Streik in der Basra Ölraffinerie in Sheiba im Juni 2003. Den Arbeitern war ihr Lohn seit dem Beginn der Invasion und der Besatzung im März nicht mehr ausgezahlt worden. 100 Arbeiteraktivisten, die sich durch die Auflage, sich bei KBR zu melden, erniedrigt fühlten, blockierten die Straße vor der Raffinerie und konfrontierten die britischen Truppen in einer 5-Stunden dauernden Belagerung. Nach Verhandlungen mit den Besatzungsbehörden erhielten die Arbeiter ihr Geld noch innerhalb desselben Tages. Quelle: Informationsbroschüre der Allgemeinen Gewerkschaft der Beschäftigten im Ölsektor im Irak

»USA raus!

Proteste gegen Besatzung im Irak dauern an. Weltweiter Truppenrückzug der USA gefordert

In der kommenden Woche steht den Besatzungstruppen im Irak die vermutlich größte antiamerikanische Demonstration ins Haus, die in dem Zweistromland jenseits staatlich organisierter Manifestationen jemals stattfand. Der Vorsitzende der wichtigsten schiitischen Oppositionsgruppe im Irak, Ayatollah Mohammed Bakr Al Hakim, ruft zu einem »großen religiösen Treffen« auf. »Alle Schiiten« sollen in den Pilgerort Kerbala südlich von Bagdad kommen … Bereits am Dienstag hatten in der südirakischen Stadt Nasirija 20000 Iraker gegen die US-Besatzung demonstriert. Nach dem Freitagsgebet forderten Zehntausende Iraker in Bagdad den umgehenden Abzug der US-Truppen.

Nach kommunistischen Parteien aus sechs arabischen Ländern (siehe junge Welt vom 17./18. April) rufen auch Linke in Israel zum gemeinsamen Kampf gegen die US-Besatzung am Golf auf. Notwendig sei eine »breite antiimperialistische Kampagne im gesamten Nahen Osten«, erklärte Yshai Kalmanovitch vom Vorstand des Israelischen Kommunistischen Forums gegenüber junge Welt.

Kommunisten aus Jordanien, Sudan, Syrien, Libanon, Ägypten und Palästina hatten zuvor in einem gemeinsamen Kommuniqué »alle nationalen und fortschrittlichen arabischen Kräfte« aufgefordert, »eine möglichst breite Front des Widerstands gegen die Aggression zu bilden und dabei von allen Mitteln und alle Potentialen Gebrauch zu machen sowie gegen die Auswirkungen des Krieges zu kämpfen, und zwar örtlich wie regional«. Die Bevölkerung müsse Druck auf ihre jeweilige Regierung ausüben, »den Invasoren nicht länger Einrichtungen zur Verfügung zu stellen und eine Haltung einzunehmen, die der nationalen und patriotischen Pflicht sowie den arabischen Verteidigungsabkommen entspricht«. Ziel des gemeinsamen Kampfes sei der »Rückzug der Invasoren aus dem Irak«.

In der neuen Ausgabe der Zeitschrift New Left Review (Mai-Juni 2003) ruft auch der weltweit bekannte Schriftsteller Tariq Ali zur Unterstützung des irakischen Widerstands gegen die Besatzungsherrschaft auf. Abzulehnen sei zudem jede Art von UN-Regime für den Irak, mit dem die britisch-amerikanische Invasion nachträglich gerechtfertigt würde. »Die Aggressoren sollen die Kosten für ihre imperialen Ambitionen selbst tragen«, fordert Tariq Ali in dem im Internet vorab verbreiteten Artikel. Jede Art der Rekolonisierung des Irak müsse bekämpft werden. … aus junge Welt 19.4.2003

 
 

Die wahren Absichten der Eroberer

Bomben auf Bagdad lösen kein einziges der in den USA drängenden Probleme

Von Mumia Abu-Jamal

Obwohl der Irak die Vereinigten Staaten zu keiner Zeit bedrohte, hat die US-Regierung ihrer Bevölkerung weisgemacht, sie müsse gegen dieses Land in den Krieg ziehen. Der Bush-Regierung war es von Beginn an daran gelegen, der ganzen Welt ihre militärische Potenz vorzuführen. Und seitdem die erste Bombe gefallen war, wurde die Bevölkerung von den Medienkonzernen dazu aufgefordert, diesen Kriegsgang zu unterstützen, und sei es auch nur, um den Soldaten den Rücken zu stärken. »Unterstützt die Truppen!« heißt ihr jüngstes hirnloses Mantra, als wenn es die Truppen gewesen wären, die sich entschlossen hätten, in den Krieg zu ziehen. Als ob Soldaten je ihre eigenen Entscheidungen treffen könnten.

