Demo 24.01.2015“. [Online]. Verfügbar unter: http://besorgte-eltern.net/demo-hamburg-20150124.html. [Zugegriffen: 12-Jan-2015].

4] „‚Besorgte Eltern‘ - oder Ivo Saseks Jünger gegen Homosexuelle und Aufklärung", Kurilka, 15-Nov-2014. [Online]. Verfügbar unter: http://kurilkablog.wordpress.com/2014/11/15/besorgte-eltern-oder-ivo-saseks-junger-gegen-homosexuelle-und-aufklarung/. [Zugegriffen: 16-Nov-2014].

5] „10. internationale Konferenz, AZK - Anti-Zensur-Koalition“, 26-Juli-2014. [Online]. Verfügbar unter: http://www.anti-zensur.info/azkmediacenter.php?mediacenter=conference&topic=10. [Zugegriffen: 16-Nov-2014].

6] „Kindsmissbrauch – Frühsexualisierung, Dr. Judith Reismann und ‚Besorgte Eltern‘-Mathias Ebert, 10. internationale Konferenz, AZK - Anti-Zensur-Koalition", 26-Juli-2014. [Online]. Verfügbar unter: http://www.anti-zensur.info/azkmediacenter.php?mediacenter=referent&topic=45. [Zugegriffen: 16-Nov-2014].

7] „Aufruf zur Demonstration in Stuttgart“, blog.forum-deutscher-katholiken.de, 29-Jan-2014. [Online]. Verfügbar unter: http://blog.forum-deutscher-katholiken.de/?p=2322. [Zugegriffen: 16-Nov-2014].

8] „Auseinandersetzung bei Demo der ‚besorgten Eltern‘ / Kölnpolitik / Politik / report-k.de“, 23-März-2014. [Online]. Verfügbar unter: http://www.report-k.de/Politik/Koelnpolitik/Auseinandersetzung-bei-Demo-der-besorgten-Eltern-29781. [Zugegriffen: 16-Nov-2014].

9] „Kreidfeuer (Leitgedanken)“, Kreidfeuer, 18-Jan-2012. [Online]. Verfügbar unter: http://kreidfeuer.wordpress.com/kreidfeuer/. [Zugegriffen: 26-Nov-2014].

10] „Dezentralisierung der Mahnwachen | Kreidfeuer“, 17-Sep-2014. [Online]. Verfügbar unter: http://kreidfeuer.wordpress.com/2014/09/17/dezentralisierung-der-mahnwachen/. [Zugegriffen: 17-Nov-2014].

11] „Die Invasion der Mahnwichtel: Verschwörungstheoretiker umstellen den Düsseldorfer Landtag. | Ruhrbarone“, 21-Sep-2014. [Online]. Verfügbar unter: http://www.ruhrbarone.de/die-invasion-der-mahnwichtel-verschworungstheoretiker-umstellen-den-dusseldorfer-landtag/89952. [Zugegriffen: 26-Nov-2014].

12] „»Frühsexualisierung«. Schlappe für Fundamentalisten. Mehr als tausend Menschen protestierten in Dresden gegen Ewiggestrige und Homosexuellengegner, Markus Bernhardt“, junge Welt, 16-Nov-2014. [Online]. Verfügbar unter: https://www.jungewelt.de/inland/schlappe-f%C3%BCr-fundamentalisten. [Zugegriffen: 18-Nov-2014].

13] Ebd.

14] „Streitpunkt Sexualkunde: In Dresden protestieren 700 Menschen gegen Homophobie“, LVZ-Online, 16-Nov-2014. [Online]. Verfügbar unter: http://www.lvz-online.de/nachrichten/mitteldeutschland/protest-gegen-homophobie-rund-700-dresdner-zeigen-bunte-flagge/r-mitteldeutschland-a-263162.html. [Zugegriffen: 26-Nov-2014].

15] „Achtung! DEMO FÜR ALLE distanziert sich von Organisatoren der Demo am 10.5. in München | Familien-Schutz.de“, Mai-2014. [Online]. Verfügbar unter: http://www.familien-schutz.de/achtung-demo-fur-alle-distanziert-sich-von-organisatoren-der-demo-am-10-5-in-munchen/. [Zugegriffen: 28-Nov-2014].

16] „Über uns, Aktionsbündnis DEMO FÜR ALLE“, Demo für Alle. [Online]. Verfügbar unter: http://demofueralle.wordpress.com/eine-seite/. [Zugegriffen: 29-Nov-2014].

