aktualisiert 4. Juli
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Juli 2020
30. Juni bis 8. August Augsburger Friedensfest 2020 #Rituale

Augsburger Friedensfest 2020

Kulturprogramm

Kommentar

Nach dem Motto des diesjährigen Friedensfestes befragt, schreibt die Oberbürgermeisterin Eva Weber in einem Grußwort zu Anfang des Programmheftes, dass auch „moderne Gesellschaften“ Rituale bräuchten. „Große öffentliche Rituale, wie Kirchenzeremonien“ finde sie „persönlich sehr wichtig und schön!“ Im Anschluss an Eva Weber dürfen die beiden Vertreter der evangelischen und katholischen Kirche in Augsburg in der Einleitung des Friedensfest-Programmheftes sich zu den Ritualen äußern, die ihnen „in ihrem persönlichen Leben und ihrem beruflichen Kontext besonders wichtig“ seien. Vertreter anderer Religionen und Weltanschauungen kommen hier selbstverständlich nicht zu Wort. Corona hat offensichtlich den runden Tisch der Religionen dahingerafft. Und so kann der Stadtdekan der evangelischen Kirche in Augsburg, Michael Thoma, ungestört verkünden, dass bei ihm „hier das tägliche Gebet und das Lesen biblischer Texte“ an erster Stelle stünden. Auch „Gottesdienste mit Abendmahlsfeier“ lägen ihm „sehr am Herzen“. Und der Stadtdekan der katholischen Kirche in Augsburg, Helmut Haug, bekennt, dass „in einer derartigen Ausnahmesituation“ Rituale für ihn in den Vordergrund rückten: „Einerseits indem sie fehlen – keine gemeinsamen Gottesdienste in der Kirche zu feiern, hinterlässt in mir eine schmerzliche Lücke. Andererseits sind mir die täglichen Gebets- und Meditationszeiten jetzt umso wichtiger. Sie strukturieren meinen Tag und lenken meinen Blick immer neu auf das Wesentliche.“
Der evangelische Stadtdekan muss mit seiner Affirmation zu Ritualen etwas vorsichtiger sein, denn wie Niklas Luhmann treffend feststellte: „Die Entritualisierung der Religion macht Fortschritte und führt in das Problem der Glaubensgewißheit, das nach Kriterien beurteilt werden muß, die dann zur Spaltung der christlichen Religion führen.“ (Luhmann, Niklas. Soziale Systeme. Grundriß einer allgemeinen Theorie. 677 S., 4. Aufl. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1991. Seite 616)
Die Leiterin des Friedensbüros, Christiane Lembert-Dobler, übernimmt in ihrem Part in der Einleitung der Friedensfest-Broschüre Gott sei Dank die vollständige Säkularisation des Begriffs: „Rituale sind wichtiger Bestandteil der menschlichen Kommunikation und damit ein tragendes Element des Zusammenlebens.“
Der abschließende Gastbeitrag von Pierre Jarawan macht davon allerdings vieles wieder zunichte, indem er weit hinter die Reformation zurückfällt und jahrtausendealte Stammesriten glorifiziert. So findet sich in seinem Gastbeitrag die folgende fürchterliche Passage:
„Zum Beispiel jenem Ritual der Kogi in der Sierra Nevada de Santa Marta, die von einer rituellen Priesterschaft beherrscht werden, wobei die Ausbildung der Priesteramtskandidaten außergewöhnlich ist: Im Alter von drei Jahren werden sie von ihren Familien getrennt und in einer Welt der Dunkelheit – in Steinhütten am Fuß der Gletscher – abgekapselt. Achtzehn Jahre lang – zwei Neunjahresperioden, bewusst gewählt, um an die neun Monate im Mutterleib zu erinnern. In all dieser Zeit existiert die Welt nur als Abstraktion, während sie in die Werte ihrer Gesellschaft eingewiesen werden. Eine barocke Religiosität, die überwältigt …“
Hier sind wir dann doch mal froh um das staatliche Schulamt und seine Schulaufsicht, das hoffentlich so konservativ ist, dass es solche Zustände nicht zulassen würde. Und auch der neue Kulturreferent, Jürgen Enninger, obwohl er Religionspädagoge ist, wird uns wahrscheinlich vor einer solchen „barocke(n) Religiosität“ schützen. Auch die gepflegten Kirchenzeremonien, auf die Eva Weber steht, können uns da nur recht sein und stehen tatsächlich für eine „moderne“ Gesellschat. Denn diese Rituale sind nach 2 Stunden wieder vorbei und fesseln die Gemeinde nicht 18 Jahre lang.

