Deutschland Lagerland
International Refugee Human Rights Tour 2006

Die Tour ist gestartet

Auftaktdemonstration in Fürth. Bei mittlerweile üblichen Supertemperaturen startete die Tour mit einer Auftaktdemonstration in Fürth, und zwar unter dem Motto "Abschiebelager abschaffen". Bei der Auftaktkundgebung an der Fürther Freiheit wurden verschiedene Redebeiträge gehalten, etwa zu der Tour allgemein und frauenspezifischen Fluchtgründen.

Von 29. Juli bis 5. August 2006 zieht die International Refugee Human Rights Tour durch Bayern. Unter dem Motto Deutschland Lagerland werden wir die bayerische Öffentlichkeit darauf aufmerksam machen, dass überall in Bayern Menschen unter menschenunwürdigen Bedingungen leben müssen, dazu gezwungen durch Gesetze, Verordnungen und Ausländerbehörden. Diese Tour ist der vorläufige Höhepunkt einer Kampagne, die sich seit 2002 gegen Abschiebelager, Essenspakete und Lagerzwang für Flüchtlinge eingesetzt hat.

Flüchtlingslager sind Orte, die kein Mensch als ein „Zuhause“ bezeichnen würde. Oft sind es heruntergekommene Baracken oder einfach nur Containerlager. Durch hohe Zäune isoliert und gekennzeichnet, oft weit außerhalb der Städte oder in Industriegebieten angesiedelt und immer im Kontrollraster der Polizei, sind diese „Gemeinschaftsunterkünfte“ ein Mittel der systematischen Ausgrenzung von Menschen aus der Gesellschaft. Hinzu kommen Arbeitsverbote und eine weitere Entmündigung durch die Vergabe von Sachleistungen wie etwa Essenspakete und die Einschränkung der Bewegungsfreiheit durch die Residenzpflicht.

Unser Ziel ist es, Flüchtlingen in der Öffentlichkeit Gehör zu verschaffen. Mit unseren Aktivitäten wollen wir die Bevölkerung informieren und die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung mit der von ihnen zu verantwortenden Realität konfrontieren.
 
Wir fordern die Abschaffung aller Flüchtlingslager, ein Ende der Isolation und ein uneingeschränktes Bleiberecht. Wir wenden uns gegen Arbeitsverbote, Essenspakete, gegen die Residenzpflicht und gegen jede Form von Kriminalisierung und Ausgrenzung von Flüchtlingen. aus http://www.deutschland-lagerland.de

Nürnberger Nachrichten, 31.07.2006: Etwa 200 Teilnehmer haben am Wochenende in Fürth für die Menschenrechte von Flüchtlingen und gegen die Asylpolitik in Bayern und vielen anderen Teilen Europas demonstriert.

Die Veranstaltung mit einem Zug durch die Innenstadt bis zum Abschiebelager am Fürther Hafen wurde getragen vom Bayerischen Flüchtlingsrat. Sie war Teil einer großen Kampagne für die Rechte von Flüchtlingen.

Scharfe Kritik richtete sich gegen die Containerunterkunft im Fürther Hafen. Dort warten abgelehnte Asylbewerber, die etwa wegen fehlender Papiere nicht in ihre Herkunftsländer abgeschoben werden können. Die Behörden, so hieß es, setzten die Menschen dort gezielt unter Druck, um sie "zu einer scheinbar freiwilligen Rückkehr" zu drängen.

Neuburg/Augsburg. Für die 22-jährige Shkurte Mustafa in Augsburg ist Deutschland die einzige Heimat, die sie kennt. Im Alter von sieben Jahren kam sie mit ihrer Familie aus dem Kosovo hierher. Und doch ist sie vom Status her nur geduldet – die Abschiebung droht jederzeit. Dass Menschen wie sie, die bereits seit vielen Jahren in Deutschland leben, eine Bleiberecht bekommen, ist eines der zentralen Anliegen der „International Refugee Human Rights Tour“ (Internationale Tour für die Menschenrechte von Flüchtlingen). […] Eindringlich schildert die junge Frau ihr Schicksal – in fließendem Deutsch.Acht Jahre hat ihre Familie in einer eigenen Wohnung gelebt. Der Vater arbeitete, die fünf Töchter und ein Sohn gingen mit anderen deutschen Kindern zur Schule. „Ich habe meinen Hauptschulabschluss gemacht, allemeine Freunde waren deutsch“. Doch aufgrund des neuen Einwanderungsgesetzes in Bayern mussten die Mustafas Ende November ihr Zuhause verlassen und wieder in eine Flüchtlingsunterkunft in Augsburg ziehen. Das engagierte junge Mädchen lebt ein Leben in der Warte- schleife: Die Duldung wird immer nur für drei Monate verlängert. „Ich werde bald 23 Jahre alt, ich möchte eine Ausbildung anfangen, aber ich darf nicht!“, erzählt sie. Und über allem hängt das Damoklesschwert einer möglichen Abschiebung. Auch im Kosovo wären die Mustafas nur Fremde. Denn sie gehören der Minderheit der Ashkali Roma an.

Zumindest für solche „Altfälle“ müsste es ein Bleiberecht geben, fordert Alexander Thal vom bayerischen Flüchtlingsrat, der einer der Veranstalter dieser ersten bayernweiten International Refugee Human Rights Tour ist. […] aus Augsburger Allgemeine 31.7.2006

Neuburger Rundschau, 01.08.2006: Leicht zu kämpfen hatten die Politiker mit dem Zaun, den sie symbolisch an der Landkreisgrenze zwischen Ingolstadt und Neuburg-Schrobenhausen durchtrennen wollten. Eigentlich ganz passend. Denn dieser verkörperte die Residenzpflicht, die es Flüchtlingen im laufenden Asylverfahren verbietet, den Landkreis zu verlassen. Dies ist eine der Regelungen, gegen die sich die bayernweite Human Rights Refugee Tour richtet. Bildquelle Bayerischer Flüchtlingsrat

Bei der Aktion am 31.7. stand die Residenzpflicht im Vordergrund. In einem großen Bus trafen die Flüchtlinge aus dem Neuburger Lager ein. Für sie sprach der Äthiopier Debru Zwedie Ejeta. Er kritisierte, dass die Residenzpflicht benutzt werde, um die Ausländer zu erniedrigen und zu unterdrücken. "Stellen Sie sich vor, wie demütigend es ist, wenn Sie am Bahnhof von drei Polizisten aus der Masse der Menschen herausgegriffen und kontrolliert werden. Sie werden beiseite genommen wie ein Verbrecher", schilderte er.

aus http://www.deutschland-lagerland.de/index.php?medienberichte

 


   
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