Marsch gegen den Irakkrieg, London, September 2002 Foto: William M. Connolley CC BY-SA 3.0 Wikimedia Commons

Die Bomber fliegen, die Aktienkurse steigen, die Zeit des endlosen Gewäsch’s der Kriegsberichterstatter ist angebrochen. Zunächst wollte die US-Militärpropaganda mit der Ankündigung der Kriegstaktik „shock and awe“ den Irak und die weltweite Friedensbewegung demoralisieren. Diese von den Geheimdiensten genährte Medienkampagne dürfte bereits gescheitert sein. Die Nachrichtenagenturen bestätigen, dass sich die weltweiten Proteste gegen die Militäraktion am dritten Kriegstag intensiviert haben. Im Irak treffen die Invasoren an vielen Punkten auf Widerstand. Hier einige Schlaglichter auf das Widerstandsgeschehen, die sich manchmal im Gewirr der bürgerlichen Medien finden, meist aber aus unabhängigen Quellen im Internet stammen:

Weltweiter Widerstand
Eine halbe Million Menschen demonstrierten in Griechenland. Kairo ist im Belagerungszustand, weil die Volksmassen auch mit dem eigenen Regime abrechnen wollen. In Jordanien wurde trotz Verboten demonstriert, die arabische Welt ist in Aufruhr. In den kriegführenden Ländern USA und Großbritannien lassen die Proteste nicht nach. Die britische Airbase Fairford, von der die B-52-Bomber starten, ist von Demonstranten belagert. Der irische Flughafen Shannon an der Westküste Irlands ist - oder besser: war - einer der wichtigsten Umschlagpunkte für die USA, um Soldaten und Material im Rahmen ihrer Kriegsvorbereitungen in den Nahen Osten zu fliegen. Kriegsgegner haben das Gelände und die Hangars dreimal gestürmt und die Maschinen mit Äxten flugunfähig gemacht. Mittlerweile haben drei der vier us-amerikanischen Fluggesellschaften, die diese Transporte fliegen, jeglichen Flugverkehr über Shannon aus Sicherheitsgründen eingestellt. Die britische Kampagne „Reclaim the bases” (an event - aiming at stopping/disrupting the war machine across the UK) hat sich inzwischen neun Basen vorgenommen.
In New York sollen gestern eine Viertel Million demonstriert haben, auch in anderen US-Städten gab es Proteste trotz Massenverhaftungen von Kriegsgegnern. In Australien beteiligten sich auch 2000 Soldaten an den Antikriegsaktionen; das ist besonders brisant, da Australien das drittstärkste Kontingent in der Kriegsallianz stellt. In Madrid haben gestern erneut über eine Million Menschen demonstriert. Die Polizei ging erneut mit unerhörter Brutalität gegen die Demonstranten vor. Ein von Indymedia zitierter Korrespondent schreibt: „Das Unglaubliche, was passiert ist in diesen Tagen dringt nicht nach außen, weil es nicht verbreitet wird. … Diese Vorkommnisse sollten den Sturz der Regierung zur Folge haben müssen…“
Neben einer Großkundgebung in Berlin dürfte gestern wohl in Frankfurt unter Verbotsdruck und Polizeirepression eine wichtige und sehr große Aktion von Kurden stattgefunden haben (zwischen 25.000 und 100.000!?).

Aus dem Irak
Die Armeen der Angreifer scheinen an vielen Fronten auf erheblichen Widerstand zu treffen. Indymedia berichtet, gestützt auf BBC und CNN, heute um 15.34: „Irak: Vormarsch gestoppt –Hafenstadt Umm Qasr nicht erobert. Nasirijah gehalten“:
Mehrere Stunden zeigten BBC und CNN am Morgen Live-Bilder vom Häuserkampf in Umm Qasr. "Die Aggressoren sind in die Falle getappt", mit diesen Worten eröffnete der irakische Informationsminister heute morgen eine in der Folge anberaumte Pressekonferenz. Es seien weder der strategisch wichtige Hafen Umm Qasr direkt an der kuwaitischen Grenze noch die Stadt Nasirijah im Südirak unter Kontrolle der Angreifer. Später mussten die Amerikaner schwere Kämpfe bestätigen. Der irakische Minister erklärte: "Die Söldner der Kolonisatoren sind in Panik versetzt worden. (...) 6 Millionen Militante der arabischen sozialistischen (Baath-) Partei sind unter Waffen." In der Konsequenz würden die weltweiten Agressionspläne der "Gang im weißen Haus" vereitelt. Überprüfungen der Behauptungen haben ergeben, dass die irakischen Angaben im Kern zutreffen. (Quelle: Indymedia 2003)
Es sollen auch bereits anglo-amerikanische Soldaten gefangen genommen worden sein. Es gab auch Meldungen, die USA hätten den Aufmarsch vom Norden des Irak, also die zweite Front, die die Südfront entlasten sollte, aufgegeben! Der Sender Aljazeerah berichtet, dass der Zusammenhalt der Iraker größer sei, als allgemein angenommen. Wir „erinnern Sie daran, dass jeder im Irak höchstens zwei Verwandte weg von Bagdad ist“ (Quelle: www.aljazeerah.info)
Aus Bagdad selbst wird berichtet, das die Bomben „das urbane und historische Stadtzentrum von Bagdad“ in einen „immensen Scheiterhaufen“ verwandelt haben. Wer ausschließlich von „Präsidentenpalästen“ spreche, tue dies wider besseres Wissen. Diese befinden sich nämlich mitten in dicht besiedelten Wohn- und Einkaufsvierteln. Der Wind hält weiter an und das Zentrum Bagdads ist wortwörtlich in Flammen… (Quelle: Indymedia 2003)
Viele ziehen Parallelen zum Vietnamkrieg. Es gibt aber Unterschiede. Einer ist, dass die weltweite Antikriegsbewegung heute stärker ist, früher eingesetzt hat und wahrscheinlich besser informiert ist. Wir sollten alles tun, um diesen Krieg zu stoppen. Wichtig für uns ist in diesem Zusammenhang, den Heuchlern in Berlin genauer auf die Finger zu schauen und zu klopfen. Dazu bald mehr.
23.03.2003 Peter Feininger
Die Besatzer herrschen ein Jahr darauf mit militärischer Gewalt Foto: 2004-12-16 eddiecoyote tcp CC BY 2.0 Wikimedia Commons


   
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