Militär hat mit Demokratie nichts zu tun. Die amtierende US-Regierung auch nicht, aber das ist ein anderes Thema. Es hat noch nie eine Armee gegeben, in der die Soldaten die militärischen Entscheidungen getroffen hätten. Offiziere erteilen die Befehle, und in der Regel erhalten sie die von der politischen Führung ihres Landes. Deshalb ist die Forderung nach Unterstützung der Truppen die verkappte Aufforderung, die Kriegstreiber in Washington zu unterstützen, die zur Zeit Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um den Dritten Weltkrieg auszulösen.

Es ist ein Trugschluß anzunehmen, die Bomben auf Bagdad seien die Lösung für irgendein drängendes Problem der USA. Das Gegenteil ist der Fall. Jetzt fangen die Probleme erst an. Überall auf der Welt sehen Menschen die US-Soldaten nicht als »Befreier«, sondern als feindselige Invasoren, denen es völlig egal ist, was die UNO oder sonstwer außerhalb ihres eigenen Dunstkreises richtig findet.

Bevor man sich in das Irak-Kriegsabenteuer stürzte, wurde die besorgte Öffentlichkeit durch kriegsbefürwortende Kommentatoren damit beruhigt, die irakische Bevölkerung werde die US-Soldaten mit Blumen und Küssen begrüßen. Es gab ein paar Küsse. Aber seit wann riechen Blumen nach Schießpulver?

Wir werden zu Zeugen einer neuen Ära des Kolonialismus, erleben die Eröffnungssalven der Neuen Weltordnung. Dieser angeblich freundlichere, gemäßigtere »humanitäre Imperialismus« verspricht »Befreiung«. Aber was, wenn die Betroffenen diese Art von »Befreiung« partout nicht wollen? Dann werden sie von den Medienkonzernen als »Terroristen« gebrandmarkt, und die USA »befreien« sie von Leib und Leben. … aus junge Welt, 19.4.2003

 

Bush hat den Freihandel nicht aufgegeben, er hat nur eine neue Doktrin aufgestellt:

"Bombe, bevor du kaufst."

Wiederaufbau des Iraks? / Rebuilding Iraq?
Nichts anderes als Privatisierung! / It's privatization in disguise

Von Naomi Klein

Es gibt nicht wenige, die behaupten, es wäre zu einfach zu sagen, bei diesem Krieg gehe es um Öl. Sie haben Recht. Es geht um Öl, Wasser, Straßen, Eisenbahnen, Telefonsysteme, Häfen und Medikamente. Und wenn dieser Prozess nicht zum Halten gebracht wird, findet im "freien Irak" der größte Ausverkauf der Welt statt.
Man nennt den Prozess, die Infrastruktur wieder funktionstüchtig zu machen, "Wiederaufbau". Aber die amerikanischen Pläne über die Zukunft der irakischen Wirtschaft gehen darüber hinaus. Vielmehr wird das Land als leere Tafel betrachtet, auf der die ideolologischen Verfechter des Neoliberalismus in Washington ihre Traumwirtschaft planen können: vollkommen privatisiert, im Besitz ausländischer Unternehmen und offen für den Handel.
Hier sind einige Glanzpunkte: Der Vertrag über die Verwaltung des Hafens Umm Qasr im Wert von 4,8 Millionen Dollar ist bereits an eine amerikanische Gesellschaft, die Stevedoring Services of America, gegangen und die Flughäfen stehen zur Versteigerung bereit. Das amerikanische Büro für internationale Entwicklung (US Agency for International Development) hat US-amerikanische multinationale Konzerne eingeladen, um für alles Mögliche, von der Wiedererrichtung der Straßen und Brücken bis zum Druck von Lehrbüchern, Angebote abzugeben. Die meisten Verträge erstrecken sich über ein Jahr, aber andere enthalten Optionen, die bis zu vier Jahre verlängert werden können. Wie lange wird es dauern, bis diese in langfristige Verträge für privatisierte Wasserversorgungssysteme, Transitstrecken, Straßen und Schulen und das Telefonsystem übergehen? Wann wird aus dem Wiederaufbau eine verschleierte Privatisierung? ...
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Plündern nach Plan

