Irakkrieg vor dem Ende?
Stellungnahme des Bundesausschusses Friedensratschlag: Militärischer Sieg, politische Niederlage für USA

Auch wenn es noch etwas voreilig ist, das Ende des Irakkriegs zu verheißen, dürfte die Aussicht auf ein baldiges Abflauen der Kämpfe gestiegen sein... Wir teilen die "Freude" des Kanzlers und der CDU/FDP-Opposition ausdrücklich nicht. Wir können keine Freude darüber empfinden, dass eine Aggressionsstreitmacht einen völkerrechtswidrigen Krieg für sich entschieden hat. Wir können nicht einfach zur Tagesordnung des "Aufräumens" und der humanitären Hilfe für die geschundene Bevölkerung übergehen, solange die Invasoren das Land besetzt halten und mit anderen Mächten um die Verteilung der "Kriegsbeute" schachern. Die Vereinten Nationen und die Staaten der Nein-Sager dürfen nicht den Angriffskrieg im nachhinein dadurch legitimieren, dass sie jetzt mit den Aggressoren gemeinsame Sache machen...
Eine große Verantwortung steht der Friedensbewegung aber noch bevor: Sie muss neue Antworten finden auf die Herausforderungen der irakischen Nachkriegszeit, die zugleich eine Vorkriegszeit für andere von den USA ins Visier genommene Staaten ist... weiter  
 
Will das US-Militär Journalisten töten?
Zuerst killten die Amerikaner den Al-Dschasira-Korrespondenten, sein Kameramann wurde verletzt. Das war gestern. Nur 4 Stunden später griffen sie das Reuters TV-Büro in Bagdad an. Ein Reuters-Kameramann sowie ein Kameramann des spanischen Senders 'Tele 5' wurden getötet u. vier weitere Reuters-Mitarbeiter verletzt. Soll man ernsthaft glauben, das alles seien Unfälle gewesen? Lautet das richtige Wort für diese Tötungen nicht vielmehr 'Mord'? Die erste Aktion wurde mit einem Jet ausgeführt, die zweite mit einem M1A1-Abrams-Panzer...
Die Amerikaner dürften große Probleme haben, diese Sache zu erklären. Zur Erinnerung: 2001 feuerten die USA eine Cruise Missile auf das Al-Dschasira-Büro in Kabul ab - von wo Videobänder mit Osama bin Laden in alle Welt ausgestrahlt wurden. Nie wurde erklärt, wie es zu diesem unerhörten Angriff gekommen war - in jener Nacht vor der "Befreiung" Kabuls. Der Kabuler Korrespondent (für Al-Dschasira) Taiseer Alouni überlebte den Angriff unverletzt. Es gehört zu den merkwürdigen Zufällen im Journalismus, dass Alouni sich gestern auch im Bagdader Büro aufhielt, als dieses beschossen wurde. Zum zweiten Mal erlebte dieser Mann also einen USAF-Angriff auf Al-Dschasira mit. … zum gesamten Artikel auf Englisch, von Robert Fisk, The Independent, 9.4.2003   
 
In Kontakt mit Bagdad - Update 55
Keine Party in Bagdad - Während vor dem Hotel Palestine Militärkameras die Bilder von die Befreiung feiernden Menschen produzierten, merkten 5.000.000 nicht, dass Party war - die Bevölkerung, die seit Tagen Hunger und Durst hat, hat Lebensmittelmärkte und Villen der Bagdader feinen Gesellachaft aufgesucht, um Esbbares und sonst irgendwie brauchbares zu finden - Gefeiert wird nicht - Ein viertel der Behausungen Bagdads ist zerstört - Die Menschen bereiten sich auf eine weitere Nacht der Schmerzen, der Angst, des Leidens und Hungerns vor - In den Krankenhäusern wird weiter gestorben und weiter ohne Betäubung amputiert - Der "Financial Times" Korrespondent Charles Clover beschreibt eine Al-Jazeera Luftaufnahme von Bagdad: jubelnde Menschenmassen sind nirgends zu sehen...
Es ist ein Fest in Bagdad. Die Befreier sind gekommen. Die US-Panzer sind wie im Laufschritt vor dem "Palestine" und dem "Sheraton" angekommen, und haben sogar auf den Parkplatzinseln Platz genommen. Sie sind schnell abgestiegen, die Soldaten, mit Waffen und Kameras. Sie haben beim Eintreten durch die breiten, sich nach innen öffnenden Glastüren Schwierigkeiten gehabt, in die Hotelfoyers zu kommen. Die Journalisten der TV-Networks haben sie abgewiesen. Sie haben versucht, sie abzuweisen. Sie wollten nicht an der Party teilnehmen. Sie riefen die Namen der beiden gestern getöteten Kollegen, die durch diese vorsätzlich zwischen den 14. und 15, Stock gerichteten Kanonschläge getötet wurden. Sie sind mit Gewalt hineingekommen. Sie werden es getan haben, um zu feiern.
Die Stimme meines Kontaktes erreicht mich richtig klar, wie durch ein Wunder haben die Leitungen vor nicht länger als einer Stunde wieder angefangen, zu funktionieren. Und er erzählt mir nicht von einer Party. Die Bewohner von Bagdad sind zu keiner Party eingeladen worden. Obwohl sich die amerikanischen Truppen sich mit Kanonenschlägen und weiter zivile Wohnungen zerstörend in der Stadt breit machten, nachdem sie den Widerstand der "Fedayn" gebrochen hatten. Die Iraqis jagend, die nicht wussten, dass in der ganzen Stadt Party war. Hunderte sind die Leichen, deren Eingeweide im Wind liegen, die fliegen um die Augenhölen haben. Wo sind die Fernsehsender? weiter bei Indymedia   
 

