Spendensammlung für ein syrisches Kind

Rettet das Leben von Ayaz!

Der Pfaffenhofener Verein Freundschaft mit Valjevo hat sich vorgenommen, dem kleinen Ayaz aus Syrien eine Operation zu ermöglichen. Nach einem Artikel, den der Donaukurier brachte, kamen überraschenderweise 10.000 Euro Spenden herein. Dies ermutigte den Verein weiterzumachen. Das hessische Kinderherzzentrum hat ein vergleichsweise sehr günstiges Angebot von 23.900 Euro für die Operation des 18 Monate alten Kindes gemacht.

Vereinsvorsitzender Bernd Duschner schreibt uns: mit der Aktion wollen wir

  • einem schwerkranken Kind und seiner Familie helfen

  • gegenüber unseren Asylbewerbern aus Syrien und gegenüber der syrischen Bevölkerung ein Zeichen der Solidarität setzen

  • auf die Embargopolitik der Bundesregierung hinweisen, die wesentlich mitverantwortlich ist für die humanitäre Katastrophe in Syrien (Sperrung der syrischen Konten, Import- und Exportverbote, keine Landeerlaubnis in der EU für syrische Transportflugzeuge usf.)

Zu Letzterem, der gnadenlosen Embargopolitik der Bundesregierung gegen Syrien und Iran, schrieb uns Bernd Duschner am 3. Dezember vergangenen Jahres einen Beitrag mit dem Titel Die syrische Tragödie und die Verantwortung der Bundesregierung. Darin heißt es:

Sagen wir es deutlich: Die Sanktionen sind ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Mit ihnen wird ein ganzes Volk planmäßig ins Elend gestürzt, um es in den Bürgerkrieg und zum Aufstand gegen die eigene Regierung treiben zu können. Darüber müssen wir unsere Bevölkerung informieren. Wir müssen Druck auf die Bundesregierung ausüben, die Sanktionen umgehend aufzuheben. Eine bundesweite Unterschriftensammlung kann dazu entscheidend beitragen. Von Parteien und Abgeordneten, die sich der Friedensbewegung verbunden fühlen, ist zu verlangen, die bedingungslose Aufhebung der Sanktionen umgehend auf die Tagesordnung des Bundestages setzen.[1]

Bereits im Januar 2012 startete Bernd Duschner gemeinsam mit Eckart Spoo[2] eine Unterschriftensammlung für den Aufruf Kriegsvorbereitungen stoppen! Embargos beenden! Solidarität mit den Völkern Irans und Syriens! Dieser Aufruf fand bundesweit Beachtung, wurde von tausenden Bürgerinnen und Bürgern namentlich und öffentlich unterzeichnet. Die Erstveröffentlichung fand auf unserer Homepage statt.[3] Das Interesse an diesem Aufruf und seinen Forderungen ist ungebrochen. Allein in diesem Monat Januar 2014 – zwei Jahre nach der Veröffentlichung – verzeichnen wir über 2000 Downloads in unserer Statistik.

Diesen Aufruf haben auch sechs Mitglieder der Bundestagsfraktion der Linken unterzeichnet, darunter Sevim Dagdelen als Sprecherin für internationale Beziehungen. Dies führte zu einem medial gestützten Kesseltreiben von CDU- und FDP-Politikern gegen die Linke.[4] Unser Aufruf „Solidarität mit den Völkern Irans und Irans“ wurde von den Leitmedien Spiegel, SZ etc. umgelogen in „Linke Solidarität mit dem Schlächter Assad“.[5]

Die sechs Abgeordneten, neben Sevim Dagdelen Diether Dehm, Annette Groth, Heike Hänsel, Ulla Jelpke und Eva Bulling-Schröter, kamen auch innerparteilich unter Druck. Parteisprecher der Linken, Alexander Fischer, distanzierte sich indirekt von den Unterstützern des Aufrufs.[6] Was leider bis heute nicht erfolgte, ist ein Antrag im Bundestag, die mörderischen Sanktionen gegen Syrien und Iran aufzuheben. Konsequenterweise hätten Eva Bulling Schröter aus Ingolstadt und andere Abgeordnete der Linken einen solchen Antrag stellen müssen.

Dieses Plakat hat der Verein Freundschaft mit Valjevo in der Stadt Pfaffenhofen aufgestellt, im Kino und in fast allen Kindergärten. Dort stehen auch Spendendosen. Darüber hinaus erschienen Berichte in den Lokalzeitungen.