Augenzeuge aus Schweden: Bewohner von US-Armee zu Zerstörungen angestiftet

Von Rüdiger Göbel

Eine Woche nach dem Einmarsch der Invasionstruppen in die irakische Hauptstadt Bagdad dauern dort Plünderungen und Brandstiftung an. Weltweite Empörung hat vor allem der Sturm auf Krankenhäuser und die systematische Brandschatzung des archäologischen Museums am vergangenen Samstag hervorgerufen. Nur noch drei von 32 Kliniken in Bagdad waren nach den Plünderungen arbeitsfähig. Für Sicherheit und Ordnung in der besetzten Stadt wären eigentlich die US-Truppen verantwortlich. Mittlerweile sind auch die Nationalbibliothek und das Staatsarchiv zerstört worden. »Bücher, Briefe und unbezahlbare Dokumente gingen in diesem Schlußkapitel der Plünderung von Bagdad in Flammen auf«, schrieb der bekannte britische Journalist Robert Fisk im Guardian am Dienstag. »Ich sah die Plünderer, und die Amerikaner taten nichts«, empörte sich Fisk. Ein Dozent von der Universität im schwedischen Lund erhob am Donnerstag gegenüber junge Welt noch schwerere Vorwürfe. Die US-Truppen haben demnach beim Einmarsch die Bewohner Bagdads sogar zu den Zerstörungen angestiftet.

»Die Plünderungen begannen erst, als US-Truppen die Bevölkerung dazu aufgefordert hatten«, schilderte Khaled Bayomi seine Erlebnisse in Bagdad. Der gebürtige Ägypter lehrt und forscht an der Universität in Lund über die Konflikte im Nahen Osten. Bei Kriegsbeginn war der 40jährige als »menschliches Schutzschild« in die irakische Hauptstadt gefahren. Am 8.April, dem Vorabend der endgültigen Eroberung Bagdads, hatte Khaled Bayomi nach eigenen Angaben in einem Armenviertel hinter der Haifa-Straße auf der Westseite des Tigris Freunde besucht. Aufgrund heftiger Kämpfe sei es unmöglich gewesen, auf die andere Seite des Flusses zu gelangen. »Als es am Nachmittag ruhiger wurde, positionierten sich vier amerikanische Panzer am Rande des Slumviertels.« Über Lautsprecher sei die Bevölkerung auf Arabisch aufgefordert worden, näher zu kommen. »Am Morgen war noch auf jeden geschossen worden, der auch nur versucht hatte, die Straße zu überqueren«, so Khaled Bayomi.

Aufgrund der relativen Ruhe hätten die Menschen langsam Mut gefaßt. Nach einer Dreiviertelstunde seien die ersten auf die Straße gekommen. Plötzlich hätten die US-Soldaten zwei Sudanesen, die vor einem Verwaltungsgebäude in der Haifa-Straße standen, erschossen. »Ich war nur 300 Meter entfernt, als die Männer ermordet wurden«, berichtet Khaled Bayomi weiter. Am Tag davor habe er mit den beiden Arbeitern noch gesprochen. Danach hätten US-Truppen die Eingangstür aufgeschossen. »Der arabische Übersetzer im Panzer hat die Menschen aufgefordert, in das Gebäude zu gehen und es auszuräumen.« Das Gerücht habe sich rasch verbreitet, und das Gebäude sei geplündert worden. »Kurz darauf haben Panzer die Türen des benachbarten Justizministeriums aufgebrochen, und die Plünderung wurde dort fortgesetzt«, beschreibt Khaled Bayomi die Initialzündung zum Brandschatzen in Bagdad. Schließlich habe die US-Armee die erhofften Bilder von Irakern gehabt, die ihr Mißfallen mit dem Regime Saddam Husseins bekundet hätten.

Er selbst habe dies alles zusammen mit einer größeren Gruppe von Einwohnern Bagdads beobachtet. Sie hätten sich an der Plünderung nicht beteiligt, aber auch Angst gehabt, dagegen einzuschreiten. »Vielen standen Tränen in den Augen, aus Schande«, so Khaled Bayomi gegenüber junge Welt. Am Morgen des 9. April sei die von US-Truppen iniitiierte Plünderung auf das Museum für moderne Kunst ausgeweitet worden.

