„Augsburger Bombennacht“

Das Gedenken verwandelt sich daher in ein Gedenken fremden Unrechts – obszön und makaber.

Anlässlich der „Augsburger Bombennacht“ am 25./26.2.1944 werden wir in den nächsten Jahren wohl regelmäßig mit faschistischen Mahnwachen zu rechnen haben. Das Bündnis für Menschenwürde, namentlich Heinz Paula rief diesmal vorsorglich zu einem „Stadtspaziergang gegen das Vergessen“ am Freitag, 24. Februar 2006 auf und belegte zentrale Versammlungspunkte in der Innenstadt.

Kurz darauf kam der Aufruf des ak antifa der gruppe contra real mit der Information, dass die Nazis am 24. Februar eine Mahnwache am Willy-Brandt-Platz vor der City-Galerie abhalten wollen. Der ak antifa rief dazu auf, die alliierten Bomberangriffe als ein notwendiges Übel zur Befreiung der Welt vom Nationalsozialismus zu betrachten und dem rechten Geschichtsrevisionismus und der Inszenierung deutschen Leides entschieden entgegen zu treten.

Dieser Aufruf der Antifa veranlasste Pax Christi, namentlich Jost Eschenburg zu einer ziemlich geharnischten Gegenerklärung, in der die Aussage „Deutsche Täter sind keine Opfer!“ als „doppelte Lüge“ bezeichnet wurde. Nach Pax Christi seien „viele Deutsche“ gar keine Täter gewesen (was die Antifa auch gar nicht behauptet hat) und außerdem habe es viele deutsche (auch unschuldige) Opfer gegeben – und zwar Opfer von Verbrechen der Alliierten, wozu vor allem der Bombenkrieg zu zählen sei.

So hatten wir also wieder mal eine Stadtverwaltung, die wie selbstverständlich eine Nazikundgebung duldete mit Parolen vom „alliierten Bombenholocaust“ oder der Forderung nach „Gedenktagen für deutsche Bombenopfer“. Wir hatten eine SPD, die sich von den Nazis fernhielt und dafür auch allein blieb mit ihrem Stadtspaziergang. Immerhin kamen die Nazis wegen der Anmeldungstaktik der SPD nicht ran an die zentralen Plätze in der Innenstadt, dafür mußte die SPD ausgerechnet am Willy-Brandt-Platz eine Nazikundgebung hinnehmen. Und wir hatten pazifistische Christen, die glaubten, über die Antifa herfallen zu müssen statt über die Nazis.

Die Mythen vom „Luftterror“ der Alliierten stammen noch aus dem Propagandaarsenal des Naziregimes. Umso bedauerlicher, unverständlicher und erschreckender, wenn sie heute noch – und wieder verstärkt – aufgegriffen werden in Kreisen, deren Liturgie eigentlich nicht braun ist.

Zum Thema Bombenkrieg gibt es inzwischen brauchbare und ziemlich eindeutige Ergebnisse der historischen Forschung und der örtlichen Aufarbeitung – z.B. auch in Dresden. Im Artikel finden sich aktuelle Literaturhinweise, Links und Textauszüge zum Thema „Bombenkrieg“ und Weltkriegslügen …

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