Statt von der erpresserischen Embargopolitik Abschied zu nehmen, operieren die Bundesregierung und andere Westmächte unverhohlen mit dem Mittel der Sanktionen als äußerstes Druckmittel, das gleich hinter einem militärischen Angriff rangiert. So wurden jetzt auf der Sicherheitskonferenz wieder Drohungen gegen die legitime Regierung der Ukraine ausgesprochen, die in der Ankündigung von Sanktionen gipfelten – z. B. durch US-Senator McCain.

Jedes Land ist heutzutage in unterschiedlichem Umfang vom Weltmarkt abhängig, den die großen westlichen Industriestaaten dominieren. Die so genannten Sanktionen (Embargos) als Mittel der Bestrafung können allerdings nur diese Großmächte wirksam einsetzen. Gerade in Ländern mit unterschiedlichen Volksgruppen und Religionsgemeinschaften werden dadurch Verteilungskonflikte verschärft und bewaffnete Auseinandersetzungen angeheizt.

Die BRD verhängte in den neunziger Jahren einen Embargo gegen Jugoslawien (nicht gegen Kroatien und Slowenien) und gegen den Irak. Ein deutsches Embargo besteht gegen den Iran und Syrien. Israel schneidet Gaza und Westjordanland direkt von Lieferungen aus dem Ausland ab. Die USA verhängte eine Blockade über die Häfen Nicaraguas, als die Sandinisten an die Macht gekommen waren. Auch gegen Nordkorea besteht eine Embargo des Westens. Wir erinnern uns an eine skurrile „humanitäre“ Aktion nach dem Angriff auf Jugoslawien 1999, als Milosevic noch Präsident war. Aus mehreren deutschen Städten, auch aus Ingolstadt, wurden damals Tanklastwagen in Bewegung gesetzt, um ausschließlich die von der Opposition regierten Städte mit dem dringend benötigten Heizöl/Treibstoff zu versorgen. Die Serben sollten kapieren: Willst du eine warme Stube haben, musst Du gegen Milosevic stimmen.

Das Embargo ist faktisch ein Instrument des Krieges, das aber gegenüber herkömmlicher Kriegsführung einige Vorteile bietet:

– es ist billiger

– es ist für die Masse unserer Bevölkerung nicht bzw. kaum erkennbar und stößt daher auf wenig Widerstand in dem Land, dass die Sanktionen verhängt

– es schwächt das betroffene Land

– durch das geschaffene Elend soll die Massenbasis der betroffenen Regierung untergraben werden

– es soll die politische Klasse und die von den Sanktionen betroffene Unternehmerschaft spalten.

Ziel von Embargos ist immer auch, einen Bürgerkrieg anzufachen. Die Militärintervention kann bei Bedarf immer noch folgen.

Von daher ist es unverständlich und unerträglich, dass die Linke im Bundestag sich bis heute sträubt, eine gezielte Politik gegen die bestehenden Embargos zu machen.

Auf unserer Syrien-Seite[7] finden sich deutliche Hinweise, dass die Bewaffnung von Terroristen durch den Westen dazu dient, die Infrastruktur Syriens zu zerstören. Dazu gehören auch Angriffe auf Krankenhäuser und die systematische Zerstörung von Krankenwagen. Ferner lässt sich nachweisen, dass gerade auch das Gesundheitswesen unter den Sanktionen leidet und die schlimmen Folgen von den Sanktionsmächten einkalkuliert, ja beabsichtigt sind.[8]

Es gibt aber auch erfreuliche Beweise von Solidarität, seien es medizinische Hilfsgüter aus dem Iran oder eine Spendensammlung für drei Krankenwagen von der arabisch-italienischen NGO Radfahren für den Frieden. In diese Kategorie internationaler Solidarität zur Durchbrechung der Sanktionen und der Waffenlieferungen ist auch die Spendenaktion für Ayaz einzuordnen.

Der Verein Freundschaft mit Valjevo e. V. schreibt:[9]

Ohne Operation hat Ayaz nicht mehr lange zu leben

Wir möchten ihm helfen und seine Behandlung bei uns ermöglichen

Tagtäglich finden in Syrien schwere Kämpfe zwischen Regierungstruppen und bewaffneten Aufständischen statt. Sie haben mittlerweile 130.000 Menschen, darunter auch 40.000 Soldaten, das Leben gekostet. Fast 5 Millionen Syrer sind im eigenen Land auf der Flucht vor den Kämpfen, Terroranschlägen und ethnischen Säuberungen, 2 Millionen sind in die Nachbarstaaten geflohen. Wir möchten jetzt ein Zeichen für eine Beendigung des Bürgerkrieges, für Frieden und Versöhnung setzen und zumindest einem schwerkranken Kleinkind aus der nordsyrischen Kleinstadt Amuda die notwendige Operation bei uns ermöglichen.