Ab einem bestimmten Zeitpunkt schließlich haben sich die Plünderungen verselbständigt. Vier Wochen nach Beginn des illegalen US-Krieges ist die kulturelle Identität des Irak weitgehend zerstört. In der Geschichte des Zweistromlandes wird 2003 zum Jahr Null. … junge Welt 17.4.2003

 

Das Hollywood-Heldendrama im Irak

Schönheit erregt Aufmerksamkeit, meistens positive, manchmal negative ( Provokante Schönheit). Auf jeden Fall ist sie ein Unterscheidungsmerkmal, das die Soldatin aus der - relativ kleinen - Menge der anderen Gefangenen hervorhebt. Sofort können Phantasien blühen, die seit Jahrhunderten in der westlichen Vorstellung schaurig-wohlig sprießen, und die durch Rumsfelds und Bushs düstere Skizzen der irakischen Soldateska neue Nahrung erhalten. Die Iraker würden ihre Gefangenen nicht gemäß der Genfer Konvention behandeln, so der amerikanische Präsident, während sich die US-Streitkräfte sogar der verletzten Iraker annähmen. Und nun eine schöne, junge Amerikanerin in den Händen des irakischen Militärs!
Eine Urangst des Abendlandes: die vermutete Gier des Orients nach westlichen schönen Frauen. Als die Belagerung Wiens durch die Türken erfolglos war, endete die Bedrohung Europas durch orientalische Armeen. Seitdem gehört die Vorstellung, "unsere" Frauen könnten entführt und in Harems gefangen gehalten werden, zum Kanon der sexuell eher angenehm besetzten Phantasien...
Später ist auf BBC zu hören, das US-Militär habe berichtet, Jessica sei wirklich heldenhaft gewesen. Sie habe ihre Kameraden sterben sehen und dennoch weiter gekämpft, selbst mehrmals getroffen. Sie kommt aus bescheidenen Verhältnissen, wollte eigentlich Lehrerin werden und braucht dafür das Geld der Army. Ein natürliches, hübsches Mädchen, "a girl next door", das bedeutet: Jede(r) kann HeldIn werden, und ist dabei Teil einer beschützenden Bruderschaft, die kein Mitglied im Stich lässt. Alle Zutaten sind vorhanden. Man braucht fast nicht einmal mehr ein Drehbuch für das mit Sicherheit folgende filmische Heldenepos zu schreiben... weiter bei telepolis
  

Jessica Lynchs medienwirksam dargestellte Rettung, 2.4.203 Foto: gemeinfrei Wikipedia Jessica Lynch, pose at the doorway for the new Fisher House at Walter Reed Army Medical Center in Washington April 28, 2004. Foto: gemeinfrei Wikipedia

Widersprüchliche Tätigkeiten

von Michael Moore

9.4.2003 Znet

Liebe Freunde,

Es scheint, als werde die Bush Administration bei der Kolonialisierung des Iraks irgendwann in den nächsten Wochen Erfolg haben. Dies ist ein Stolpern von gewaltiger Größe - und wir werden die kommenden Jahre dafür bezahlen. Dieser Krieg war nicht ein einzelnes Leben eines Amerikaners in Uniform wert, geschweige denn das der tausend Iraker, die umgekommen sind, und mein Beileid und meine Andacht geht an alle von ihnen.

Also, wo sind nun die all die Massenvernichtungswaffen, die als Vortäuschung für diesen Krieg dienten ? Ha ha !, über all das gibt es so vieles zu sagen, aber ich spare es mir für später.

Was mich im Moment am meisten trifft, ist, dass alle von euch - die Mehrheit der Amerikaner, die in erster Linie diesen Krieg nicht unterstützten - nicht still werden oder von dem eingeschüchtert sind, was als großer militärischer Sieg bezeichnet werden wird. Genau jetzt, mehr als jemals zuvor, müssen die Stimmen des Friedens und der Wahrheit gehört werden. Ich habe eine Menge Post von Leuten erhalten, die einen tiefgreifenden Sinn von Verzweiflung fühlen und glauben, dass ihre Stimmen von den Trommeln und Bomben falschen Patriotismus ertränkt wurden.

Einige haben Angst vor Vergeltung auf der Arbeit oder in der Schule oder in der Nachbarschaft, weil sie mit ihrer Stimme den Frieden verkündet haben. Ihnen wurde immer und immer wieder erzählt, dass es nicht “angemessen” sei zu protestieren, wenn das eigene Land im Krieg ist, und dass es jetzt ihre einzige Pflicht wäre “die Truppen zu unterstützen”. Darf ich mit Dir das Gefühl teilen, wie es für mich gewesen ist, als ich vor zwei Wochen auf der Oskar-Bühne die Gelegenheit nutzte um mich gegen Bush und gegen diesen Krieg auszusprechen ? Ich hoffe wenn du das liest, was ich jetzt erzähle, dass du dich ein bisschen mehr ermutigt fühlst deine Stimme in irgendeiner Weise (od. in einem Forum), welche dir offen steht zu erheben. ... weiter bei Lebenshaus Schwäbische Alb  

 


   
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