Und sie nennen sie Plünderer
In Bagdad sind viele Kids unterwegs, die in den besseren Wohnvierteln in den Luxusvillen nach allem Möglichen suchen - Ein unabhängiger Reporter hat eine Vormittag lang eine Gruppe Kids bei ihren Streifzügen begleitet - Kids, die nie oder kaum etwas anderes als das Elend des Embargos und Armut gekannt haben - Und sie nennen sie Plünderer. weiter bei Indymedia   

 

US-Bundesstaat Irak
Paul Wolfowitz konkretisiert Pentagon-Vorstellungen zur Nachkriegsherrschaft

Der stellvertretende US-Kriegsminister Paul Wolfowitz konkretisierte am Donnerstag (Ortszeit) im Washingtoner Senat die Pentagon-Planung für eine, auch zeitlich, grenzenlose Kontrolle der Siegermacht über Nachkriegs-Irak. Während für Einheimische repräsentative Rollen vorgesehen sind, darf die UNO, wenn sie will, in Bagdad an einem Katzentisch Platz nehmen. Vom europäischen Antikriegsblock, der am Freitag abend in St. Petersburg zusammentrat, verlangte Wolfowitz Geld in Form eines Schuldenerlasses für Irak.
Die nun beginnende Umsetzung der Pentagon-Vorstellungen hätte quasi eine Art inoffiziellen, durch Washington regierten 51. US-Bundesstaat namens Irak zur Folge... junge Welt 12.04.2003

 
The war must go on
US-Stimmungsmache gegen Syrien und Iran
Als vor drei Wochen die Aggression gegen den Irak begann, sprachen sich die kriegsskeptischen Regierungen in Europa für ein schnelles Ende des anglo-amerikanischen Angriffskrieges, das heißt für einen schnellen Sieg der Invasoren, aus. Der Umsturz der politischen Verhältnisse im Irak als Kriegsziel wurde von den vorgeblichen Gegnern eines illegitimen Krieges stets als legitim anerkannt. Die Hoffnung auf ein schnelles Kriegsende mag sich spontan auch vielen ehrlichen Friedensaktivisten aufgedrängt haben. Das war eine falsche, einer künftigen gerechten Friedensordnung abträgliche Hoffnung. Die rasche Unterwerfung des Irak hat die Bushisten in einen Kriegsrausch versetzt, der – im Wortsinn – keine Grenzen mehr kennt.
Als nächstes stehen Syrien und der Iran auf der Abschußliste... junge Welt 12.04.2003
 
Aufstandsbekämpfung
»Counterinsurgency« – »Aufstands- bzw. Aufruhrbekämpfung« – bildet seit den imperialen Feldzügen westlicher Kolonialmächte in Afrika, Lateinamerika und Asien einen integralen Bestandteil ihrer Strategie zur Unterwerfung der einheimischen Bevölkerungen. Die »Pazifizierung« (»Befriedung«), das gewaltsame militärische Draufgängertum, ist eine Seite der Counterinsurgency, deren Rückseite demonstrativ säuselndes Gutmenschentum bildet. Heute zeigt sich das in Gestalt massenhaft gefilterter und gestellter Bilder der Mainstream-Medien, die in hemmungslosen Endlosschleifen die »Koalition der Unwilligen« mit der Message traktieren, Kriege seien eigentlich aufopfernde Friedenseinsätze. So paßt ins Bild, daß GIs Kaugummis verteilen, medizinische Hilfe leisten und – in humanitärer Arbeitsteilung – britische Soldaten als verkappte Entwicklungshelfer und (Trink-)Wasserträger paradieren. Offensichtlich haben die Militärs aus der Vergangenheit einiges dazugelernt. … junge Welt 12.04.2003
 

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Basra, Bagdad, Barbarei
... Der Krieg wäre sicherlich nicht in 3 Wochen zu beenden gewesen, wenn die Invasionstruppen versucht hätten, den ganzen Irak zu besetzen. Im Grunde taten sie sich in den ersten 14 Tagen schon schwer, das 4000-Seelen-Nest Umr Qasr einzunehmen, wo bis zuletzt gekämpft wurde. Stattdessen wurde ein beispielloser Durchmarsch unter Umgehung der irakischen Siedlungen und Städte gestartet...
Selbst Bagdad wurde nicht „eingenommen“, auch wenn es noch so oft im Fernsehen behauptet wird. Wer jemals ein Luftbild dieses Stadtmolochs gesehen hat, dem wird klar sein, dass es mehr als der 7.000 amerikanischen Soldaten bedarf, die in Bagdad einrückten, um diese Stadt zu „erobern“. Daher drängt sich die Vermutung auf, dass es nie um Eroberung ging, sondern nur um Zerschlagung, nicht um die Etablierung neuer nationaler Machstrukturen, sondern lediglich um die Zerstörung der bestehenden. Der „neue“ Irak wird daher eher ein ganz „alter“ Irak werden, zurückgebombt in die vorkoloniale Phase feudaler Stammesstrukturen und regionaler Gemeinschaften. Das Ende des Krieges im Irak ist somit das Ende der Staatlichkeit des Irak selbst... weiter bei Indymedia   

 


   
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