Auftakt der Karawanetour ‘07 in Neuburg a.d. Donau
für die Rechte der Flüchtlinge, Migrantinnen und Migranten

19. Mai 2007

In Neuburg regt sich seit 2005 Widerstand gegen Lagerunterbringung und Abschiebeterror. Um diesen Kampf zu unterstützen fanden sich heute KarawaneaktivistenInnen aus dem gesamten Bundesgebiet in Neuburg ein. Gegen zwei Uhr startete die Auftaktdemonstration der Karawane Tour vor dem Neuburger Flüchtlingslager, welches das größte in Bayern ist: Mehrere Hundert Flüchtlinge leben dort in den heruntergekommen Gebäuden einer alten Kaserne am Rande der Stadt. Das Ausländeramt Neuburg ist zudem berühmt berüchtigt für seine restriktive Praxis der Erteilungen von Arbeitserlaubnissen, Duldungen und der Vergabe von Genehmigungen zum legalen Verlassen des Landkreises.

Wir betteln nicht darum hier zu sein. Wir wurden gezwungen unsere Heimat zu verlassen. Niemand verlässt seine Familie und Freunde freiwillig, um in diesem kalten rassistischen Land unter diesen Bedingungen zu leben, wie beispielsweise in diesem erbärmlichen Lager in Neuburg

erklärte der Sprecher der Karawane in der Eröffnungsrede. In seiner Rede erinnerte er an die Opfer rassistischer Staatsgewalt:

Bis heute spüren wir den Schmerz unserer Schwestern, die in Bremer Abschiebehaft vergewaltigt wurden. Nicht vergessen ist der Schmerz über den Verlust unseres Bruders Oury Jalloh, der in Dessauer Polizeigewahrsam an Händen und Füssen gefesselt verbrannt wurde.

Er stellte klar:

Niemand wird unsere Stimme zum Schweigen bringen!

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Kurzbeitrag eines Irakers

Im Namen aller Iraker will ich Euch willkommen heißen. Ich oder wir Iraker wollen Euch nur sagen schaut uns bitte an und seid barmherzig. Welches Land oder Stadt auf dieser Welt ist so wie Irak. Jeder sieht und hört: jede Stunde und jede Minute wird ein Iraker umgebracht. Ich kann sagen im Moment ist Irak das gefährlichste Land in der ganzen Welt. Jeder der stirbt hat kein Leben oder Liebe gehabt und hat ungewollt die Welt verlassen müssen. Wollen Sie dass jemand unschuldig getötet oder verhaftet wird? Die wollen sogar dass die armen Leute nicht leben, Hauptsache Iraker leben nicht, das ist denen egal.

Die Behörden unternehmen gar nichts. Sollen wir Iraker eine Brücke oder eine Bibliothek, oder eine Moschee oder eine Kirche kaputt machen damit die Behörden uns endlich verstehen? Müssen wir Schulen oder Ämter zerstören bis man uns hört? Das will doch keiner. Denen geht’s doch sowieso schon allen schlecht. Es kümmert sich doch keiner um so was, die denken doch alle nur an ihr Leben und Überleben.

Ich will Euch sagen so geht es nicht mit uns Irakern weiter. So kann man überhaupt nicht in Deutschland leben. Aus unserem Land wurden wir vertrieben und hier leben wir wie im Irak. Wir werden nicht anerkannt und wir dürfen nicht bleiben. Wir bekommen jeden Monat nur 40 Euro, was sollen wir damit machen? Und manche von uns können nicht arbeiten nur weil wir Ausländer sind. Die Behörden denken nur an sich selbst. Wir Iraker existieren nicht.

Jetzt frage ich Sie: ist das aller OK????????????? Leben Menschen so?

Können sie mir das beantworten????????????????

Grußwort von Volker Zander

Seit rund 400 Jahren betreibt Europa eine Politik, die die Schätze und Rohstoffe des Südens rücksichtslos unter seine Kontrolle bringt und unter den Staaten dieses Kontinentes aufteilt. Schon damals waren einzelne deutsche Teilstaaten tatkräftig daran beteiligt. Als das Deutsche Reich 1871 entstand, konnte es gar nicht schnell genug gehen, sich ein möglichst großes Stück vom Kuchen zu sichern. Auf der Berliner Konferenz 1884 bekam das neue Reich die Genugtuung, dass der gesamte afrikanische Kontinent hier unter den Mächten Europas aufgeteilt wurde.

Schon damals waren besonders die deutschen Politiker Meister der schönen Worte und der weniger schönen Taten. Man sprach von Schutzgebieten, Protektoraten und der Zivilisation, die man den unterentwickelten Menschen der Länder im Süden bringen würde. Von der Zerstörung bestehender Kulturen und Gesellschaftssystemen war weniger die Rede. Für den Völkermord an den Hereros und Nama konnten sich selbst heute die deutschen Politiker nur zu einer halbseidenen Entschuldigung durchringen, die natürlich jedwede Entschädigung ausschloss.

Seitdem hat sich die Politik in Europa stark verändert, die Intention ist jedoch die gleiche geblieben. Nach wie vor werden von den Interessen Europas ausgehend in den Ländern des Südens Regierungen nach Gutdünken installiert oder man arbeitet eng mit kleinen, korrupten Machteliten zusammen wie in Togo, Nigeria, Äthiopien, Afghanistan oder dem Irak, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Flüchtlinge die aus diesen Ländern nach Europa und Deutschland kommen, werden nicht anerkannt, in Lager gesteckt, schikaniert, terrorisiert und abgeschoben. Doch nach wie vor sind die Politiker Meister der schönen Worte. Sie sprechen von Gemeinschaftsunterkünften, wenn sie Lager meinen, sie sprechen von Ausreisezentren, wenn es um Abschiebelager geht. Zuwanderungsgesetz nennen sie das Gesetz, dass eine Zuwanderung nach Deutschland unterbinden soll, die Bleiberechtsregelung ist eine Konstruktion, die letztendlich zu vermehrten Abschiebungen führen soll. … weiter »» 


   
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