USA: Aktuelles über den Irakkrieg und seine Folgen
2. Veterans Day und was man im Fernsehen nicht sehen wird

... Die maßgebenden Mitglieder dieser Regierung nehmen weder an Begräbnissen noch an Gedenkgottesdiensten für die im Irak gefallenen Soldaten teil. Leichensäcke – die man jetzt als „transfer tubes“ (Röhren zur Überführung) bezeichnet – dürfen nicht fotografiert werden. Die Stadt Dover (Delaware), wohin die Leichen in die USA zurückgebracht werden, ist off limits.
Die Amerikaner sollen möglichst wenig über die wahren Opfer des Krieges erfahren, deren Zahl mittlerweile in die Tausende geht. Die Regierung spricht nur vom „Fortschritt“, die amerikanischen Kriegsopfer werden nicht erwähnt. ...
Anders als das Pentagon uns glauben macht, ist die Stimmung unter den Bodentruppen miserabel. Soldaten werden für gefahrvolle Aufgaben eingesetzt, für die sie gar nicht ausgebildet sind.
Weil wir für den wachsenden Widerstand viel zu wenig Truppen haben, sind die Soldaten übermüdet und überarbeitet. Die Mitglieder der Nationalgarde und der Reserven werden schändlich behandelt. Viele wurden für drei Monate einberufen, aber später wurde ihnen erklärt, dass ihr Einsatz verlängert wird. So werden ihre Familien auseinander gerissen. Viele von ihnen die verwundet sind, werden in primitive Baracken gepfercht wo sie wochenlang warten müssen, bis sich ein Arzt um ihre Verletzungen kümmern kann. ...

Auch an den Veteranen wird gespart. Wir haben in Amerika 600 000 arbeitsunfähige Veteranen, diese Soldaten sind die einzigen Angestellten der US-Regierung, die zusätzlich zu ihrer Pension keine Behindertenrente beziehen können – und die hätten das doch am meisten verdient. ... weiter   

Jesse Jackson in der Chicago Sun Times

 

How Many Body Bags? (Wie viele Leichensäcke?)

... Als Erstes sollten wir der Behauptung von Bush, der Irak sei ein Zentrum des internationalen Terrorismus, widersprechen. Das war nicht wahr, aber jetzt, wenn tatsächlich Terroristen in den Irak kommen, um auf Amerikaner zu schießen, werden wir dazu gezwungen dort zu bleiben, um gegen sie zu kämpfen.
„Wir werden nicht davon laufen,“ erklärte Bush, damit zeigte er offen seine Gleichgültigkeit gegenüber dem Schicksal der Soldaten, die diese Politik ausbaden müssen. Es bedeutet nämlich, dass unsere jungen Männer und Frauen als Lockvögel missbraucht werden um eine begrenzte Anzahl von arabischen Fanatikern auf sich zu ziehen, die dann endgültig unschädlich gemacht werden sollen.
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Robert Scheer in der LA-Times

 

Die Folgen des Krieges: Was man im Fernsehen nicht sehen wird

... Und was passiert mit denen, die auf Krankenbahren oder in Rollstühlen im Andrews Air Force Base ankommen, und nicht in Aluminiumröhren in Dover? „Die Verwundeten,“ sagte der Demokratische Senator von Vermont im Oktober, „werden nach Mitternacht eingeflogen, um sicher zu gehen, dass niemand von der Presse die Ankunft der Flugzeuge bemerkt.“ Das Nachrichten-Blackout soll angeblich die Privatsphäre der Betroffenen schützen. Aber in Wirklichkeit geht es hier um den „Dover-Test“ ... der besagt, je größer die Zahl der Särge, die aus Übersee in Dover ankommen, desto geringer wird der Appetit der Amerikaner für den Krieg. ...

Unter diesen Umständen wird für die US-Regierung immer schwerer neue Truppen aufzubieten: Die Nationalgarde und die Reservisten, die eigentlich nur beim Militär geblieben sind um sich ein oder zwei mal im Jahr beim Kriegspielen austoben zu können, werden jetzt alle im Irak eingesetzt. Sogar die sog. „Old Guard“, die seit dem Ende des Vietnamkriegs nur noch zu repräsentativen Anlässen wie Paraden oder Ehrengarden eingesetzt worden sind, müssen nun in den Krieg. Dabei wird, wie auch im letzten Irakkrieg rücksichtslos vorgegangen. Eltern müssen ihre Kinder verlassen, auch wenn niemand da ist, der sich um sie kümmert. Falls sie sich weigern, werden sie mit dem Militärgericht bedroht. ...weiter   

Pat Morrison, LA-Times


   
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