17] siehe dazu ausführlich das Kapitel „Kirche in Not“: Weltkongress in Augsburg mit Mixa, Posselt, Otto von Habsburg, Steinbach und Grulich – eine Ersatzveranstaltung für den Sudetendeutschen Tag? (S. 4ff.) in unserem Artikel vom 4.10.2010: 61. Sudetendeutscher Tag in Augsburg, Teil 4: „Großer Kulturpreis“ für Professor Grulich. Das „Ostanliegen“ des Kirchenhistorikers führt ihn an viele Fronten Europas http://www.forumaugsburg.de/s_3themen/Sudeten/101004_sudetendeutscher-tag-4/artikel.pdf

18] [1]„Demonstration gegen Bildungsplan: Gegner ohne Einigkeit - Stuttgart - Stuttgarter Nachrichten“, 20-Okt-2014. [Online]. Verfügbar unter: http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.demonstration-gegen-bildungsplan-gegner-ohne-einigkeit.64af4282-5800-4b5d-a388-a2593b7ac17d.html. [Zugegriffen: 29-Nov-2014]. [2]„Rangeleien und Tränengas: Bildungsplangegner feiern Verzögerung - Stuttgart - Stuttgarter Nachrichten“, stuttgarter-nachrichten.de, 30-Juni-2014. [Online]. Verfügbar unter: http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.rangeleien-und-traenengas-bildungsplangegner-feiern-verzoegerung.fd4aaca5-3f63-4a1f-8d82-1d4514a138b7.html. [Zugegriffen: 29-Nov-2014]. [3]„Bildungsplangegner erlebten bei ihrer friedlichen Demo Widerstand“, kath.net, 06-Apr-2014. [Online]. Verfügbar unter: http://www.kath.net/news/45521. [Zugegriffen: 29-Nov-2014]. [4]„Protest geht weiter: Demo gegen Bildungsplan 2015 am Samstag in Stuttgart | Familien-Schutz.de“, Jan-2014. [Online]. Verfügbar unter: http://www.familien-schutz.de/protest-geht-weiter-demo-gegen-bildungsplan-2015-am-samstag-in-stuttgart/. [Zugegriffen: 29-Nov-2014].

19] s. „Presseschau zur DEMO FÜR ALLE am 22. November in Hannover und den früheren Aktionen“, Demo für Alle. [Online]. Verfügbar unter: http://demofueralle.wordpress.com/presse/presseschauen/. [Zugegriffen: 29-Nov-2014].

20] „Rot-grüne Demonstranten outen sich: »Scheiß-Kinder!« | Demo für Alle“, 28-Nov-2014. [Online]. Verfügbar unter: http://demofueralle.wordpress.com/2014/11/28/rot-grune-demonstranten-outen-sich-scheis-kinder/. [Zugegriffen: 29-Nov-2014].

21] „Mehrere Demonstrationen – Demos in Hannover verlaufen ruhig“, Hannoversche Allgemeine Zeitung, 22-Nov-2014. [Online]. Verfügbar unter: http://www.haz.de/Hannover/Aus-der-Stadt/Uebersicht/Friedliche-Proteste-in-Hannover-der-Tag-im-Ueberlick. [Zugegriffen: 28-Nov-2014].

22] „Konservative protestieren gegen ‚Sexualisierung‘“, NDR.de, 21-Nov-2014. [Online]. Verfügbar unter: http://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/hannover_weser-leinegebiet/Konservative-protestieren-gegen-Sexualisierung-,demo848.html. [Zugegriffen: 28-Nov-2014].

23] „Wer wir sind | Familien-Schutz.de“. [Online]. Verfügbar unter: http://www.familien-schutz.de/eine-seite/. [Zugegriffen: 28-Nov-2014].

24] Nach: „Zivile Koalition e.V., Der Honigmann sagt...“, 15-Sep-2013. [Online]. Verfügbar unter: https://derhonigmannsagt.wordpress.com/tag/zivile-koalition-e-v/. [Zugegriffen: 29-Nov-2014].

25] „Beatrix von Storch“, Wikipedia, 28-Nov-2014. [Online]. Verfügbar unter: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Beatrix_von_Storch. [Zugegriffen: 29-Nov-2014].

26] s. „Zivile Koalition – Lobbypedia“. [Online]. Verfügbar unter: https://lobbypedia.de/wiki/Zivile_Koalition. [Zugegriffen: 29-Nov-2014].

27] »Frühsexualisierung«. Schlappe für Fundamentalisten, a. a. O.

28] Siehe dazu bei Wikipedia: Der Begriff Franchising oder Konzessionsverkauf stammt aus der Distributionspolitik und bezeichnet eine Mischung aus indirektem Verkauf und direktem Verkauf. Beim Franchising stellt ein Franchisegeber einem Franchisenehmer die (regionale) Nutzung eines Geschäftskonzeptes gegen Entgelt zur Verfügung. Aus Sicht des franchisegebenden Unternehmens stellt das Franchising somit eine Form der Internationalisierung dar, wodurch Franchising dem Bereich des Internationalen Managements zuzuordnen ist. Oftmals sind die Nutzungsrechte an Warenzeichen, Warenmustern oder Geschmacksmustern neben der Vermittlung von Know-how ein wichtiger Bestandteil der Franchisegeberleistungen. … http://de.wikipedia.org/wiki/Franchising

29] „In Deutschland protestieren Russlanddeutsche gegen die Sexualisierung von Kindern“, RusDeutsch, Informationsportal der Russlanddeutschen, 11-Nov-2014. [Online]. Verfügbar unter: http://www.rusdeutsch.eu/?news=2515&id=5079. [Zugegriffen: 17-Nov-2014].


   
nach oben