Meinungen von Exiliranern zu den Plänen von Bush/Rice, den Iran militärisch anzugreifen

Präsident Busch und seine Außenministerin Rice haben in ihrer Regierungserklärung dem Iran unmissverständlich mit einem Angriff gedroht. Der Iran gehört unbestritten zu einer der brutalsten Dikaturen derzeit. Für Radio Lora habe ich deshalb in Augsburg lebende Exiliraner zu diesem Thema befragt. – Robert Hösle

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Aus den Interviews mit Exiliranern

„Statt der wirtschaftlichen Unterstützung des Regimes sollte die zivilisierte Welt die Bevölkerung im In- und Ausland humanitär und politisch unterstützen.“

„Wir Iraner wollen, dass die Welt das Regime nicht weiter unterstützt, damit wir selbst unsere Ordnung in einem friedlichen Wechsel bestimmen können. Das Regime ist instabil und wir sind ein junges aktives Volk.“

 

Ruck, Wiesheu und ein Tross von Kapitalisten konterkarieren die Forderungen der Exiliraner gewissenlos

Der entwicklungspolitische Sprecher der Union im Bundestag, Christian Ruck: „Von einer verstärkten wirtschaftlichen Zusammenarbeit verspricht sich Ruck Vorteile für beide Seiten. Im Iran, der „kein arabisches Land ist“, stagniere derzeit die Wirtschaft, während gleichzeitig Hunderttausende gut ausgebildeter junger Menschen nach Beschäftigung suchten. Ökonomische Impulse wären also hochwillkommen. Gleichzeitig lockten Aufträge für deutsche Firmen, auch aus Südbayern. Ob Lokomotiven oder Gasturbinen - solche Lieferungen sicherten stets auch Arbeitsplätze im Freistaat.“ Augsburger Allgemeine 4.10.2003

Bayerns Wirtschaftsminister Otto Wiesheu im Sommer 2004 auf einer Reise durch den Iran zusammen mit rund 40 Unternehmern aus dem Freistaat, darunter auch einigen aus der Region, will wirtschaftliche Beziehungen anknüpfen: „Wirtschaftsvertreter aus der Region sehen bei ihrem Besuch mit Minister Wiesheu im Iran viele Chancen für gute Geschäfte […]

Keine Frage: Bayern wird hofiert im Iran. Deutschland sei auch im Gottesstaat „erster Handels- und Wirtschaftspartner Irans“, sagt Bulagh Khanbogdaghi, Präsident der deutsch-iranischen Handelskammer. Er erinnert in einem Teheraner Hotel daran, dass 85 Prozent der Industrie und der Wirtschaft im Iran mit Hilfe deutscher Technologie auf die Beine gestellt worden sei. […]

Möglichkeiten, ins Geschäft zu kommen, sehen die Iraner praktisch überall – vor allem interessiert sie Automobilindustrie, Verkehrstechnik, Transfer von Know-how und Technologie. Auch als Plattform für Geschäfte in der Region mit 350 Millionen Einwohnern (,‚so groß wie die EU“) bringt sich Iran (Nachbarstaaten u. a. Afghanistan, Pakistan, Armenien, Irak, Turkmenistan) ins Gespräch. Deutsche Unternehmen – das sind nicht nur die seit vielen Jahrzehnten im Iran bekannten Größen wie Siemens, Linde, Osram oder Walter Bau. […]

Otto Wiesheu, der diplomatisch geschickt und gelassen als Fürsprecher und Türöffner bayerischer Firmen agiert, hat als ein Reiseziel ausgegeben: „ein etwas verzerrtes Bild über den Iran zurechtzurücken“.

Augsburger Allgemeine 24.05.2004

Neue Chancen für Bayerns Firmen – Projekte im Iran geplant

Wiesheu zog zum Abschluss der fünftägigen Reise in Tabris eine positive Bilanz „Die Ira­ner gehen sehr klare Schritte, die bei uns noch gar nicht richtig registriert werden, in Rich­tung Öffnung der Wirtschaft." Konkrete Chancen könnten sich im Bereich Energiever­sorgung ergeben, sagte der Minister. Für eine Reihe von Vorhaben, darunter ein Kohlc-kraftwerk und ein Windenergieprojekt, soll im Juli eine Expertengruppe aus bayerischen Unternehmen zusammengestellt werden, die entsprechende Vorschläge ausarbeiten will. Ähnliche Plane gebe es bei den für den Iran wichtigen Themen Wasserversorgung und Abwasser, sagte Wiesheu.

Zudem plane die Industrie- und Handels­kammer München und Oberbayern im Herbst ein deutsch-iranisches Wirtschaftsforum. Be­reits bei der Reise besiegelte ein deutsches EDV-Beratungsunternehmen mit einem ira­nischen Partner ein Joint Venture. Potenziale sehen Vertreter der iranischen Wirtschaft auch im Ausbau des Schienennetzes. Derzeit verfüge das Land über 7200 Kilometer Schie­nenwege, 3000 Kilometer seien in Bau und mehr als 5000 Kilometer in Planung.

Augsburger Allgemeine 24.05.2004

  Gefahr der Eskalation wächst. Die USA und die EU, vertreten durch BR Deutschland, Großbritannien und Frankreich, haben sich auf eine gemeinsame Linie von Zuckerbrot und Peitsche gegenüber Iran verständigt. Mit dem Zuckerbrot ist es allerdings nicht weit her. Für den Fall, dass Iran sich in den Gesprächen mit dem europäischen Trio bewegen lässt, auf sein Recht auf die Anreicherung von Uran zu verzichten, wollen sich die USA „nicht mehr grundsätzlich“ einem Beitritt Irans in die Welthandelsorganisation (WTO) in den Weg stellen. Das bedeutet jedoch nur, dass Iran in gewöhnlich viele Jahre dauernde Verhandlungen über die WTO-Mitgliedschaft eintreten kann; eine Garantie für Erreichen des Ziels gibt es nicht. Umgekehrt haben die BRD, Frankreich und Großbritannien zugestimmt, für den Fall, dass Iran nicht nachgibt, den Sicherheitsrat anzurufen. Damit beteiligen sie sich, während sie noch verhandeln, am Aufbau der „Drohkulisse“. Die sollen bis zum Frühsommer beendet sein. (Quelle: NZZ) aus Politische Berichte 24.3.2005


   
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