Der serbische Kulturverein „Sveti Sava“

Interview mit der Vorsitzenden Evica Stojakovic

Der in Augsburg ansässige und nach dem „Heiligen Sava“ benannte serbische Kulturverein „Sveti Sava“, der zugleich auch eine humanitäre Organisation ist, hat kulturell und auch sonst einiges zu bieten. Bei verschiedensten Veranstaltungen, zu denen alle friedliebenden Menschen herzlich willkommen sind, stehen jedes Jahr traditionelle Tänze, Musik und Folklore aus der Heimat im Mittelpunkt. Auch „gemütliches Beisammensein“ oder gegenseitiger Gedankenaustausch in ungezwungener Atmosphäre stehen immer wieder auf dem Programm.

Leider ist der Verein finanziell nicht gerade auf Rosen gebettet, was natürlich auch auf den Mitgliederschwund in den letzten Jahren zurückzuführen ist, für den es verschiedene Gründe gibt, wie die Vorsitzende des Vereins, Evica Stojakovic, im nachfolgenden Interview erläutert. Finanzielle Unterstützung von offizieller Seite gebe es keine, weder von der Stadt Augsburg noch von anderswo, sodass der Verein z.B. auch die Mietzahlungen für das Vereinsheim in der Zusamstraße in Lechhausen alleine tragen muss. Im Interview äußert sich Frau Stojakovic auch zu den Folgen der Kriege auf dem Balkan sowie zur medialen Betrachtungsweise derselbigen hierzulande.

zum Interview   »»  (pdf 39 KB)
Download am besten mit Klick rechte Maustaste/Ziel speichern unter…

SERBISCHES KULTURZENTRUM „St. Sava“ e.V. AUGSBURG
Humanitäre Organisation „Sveti Sava“ Augsburg
Zusamstraße 12, 86165 Augsburg – Bundesrepublik Deutschland
Konto 810809236, BLZ 720 500 00, Stadtsparkasse Augsburg, Konto humanitäre Hilfe 708354
Tel.: 0821 – 722037 Fax: 0821 - 712010
 
zur Galerie  »»

Zur Lesung des Werkkreises Literatur der Arbeitswelt
bei Sveti Sava im April 2005

23.4.2005. In seiner Einleitung entdeckte der Ausländerbeauftragte der Stadt, Robert Vogl, eine zunehmende Sprachlosigkeit in der Gesellschaft, zwischen den Milieus, in den Familien. Und er zeigte sich erfreut über den Stellenwert der Religion, des Liturgischen auch in den Veranstaltungen mit dem Verein Sveti Sava. An beidem war in der Lesung kein Mangel: bedrückende Sprachlosigkeit gegenüber dem Angriff der BRD auf Serbien und fromme Friedenswünsche. Lediglich Gastautor Michael Tonfeld sprach die verbrecherische deutsche Politik direkt an, indem er Norbert Büttners Ostern 99 zitierte: „[…] am Himmel weiß die Spuren/ der Flugzeuge die sorglos/ queren die Höhe wie im Anflug/ die Bomber auf Belgrad“.

Dieses Gedicht Norbert Büttners stammt zwar aus der Anthologie „Augsburger Friedenssamen“, der Autor ist aber ein Berlin lebender deutscher Angestellter. Von den zwölf Autoren und Künstlern der Anthologie, die aus dem ehemaligen Jugoslawien stammen, kam außer Bratislav Rakic keiner zu Wort oder zu Bild. Die Beiträge der jugoslawischen Autoren in der Anthologie wären politisch zwar auch verhalten, situativ aber drastisch – d.h. die Lage wäre angesprochen. Bei Bratislav Rakic klingt das an in seinem Gedicht Wer waren wir: „Durch dieses Land/ schritt ein Zug/ der Stolzen/ Betrogenen,/ Angehauchten,/ Reingelegten./ Vor dem Tode/ Vergrabenen, […]“

Die folkloristischen Beiträge der serbischen Migrantenjugend waren hinreißend getanzt und kraftvoll gesungen, in herrlichen Kostümen zu einer sehr dynamischen Musik. Diese „Sprache“ kann man verstehen, sie bringt Leben in die etwas triste Atmosphäre im großen Saal.

Klar, man muss vom serbischen Gastgeber nicht erwarten, dass er die deutschen Verbrechen geißelt – obwohl auch dieses Thema sehr wohl schon öffentlich in den Vereinsräumen zur Sprache kam: vor Jahren in Veranstaltungen mit der PDS und der Augsburger Friedensinitiative. Dass sich der Verein ruhig verhält, liegt zweifellos auch an politischer Repression durch deutsche Polizei und Behörden. Wahrscheinlich kommt auch Schwermut auf unter den serbischen Migranten, die hier ein hartes Arbeitsleben haben und deren Weg zurück in die Heimat wegen den Kriegsfolgen versperrt ist. Zu diesen Kriegsfolgen zählt auch die mehr oder weniger systematische Vertreibung der Serben aus dem Kosovo durch UCK-Einheiten unter den Augen deutscher Soldaten, die sowohl Bosnien als auch den Kosovo besetzt halten.

Es wäre schon eher der Part der deutschen Autoren gewesen, auf diese Probleme einzugehen. Aber Schriftsteller, zumal Lyriker, sind eben keine Politiker. Sie sprechen oft eine andere Sprache, die auch gehört werden will. Es bleibt allerdings schon ein Problem, wenn angesichts so eklatanter deutscher Verbrechen wie in Jugoslawien die Schriftstellerin oder der Schriftsteller diese Verbrechen nicht offen ansprechen, höchstens andeuten oder einfach nur sentimental werden. Eine kritische Aufarbeitung scheint uns so nicht vorstellbar, aber vielleicht täuschen wir uns ja.

 


   
nach oben