US-Regierung verbietet wissenschaftliche Veröffentlichungen aus Kuba

Dr. Agustín Lage, der Direktor des kubanischen Instituts für Molekulare Immunologie betrachtet das Verbot der US-Regierung, wissenschaftliche Artikel aus Kuba, dem Iran, Libyen und dem Sudan in den Vereinigten Staaten zu veröffentlichen, als eine Verletzung des Rechts auf Redefreiheit. Diese absurde Maßnahme richte sich gegen die Wissenschaft und die Politik des freien Austausches von wissenschaftlicher Information zum Wohle der Menschheit.

„Wir glauben die Menschheit hat Etappen wie diese, die an die Hitlerzeit erinnern, in der nur die arische Wissenschaft als gültig anerkannt und der Rest verworfen wurde, schon überwunden. Es ist eine mittelalterliche und faschistische Maßnahme“, stellte der Direktor des CIM fest. Die kubanische Institution veröffentlicht jährlich ca. 30 wissenschaftliche Artikel in Fachzeitschriften verschiedener Nationen, auch in den USA.

„Die US-Wissenschaftler interessieren sich sehr für die Forschungen in unseren Instituten, insbesondere die klinische Krebsforschung. Jedes Jahr findet in Kuba ein Treffen über Immuntherapie statt, an dem eine Gruppe von US-Forschern teilnimmt“, sagte er.

In Kürze werden trotz des Verbots der nordamerikanischen Regierung Artikel über monoklonale Antikörper zur Heilung von Kopf- und Halskrebs und einen Impfstoff gegen Lungenkrebs in US-Zeitschriften zu lesen sein. Die Amerikanische Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften (AAAS), Herausgeberin der angesehenen Zeitschrift Science, und die Amerikanische Gesellschaft für Physik (AIP) sind einige Organisationen, die bereits erklärt haben, die Anweisung der US-Regierung nicht einzuhalten, obwohl bei Verletzung der Bestimmungen Strafen bis zu 50.000 Dollar oder zehn Jahre Haft verhängt werden können.

„Wir sind der Meinung, dass wir durch das Gesetz der Redefreiheit geschützt sind“, kommentierte der Direktor des AIP, Marc Brodsky gegenüber der britischen Zeitschrift Nature. Philip Campbell, der Direktor von Nature kündigte an, dass in seiner Zeitschrift und auch in anderen Fachzeitschriften der Verlagsgruppe weiterhin Artikel der von dem US-Verbot beeinträchtigten Länder veröffentlicht werden. „Wir sehen absolut keinen Grund, Publikationen dieser Länder zurückzuweisen, aber wir werden uns juristisch beraten lassen“.


Kubanische Zusammenarbeit mit 154 Ländern im Jahr 2003

Im Jahr 2003 arbeiteten kubanische SpezialistInnen in insgesamt 118 gemischten Kommissionen mit 154 Ländern zusammen. Beispielsweise wurden in 31 afrikanischen Ländern vom kubanischen Ministerium für Ausländische Investition und Wirtschaftliche Zusammenarbeit 86 Projekte zur Erhöhung des Lebensstandards der Bevölkerung dieser Nationen realisiert. Mehr als 40 Verträge für neue Bereiche wie Planung, Wohnungsbau, Beratung zur Anwendung lokaler Baustoffe, Wasserwirtschaft, Landwirtschaft, Fischerei, soziale Sicherheit, Wissenschaft, Technik, Kultur u. a. wurden abgeschlossen. Botsuana und der Tschad traten dem umfassenden Gesundheitsprogramm bei. Damit benutzen bereits 16 afrikanische Länder dieses System. ÄrztInnen und TechnikerInnen des kubanischen Gesundheitssystems arbeiten in Afrika vor allem auf dem Gebiet der Vorbeugung von Krankheiten. Sie bilden Personal aus und unterstützen die nationalen Programme zur Bekämpfung von Malaria, AIDS und Tuberkulose. Kubanische PädagogInnen bilden Lehrkräfte aus und fördern Alphabetisierungskampagnen. Kubanische SporttrainerInnen vermitteln ihre Erfahrungen.

In Lateinamerika und der Karibik hat die Zusammenarbeit mit Venezuela wegen seiner Bedeutung für die übrigen Nationen der Region ein besonderes Gewicht erhalten. So wurden 2003 im Rahmen des bestehenden Kooperationsabkommens mehr als 40 Projekte erfüllt. Dabei kamen vor allem kubanische SpezialistInnen aus dem Gesundheitswesen, sowie in Kuba entwickelte Medikamente, Impfstoffe und medizinische Ausrüstung zum Einsatz. Mit Brasilien wuchs der Austausch in den Bereichen der Landwirtschaft, Bildung, Gesundheit und Umwelt an, in Argentinien wurden 15 Projekte unter anderem für Gesundheit, Landwirtschaft, Hochschulbildung, Wasserwirtschaft aufgenommen. Auf der Karibikinsel Grenada konnte die erste Etappe zur Sanierung des Krankenhauses beendet und die zweite begonnen werden. Mit Trinidad und Tobago wurde eine intensive medizinische Zusammenarbeit in Angriff genommen, und in Belize wird seit neuem an den Grundschulen Spanisch nach dem bewährten kubanischen System gelehrt. In Haiti wurde von kubanischen SpezialistInnen die Zuckerfabrik Darbonne repariert und in Betrieb genommen. Unter der intensiven fachlichen Beratung durch kubanische Lehrkräfte, sowie einer großzügigen materiellen Unterstützung durch Handbücher und Lehrmaterial, lernten 110.000 Frauen und Männer in Haiti mit dem kubanischen Alphabetisierungsprogramm Alfa Radial lesen und schreiben. In 116 Gemeinden waren ca. 600 kubanische ÄrztInnen und MedizintechnikerInnen im Einsatz, die mehr als 85 Prozent der Bevölkerung Haitis betreuten. Auch während der politischen Unruhen zu Beginn des Jahres 2004 wurde der größte Teil der kubanischen InternationalistInnen nicht aus Haiti abgezogen. Der Außenminister Kubas Felipe Pérez Roque rief im Februar auf der 3. Außerordentlichen Sitzung des Ministerrats der Gesellschaft der Karibischen Staaten zur Zusammenarbeit mit Haiti auf und erklärte, dass zur Zeit 525 kubanische HelferInnen, unter denen sich 332 ÄrztInnen befanden, im Land verblieben und der Bevölkerung zur Verfügung stünden. Um die Bedeutung dieser Arbeit zu verstehen, muss man wissen, dass Haiti nur etwa 2000 eigene ÄrztInnen hat, von denen 90 Prozent in der Hauptstadt tätig sind. An der Medizinischen Fakultät, die von kubanischen ProfessorInnen in Haiti gegründet wurde, studierten im Februar dieses Jahres 247 junge HaitianerInnen, während zusätzlich 372 dieses Studium kostenlos in Kuba absolvieren können.

Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba e. V. Gruppe Augsburg
www.fgbrdkuba.de
info@fgbrdkuba.de

Artikel von Franz Egeter
Quelle: Granma internacional / März 2004

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