Tagebuch einer Reise in ein besetztes Land

Von Matin Baraki

Matin Baraki, Lehrbeauftragter für internationale Politik an der Universität Marburg, stammt aus Afghanistan und bereist sein Land regelmäßig. Das hier veröffentlichte Tagebuch handelt von einer Reise im März 2006, die Matin Baraki nach Kabul und Nordafghanistan führte.

In Matin Barakis knapp skizzierten Eindrücken blitzt die ganze Korruptheit und mörderische Brutalität des von Karsai geführten Statthalterregimes auf. Man spürt aber auch deutlich die Haltlosigkeit und Ausweglosigkeit der Besatzer. Der bedrückende und empörende Bericht Matin Barakis steht in schreiendem Widerspruch zu den beschönigenden Durchhalteparolen des deutschen Auswärtigen Amtes.

Wir bringen weiter unten ein paar Auszüge aus einem Bericht des Auswärtigen Amtes über die dreitägige Stippvisite des Bundesaußenministers Steinmeier im August 2006 in Afghanistan. So nebulös und propagandahaft das deutsche Auswärtige Amt auch formuliert – es schimmert doch durch, welchen ungeahnten Einfluss die BR Deutschland in Afghanistan hat und auf Afghanistan nimmt. Deutschland beteiligt sich nicht nur immer massiver an den Militäraktionen, es ist führend beteiligt am Aufbau des gesamten Polizei- und Grenzregimes in Afghanistan, es kontrolliert den öffentlichen Rundfunk, was in Afghanistan weitaus wichtiger ist als die Presse. Mit Unterstützung des Auswärtigen Amts wurden die internationalen Nachrichten des öffentlichen afghanischen Rundfunks von der Deutschen Welle in Deutschland produziert und in Afghanistan ausgestrahlt!

Steinmeier traf während seiner Reise auch mit dem neuen afghanischen Außenminister Rangin Dadfar Spanta zusammen und kündigte „eine enge persönliche Zusammenarbeit mit seinem Amtskollegen“ an. Wir sind Matin Baraki sehr dankbar, dass er in seinem Reisebericht darauf hinweist, dass dieser neue Außenminister Afghanistans, der 22 Jahre in der BRD gelebt hat, von der deutschen Bundesregierung sorgfältig präpariert wurde. Matin Baraki schreibt:

„Das Amt des Außenministers übernimmt der von der SPD-geführten Bundesregierung nach Kabul delegierte ehemalige Maoist Rangin Dadfar Spanta, der systematisch für diese Aufgabe vorbereitet und protegiert wurde. Spanta war nach einer formalen Gastdozentur an der Universität Kabul zum Berater von Karsai avanciert. Damit hat die BRD neben dem Wirtschaftsminister Mir Mohammad Amin Farhang jetzt mit Spanta zwei gebürtige Afghanen und BRD-Bürger in Schlüsselpositionen positioniert.“

Damit kontrolliert die BR Deutschland nicht nur bestimmte Regionen in Afghanistan militärisch und bald wahrscheinlich auch den ganzen afghanischen Luftraum, nicht nur die Polizei, den Grenzschutz und den Rundfunk sondern offensichtlich auch einen Teil der afghanischen Regierung.

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