Mi 01. Regierung eskaliert komplett -- Fridays for Future Augsburg reagiert --
Blockade des Rathauses

Nach bundesweiten Aktionen seitens Fridays for Future, Greenpeace, BUND Naturschutz, Ende Gelände, Extinction Rebellion und anderen Klimagerechtigkeitsinitiativen zeigt unsere Regierung immer noch keine Anzeichen dafür, ihren Entwurf für das Kohleeinstiegsgesetz zurückzunehmen.
Dieses Gesetz verhindert die Zukunft der jungen Generation. Es sorgt dafür, dass Deutschland massiv über 1,5 °C hinausschießt und sich weiter als Europas größter Verschmutzer profiliert. Wir fordern, dass sich die Fraktionen im Stadtrat öffentlich und mit Nachdruck gegen diese Verantwortungslosigkeit aussprechen.
Wir errichten daher am morgigen Mittwochabend um 19:00 Uhr eine friedliche Rathausblockade. Wir gehen wieder, sobald es die Situation zulässt. Nach einer Civey-Umfrage finden nur 13,1 % aller Deutschen es eindeutig richtig, dass die Betreiber von Kohlekraftwerken 4,4 Mrd. Euro Steuergelder erhalten sollen, und deutlich mehr als die Hälfte der Deutschen findet es falsch. Die Regierung stellt mit ihrem Gesetzentwurf die Interessen von einzelnen Kohlekonzernchef*innen vor die ihrer Arbeiter*innen.
Die Entscheidung zur Blockade fiel nach den Fehlentwicklungen des heutigen Tages. Trotz der Kürze der Zeit werden wir ein Workshop- und Filmprogramm aufstellen. Alle Interessierten sind aufgerufen, sich uns anzuschließen. Isomatte, Schlafsack und Mund-/Nasenschutz bitte selbst mitbringen.

19.00 Errichtung einer Rathausblockade
Fr 03.

Demonstration von Fridays vor Future

Seit Mittwoch Nachmittag ein von Fridays For Future Augsburg organisiertes Camp zwischen dem Rathaus und
Perlachtum statt. Die Stimmung ist trotz der ernste Situation und des Wetters, durchwegs positiv und friedlich. Besonders enttäuscht sind wir von der CSU Augsburg: Weder hatte sie den Anstand, uns auf dem Camp einen kurzen Besuch abzustatten, noch öffneten sie uns bei einem Kontaktversuch unsererseits die Tür. Auch die Oberbürgermeisterin fand keine Zeit für uns. Wir riefen alle Fraktionen des Augsburger Stadtrats auf, sich öffentlich und mit Nachdruck vom Kohleeinstiegsgesetz zu distanzieren.
Natürlich sind wir uns bewusst, dass unsere Aktionsform dem geplanten KohleEINstiegsgesetz nicht gerecht wird, da unsere Zukunft unmittelbar bedroht ist. Wir stimmen uns ab, wie weitere Schritte aussehen werden.
Wenn das Gesetz in der aktuellen Form verabschiedet wird, sind weder die mutlosen nationalen Klimaziele als auch das von Deutschland unterzeichete Pariser Klimaabkommen einzuhalten. Bis 2038 weiter Kohle zu verfeuern ist, wissenschaftlich belegt, klimapolitischer Wahninn. In Spanien wurden vorgestern die Hälfte aller Kohlekraftwerke abgeschaltet -- nicht auf der Druck der Regierung, sondern auf eigenen Willen der Kohlekraftwerksbetreiber, da sie diese in Ermangelung von künstlichen staatlichen Subventionen nicht mehr rentabel betreiben können.
Unsere Aktion sprach sich innerhalb der Klimagerechtigkeitsbewegung herum und findet Nachahmer*innen, zum Zeitpunkt des Schreibens die Ortsgruppen in Berlin, Hamburg, Siegen und Stuttgart. Weitere Klimacamps werden folgen.

Am morgigen Freitag findet um 11:00 Uhr ein Demonstrationszug statt. Dieser wird bei unserem Camp am Rathaus starten und enden. Alle Menschen, die für eine Einhaltung des Pariser Klimaschutzabkommens sind, sind aufgerufen, sich der Demonstration anzuschließen.

11.00 Beginn des Demonstrationszuges beim Camp am Rathaus. Die Demo wird auch dort wieder enden

13.00 Pressekonferenz von Fridays für Future

Di 07.

Sitzung der Augsburger Friedensinitiative AFI

1.Aktuelles Thema 2. Bericht von zurückliegenden Aktivitäten 06.06.2020 Kundgebung gegen Rassismus 24.06.2020 virtuelle RENK-Hauptversammlung 3. Geplante Termine
Di. 21.07.2020 20:00 Uhr, Annahof, Rituale der Friedensbewegung – Sind sie noch zeitgemäß? mit Kathrin Vogler, MdB, friedenspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE (siehe beiliegenden Flyer)
Do. 06.08.2020 15:00 Uhr, Königsplatz. Mahngedenken zu den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki Friedenswochen-Veranstaltungen im November:
Sa, 07.11.2020 Augsburger Weg der Erinnerung.
Di, 10.11.2020, Augustanasaal, Sicherheit neu denken, mit Ralf Becker
Fr, 13.11. 2020, 20:00 Uhr, Hollbau, Rüstungsexport, mit Jürgen Grässlin,
So, 22.11.2020 von 11:00 - 13:00, Halle 116, Frauen lesen Frauen
Mi, 25.11.2020, 19:30 Uhr, Augustanasaal, Nordafrika + der Nahe Osten, mit Andreas Zumach
Nov. 2020, Halle 116, Anne Frank Ausstellung

19.30 Bürgerhaus Pfersee, Stadtberger Str. 17

Im Haus muss Mundschutz getragen werden. An den Plätzen darf bei Einhaltung des Mindestabstandes der Mundschutz abgenommen werden.

