Johanna Corniels

Militärischer Widerstand im 3. Reich gegen Hitler

Warum haben die Verschwörer so lange gezögert, das Attentat durchzuführen?

Diese oft gestellte Frage ist je nach dem Geist der Zeit unterschiedlich beantwortet worden. In den 50er und frühen 60er Jahren, der Zeit der Wiederbewaffnung, lautete die Antwort, daß die schweren Gewissenskonflikte der Generäle, insbesondere ihre Bindung an den Führereid, sie in ihrem Handeln gegen Hitler zögern ließen. Später hat die Bewegung der 68er die Motive der Militärs wesentlich kritischer hinterfragt. Als nach der Wende eine Fülle von bis dahin unbekannten Dokumenten aus der ehemaligen DDR und den Ostblockstaaten ausgewertet werden konnten (z.B. Goebbels Tagebuch in Moskau), zeigte sich immer deutlicher die Verstrickung der Militärs mit dem NS Regime und Hitler. […]

Zunächst muß man feststellen, daß von 1933–1938 eine weitgehende Übereinstimmung zwischen den Zielen Hitlers und seines nationalkonservativen, meist adligen Offizierskorps bestand. Das Trauma der Niederlage von 1918 und des Versailler Vertrags, ihre Ablehnung der oft chaotischen Weimarer Republik und ihr Haß auf das Judentum und den Bolschewismus war ihnen gemeinsam. Hitler sicherte ihnen ihre Privilegien; er sanierte durch Streikverbot und Aufrüstung die Industrie und seine Autarkiepolitik förderte die Landwirtschaft und damit auch den Großgrundbesitz. Die Vergrößerung der Wehrmacht um das sechsfache innerhalb weniger Jahre ließ außerdem „einen warmen Regen von goldenen und silbernen Sternen auf die Schulterstücke der Militärs niedergehen“. […]

Jedoch, je länger der Krieg im Osten dauerte und je mehr sich dort eine Niederlage abzeichnete, desto mehr mußten diese Generäle einsehen, daß es eine Illusion war zu glauben, daß diese brutalen Methoden dazu dienten, einen schnellen Sieg zu erzwingen. ...

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Claus Schenk Graf von Stauffenberg mit Stahlhelm auf Pferd des 17. Reiterregiments in Bamberg, 1926-01-01 Bundesarchiv, Bild 183-C0716-0046-003 / CC-BY-SA 3.0 Wikipedia

Claus Philipp Maria Schenk Graf von Stauffenberg, geboren 1907 in Jettingen-Scheppach (Landkreis Günzburg), begann seine militärische Karriere im traditionsreichen Reiterregiment 17 in Bamberg, in das er als Fahnenjunker aufgenommen wurde. Folgerichtig landete er acht Jahre später in der Kavallerieschule Hannover. Wikipedia schreibt:
In Hannover qualifizierte er sich durch seine Studien über moderne Waffen wie Panzer und Fallschirmjäger. Später wandte er sich allerdings der Rolle des Pferdes in der militärischen Verwendung zu. In einer im Jahre 1938 verfassten Studie (Heereskavallerie. Eine Studie) hob er die Wichtigkeit einer operativen Beweglichkeit der Kampfführung hervor. Hierbei sei die Verwendung einer Pferde-Kavallerie neben der Verwendung von Panzerverbänden ausschlaggebend:
„Die oft gehörte Frage: Kavallerie oder Panzer? entspringt einem Irrtum. Die Forderung muß lauten: Heereskavallerie und Panzerverbände […] Taktischer und operativer Durchbruch ist ohne Masseneinsatz von Kampfwagen kaum mehr zu denken.“
1938 nahm von Stauffenberg als Generalstabsoffizier „an der Besetzung des Sudetenlandes teil“ – wie sich Wikipedia ausdrückt. Den Beginn des Zweiten Weltkriegs empfand Stauffenberg als „Erlösung“. Bei seinem Einsatz am Polenfeldzug 1939 schrieb er seiner Frau:
„Die Bevölkerung ist ein unglaublicher Pöbel, sehr viele Juden und sehr viel Mischvolk. Ein Volk, welches sich nur unter der Knute wohlfühlt. Die Tausenden von Gefangenen werden unserer Landwirtschaft recht gut tun. In Deutschland sind sie sicher gut zu gebrauchen, arbeitsam, willig und genügsam.“

«Die Gleichsetzung von Bolschewismus, Judentum und Partisanen, die den preußischnationalen Offizieren wie v. Tresckow, v. Stülpnagel und auch den Brüdern Stauffenberg gemeinsam war, ließ sie zu Handlangem für Hitlers verbrecherische Politik im Osten werden, wo unter ihrer Befehlsgewalt ganze Landstriche entvölkert wurden, einschließlich Frauen und Kindern, und Massenerschießungen wie in Babi Yar angeordnet und ermöglicht wurden.» Johanna Corniels


   
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