Joseph Stiglitz, ehemaliger Chefökonom der Weltbank und profunder Kritiker neoliberaler Wirtschaftsstrategien, nimmt die berüchtigte Schocktherapie aufs Korn, die dem Irak zur Zeit aufgeherrscht wird. Ein hochinteressantes Werk von ihm, das auch auf Deutsch vorliegt, lautet „Im Schatten der Globalisierung“.

In seinem Artikel „Operation Enduring Free Trade“ bezeichnet Aziz Choudry die Handels- und Investitionsstrategie der USA im Mittleren und Nahen Osten als „Offensive“ und schildert diese sehr detailliert.

zwei interessante Artikel zur Ökonomie des Iraks unter Besatzung

Leichter Schützenpanzer M113 in der Joint Base Balad, bei einer äußerst produktiven Aktion. In Balad war einer der größten US-Militärstützpunkte im Irak, 50 km nördlich von Bagdad.
Foto: Dainomite CC BY-SA 3.0 Wikimedia Commons

 

Iraks nächster Schock - Schocktherapie
von Joseph Stiglitz

… Diese Bilanz zeigt, man sollte es sich zweimal überlegen, bevor man erneut zum Mittel der Schocktherapie greift. Aber die Bush-Administration - gestützt auf ein paar handverlesene Irakis - puscht den Irak in Richtung einer noch radikaleren Form der Schocktherapie, vergleicht man sie mit der im ehemaligen Sowjetkosmos. Die Schocktherapie-Befürworter behaupten, das Scheitern der Schocktherapie hänge nicht mit deren exzessivem Tempo zusammen - zuviel Schock, zuwenig Therapie - vielmehr mit zuwenig Schock. Die Irakis sollten sich folglich auf eine noch brutalere Dosis gefasst machen. Natürlich lassen sich sowohl Parallelen als auch Unterschiede zwischen dem Irak und den ehemaligen kommunistischen Ländern finden. Eine Gemeinsamkeit ist, dem Kollaps ging eine umfassende Schwäche der Wirtschaft voraus - wobei der Golfkrieg und die anschließenden Sanktionen die irakische Wirtschaft wesentlich mehr geschwächt haben dürften, als der Kommunismus die Wirtschaft der UdSSR. ... weiter   

 

Operation Enduring Free Trade
von Aziz Choudry

Während sich die US-Streitkräfte in Falluja und quer durch Irak mit Bomben, Mord und Verstümmelungen ihren Weg zu “Freiheit” und “Demokratie” bahnten, wiederholte George Bush am 13. April 2004 vor der US-amerikanischen Öffentlichkeit seine Vision für den Mittleren und Nahen Osten:
„Solange ich Präsident bin, werde ich auf Freiheit drängen. Ich glaube ganz fest an die Macht der Freiheit... Ich glaube auch, und bin davon überzeugt, dass Freiheit nicht das Geschenk dieses Landes an die Welt ist. Freiheit ist das Geschenk des Allmächtigen an jeden Mann und jede Frau auf dieser Welt. Und als größte Macht dieser Welt sind wir verpflichtet, bei der Verbreitung der Freiheit zu helfen.“

Im Mittleren und Nahen Osten, wie überall, bedeutet für die US-Regierung „Freiheit” freie Märkte, freier Handel und Investitionen, und Freiheit für das US-Kapital, zu tun, was es will, wo es will und wann immer es will. Während seine Streitkräfte einen brutalen kolonialen Besatzungskrieg führen und dabei Irak in einen neoliberalen Spielplatz für US-Unternehmen umwandeln, eine Hölle auf Erden für Iraker, einen marktorientierten Vorzeigestaat zur Nachahmung für andere Länder des Mittleren und Nahen Ostens, ist die Handelspolitik der USA in der gesamten Region militärisch auf dem Vormarsch. ...weiter   


   
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