Da im Dachgeschoss nur 6 Personen zugelassen sind treffen wir uns in der Cafeteria im Kellergeschoss. Dort können maximal 9 Personen anwesend sein.

www.augsburger-friedensinitiative.de

Di 14.

Erste Verlegungen von Stolpersteinen in Gersthofen

Die Stolpersteine werden ab 11:30 Uhr vom Künstler Gunter Demnig eigenhändig verlegt

Näheres im Flyer

Initiativkreises Stolpersteine für Augsburg und Umgebung / Sektion Gersthofen

11.30 Beginn der Verlegung in der Ludwig-Hermann-Straße 19, Ecke Dr. Muser-Str.2.

Maske mitbringen

www.stolpersteine-augsburg.de

Di 14.

Siebte Verlegung von Stolpersteinen in Augsburg

Verlegung vom Künstler Gunter Demnig

Näheres im Flyer

14.30 Treffpunkt zur ersten Verlegestelle Weiherstraße 17

am besten mit dem Fahrrad kommen

www.stolpersteine-augsburg.de

Di 21.

Ostermärsche, Friedenswochen und Antikriegstag – Sind die Rituale der Friedensbewegung noch zeitgemäß? mit Kathrin Vogler, MdB, friedenspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE.

Rituale als wiederkehrende und nach vorgegebenen Regeln ablaufende Handlungen mit hohem Symbolgehalt bestimmen unser Leben. Seit 60 Jahren gibt es die Ostermärsche, seit 40 Jahren die Friedenwochen. Aktionen zur Befreiung vom Faschismus und der Antikriegstag sind weitere Beispiele. Doch es gibt auch neue Aktionsformen. Mit welchen Ritualen tritt die Friedensbewegung für eine friedliche Welt ein? Welche Bedeutung kommt ihnen zu? Sind die Rituale im Zeitalter der elektronischen Medien noch zeitgemäß?

Veranstalter: Augsburger Friedensinitiative (AFI), Deutsche Friedensgesellschaft-Vereinigte Kriegsdienstgegnerinnen (DFG-VK) Gruppe Augsburg, DIE LINKE. Augsburg, Landesarbeitsgemeinschaft Frieden und internationale Politik - DIE LINKE. Bayern, pax christi Diözesanverband Augsburg, Redaktion www.forumaugsburg.de, Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen (VVN-BdA) Kreisvereinigung Augsburg. In Kooperation mit dem Evangelischen Forum Annahof und dem Friedensbüro der Stadt Augsburg

20.00 Sommerbühne im Annahof

Eintritt frei
Tickets sind erforderlich
Online-Gebühr 2 €
Erwerb bei Bürgerinfo am Rathausplatz kostenfrei
Tickets gibt es nur im Vorverkauf unter www.sommerbuehne- annahof.reservix.de/events oder über die telefonische Ticket- Hotline: Tel. (0180) 670 07 33 Keine Abendkasse!

Im Rahmen des Augsburger Friedensfestes

Flyer für die Veranstaltung

Di 28.

Jahreshauptversammlung der VVN Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten, Kreisvereinigung Augsburg

Auf der Tagesordnung stehen unter anderem der Jahresbericht 2019/20, Aussprache dazu, die Wahl des Sprecher_innenkreises, Diskussion und Anträge

19.30 Bürgerzentrum Pfersee (Saal), Stadtberger Str. 17

die Versammlung ist öffentlich, bitte Mundschutz mitbringen

www.vvn-augsburg.de

August 2020
Sa 01.

Stadtrundgang "Augsburger Weg der Erinnerung", bisher geplant im Rahmen der Augsburger Friedensfest-Wochen

Über 40 Erinnerungsbänder und Stolpersteine erinnern mittlerweile - acht Jahre nach Gründung der beiden Bürgerinitiativen Erinnerungswerkstatt und Stolperstein-Initiative – an Menschen aus Augsburg, die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft geworden sind. Es waren Widerstandskämpfer, Menschen jüdischen Glaubens, Zeugen Jehovas und gläubige Christen, Sinti und Kranke oder Behinderte. Erinnerungsbänder und Stolpersteine zeigen im ganzen Stadtraum, wo diese Menschen einst ihr Zuhause hatten. Jetzt bieten Mitglieder von ErinnerungsWerkstatt und Stolperstein-Initiative – unter ihnen Inge Kroll, Josef Pröll und Fritz Schwarzbäcker – gemeinsam Führungen zu diesen Orten und Erinnerungszeichen an – die „Augsburger Wege der Erinnerung“. Die erste Führung fand am Jahrestag des „Reichskristallnacht“ genannten Pogroms gegen Juden im November 1938 statt, also am Samstag, 9. November 2019.

Erinnerungswerkstatt
Stolperstein-Initiative

11:00 Rathaus
September 2020
     
Oktober 2020
     
November 2020
     
Dezember 2020
     
     


   
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