Im Westen rauschen die Autos auf der B17 mit Tempo 120 vorbei. Im Osten endlose Felder, Militärgelände schließt sich an (Tornado-Startbahn; Red.). In der Mitte stehen, eingezäunt mit Maschendraht, drei Containerstraßen: das Asylbewerberheim Kleinaitingen. 186 Männer aus Afrika, dem Irak und Vietnam sind dort untergebracht. Ein Großbrand in der Nacht zum Mittwoch zerstörte 30 Container, ein Drittel des Heims. Brandstiftung aus Protest gegen die isolierte Lage der Unterkunft im Kreis Augsburg und gegen das strikte Festhalten der Behörden an der Residenzpflicht wird als Ursache vermutet. Einen Beweis gibt es nicht. Doch tags zuvor waren bereits Mülltonnen und ein Autowrack in Flammen aufgegangen. Augsburger Allgemeine 20.2.2003

Im Februar eskalierten die Proteste der Bewohner des Asyllagers auf dem Lechfeld – und heute?

Wir greifen die Ereignisse vom Februar/März dieses Jahres erneut auf, weil die Situation im Asyllager Lechfeld nach wie vor unhaltbar ist. Die Justiz hat die Revolte durch Massenverhaftungen niedergeschlagen. Nach Monaten wurden 13 Asylbewerber aus der Haft entlassen, bei den meisten wurde der Haftbefehl lediglich außer Vollzug gesetzt. Zwölf Flüchtlinge sind bis heute in Haft. Augsburger Kripo und Staatsanwaltschaft „ermitteln“ – „eine unglaubliche Arbeit“, so Staatsanwalt Weith. Kein Wunder, versuchen sie doch, den Inhaftierten nicht nur Brandstiftung sondern auch „versuchten Mord“ nachzuweisen. Ganz klar, die Afrikaner und Iraker haben nichts anderes im Sinn, als sich selbst gegenseitig umzubringen. Wahrscheinlich sind sie auch aus ähnlich niedrigen Beweggründen aus ihren Heimatländern abgehauen. »»

Lebenssituation der Flüchtlinge in der Unterkunft Lechfeld

Die nächste Verbindung zur Außenwelt ist für nichtmotorisierte Zeitgenossen – und das sind Asylbewerber in der Regel – der vier km entfernte Bahnhof Kleinaitingen. Dorthin müssen die Bewohner zu Fuss gehen, um z.B. mit dem Zug ins Landratsamt nach Augsburg zu fahren. Die Fahrkosten bekommen sie natürlich nicht ersetzt. Das gleiche gilt für Besuche bei Anwälten etc. ...
Die Lage wird verschärft durch die strikte Auslegung der Residezpflicht. Während in anderen vergleichbaren Regionen die Residenzpflicht so gehandhabt wird, dass sich die Flüchtlinge mindestens im Landkreis und der in der Mitte liegenden Großstadt aufhalten dürfen, gilt dies hier nicht. Flüchtlinge aus dem Landkreis dürfen sich nicht im Stadtgebiet Augsburg aufhalten und umgekehrt. ... »»

Reportage von Robert Hösle


   
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