Die Kleinstadt Amuda liegt nur 2 km von der Grenze zur Türkei entfernt im Nordosten Syriens. Dort lebt die syrisch-kurdische Familie Doud mit ihren 4 Kindern, dem 10 jährigen Mädchen Nessrin und ihren drei Söhnen Hussein (14 Jahre), Hoschiar (8 Jahre) und dem kleinen Ayaz. Seit seiner Geburt am 21.8.2012 leidet Ayaz an einem schweren, lebensbedrohenden Herzfehler in Form einer Fallot‘schen Tetralogie. Der Junge bekommt deshalb nicht genügend Sauerstoff und muss dringend operiert werden. Die Eltern und die drei Geschwister sind verzweifelt: Unter den bürgerkriegsähnlichen Verhältnissen ist die notwendige Behandlung in Syrien nicht möglich: der größte Teil der Krankenhäuser und medizinischen Versorgungszentren speziell im Norden des Landes ist zerstört. Es gibt kaum Medikamente zu kaufen, und die wenigen Medikamente, die zu bekommen sind, kosten horrende Preise. Eine Hungersnot droht. Zu dieser Situation tragen ganz entscheidend die Wirtschaftssanktionen bei, die EU und USA seit 2011 gegen Syrien verhängt haben. In dem mittlerweile völlig verarmten Land, kommt es immer wieder zu Entführungen von Ärzten durch kriminelle Banden, die Lösegelder erpressen wollen. Auch deshalb ist die überwiegende Mehrheit der Ärzte aus Syrien geflohen, eine Katastrophe für die Bevölkerung.

Ayaz Onkel K. Doud lebt seit vielen Jahren in Pfaffenhofen. Er hat sich an die „Freunde von Valjevo“ gewandt und um Unterstützung gebeten. Das hessische Kinder-Herzzentrum am Universitätsklinikum Gießen hat sich bereit erklärt, die Operation zu vergünstigten Konditionen zu übernehmen. Jetzt wollen wir die nötigen Gelder für die Behandlung sammeln. Wir bitten deshalb eindringlich um Spenden auf unser Konto „Freundschaft mit Valjevo“ 8011991 bei der Sparkasse Pfaffenhofen, BLZ 72151650. Stichwort: „Hilfe für Ayaz“. Wenn viele Bürger mithelfen, ist die Rettung dieses Kindes möglich.

Zur Verteidigung von Syrien und Unterstützung seiner Bevölkerung ist ja in unserer Stadt Augsburg bisher so gut wie nichts gelaufen. Die Solidaritätskampagne für den kleinen Ayaz ist eine gute Möglichkeit, das zu ändern.

Peter Feininger

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1] Die syrische Tragödie und die Verantwortung der Bundesregierung. Die Bundesregierung forciert mit dem Embargo Bürgerkrieg und Elend. Die Sanktionen müssen aufgehoben werden, 3.12.2013 http://www.forumaugsburg.de/s_3themen/Syrien/131203_die-syrische-tragoedie-und-die-sanktionen-der-brd/artikel.pdf

2] Eckart Spoo ist Redakteur und Mitherausgeber der Zweiwochenschrift Ossietzky http://www.sopos.org/ossietzky/

5] Spiegel online schrieb damals: Dubioser Syrien-Aufruf: Linke Solidarität mit Schlächter Assad USA und Nato bereiten angeblich einen Krieg in Syrien vor, Deutschland helfe dabei – so steht es in einem Aufruf im Internet, den auch Linken-Politiker unterschrieben haben. Teile der eigenen Parteijugend sind entsetzt über die „Solidarität mit den Schlächtern“. Spiegel online 10.1.2012 http://www.spiegel.de/politik/deutschland/dubioser-syrien-aufruf-linke-solidaritaet-mit-schlaechter-assad-a-808255.html

6] Wirbel um Syrien-Aufruf mehrerer Linken-Abgeordneter „An der Seite des Mörders Assad“ http://www.sueddeutsche.de/politik/aufregung-um-online-aufruf-zu-syrien-kein-linker-ist-mit-assad-solidarisch-1.1256203

8] Berichte aus Syrien: Über die Auswirkungen von Terrorismus und Sanktionen auf das Gesundheitssystem und Beispiele für echte internationale Solidarität http://www.forumaugsburg.de/s_3themen/Syrien/News/130130_gesundheitswesen-in-syrien-wird-terrorisiert.pdf


   
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